Alleinerziehend und finanziell erfolgreich – die inspirierende Geschichte von Ulrike

Alleinerziehend finanziell erfolgreich

Ich schreibe auf Finanzglück, um Dir dabei zu helfen, Deine Finanzen in den Griff zu bekommen. Deine Familie soll finanziell sorgenfrei leben können.

Deshalb freuen mich besonders inspirierende Geschichten von Leserinnen und Lesern, die finanziell die Kurve gekriegt haben. Ulrike ist eine davon. Als alleinerziehende Mutter ist es eine große Herausforderung Vermögen aufzubauen und für das Alter vorzusorgen. Unter schwierigen Bedingungen hat Ulrike genau das gemeistert.

In diesem Interview erfährst Du:

  • warum ihre finanzielle Situation der ausschlaggebende Grund für Ulrikes Scheidung war,
  • wie die Finanzen in der Ehe organisiert waren und wie sie jetzt aussehen,
  • warum Ulrike heute nicht mehr ihren Ehevertrag so unterschrieben hätte,
  • welche Aktien und ETFs im Portfolio liegen und wie ihre Altersvorsorge aussieht,
  • wie sie ihr finanzielles Wissen an Ihren Sohn weitergibt,
  • und vieles mehr.

Lass Dich inspirieren!

Interview mit Ulrike

Hallo Ulrike, vielen Dank erst mal, dass Du in diesem Interview Deine Geschichte teilst. Kannst Du vielleicht erst mal ein paar Dinge über Dich verraten?

Ich bin 48 Jahre alt, lebe mit meinem 13-jährigen Sohn in Rüsselsheim am Main und bin gebürtige Stralsunderin. Ich bin selbstständig tätig als Karriere- & Laufbahnberaterin, Business Coach und Trauerbegleiterin.

Von Dir habe ich das erste Mal den Begriff „Ein-Elternfamilie“ gehört. Was hat es damit auf sich?

Die „Ein-Elternfamilie“ habe ich irgendwo aufgeschnappt: Passend ist es, weil mein Teeniesohn und ich – zumindest in meiner Welt – eine Familie sind. Alleinerziehend dagegen bin ich nicht, da natürlich auch der Kindspapa unseren Sohn erzieht. Dass sich unsere beiden Erziehungsziele und -stile unterscheiden? Selbstredend.

Wie teilt Ihr die Erziehung Eures Sohnes auf? Koordiniert Ihr Euch eng?

Absprachen gibt es bis auf die Organisation des Alltags und der Umgangs-Wochenenden keine. Ein echter Austausch ist leider Fehlanzeige – aber das war in unserer Ehe bereits so. Die Erwartung war immer schon, dass ich neben Beruf auch den Haushalt und die Erziehung stemme.

Damit warst Du bei der Erziehung immer schon weitestgehend auf Dich allein gestellt. Wie hast Du das in Deinem Alltag organisiert?

Nachdem ich nach der Geburt ein Jahr Vollzeitmama war, habe ich eine Kinderfrau organisiert, die zu uns ins Haus kam. So konnte ich mit 20 Wochenstunden wieder arbeiten gehen. Als Managerin in einer traditionell-patriarchalischen Domäne (Pharmaindustrie) war das sehr hart. Mein Chef brüstete sich zum Beispiel damit, dass er ja auch zwei Kinder habe und deshalb nie im Job gefehlt habe. Aber da gab es Zuhause halt auch die angeheiratete Hausfrau und Mutti, die ihm den Rücken freihielt und somit Kindkranktage kein Problem waren.  Um meine beruflichen Projekte weiter erfolgreich voran zu bringen, erhöhte ich schließlich meine Arbeitszeit – erst auf 25 und dann weiter auf 30 Wochenstunden.

Das mochte dann die Kinderfrau nicht mehr, und so kam schließlich das erste Au-Pair zu uns. Auf Sveta (Russland) folgten Subi aus Nepal und Emily aus China, Anna aus Armenien, Neli aus Georgien und Jana aus Tschechien. Nur dank dieser Mädchen habe ich den Spagat zwischen Beruf und Familie halbwegs geschafft.

Wurde es dann in der Schulzeit einfacher?

Leider nicht. Es gab keinen Hortplatz für meinen Sohn. Also musste ich ihn in eine private Ganztagsschule schicken, in der er bis 15 Uhr Unterricht und dann Spiel-Spaß-Spannung hatte. Inzwischen ist er im G8-Zweig eines Gymnasiums, besucht bis 15 oder 16 Uhr den Hort, wo er die Hausaufgaben erledigt und mit seinen Freunden Tischtennis oder Fußball spielt. Alle 14 Tage besucht er seinen Vater, der in Laufnähe lebt.

Um Spagat zwischen Beruf, Kind und Haushalt unter einen Hut zu bekommen, musstest Du in Teilzeit arbeiten. Wie sieht es heute aus?

Mein Arbeitgeber hatte irgendwann entschieden den Standort vom Rhein-Main-Gebiet nach Berlin zu verlegen. Da der Umzug für mich nicht in Frage kam, habe ich mich 2013 für die Selbstständigkeit entschieden.  Vollzeit oder Teilzeit – in solchen Kategorien denke ich seitdem nicht mehr. Mal habe ich Zehn-Stunden-Tage, mal nur zwei oder drei Stunden zu tun. Mal bleibt das kinderlose Wochenende zum stundenlangen Lesen frei, mal arbeite ich durch. Und das ist prima so.

Es klingt so, als ob die Selbstständigkeit für Dich die ideale Lösung ist, mit den Herausforderungen Deiner Ein-Elternfamilie zurechtzukommen. Würdest Du es generell alleinerziehenden Müttern oder Vätern ans Herz legen?

Nein, nicht jeder ist dafür geschaffen, sich selbständig zu machen bzw. Unternehmerin zu werden. Nur weil es für mich die ideale Lösung ist und ich inzwischen Angebote für Festanstellungen lächelnd ablehnen kann, passt das Modell nicht zu jedem.

Kommen wir zur finanziellen Situation. Wie hattet ihr während Eurer Ehe die Finanzen organisiert (Konten, Ausgaben, etc.)?

In unserer Ehe sah die Finanzverteilung so aus: Mein Mann verdiente netto 4.500 Euro, ich 2.200 Euro. Davon bezahlte er Strom und Telefon und investiert in seine (nicht: unsere!) Altersvorsorge. Alles mit getrennten Konten.

Ich bezahlte die Lebensmittel, die Au-Pairs, das Familienauto, alle anderen Ausgaben zu Familie und Haushalt. (Die Miete entfiel wegen Eigentum der Schwiegereltern.). Von meinem Netto und erst recht von meinem Arbeitslosengeld (ALG) blieben also erst null, dann später Minus 200 bis 300 Euro. An eine Umverteilung der Kosten anlässlich meiner Arbeitslosigkeit war nicht zu denken. Im Gegenteil: Mein Exmann meinte, wenn ich nicht bald wieder wie in der Pharmaindustrie verdienen würde, würde „ich“ (nicht „wir“) unter der Brücke landen. Das war einer der entscheidenden Sätze, der mich aus meiner Ehe trieb. Es war höchste Zeit.

Rücklagen konntest Du so wahrscheinlich nicht aufbauen?

Dank eines Ehevertrages, in dem ich auf alles verzichtet habe, bin ich aus meiner Ehe mit nahezu Null rausgegangen. Mein Sohn bezieht den Unterhalt, der ihm zusteht. Ich bekam lediglich einige Monate nachehelichen Unterhalt. Wir sind übrigens ausgezogen, als mein Anspruch auf Arbeitslosengeld gerade einmal noch zwei Monate lief. Das war keine einfache Zeit.

Stichwort Ehevertrag: Wie war der gestaltet und was hättest Du rückblickend anders gemacht?

Der war so gestaltet, dass er mir die ganze Last auferlegte, indem ich auf alles verzichtete. Das passte halt auch zu meinem Selbstbild als emanzipierte autarke berufstätige Ost-Frau. Was würde ich heute anders machen? Vermutlich würde ich einen eigenen Anwalt nehmen, der den Vertrag prüft und mich berät. Und würde weder im 7. Schwangerschaftsmonat den Vertrag lesen und bewerten noch ihn in der postnatalen Depression unterzeichnen.

Die Trennung hat Dich finanziell komplett aus der Bahn geworfen. Aber Du scheinst Dich gut aus dem Schlamassel befreit zu haben. Wie sieht heute Deine finanzielle Situation, als alleinige Verdienerin im Haushalt, aus? Gibt es noch Unterhalt vom Vater?

Meine Einnahmen variieren natürlich, im ersten Quartal 2020 lagen sie im mittleren fünfstelligen Bereich, der April ist coronabedingt weniger gut gelaufen. Das lag primär an einer Art Schockstarre meiner Firmenkunden, die sich jetzt langsam neu sortieren. Da meine Dienstleistungen auch online funktionieren, was wichtig ist, damit ich in 10-15 Jahren auf den Darß umziehen kann, rechne ich auch weiterhin mit mittleren vierstelligen Monatsumsätzen. Mein Sohn bekommt mit aktuell 660 Euro das Unterhaltsmaximum, dazu kommen 204 Euro Kindergeld.

Unsere Ausgabenseite wird primär von der hohen Miete und den allgemeinen Lebenshaltungskosten bestimmt. Ein erheblicher Anteil geht über drei Wertpapiersparpläne mit insgesamt 500 Euro pro Monat direkt weiter in mein Depot – ein essenzieller Pfeiler meiner Altersvorsorge.

Kannst Du als Alleinerziehende auch noch staatliche Unterstützungen in Anspruch nehmen? Ich denke da an Wohngeld, Kinderzuschläge, Bildungspaket, GEZ-Befreiung, Erstausstattung etc..

Nein, finanzielle staatliche Hilfe bekommen wir nicht. Dafür verdiene ich heute zu viel (und ich bin wirklich sehr dankbar, das heute so sagen zu können).

Als nicht monetäre Vorteile gäbe es normalerweise noch Kinderkranktage, aber die kommen für mich als Selbständige ja nicht in Frage. Eltern-Kind-Kuren gibt es, soviel ich weiß, unabhängig davon, ob es ein oder zwei Eltern im Haushalt gibt.

Aus steuerlicher Sicht dürfte es einige Vorteile geben, vermute ich.

Spontan fällt mir hier nur der Kinderfreibetrag für Alleinerziehende ein. Es gibt auch einen Rabatt bei der Krankenkasse. Ansonsten verlasse ich mich hier auf meine Steuerberaterin.

Wo siehst Du die größte finanzielle Belastung für Dich?          

Der größte Posten ist unsere Miete, gleich danach folgt meine Altersvorsorge: Da ich als Coach und Unternehmensberaterin für Bildungsträger zu 90% daheim arbeite, ist unsere lichtdurchflutete, großzügige DG-Wohnung mehr als ein Zuhause. Und obwohl ich seit meinem 20. Lebensjahr immer in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlt habe, reicht dies nicht, um später davon zu leben. Umso mehr investiere ich in die private Altersvorsorge.

Wie sieht die aus?

Ich habe drei ca. 12-15 Jahre alte Riester– und Rürupverträge, die aufgrund der damaligen Konditionen gut dastehen. In diesen liegen insgesamt etwa 80.000 Euro, die mir etwa 300 Euro Rente bringen. Außerdem werden aus 13.000 Euro in einer betrieblichen Pensionskasse ca. 70 Euro Rente kommen.

In 2016 habe ich drei private Rentenversicherungen abgeschlossen, die ich inzwischen stillgelegt habe, weil die Renditen unterirdisch sind. Damals habe ich mich von einem Versicherungsmakler auf Provisionsbasis beraten lassen – das Problem hätte ich vielleicht nicht, wenn es ein Makler auf Honorarbasis gewesen wäre.

Für die Rentenversicherung habe ich insgesamt 24 Punkte erworben, was aktuell etwa 800 Euro Rente entspricht.

Summa summarum komme ich damit auf etwa 1.200 Euro Rente. Das wird nicht annähernd reichen.

Dann müsstest Du nebenbei noch einen Vermögensstock aufbauen, der Dir später weiteres (passives) Einkommen bringt und einen Kapitalverzehr erlaubt. Und damit sind wir bei der Geldanlage. Worin legst Du Dein Erspartes an?

Ich habe erst seit der Trennung angefangen, wirklich über Geld nachzudenken, zu reden und zu investieren: Mein Depotwert lag zum Jahresende 2015 (dem Jahr von Trennung und Auszug) bei 2,30 Euro. Mitte Februar 2020 war mein Depot etwa 51.000 Euro wert, bei einem Invest von 36.000 Euro. Diese 42% Wertsteigerung sind etwas, worauf ich echt stolz bin! Mit dem Einzug von Corona in die Börsenkurse hat mein Depot (wie so viele andere auch) turbulente Zeiten hinter sich: Der Tiefstwert war am 19. März 2020 mit minus 0,46% Depot- vs. Kaufwert. Inzwischen stehe ich wieder bei etwa 20-26% Plus.

Ich setze auf Buy-and-Hold-Strategie und investiere nur in ETFs und Aktien (Verhältnis 20:80). ¾ meines Depots sind in Euro angelegt, 20% in Dollar und der (ausbaufähige) Rest in Schweizer Franken. Auf Länderebene sind Deutschland und die USA mit je 40% die stärksten, dann folgen die Schweiz, die Niederlande und Irland. Auch das ist ausbaufähig im Sinne der Risikostreuung. Mein bester Performer ist ein deutsches IT-Sicherheitsunternehmen, das bei mir Stand heute (17. April 2020) bei 298,61% steht.

Wie ich investiere? Eigentlich ziemlich aus dem Bauch raus: Wenn ich ein Business zu verstehen meine und denke, dass es zukunftsfähig ist, kaufe ich. Natürlich habe ich ein paar Bücher gelesen und verfolge einige Blogs, so wie Deinen, Nico, um erstmal grundlegendes Wissen aufzubauen und immer mal wieder neue Anregungen zu sammeln.

Jeder meiner drei Wertpapiersparpläne enthält zehn Positionen, davon sind acht ETFs. Die ETFs spiegeln zum einen internationale Aktien wider, zum anderen Branchen wie IT, Gesundheitswesen und Finanzwesen, Technologie sowie Ethik und Nachhaltigkeit. Aktien habe ich aus den Bereichen Sportartikel, medizinische Geräte und Pharmahersteller sowie Entertainment und Konsumgüter, Softwareservice und IT.

Das sieht doch solide aus. Es freut mich, dass Du heute Deine Finanzen so gut im Griff hast. Vermittelst Du Deinem Sohn auch ein finanzielles Grundwissen? Sprichst Du mit ihm über Geldthemen?

Ja. Er weiß, wann es eng ist und wir statt einem ganzen nur ein halbes Brot kaufen können oder er die heiß ersehnte Gamingtastatur von seinem Ersparten finanzieren muss.

Und er hat zu seinem 13. Geburtstag sein eigenes Juniordepot geschenkt bekommen. Dafür habe ich ihm vier Aktien ausgesucht, die ihm entweder Spaß machen (Adidas und Tesla) oder aus meiner bescheidenen Sicht langfristig sinnvoll sind (Rational AG und Carl Zeiss Meditec AG). Im Laufe der Zeit werde ich auch diesen Sparplan, der aktuell mit 100 Euro läuft, um weitere Aktien und ETFs ergänzen. Und natürlich schaue ich mit ihm ins Depot, um ihm zu zeigen, wie es sich entwickelt und auf unterschiedliche Impulse aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft reagiert. Stand heute ist er bei 16% plus.

Brauchst Du für Einrichtung des Junior-Depots die Erlaubnis des Vaters? Gibt es vielleicht noch andere Reibungspunkte, wenn es um die Finanzen für Euer Kind geht?

Das ist ein ewiges Thema. Nur so viel: Um das Juniordepot für meinen Sohn einzurichten, brauchte ich das schriftliche Einverständnis des Vaters, da wir beide sorgeberechtigt sind. Mit dem Einverständnis zur Einrichtung des Depots für unseren Sohn bekam auch der Vater das Recht, auf dieses Depot zuzugreifen, also einzuzahlen oder umzuschichten oder gar das Depot auszulösen. Ich habe ihn also gebeten, auf dieses Recht zu verzichten, was er auch getan hat. Damit es fair und ausgeglichen ist, habe ich angeboten, dass er ebenfalls ein Juniordepot für unseren Sohn anlegt, das ich bewillige und auf dessen Zugriff ich verzichte. Das wollte er jedoch nicht.

Ansonsten gibt es immer wieder Reibungspunkte, allein wenn ich an die Geschenke für unseren Sohn denke: Da wird vom Vater mal schnell ein Roller und ein Longboard verschenkt und gleichzeitig erwartet, dass der beschenkte Teenie dafür einen Teil seines Taschengelds (das ich ihm zahle) investiert. Von einem echten Geschenk kann man da kaum reden.

Bist Du in besonderen Gruppen oder Netzwerken (online oder offline) aktiv, wo Du Dich mit anderen alleinerziehenden Müttern oder Vätern austauscht?

Ich verfolge den Blog von Heidi Duda (midlife-boom.de), die sich explizit an (Ex-)Partnerinnen von Narzissten richtet. Auch Dr. med. Alexandra Widmer mit ihrem genialen Blog hat mir viel Kraft gegeben. Zwar ist sie inzwischen „nur“ noch Ärztin und hat ihr Coachingangebot eingestellt, aber ihre Webseite (starkundalleinerziehend.de) gibt weiterhin ihr geballtes Wissen weiter. Ihr Slogan „Nur wenn es dir gut geht, geht es auch deinem Kind gut!“ hat mich durch viele tiefe Täler getragen

Was sind für Dich die größten Herausforderungen in der Ein-Elternfamilie? Gibt es auch Vorteile?

Alles allein entscheiden zu müssen, ist genauso eine Herausforderung, wie es ein Vorteil ist, alles allein entscheiden zu können. Ich wünsche mir schon manchmal, mit jemandem gemeinsam entscheiden zu können. Gerade in Gelddingen: Risiken und Chancen abwägen, eine gemeinsame Strategie verfolgen, sich mal anlehnen können, wenn es strubbelig wird oder finanzielle Engpässe drohen. Auf der anderen Seite ist es auch komfortabel, das Heft selbst in der Hand zu haben: Ich entscheide selbst, bei wem ich mir wann und wie Rat und Hilfe hole und wie ich diese in meine Pläne einbinde.

Erlebst Du im Alltag als alleinerziehende Mutter Stigmatisierungen oder musst mit Vorurteilen kämpfen?

Das Thema „alleinerziehende Mutter“ ist für mich genauso präsent oder eben nicht präsent, wie die Tatsache, dass ich Ossi bin: Ich habe mich seit der Geburt unseres Sohnes immer als „alleinerziehend mit Mann“ beschrieben, denn der war ja nie da. Entweder körperlich abwesend, da werktags arbeiten in Düsseldorf oder emotional abwesend, da im „Jetzt-ist-Wochenende-da-habe-ich-frei-Modus“. Stigmatisiert fühlte ich mich eher als vollzeitarbeitende Mutter in einer männlich tradierten Boomer-Welt.

Magst Du zum Ende anderen alleinerziehenden Eltern noch einen finanziellen Tipp mit auf den Weg geben?

Ob alleinerziehend oder nicht erziehend oder nicht mehr erziehend – mein Tipp zum Thema Finanzen: Fang an zu investieren, statt nur zu sparen! Gerade jetzt, wo in der Coronakrise die Kurse so niedrig sind, lohnt es sich mehr denn je, Aktien und/oder ETFs zu kaufen. Zumindest für alle, die wie ich und Du, Nico, auf „buy and hold“ setzen, anstatt zu zocken. Auch kleinste Raten bringen viel, vor allem durch den Zinseszins: Aus 0 Euro Startkapital werden mit 25 Euro monatlicher Sparrate bei 10% Zinssatz in 30 Jahren rund 52.000 Euro. Und 10 % sind, das zeigt der Blick ins Renditedreieck, nicht unrealistisch.

Ich weiß, dass „das ganze Aktiengedöns“ gerade für alleinerziehende Mädels schwer ist, deshalb ganz plastisch: Gehst Du Schuhe shoppen, wenn sie teuer oder wenn sie im Angebot sind? Also zieh los und geh Aktien und ETFs shoppen. Denn Schuhe brauchst Du im Home-Office eher weniger. Ein gut gefülltes Depot jedoch hilft Dir, damit Du auch mit 60 und 70 Jahren noch Schuhe kaufen kannst!

Liebe Ulrike, vielen Dank für das Interview.


Die Herausforderungen in einer Ein-Elternfamilie sind schon eine Hausnummer.  Nicht nur aus finanzieller Sicht, weil bei gleichzeitigem Verdienstausfall die Fixkosten von nur einer Person getragen werden müssen, sondern auch und vor allem in der Organisation des Alltags. Es fehlen einfach zwei Schultern, um den Laden am Laufen zu halten. Oder auch einfach mal nur um wichtige Entscheidungen zu treffen.

Deshalb habe ich einen großen Respekt vor der Leistung von Ulrike* und den vielen anderen alleinerziehenden Müttern und Vätern, die trotz dieser Umstände ihre Finanzen erfolgreich führen.

Was waren für Dich die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Interview? Vielleicht möchtest Du Deine eigenen Erfahrungen teilen oder hast Fragen an Ulrike? Ich würde mich über einen Kommentar von Dir freuen.

* Wenn Du mehr über Ulrike erfahren möchtest, kannst Du gerne auch mal auf ihrer Seite vorbeischauen.


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10 Kommentare

  1. Tolles Interview mit Ulrike, vielen Dank! Inspirierend ist hier für mich, dass sie sich viel zutraut und einfach startet. Das dürfte ihr in ihrem Leben schon viel geholfen haben. Aus so einer schwierigen Situation mit dem ungerechten Ende der Ehe zu finden ist toll. Da hat der Sohn ja schon ein richtig gutes Vorbild, wie er im Leben zurecht kommen kann. Vielleicht könnte Ulrike ihren Investmentansatz mit “aus dem Bauch heraus entscheiden, welche Aktien von welchem Unternehmen gekauft werden” etwas hinterfragen und ein wissenschaftlichen Investmentansatz wählen, wie zum Beispiel von Gerd Kommer. Da gibt’s ja Bücher. Das könnte im stressigen Alltag einfacher umzusetzen sein als Stock Picking. Und laut Studien wäre das auch renditestärker und weniger riskant. Doch dazu gibt es ja viele Meinungen.
    Alles Gute weiterhin Ulrike!

    1. Hallo Eva,
      danke erst einmal für Dein tolles Kompliment!
      Was meine Bauchentscheidungen für einzelne Aktien betrifft:
      Die sind natürlich schon mit etwas Wissen unterfüttert und bedienen mein Bedürfnis nach Spaß und Abenteuer beim Investieren, ja, selbst bin manchmal unvernünftig! 😉
      Die langfristige Rendite werde ich aus dem Buy-and-Hold der ETFs ziehen, da habe ich mich im Interview wohl etwas zu salopp ausgedrückt.
      Ich kenne etliches von Kommer und Kostolany. Und habe diese zwei ergänzt durch populäres wie “Schatz, ich habe den Index geschlagen”, “Denken hilft zwar, nützt aber nichts” und “Schnelles Denken, langsames Denken”. Letztere nicht unbedingt Investmentratgeber, aber hilfreich, wenn man mehr gute Entscheidungen treffen will. Egal in welchem Lebensbereich.
      Herzliche Grüße
      Ulrike

  2. Hallo Nico,

    gutes Interview. Wann kommt der zweite Teil mit einem engagierten Trennungspapa der versucht am Existenzminimum zu überleben?

    Viele Grüße

    Thomas

  3. Hallo Ulrike,

    wenn der Ehevertrag einseitig ungünstig gewesen ist, könnte er gegen die guten Sitten verstoßen und in der Folge nichtig sein.

    Hattet Ihr das geprüft? War der Vertrag denn doch nicht “schlimm genug”?

    Fragt sich Guido,
    der weder verheiratet noch Anwalt ist

    1. Hallo Guido,
      ja, ich habe es prüfen lassen.
      Es war sittenrechtlich völlig in Ordnung, dass ich auf alles verzichtete. Und wäre mir mit einer faireren eheinternen Kostenteilung oder Gesprächsbereitschaft meines Exmannes im Zuge meiner Arbeitslosigkeit mehr geblieben für meine Altervorsoge, wäre das auch nicht der Rede wert gewesen. So war es eben Lehrgeld.
      Herzliche Grüße
      Ulrike

  4. Hallo Ulrike und Nico,

    Vielen Dank für das Interview. Ich habe es mit Begeisterung und Respekt vor der Leistung gelesen.

    Ich bin gerade dabei uns als Familie Finanziell für die Zukunft aufzustellen und bin für jede Idee oder Strategie offen.

    Mich würde noch genauer interessieren In welche ETFs Ulrike investiert und welches deutsches IT Sicherheitsunternehmen gemeint ist.

    Vielen Dank

    1. Hallo Peter,
      danke für das Kompliment!
      Und hier meine ETFs (keine Empfehlungen, sondern nur Abbild meines Tuns):

      ComStage STOXX Europe 600 Health Care UCITS ETF – I EUR DIS:
      WKN: ETF068 ISIN: LU0378435985)
      79,650 % Pharma & Biotech
      20,350 % Gesundheitsdienstleistungen
      Läuft bei mir mit 31% seit Kauf.

      Lyxor UCITS ETF MSCI World Information Technology TR – EUR ACC:
      WKN: LYX0GP ISIN: LU0533033667
      Technologie- & Telekommunikationsaktien
      Bei mir seit Kauf 29%

      Legal & General Global® Robotics and Automation UCITS ETF – USD ACC:
      WKN: A12DB1 ISIN: IE00BMW3QX54
      Fokus Robotik- und Automationsbranche
      12%

      Und meine “Lieblingsaktie”:
      secunet Sec. Networks
      WKN: 727650 ISIN: DE0007276503
      Bin früh eingestiegen, deshalb 412% (Ja, dreistellig mit einer 4 vorn. Kein Tippfehler).

      Viel Erfolg beim Informieren, Anlegen und Investieren, es macht echt Freude!
      Ulrike

  5. Lieber Nico,
    ich danke Dir – es war mir ein Fest! :o)
    Möge das Interview viele Allein- und Getrennterziehende ermutigen, in sich und die Zukunft ihrer Kinder zu investieren!
    Herzliche Grüße aus der Opelstadt am Main
    Ulrike

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