Freitagsfrage: Schadet zu viel Frugalismus unserer Gesellschaft?

Frugalismus Gesellschaft

Willkommen zur Freitagsfrage!

Hier geht es wieder mal um Deine Meinung. Ich gebe eine kurze Einleitung zu einer konkreten Frage. Dann übernimmst Du die Show.

Heute wird es philosophisch.

Was, wenn es alle machen?

Meist geht es bei den Freitagsfragen um ganz konkrete Probleme, die die Community gemeinsam löst. Heute wird es etwas abstrakter.

Sebastian macht sich Gedanken um die gesellschaftlichen Auswirkungen. Was, wenn Bewegungen wie der Frugalismus oder Minimalismus aus der Nische treten und in den Mainstream übergehen? Aber lassen wir Sebastian selbst zu Wort kommen.

Mit Minimalismus / Frugalismus etc. optimiere ich meine Familie, mein Umfeld. Ich wirtschafte ordentlich und überprüfe jede Anschaffung, ob sie wirklich glücklicher macht und schaffe mir damit die Freiheit, dass ich beruflich kürzer treten kann (oder in meinem Fall, ich verzichte auf Karrierechancen / Verdienstmöglichkeiten).

Und nun die Frage. Welche Auswirkung hat das auf die Gesellschaft? Wir profitieren, dass viele Menschen – angetrieben durch Karriere oder monetäre / Status getrieben – Höchstleistungen erbringen. Ich denke nicht nur an McKinsey oder BCG, sondern z.B. auch an Ärzte, die Forschung betreiben, die Leben retten. Setzt sich unser Lebensansatz, hinter dem ich voll stehe, durch, dann würden diese Art von Höchstleistungen wahrscheinlich geringer – oder doch nicht? Würde dieser Lebensansatz ein Massenphänomen, wäre es gut für die gesamte Gesellschaft?

Glück für alle

Spannende Frage!

Ich würde mir von Herzen mehr Frugalisten oder Minimalisten wünschen. Einfach weil ich glaube, dass damit mehr Menschen ihr persönliches Glücksgefühl oder ihre Zufriedenheit steigern können.

Aber was hätte das für Auswirkungen auf den Rest der Truppe?

Sag Du es mir.

Schadet zu viel Frugalismus unserer Gesellschaft?

Die Freitagsfrage!

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10 Kommentare

  1. Die Frage ist doch auch immer, wie man einen ‘Frugalisten’ genau definiert? Anhand der Sparquote mit Sicherheit nicht! Nur weil Jemand 50 oder gar 70% seines Einkommens spart ist er nicht automatisch ein Frugalist. Was für den Einen bereits als Frugalismus durchgeht ist für den Anderen normaler Lebensstandard.
    Es gibt genug Menschen in Deutschland, die zwangsläufig zu einem eher frugalen Leben gezwungen werden. Das hat dann mit einer freien Wahl nichts zu tun, sondern ergibt sich halt aus der Notwendigkeit überhaupt über die Runden kommen zu können.
    Ich definiere einen Frugalisten daher eher als einen Menschen, der ganz bewusst mit seinem Konsum auseinandersetzt und obwohl er problemlos mehr konsumieren könnte, lieber seine Energie in andere Dinge investiert als in Konsum.
    Huch, jetzt bin ich auch schon ein Frugalist!?
    Ich weiß es nicht, aber ich/wir kaufen uns häufig gebrauchte Dinge (z.B. Auto, Motorrad, Möbel, Laptop, Smartphone usw.). Nicht, weil wir uns nichts Neues leisten könnten. Nein einfach nur, weil wir uns das Neue nicht leisten wollen. Und ja, dass kann nur funktionieren, weil es genug Menschen da draußen gibt, die sich immer alle 2-3 Jahre was Neues kaufen (wollen).
    Wenn also Jeder meinen/unsere Art ‘Frugalismus’ mitmachen würde, würde es nicht funktionieren. Das ist aber eben sehr philosophisch. Gibt halt jede menge Menschen für die Konsum einfach das Wichtigste in Ihrem Leben ist. Und das wird sich kaum ändern!

  2. Hallo in die Runde und vielen Dank für die interessanten Gedanken.
    Ich packe da noch einen Gedanken hinzu, der mich immer ein bisschen beschäftigt in meinem Frugalistentum:
    – Ich lehne den klassischen Breitenkonsum ab in meinem Leben und orientiere mich eher an der Frage, was mich substanziell glücklich macht als daran, was ich mir finanziell leisten könnte.
    – Andererseits funktioniert meine Altersvorsorge mit ETFs nur, weil der überwiegende Rest der Menschheit genau nicht so denkt.

    Ich frage mich immer, ob niemand mehr Frugalist sein könnte, wenn jeder sich frugalistisch verhielte. Also hinsichtlich der Kombination “Konsumenthaltung Altersvorsoge mit Aktien”
    Letztlich eher eine philosophische Frage bzw. gäbe es dann eventuell auch eine etwas andere Wirtschaftsordnung. Ich kann es nicht ganz genau benennen aber ein bisschen Schizophren komme ich mir dabei trotzdem vor.
    Wie geht es euch damit?

    Viele Grüße
    Ecki

  3. Moin Moin,

    das ist eine tolle und qualitativ hochwertige Diskussion. Danke schon mal vorab für Deine Freitagsfrage, Sebastian!

    Ich würde mich selbst als Frugalisten bezeichnen (so wie ich es definiere). Durch Konsumverzicht (und passivem Einkommen) können meine Frau und ich die Lebenshaltungskosten unserer Familie in Teilzeit stemmen. Das erlaubt mir an meinen freien Tagen mehr Zeit auf Finanzglück und den Meine-Mäuse-Podcast zu allokieren.

    Womit trage ich jetzt mehr zum Gemeinwohl bei?

    Dadurch, dass ich kostenlosen Content zu Finanzthemen an monatlich zehntausende Menschen verschicke, die damit ihre Finanzen eigenverantwortlich verwalten können?

    Oder würde ich mehr zum Gemeinwohl beitrage, wenn ich stattdessen weiterhin in Vollzeit arbeite und damit mehr Gelder in die Sozialkassen spüle?

    Keine einfache Frage. Ich denke, mein Beitrag zur Gesellschaft ist höher in der Teilzeit. Zumindest fühlt es sich so an. Ich habe auch das Gefühl, dass ich jetzt mehr Höchstleistungen bringe, weil die intrinsische Motivation bei meinen eigenen Projekten höher ist als im Angestellten-Job.

    Ich denke nicht, dass Frugalismus als Massenbewegung unserer Gesellschaft schaden würde. Aber dazu wird es auch nicht kommen. Denn die allermeisten Menschen auf der Erde werden immer den Konsum an die höchste Stelle stellen. Da bin ich mir sicher.

    VG, Nico

    1. Hallo Nico,

      “Ich denke nicht, dass Frugalismus als Massenbewegung unserer Gesellschaft schaden würde. Aber dazu wird es auch nicht kommen. Denn die allermeisten Menschen auf der Erde werden immer den Konsum an die höchste Stelle stellen. Da bin ich mir sicher.”

      Dast ist wahrscheinlich der springende Punkte und daher ist die Diskussion eher theoretisch und philosophisch … aber dennoch interessant.

      Wahrscheinlich hast Du Recht, dass Du mit Deinem momentanten Setup mehr zum Gemeinwohl beiträgst als durch Vollzeit Angestellten Dasein. Ich denke auch, dass sich die Höchstleistung – egal wo – vor allem bei einer intrinsischen Motivation einstellt und daher könnte man auch zum Schluss kommen, dass Frugalismus bei absoluten High Performern dazu führt, dass sie sich noch mehr auf diese eine Passion konzentrieren können und dort die absolte Spitzenleistung bringen können. Ein Beispiel: Man entscheidet sich aktiv dafür, dass man z.B. einen Spitzensport / Musik / Gedichte schreiben betreibt. Der Spitzensport wird monetär nicht vergütet wie Formel 1 oder Fussball. Trotzdem schafft man Mehrwert für die Gesellschaft und kann sich dies Leisten, weil man durch seine frugalistische Gesinnung mit “weniger auskommt”

  4. Sehr interessante Aspekte in dieser Diskussion. Vorab, ich halte die Bewegung absolut richitg, definiere für mich aber auch den Frugalismus vor allem mit Achtsamkeit. Also so wie auch Max herausgearbeitet hat, nicht eine eiserne Sparsamkeit und Geiz, sondern vor allem bewußtes konsumieren von guten und nachhaltig erzeugten Produkten.
    Bei dem Nachdenken über meine von mir selbst gestellte Frage bin ich zu dem Schluß gekommen, dass diejenigen, die diese absoluten Spitzenleistungen für die Gesellschaft erbringen (das Beispiel muss jetzt sein – die Gründer von BionTech) sind im solchen positiven Sinne Fanatiker, dass sie für sich Frugalismus oder Minimalismus mit nachhaltigen Konsum und Achtsamkeit verbinden, aber dennoch sich voll und ganz auf das Eine – ihre Passion – konzentieren. Wir leben von der Vielfältigkeit der Gemeinschaft und es wird wahrscheinlich und hoffentlich immer genug geben, die trotz reichlich vorhandener finanzieller Mittel trotzdem weiter Spitzenleistungen für die Gesellschaft erbringen. Das ist ein tolles Phänomen und erfordert wirklich Respekt vor diesen Leistungen. Wenn diese Menschen, dann noch einen signifikanten Teil Ihres Verdienstes and die Gesellschaft zurückgeben ist das umso besser. Überrascheinderweise – jedenfalls für mich – ist die Kombination aus wirklicher Spitzenleistung, Bescheidenheit und Freigibigkeit an die Gesellschaft gar nicht so selten und es ist vielen leider oft nicht bewußt. Das wäre ein guter Aspekt in der oft geführten Neiddebatte und dem Schreien nach höheren Steuern.

  5. Ich hätte keine Angst, dass Menschen aufgrund von Frugalismus ihre Leidenschaft verlieren. Im Gegenteil ist doch sogar der stereotype Spitzenforscher jener, dem es um menschlichen Fortschritt statt persönlichem Wohlstand geht.

    Frugaler ist meiner Meinung ja nicht fortschrittsfeindlicher, sondern puristischer. Man stelle sich vor was man alles als Gesellschaft erreichen könnte wenn nicht jeder verzweifelt mit webegetöse dem anderen das Geld aus den Rippen leiern möchte, sondern mit seinen Fähigkeiten das Kollektiv unterstützt. Und ich meine damit explizit nicht Kommunismus, sondern einfach mehr Orientierung am Gemeinwohl. Dinge schnörkelloser erledigen, aber dafür mehr erledigen.

  6. Reiner Frugalismus – also reduzierter Konsum, Fokus auf die wesentlichen Dinge, dadurch weniger Verdienst-Druck und eine bessere Work-Life-Balance mit mehr Selbstbestimmtheit und Lebenszufriedenheit – ist imho ein Modell, dass auch in der Breite funktionieren würde.
    Schwierig wird es, wenn man es – wie wir das ja alle tun – mit der Anlage am Aktienmarkt kombiniert, um nicht nur glücklich, sondern auch reich zu werden. Die Rendite der Apples und Amazons dieser Welt basiert schließlich auf regelmäßigem, langfristig steigendem Konsum. Das könnte man sich in einer durch und durch frugalen Welt abschminken.
    Wir wären in dem Szenario nicht plötzlich alle arm, aber den gemütlichen Teilzeitjob müssten wir dann schon bis zur staatlichen Verrentung durchziehen ;).

  7. Eine gute Frage.
    Frugalisten haben nicht selten gute Ausbildungen und sind somit Profiteure der arbeitenden & steuerzahlenden Gesellschaft. Zurück geben sie dies nicht selten mit Teilzeitjobs und/oder kurzer Lebensarbeitszeit (wenn ich die Konzepte des Frugalismus richtig verstehe). Für die eigene Gesundheit oder die Ausbildung der eigenen Nachkommen werden die gesellschaftliche Resourcen aber wieder in Gänze in Anspruch genommen. Es bleibt ein ungutes Gefühl, wenngleich ich die Freiheit der persönlichen Lebensgestaltung ebenfalls hoch gewichten möchte.

  8. Moin,
    klasse Frage – sehr gut!

    Ich bin auch grundsätzlich der Überzeugung, dass der Konsumismus abgelegt werden sollte und sich im Sinne des Frugalismus auf wirkliche Werte besinnt werden sollte (was brauche ich, was macht mich glücklich). Die Überproduktion schadet auf lange Sicht mehr der Welt/Gesellschaft, als wenn es nun Entlassungen und Schließungen von überflüssigen Ramsch und Luxusläden gibt.

    Das kritische am Frugalismus ist, wenn die Pfennigfuchserei falsch verstanden wird (Billig-fleisch statt gar kein Fleisch). Dasselbe geht für Anlagen wurde schonmal diskutiert): Solange die Leute nicht bereit sind in nachhaltige Anlagen zu investiert nur weil es statt 1500 nur noch 300 Unternehmen im ETF sind oder die Rendite 0,5 % weniger bei 0,25% TER mehr ist, wird sich auch da der Wandel zu langsam vollziehen.

    Ich bin auch der Auffassung, dass der Frugalismus als Konzept in der Grauzone am Solidarkonzept der Sozialversicherungen ist und diesen nicht zuträglich ist. Wenn man früh in Rente geht, zieht man vielleicht das raus was man eingezahlt hat (Nullsummenspiel). In diesem Fall stützt man nicht das Solidarsystem, man schadet ihm auch nicht.

    Konsens:
    Konsum: positive Bewertung (sofern richtiger Umgang)
    Anlage: negativ, sofern nicht nachhaltige Geldanlagen präferiert werden
    Sozialstystem: schwierig (je nachdem wie früh man in Rente geht, kann mandem Sozialsystem auch durch unterlassene zahlungen schaden, auf die Leute angewiesen sind, die nicht viel eingezahlt haben)

    Ich bin gespannt was ihr noch für Gedanken mit einbringt.
    Viele Grüße
    Yolo

  9. Hi Sebastian,
    hi Niko,
    spannende Frage!
    Ein Gedanke vorab: ich glaube, dass global gesehen der Frugalismus ein kleineres Phänomen bleiben wird. Natürlich ist das auch eine Frage der Definition. Aus eigener Erfahrung: ich würde einen von dir genannten MBB Berater mit 50% Sparquote als sparsam aber nicht frugal bezeichnen – zumindest wenn man dann die Ausgabenseite mit der von bspw. Oliver vergleicht.
    Aber mal rein philosophisch angenommen FIRE wird ein globaler Trend.
    Vorteile:
    – Sicher gut fürs Klima (weniger Flüge, Kreuzfahrten, etc.)
    – Allgemeine Gesundheit könnte steigen, z.B. weil weniger Stress
    – Zufriedenheit könnte steigen, weil Leute mehr Zeit mit ihren Liebsten verbringen und in der Maslow Pyramide zur Spitze streben

    Nachteile:
    – Rentensystem/ Sozialsysteme bekommen (noch mehr) Probleme, weil FIRE tendenziell für Top-Verdiener leichter zu erreichen ist und diese dann weniger in die Töpfe einzahlen
    – Möglicherweise weniger Qualitätsprodukte, wie z.B. Spitzenfleisch, Bäcker die ihr Handwerk noch wirklich ausüben, etc., weil am Ende dann doch der Preis der Hauptfaktor wird

    Zu deinem Gedanken bezüglich Leistungsfähigkeit der Gesellschaft: Es wird denke ich weiterhin Leute geben, die Spitzenleistungen erbringen werden – auch ein Warren Buffet oder ein Zuckerberg sind finanziell frei und arbeiten trotzdem noch. Dies gilt auch für viele Ärzte, Juristen, etc. Für einige ist ein Beruf ja auch mit Leidenschaft verbunden und den ganzen Tag am Strand rumliegen kann man ja auch nicht.

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