Frugalismus – falsch verstandene Bescheidenheit

Frugalismus

Alle paar Monate klopft bei mir jemand von den Mainstream-Medien an.

Die Themen Frugalismus und finanzielle Freiheit sind gerade en vogue. Beides wird in einem Atemzug genannt. Für feinsinnige Unterscheidungen ist selten Platz.

Und jedes Mal, wenn solch eine Interview-Anfrage reinflattert, gebe ich die gleiche Antwort:  

Leute, ich bin nicht der Richtige für Euch!

Klar, die gute alte finanzielle Freiheit ist schon ein Thema in meiner Lebensplanung. Das kann ich nicht abstreiten.

Aber lebe ich frugalistisch? Nicht wirklich. Die Truppe mit den kleinen Geldtöpfchen für verschiedene Ausgaben, die ihre Sneaker gebraucht bei Ebay kaufen, finde ich zwar äußerst sympathisch. Aber meine Suppe ist das nicht.

Ich bin einfach kein Sparfuchs. Mein Konsum ist eher durchschnittlich.

Oder besser gesagt: Unsere vierköpfige Familie gibt einfach normal viel Geld aus. Wir wohnen im Eigenheim, haben ein Auto vor der Tür stehen und fahren recht häufig in den Urlaub. Ich führe abends gerne meine Frau aus und gehe regelmäßig mit meinen besten Kumpels auf Tour.

Frugalismus sieht anders aus.

Dachte ich zumindest. Bis vor einigen Wochen.

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Und dann bekam ich diese durchaus charmante E-Mail von einer Autorin einer größeren Tageszeitung. Es ging um eine Interviewanfrage über das Thema Frugalismus und finanzielle Freiheit.

Welch Überraschung!

Keine Ahnung was dieses Mal anders war. Aber ich habe einfach mal zugesagt.

Zwei Tage später saß ich Cappuccino schlürfend auf der Terrasse eines Cafés und schnackte heiter über Frugalismus, während Frau Finanzglück mit Heiermann und Groschen nebenan die Bibliothek besuchte. 

Und  irgendwie hat dieses Interview meinen Blick auf das Thema Frugalismus verändert. Nicht weil ich neue Informationen hinzugewonnen hätte. Nein, es war viel simpler als das.

Dieses Gespräch hielt mir den Spiegel vor die eigene Nase.

Aber bevor ich Dir über das Interview berichte, schlage ich kurz ein kleines Böglein.

What the fuck is Frugalismus?

Eine wirklich saubere Definition über das Buzzword Frugalismus gibt es nicht.

Aus dem Englischen lässt sich „frugal“ mit „sparsam“, „genügsam“, „bescheiden“ oder auch „schlicht“ übersetzen. Es leitet sich aus dem lateinischen „frugalis“ ab und bedeutet „fruchtig“ oder „nutzbar“. Politische Frugalität ist eine ressourcen-schonende Politik. Frugale Innovationen entfernen alles nicht unbedingt Notwendige von Produkten. Wikipedia schickt schließlich noch das Hamsterrad ins Feld und zieht dann die ganz große Schleife bis zum „stylishen Armutsbewusstsein“.

Naja, so wirklich kommen wir damit nicht weiter.

Mir persönlich gefällt eine Definition von Lars Hartwig am besten, der gemeinsam mit Olli, Florian und Alex zur Speerspitze der deutschen Frugalisten-Bewegung zählt. Ein Frugalist ist demnach:

„…eine Person, die dauerhaft unter ihren finanziellen Möglichkeiten lebt, aber dennoch eine gefühlt gute Lebensqualität genießt…“          

Das passt schon besser. So langsam wird ein Schuh draus.

Unter Deinen Verhältnissen leben, während Dir gleichzeitig die Sonne aus der Backenbremse strahlt.

Das ist die Kernthese des Frugalismus.

Konsum, dieser hinterlistige Bub

Für mich bedeutet Frugalismus, mit dem zufrieden zu sein, was ich habe. Genügsamkeit ist das Stichwort.

Und ähnlich wie beim Essen gibt es auch im Leben diesen perfekten Punkt.

Du willst Dich an all den Leckereien satt essen. Denn das macht Dein Leben erst so richtig lebenswert. Aber Du willst Dich dabei nicht überfressen. Denn wenn der Wanst zu voll ist, fühlst Du Dich übel.

Beim Futtern wie beim Konsum gilt eben nicht das Prinzip: Mehr ist besser.

Der Konsum ist schon ein hinterlistiger Bub. Mit steigendem Einkommen schaffst Du Dir immer mehr Kram an. Aber dieser Besitz frisst dann auch Deine kostbare Zeit, Deine Energie und natürlich Dein Geld. Bis zu einem gewissen Grad machen Dinge Dich glücklicher. Aber wenn Du den Sättigungspunkt erreicht hast, bringt Dir mehr Konsum nichts. Im Gegenteil. Deshalb gewinnt auch die Minimalismusbewegung immer mehr an Schwung.

Und genau diese Themen schwirren mir im Hinterkopf herum, als ich in der Nachmittagssonne sitzend geduldig auf die Interviewfragen antwortete.  

Mecklenburg statt Malibu

Nein, ich bin kein Frugalist!!

Aber so einfach lässt sich eine gestandene Journalistin nicht abkanzeln. Ja woher kommen denn dann die hohen Sparquoten von 50% und mehr, die die Finanzglück-Familie seit Jahren einfährt? Irgendetwas müssten wir ja anders machen.

Und so gingen wir schließlich durch unsere einzelnen Kostenblöcke. Warum auch nicht? Die Sonne wärmte meine Haut, der Cappuccino war lecker und das Geschrei der kleinen Hosenscheißer in ausreichender Entfernung.   

Wohnen: Statt wie früher eine zentrale Wohnung mit hohen Quadratmeterpreisen zu mieten, bewohnen wir heute ein Reihenmittelhaus als Eigenheim im Vorort. Die Lage hatten wir so gewählt, dass sowohl Frau Finanzglück als auch ich mit dem Fahrrad zur Arbeit (und ins Frankfurter Kneipenviertel) fahren können. Die Kosten des Hauses – Kreditzinsen, Nebenkosten und Instandhaltungsreserve – sind erstaunlich niedrig.

Urlaub: Früher machten wir Urlaube auf fremden Kontinenten, gerne auch mit dem Rucksack. Heute sind es Auto-Urlaube mit den Kindern, oft bei Freunden und Verwandten oder in einer günstigen Ferienwohnung mit Selbstverpflegung. Das „mit-wem“ ist heute wichtiger als das „wohin“.

Transport:  Wir fahren einen 10 Jahre alten Ford Focus Turnier mit mittlerweile 140.000 Kilometern auf dem Buckel. Das Prachtstück kauften wir gebraucht vor fünf Jahren für stolze 6.500 Euro. Mein Fahrrad, auf dem ich pro Jahr rund 180 Stunden verbringe, hatte ich um die gleiche Zeit für 200 Euro gebraucht geschossen.

Kinder: Die Lütschen kosten erstaunlich wenig (die genaue Aufstellung findest Du hier). Größere Ausgaben wie Lauf-/Fahrräder, Möbel, oder auch Spielzeug kaufen wir gebraucht oder moderieren die Geschenke der Familie entsprechend.

Versicherungen: Wir haben ordentlich ausgemistet. Übrig geblieben sind eine Berufsunfähigkeitsversicherung, Familienhaftpflicht, Autokasko und Gebäudeversicherung fürs Eigenheim – gerne mit hohen Selbstbehalten. Wir sind gegen alles versichert, was uns finanziell das Genick brechen könnte. Aber nicht mehr als das. Insgesamt kommen wir damit auf nur rund 100 Euro pro Monat.

Gadgets: Mein iPhone 6 habe ich letztes Jahr gebraucht gekauft, unser Fernseher ist zehn Jahre alt, mein Laptop hat sieben Jahre auf dem Buckel.

Banken/Geldanlage/Altersvorsorge: Statt Versicherungsprodukte bei einer Filialbank zu kaufen, habe ich die Konten sowie das Depot bei meiner Direktbank*. Meine Altersvorsorge organisiere ich in Eigenregie mit günstigen ETFs. Ok, es gibt eine Ausnahme… von meinem größten finanziellen Fehler habe ich mich immer noch nicht getrennt…

Fitness: Früher zahlte ich brav meinen Beitrag im Fitnessstudio. Heute habe ich mir über Ebay günstig ein kleines Home-Gym eingerichtet.

Bücher: Statt uns die Bude mit Büchern vollzustellen, nutzen wir intensiv den günstigen Partner-Bibliotheksausweis.

Und so weiter und so fort.

Pimp my Sparquote

Grob überschlagen dürften unsere Lebenshaltungskosten irgendwo im Durchschnitt des Rhein-Main Gebietes liegen. Vielleicht sogar etwas drüber. Extrem sparsam sind wir nicht, geben aber kein unnötiges Geld aus.

Großzügig bin ich bei meinen Bedürfnissen, sparsam bei meinen Wünschen.

Ich will mich einfach nicht überfressen und erkenne wann genug ist. Daraus resultierend lebe ich unter meinen Verhältnissen.

Denn ich könnte mir mit meinem heutigen Einkommen viel mehr leisten, wenn ich wollte. Der Schneeball des Vermögensaufbaus wächst unaufhaltsam. Die Summe der verschiedenen Einkommensströme (mein reguläres Einkommen, Frau Finanzglücks Teilzeiteinkommen, Mieteinnahmen, Dividenden, Nebengewerbe und Kindergeld) ermöglichen uns heute ganz andere Ausgaben, als noch vor ein paar Jahren.

Aber statt das Geld zu konsumieren, pimpen wir unsere Sparquoten. So schaffen wir durch die Investitionen in Immobilien und Aktien-ETFs immer größere Einkommensströme. In einigen Jahren werden diese Einnahmen einen großen Teil unserer Lebenshaltungskosten decken. (Wie das genau aussieht, habe ich hier für Dich berechnet.

Alles eine Frage der Definition

Ich bin also ein Mensch, der dauerhaft unter seinen Verhältnissen lebt und dabei eine gefühlt hohe Lebensqualität genießt. Dabei verfolge ich das Ziel der finanziellen Unabhängigkeit, um so vermehrt meinen Herzenstätigkeiten nachgehen zu können.

Tja, was soll ich sagen. Aus der Nummer komme ich jetzt nicht mehr raus. Ich gebe mich geschlagen.

Ich… bin…(Räusper, Räusper)… ein Frugalist.

Na also, war doch gar nicht so schwer.

Und da wir gerade beim Thema sind, lass mich doch direkt noch ein paar persönliche Definitionen auf den Markt schmeißen.

Ein(e) Frugalist(in) ist, wer…

  • … wenig ausgibt im Verhältnis zum Einkommen (und nicht nur absolut wenig).
  • … zufrieden ist mit dem was er/sie hat, ohne sich mit anderen zu vergleichen.
  • … Genuss aus Dingen zieht, ohne sie zwangsläufig besitzen zu müssen.
  • … Schulden vermeidet oder schnellstmöglich zurückzahlt.
  • … einen hohen „Joy-to-Stuff-Ratio“ vorweisen kann.
  • … Impulskäufe vermeidet.
  • … repariert statt neu zu kaufen.
  • … insourced statt outsourced. 
  • … schöne Erfahrungen schöne Dingen vorzieht. 
  • … erkennt wann genug ist.
  • … das Ersparte investiert, um sich dadurch Zeit und Freiheit zu kaufen. 

Und genau dieser letzte Punkt ist wichtig.  

Denn auch meine Oma war schon spar- und genügsam. Aber sie hat nie den Link hinbekommen, ihr Erspartes vernünftig zu investieren. Das Geld lag irgendwo rum und hat sich schleichend real entwertet. Ein zusätzlicher Einkommensstrom konnte so nicht entstehen.

Die Konzepte des Frugalismus und der finanziellen Freiheit sind heute so beliebt, weil es nie einfacher war, das Ersparte zu investieren und damit einen passiven Einkommensstrom zu erzeugen – z.B. mit einem einfachen ETF-Sparplan.  

Fazit

Ok, Frau Journalistin, ich bin Frugalist. Schuldig im Sinne der Anklage. Passt schon.

Was bringt mir diese Erkenntnis jetzt?

Nicht wirklich viel. Mein Leben wird sich dadurch nicht verändern. Aber irgendwie beruhigt es mich, diesen Begriff endlich mal für mich geklärt zu haben.

Unter den Verhältnissen leben, erkennen wann genug ist, der Lebensstil-Inflation widerstehen und mit dem Ersparten einen passiven Einkommensstrom erzeugen, um damit Zeit und letztendlich Freiheit zu kaufen.

Das klingt doch nach einer runden Sache und geht weit über einfache Bescheidenheit hinaus.

Frugalismus, ich erhebe mein Glas auf Dich!

Slàinte Mhath

Bist Du Frugalist(in)? Was hältst Du von dem ganzen Hype um das Thema? Kannst Du der Aufzählung oben noch eine Definition hinzufügen? Ich freue mich schon auf Deinen Kommentar!


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24 Kommentare

  1. Willkommen im Club der bekennenden Frugalisten. Weißt Du, warum Du mit der Mitgliedschaft in diesem Club vor Deinem Gespräch mit der Journalistin nicht so richtig happy warst? Hast Du einen negativen Touch hinter dem Begriff gespürt? Ich könnte das verstehen, denn Konsum und die Ankurbelung der Binnenwirtschaft wird uns schließlich jeden Tag als erste Bürgerpflicht suggeriert und Geiz ist – entgegnen einem einschlägigen Werbespruch – eben doch nicht so richtig geil. Am Ende ist das Branding einer bestimmten Lebensweise aber nicht so wichtig wie der Umstand, dass das jeweilige Individuum mit den hinter den Namen stehenden Inhalten glücklich ist.
    Man könnte sogar behaupten, dass auch ein Geiziger, der also das Geld um seiner selbst willen liebt (also nicht das, worum es hier geht), nur den Weg zu seinem individuellen Glück sucht. Fair enough….

    Ich habe mich mit dem Thema noch nicht lange befasst, aber ich glaube, ich bin innen auch eher ein Frugalist, aber in einer Ehe gehören dazu ja immer zwei und nach außen lebe ich deshalb ganz anders. Platt gesagt: je mehr ich spare, desto mehr kann meine bessere Hälfte ausgeben.

    Wie bringe ich diese ganzen Erkenntnisse jetzt meiner Frau bei??

    Ich brauche also weniger einen Finanzberater, als einen Eheberater.
    Gibt’s „Training on the Job“ für Möchtegernsparsame? So eine Art Ausgabennanny, die mit der Familie einkaufen geht und bei der Gucci Uhr mahnend den Zeigefinger hebt, während die Hausmarke von REWE an der Kasse wohlwollend durchgewunken wird?

    Das wär was für mich….

    So viel kann die gar nicht kosten, dass sich das nicht lohnt.
    Ist das eine Idee für eine „Praxisgemeinschaft“? Oder gar nicht originell und das gibt’s schon?

    Viele Grüße aus dem Urlaub in Dänemark (4 km von Sylt entfernt und soooo viel besser (frugaler))!!

    1. Warum so kompliziert? Bei uns hat jeder ein eigenes Konto und wir haben ein gemeinsames Haushaltskonto. Wenn das Haushaltskonto leer ist, gibt’s von da schon mal keine neue Uhr. 😉
      Was der jeweils andere darüber hinaus mit seinem Geld macht, ist dann vollkommen egal.

      1. Wenn zwei Partner annähern gleich verdienen, ist das Problem kleiner und wenn die gemeinsamen Ausgaben von beiden Partnern gleichermaßen bezahlt werden (oder man sich über die Ausgabenpolitik einig ist) , ist es nochmals kleiner. Wir haben aber ein gemeinsames Konto, auf das ein Verdiener 90%+ einzahlt und der andere unter 10%, der aber wiederum den Großteil der täglichen Ausgaben bestreitet.
        Ein Konzept „Haushaltskonto leer“ ist nicht mein Ding, ich will nicht mehrere Konten managen müssen. Jeder von uns hat ca. 700 Euro/Monat zur freien Verfügung, aber diese Privatausgaben sind nicht das Problem.
        Nach meiner Erfahrung haben die vielen kleinen Ausgaben des täglichen Lebens den nachhaltigsten Hebel auf die Bottom Line und nicht die wenigen großen, vom Auto und sehr teuren Reisen mal abgesehen (aber da kann ich ja mitentscheiden).
        Und das sind – bei uns – die Lebenshaltungskosten und die vielen Kleinigkeiten bis 100 Euro, die zumindest bei uns den Bock fett machen.
        Ich will ja nur sagen, dass es je schwieriger wird, desto enger verflochten man wirtschaftlich ist und je unterschiedlicher das Ausgabeverhalten ist (Schäuble vs Griechenland und Co).
        Einfach ist es nur, wenn man sich einig ist oder so viel verdient, dass es egal ist, da kenne ich auch ein paar, aber dann ist es ja auch keine Kunst mehr.

        1. „Einfach ist es nur, wenn man sich einig ist oder so viel verdient, dass es egal ist, da kenne ich auch ein paar, aber dann ist es ja auch keine Kunst mehr.“

          Wenn man sich uneinig ist, kannst Du so viel verdienen, wie Du willst, das wird immer Gesprächsthema bleiben. 😉

          Wenn Ihr bei Eurem System bleiben wollt, wirst Du halt immer sehen, wenn Deine Frau Geld für Dinge ausgibt, die Du für unnötig hältst. Wenn man das begrenzen will, muss man sich irgendwie überlegen, wie man das regeln will. Wir kriegen das pragmatisch hin und stimmen auch bei kleinen und großen Dingen ab, was uns eine bestimmte Sache wert ist – egal, wer’s bezahlt oder von welchem Konto das Geld fließt.

    2. Moin Frank,

      sehr lustig geschrieben! Eine Ausgabennanny gibt es nicht, wohl aber Haushalts-Apps, die zumindest mal die ganzen Ausgaben transparent machen. Aber das setzt ja eine gewisse Bereitschaft Deiner besseren Hälfte voraus, an der Lage etwas ändern zu wollen. Wenn diese Einstellung nicht da ist („läuft doch alles super!“), dann kommst Du damit auch nicht weiter.

      Es geht kein Weg dran vorbei: Du musst Deine Herzensdame irgendwie mit an Bord kriegen. Ein gemeinsames Vermögens- oder Sparziel könnte die Lösung sein. „Wenn wir jetzt bewusster mit unseren Ausgaben umgehen, dann können wir in X Jahren, XXX zusammen machen / Stunden reduzieren / diese tolle Reise machen.“ Wird aber nicht einfach werden – vor allem, wenn Ihr schon seit längerem so lebt.

      VG, nico

  2. Hmm … ich halte diesen Frugalismus-Quark ernsthaft für absoluten Unsinn, vor allem, weil sich jeder darunter etwas anderes zusammendefiniert – aber mal sehen, wo es hinführt. Ich behaupte mal, ich bin kein Frugalist.

    >>> Ein(e) Frugalist(in) ist, wer… … wenig ausgibt im Verhältnis zum Einkommen (und nicht nur absolut wenig). <<>> … zufrieden ist mit dem was er/sie hat, ohne sich mit anderen zu vergleichen. <<>> … Genuss aus Dingen zieht, ohne sie zwangsläufig besitzen zu müssen. <<>> … Schulden vermeidet oder schnellstmöglich zurückzahlt. <<>> … einen hohen „Joy-to-Stuff-Ratio“ vorweisen kann. <<>> … Impulskäufe vermeidet. <<>> … repariert statt neu zu kaufen. <<>> … insourced statt outsourced. <<>> … schöne Erfahrungen schöne Dingen vorzieht. <<>> … erkennt wann genug ist. <<>> … das Ersparte investiert, um sich dadurch Zeit und Freiheit zu kaufen. <<<

    Check – und meiner Ansicht nach ein Widerspruch zum insource/outsource-Gedanken. Frugalisten lagern alle ihr eingespartes Kapital bzw. dessen Wertschöpfung aus (!), um mit möglich wenig Organisationsaufwand einen automatischen Finanzrückfluss zu erzeugen.

    Ich komme jetzt auf ein Verhältnis von 9 zu 2 … aber bin ich nun Frugalist?

    Wenn ja, dann ist der Begriff äußerst dehnbar, weil ich ganz sicher dem Stereotyp eines Frugalisten krass widerspreche. Wenn nein – wieso habe ich dann 9 von 11 Punkten klar erfüllt?

    Zapp

    1. Hi Zapp,
      Ich finde das du deine Frage schon eigentlich selbst beantwortest. Du schreibst das Du selbst dem „Stereotyp“ Frugalist krass widersprichst, aber auf der anderen Seite in großen Teilen nach Nicos Aufzählung handelst und lebst. Die Frage ist doch eher, ist das Stereotypische Bild überhaupt so richtig?
      Ich bin deiner Meinung, das der Begriff Frugalist sehr dehnbar ist. „Frugalist“ ist ein Überbegriff der sich in den verschiedensten Verhaltensweisen ausdrücken kann. Ich würde mich auch nicht grundsätzlich als Frugalist bezeichnen, gleichzeitig sehe ich in meinem Denken und alltäglichen Handeln häufig Ähnlichkeiten zu den „bekannten Frugalisten“.

      Ich subsummiere unter dem Begriff einen bewussten Lebensstil der den Überfluss ablehnt, ohne dabei die Bedürfnisse gänzlich zurück zu schrauben. Das Leben im Moment nimmt eine wichtige Rolle ein.

      Am Ende muss sich jeder selbst seine Meinung bilden, ab wann für ihn ein Leben als Frugal zu bezeichnen ist. Der Stereotyp eines knausrigen Zeitgenossen, der sich nichts gönnt um später nicht mehr arbeiten zu müssen, entspricht nicht meiner Auffassung eines Frugalen Lebensstils.

      Grüße
      Pascal

      1. Naja, ich muss bei manch ärgerlicher Darstellung der frugalistischen Realität eben schmunzeln. Bei Oli aus Hannover wäre meine eigene Immobilie rausgeschmissenes Geld bzw. absolut überflüssige Lifestyle-Inflation. Aktuell zahle ich ca. 550€ Zinsen für meinen Hauskredit und insgesamt werde ich wohl ca. 100-120T€ an Zinsen zahlen, bis die Bude abgezahlt ist. Auf Grund der guten Entwicklung im Immo-Markt der letzten 10 Jahre rechnet sich das aber, selbst wenn man die Opportunitätskosten des gebundenen Kapitals und Instandhaltungskosten einrechnet, vor allem deshalb, weil ich signifikant unter 20 Jahren bis zur Volltilgung bleiben werde – Ziel sind 15 Jahre, wobei ich das vermutlich nicht ganz schaffen werde. Ist dann aber auch egal, das Rennen gegen den Mieter nach Gerd Kommer habe ich dann auf jeden Fall gewonnen.

        Und das bedeutet schlicht und einfach, dass ich deutlich größer aber effektiver/billiger wohne als manch anderer, der sich zwar frugalistisch korrekt eine kleine Wohnung mietet, aber eigentlich keine Ahnung hat, was das im Vergleich tatsächlich kostet.

        Gut – wir könnten natürlich eine kleinere Immobilie bewohnen, aber da habe ich mit Kids ehrlich gesagt keinen Bock drauf zumal ich mit dem Kaufzeitpunkt s.o. extremes Glück gehabt habe und das Ganze noch als Wertanlage funktioniert. So what?

  3. Hallo Nico,
    ein super interessanter Artikel, Danke dafür! 🙂
    Ich stimme @Maike zu, den Satz „Großzügig bin ich bei meinen Bedürfnissen, sparsam bei meinen Wünschen“ finde ich auch toll! Habe ihn mir aufgeschrieben und an die Wand über meinem Schreibtisch gehängt, sehr inspirierend!
    Herzliche Grüße,
    Mia

  4. Ich fühl mich jetzt ganz schlecht, wir haben uns bei all dem sparen nach 5 Jahren zwei neue IPhones XR gegönnt :-(. Nicht gebraucht, aber dafür ~20 % unter regulären Einkaufspreis bei fragwürdigen Personen *gg*.

    Dahinter steckte aber auch das Kalkühl, dass die Teile einen guten Wiederverkaufswert nach 4-5 Jahren haben. Im vgl. zu nem Android, was man dann wegschmeißen kann.

    Aber perse passts – Frugalist = wer unter seinen finanziellen Verhältnissen langfristig lebt.

  5. Hi Nico,

    schön, dass wir uns mal wieder getroffen haben.
    Zum Thema Frugalismus und wie wir uns definieren kann ich dir hier gern mal eine Antwort aus einem noch nicht veröffentlichten Interview schreiben:

    Lieben Gruß

    Alex

    „Allein schon diese Bezeichnung führt dazu, dass man von der Gesellschaft in eine Schublade gesteckt wird, aus der man nur schwer wieder herauskommt.
    Ja, im Grunde könnte man unser Leben in die Schublade des Frugalismus packen. Vielleicht aber auch in die des Minimalismus. Aber wir sind auch finanziell frei, generieren passives Einkommen, sind Aktionäre, Arbeitgeber und arbeiten grundsätzlich ortsunabhängig. Passend wäre auch die Schublade des digitalen Nomadentums oder eines Privatiers. Auch dauerreisende Familien sowie Freilerner belegen ihre Schubladen. Auf all diese Begrifflichkeiten könnten wir unsere Situation reduzieren.

    Leider ist diese Art des Denkens oft nicht positiv behaftet. Es ist nur einfach für jemanden, der gern mit Fingerpoints arbeitet – eben der Mainstream. Wir sind von all den genannten Möglichkeiten ein gewisser Teil.

    So leben wir definitiv bewusst, preislich wie auch von unserem Konsumverhalten und der Ernährung her. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass es immer jemand geben wird, der mit weniger Geld auskommt oder deutlich mehr für seinen Alltag benötigt. Die Frage ist daher immer, was ist der Maßstab und womit vergleicht man sich. „

  6. Hallo Nico, mir ist gleich am Anfang deines Artikels der Begriff „Mainstream-Medien“ ins Auge gesprungen, ein Unwort der neuen Rechten (und teilweise auch extremen Linken) mit dem große Zeitungen, Verlage oder Sender als vermeintlich gleichgeschaltet diskreditiert werden. Das hast du sicher nicht gemeint. Wollte nur darauf hinweisen, nix für ungut! 😉

    1. Wir müssen uns doch die Sprache nicht von irgendwelchen Spinnern (rechts oder links) vorschreiben lassen! Es gibt ja die Mainstream-Medien und alle wissen, was damit gemeint ist. Und wenn Nico es ohnehin nicht SO gemeint hat (was der Kontext für mich eindeutig hergibt) ist doch alles in Butter. Mein Senf dazu 🙂

  7. Naja ob du jetzt Frugalist bist? Ich hab Frugalisten eher so für mich definiert, dass auf unnötigen Konsum verzichtet wird was schon aus ökologischer Sicht sinnvoll ist, aber im Zweifelsfall die eine oder andere Ausgabe gestrichen wird, um das übergeordnete Ziel der finanziellen Freiheit schneller zu erreichen. Ich erinner mich an ein Interview, wo ein Oberfrugalist den Besuch ermahnte, nicht zu lange die Klospülung zu betätigen.

    1. Hallo Hedonist,

      genau das war auch meine Vorstellung bis vor ein paar Wochen. Deswegen hatte ich mich auch nicht wirklich als Frugalist gesehen. Es geht aber, meiner Meinung nach, nicht um die Sparsamkeit in absoluten Zahlen, sondern im Verhältnis. Ein Multimillionär, der im Einfamilienhaus einer normalen Gegend lebt und keine teure Karre oder Yacht sein eigen nennt, ist eben auch frugalistisch. Er lebt unter seinen Verhältnissen und gibt relativ gesehen wenig aus. Wenn ich so drüber nachdenke ist Warren Buffet auch frugalistisch drauf.

      VG, Nico

  8. Hallo Nico,
    schöner Artikel!
    Muss dabei Dummerchen Recht geben; aus seiner und auch meiner Sicht würde ich eher von „finanziellen Normalos“ sprechen. In meiner Generation (über 60, aufgewachsen auf dem Lande, …) war ein „frugales“ Leben für die Mehrheit zwangsläufig und daher der Normalfall. Was uns allerdings von den heutigen Frugalisten unterschieden hat: wir hatten weder die Idee/das Wissen noch die technischen Möglichkeiten, um etwaige Überschüsse (so es sie denn gab) vernünftig und gewinnbringend zu investieren.
    Von meinen Eltern her kannte ich noch die Blechdose mit Deckel auf dem Küchenschrank, in die hinein gesparte Münzen und Scheine deponiert wurden. Für mich gab es immerhin schon Sparschwein/Sparbuch/Bundesschatzbriefe zur „Aufbewahrung“ der frugalen Früchte.
    Erst im reifen Alter jenseits der 40 entdeckte ich Aktienfonds und ETF, die ich die Überschüsse aus einem tradieren sparsamen Leben stecken könnte.
    „Frugalist“ würde ich mich trotzdem nicht nennen. Schon allein deshalb, weil ich solche modischen Attribute in Verbindung mit Menschen nicht mag.

    Liebe Grüße
    Gerhard

    1. Hi Gerhard,

      die gute alte Blechdose auf dem Küchenschrank 🙂

      Aus Ermangelung an Alternativen war es früher tatsächlich das Eigenheim, was eine vernünftige Investition darstellen konnte. Ich kenne tatsächlich niemanden persönlich aus meiner Elterngeneration, die in den Aktienmarkt investiert haben. Oder sie sprechen halt nicht drüber.

      VG, Nico

  9. Na, toll, Nico. Jetzt bin ich also auch noch Frugalist ;-). Dabei kann ich mit dem Begriff in meinem Leben nicht viel anfangen. Ich empfinde die Kriterien der Definitionsliste als „normal“ und nicht „frugal“. Viele derjenigen, die ich auf Finanztreffen kennen gelernt habe, sind ähnlich gestrickt, geben zwar auch Geld für Dinge aus, die ihnen Freude bereiten, machen das aber bewusst. Gibt es also nur noch die Konsumjunkies, die am Ende des Monats das Monatseinkommen rausgehauen haben und diejenigen, die halbwegs mit ihrem Geld haushalten und etwas auf die hohe Kante legen und damit wohl Frugalisten sein sollen?
    Ist das traditionelle „normal“ jetzt das neumodische „frugal“?

    Liebe Grüße
    Dummerchen

    PS: Schade, dass ich es nicht mehr zur Invest geschafft habe. Du warst dort, gell?

    1. Hallo Dummerchen,

      jo, ich habe mir dieses Jahr das erste Mal die Invest gegeben. War mir bis kurz vorher nicht sich ob ich es zeitlich packe, von daher hatte ich es auch nicht groß angekündigt. Es ist schon eine stressige Nummer dort. Aber auch irgendwie wie ein kleines Klassentreffen mit vielen bekannten Gesichtern. Wir kriegen es dieses Jahr bestimmt noch mal hin uns zu treffen. Ist ja schon eine Weile her 🙂

      LG, nico

    2. Ja, ich glaube auch, dass ein bescheidener (normaler) Lebensstil heute mit „frugal“ nur ein neues Etikett bekommen hat. In bin 1971 geboren und erinnere mich gut, wie alles das, was heute als frugal gehypt wird, zu meiner Zeit normal, uncool, spießig war 🙂

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