Der Notgroschen – Das Fundament für Deinen Vermögensaufbau

Notgroschen

Wir schreiben das Jahr 1568.

Der 40-jährige, leicht verkrüppelte, Julius tritt die Nachfolge seines Vaters als Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel an. Als Drittgeborener war er eigentlich nie für diese Rolle vorgesehen, sondern sollte in der Kirche dienen. Nur durch den Tod seiner beiden älteren Brüder rutschte er in der Rangfolge hoch – und sollte sich zu einem der bedeutendsten Herrscher seines Fürstentums entwickeln, dass er mit viel Eifer reformierte.  

Eine seiner Innovationen ist auch heute noch top aktuell: Der Notgroschen.

Der miesepetrig dreinblickende Julius nannte es den Nothpfennig. Jeder seiner Untertanen sollte einen besitzen, um darauf in der Not zurückgreifen zu können.

Beim Notgroschen handelt es sich also um ein uraltes Konzept. Aber genauso wie beim Old-School-Haushaltsbuch, hat es seine Daseinsberechtigung über die Jahrhunderte bewiesen. Vielen Generationen diente der Notgroschen seither als Fundament der Familienfinanzen.

In diesem Beitrag erfährst Du, warum an einem Notgroschen trotz guter Alternativen kein Weg vorbeigeht. Wie hoch Dein Notgroschen sein sollte und wo Du ihn am besten hinlegst. Warum Dein Notgroschen ein Bestandteil Deiner Versicherungen und Deines Vermögensportfolios gleichzeitig ist.

Und zu guter Letzt beschreibe ich Dir, wie hoch der Notgroschen in meiner Familie ist und warum ich ihn in den letzten Monaten aufgrund einer Wende in meinem Leben um ein Vielfaches erhöht habe.

Aber starten wir mit der Gretchenfrage: Wozu das Ganze?

Alles, was schiefgehen kann…

Firmen gehen nicht pleite, weil sie unprofitabel sind, sondern weil sei ein Cash-Problem haben.

Jeder gute Firmenchef weiß, dass Liquidität das A und O ist. In Krisenzeiten trennt sich die Spreu vom Weizen. Finanziell solide Firmen trotzen dem Sturm, indem sie ihre Cash-Reserven nutzen und Kreditlinien ziehen. Anderen Firmen geht schlichtweg die Kohle aus. Sie verabschieden sich für immer oder werden geschluckt. Dieses Schauspiel werden wir in den nächsten Monaten und Jahren noch oft beobachten können.

Und was für Firmen gilt, können wir auch auf uns übertragen. In Deinem Leben wirst Du in Situationen kommen, in denen Du plötzlich mit unerwartet hohen Ausgaben konfrontiert wirst – oder aber mit plötzlichen Einnahmeeinbußen. Oder beides kommt zusammen, ganz gemäß dem Gesetz des alten Murphy:

Anything that can go wrong will go wrong.

In solch finanziell stressigen Zeiten willst Du auf eine Reserve zurückgreifen können, die Dir genug Zeit kauft, um den Sturm vorüberziehen zu lassen.

Nichts anderes ist Dein Notgroschen.

Fett und faul

Viele Firmen halten neben hohen Barbeständen noch ungezogene Kreditlinien bei ihren Hausbanken. Das kostet sie Geld in Form von Bereitstellungsprovisionen. Diese Kosten werden aber in Kauf genommen – als eine Art Versicherungsprämie gegen schlechte Zeiten.

Und genauso musst Du Deinen Notgroschen auch sehen – als eine Versicherung. Die Berufsunfähigkeitsversicherung schützt Dich gegen langfristige Einkommensausfälle und die Haftpflichtversicherung deckt Alltagsrisiken ab.

Der Notgroschen ist Deine Versicherung gegen unvorhergesehene Ausgaben. Deine Versicherungsprämie kostet Dich keine Gebühren, dafür aber Opportunitätsverluste in Form von entgangenen Renditen. Denn Dein Notgroschen liegt fett und faul in der Gegend rum, während Dein investiertes Geld hart arbeitet und Dein Vermögen vermehrt.      

Aber Du musst gar nicht komplett auf die Rendite Deines Notgroschens verzichten. Er hat nur eine andere Form. Er bringt Dir Seelenfrieden statt Euros. Mit einem ausreichend hohen Notgroschen kannst Du nachts einfach besser schlafen.

Die Gewissheit, dass Deine Familie finanziell geschützt ist, zählt mehr als ein paar Hundert Euro Rendite pro Jahr.

Notgroschen Kriegskasse

Dein Notgroschen erfüllt nur einen einzigen Zweck: Er soll Dir Liquidität sichern.

Paradebeispiele sind die kaputte Waschmaschine oder die unerwartete Reparatur Deines Autos. Bei mir waren es im letzten Jahr ein gebrochener Zahn und eine neue Heizung für unser Eigenheim. Letzteres war einigermaßen planbar, das Implantat kam überraschend. Beides zusammen hat über 10.000 Euro gekostet und ich musste meinen Notgroschen dafür anknabbern. Genau für solche unerwarteten Ausgaben ist der Notgroschen da.

Und wofür ist er nicht da? Wenn es an den Finanzmärkten mal wieder richtig rumst, wie zu Beginn der Corona-Krise, ist die Verführung groß beherzt zuzugreifen. Es gibt Aktien zu Schnäppchenkursen.  

Dafür solltest Du aber nicht Deinen Notgroschen antasten. Er ist wirklich nur für kurzfristige Liquiditätsengpässe da. Im Idealfall wirst Du ihn Dein ganzes Leben lang nicht anrühren – genauso, wie Du hoffentlich niemals eine Versicherung in Anspruch nehmen musst.

Für Deine opportunistischen Zukäufe in Krisenzeiten, egal ob am Aktienmarkt oder für Immobilien, hast Du eine Kriegskasse oder „Dry-Powder“. Das Geld liegt vielleicht auf dem gleichen Konto, gedanklich musst Du es aber trennen. Der Notgroschen bildet den Bodensatz, der nicht angerührt wird.  

Oder besser schnorren gehen?

Aber brauchst Du in den heutigen Zeiten überhaupt noch einen Notgroschen? Gibt es nicht viele gute Alternativen, die ihn überflüssig machen?

Hier sind ein paar Beispiele (inklusive Einschränkungen):

  • Dispo: Für ein paar Tausend Euro kannst Du Dein Konto doch einfach mal überziehen. Du zahlst für diesen Kredit aber einen Wucher-Zins.
  • Konsumentenkredit: Warum nicht einfach einen kurzlaufenden Kredit aufnehmen? Du machst Dich dann abhängig von Dritten, während Du in der Notsituation schnell und unkompliziert Geld brauchst. Mich müsstest Du mit der Kneifzange in die Bankfiliale zehren, damit ich solche Schulden aufnehme.
  • Kreditkarte: Du zahlst einfach mit der Kreditkarte und das Geld wird erst zeitverzögert von Deinem Konto abgebucht. Brauchst Du es aber länger Geld, hast Du ein Problem.
  • Vermögen verkaufen: Deine Immobilie kannst Du nicht mal eben schnell versilbern, aber bei Aktienmarkinvestitionen geht das problemlos. Vielleicht bist Du aber gerade in einer Marktlage, in der Du nicht verkaufen möchtest.
  • Familie und Freunde: Die engsten Vertrauten um Geld zu bitten ist doch eine elegante Lösung. Aber bei Geld hört ja bekanntlich die Freundschaft auf. Ist es das wert?
  • Versicherungsprodukte: Du kannst alles nur Erdenkliche mit Versicherungen abdecken – egal ob die kaputte Brille, das Handy oder die eigene Beerdigung. Aber das kostet.
  • Soziale Netze: Und damit meine ich nicht Facebook und Co. Eher das Arbeitsamt, dass beim unerwarteten Jobverlust einspringt. Aber solche staatlichen Hilfen brauchen Anlaufzeit und helfen nicht bei der kaputten Heizung.   
  • Ausgaben reduzieren: Zu guter Letzt kannst Du auch einfach weniger ausgeben. Der Familienurlaub wird verschoben und Eisdielen bis auf weiteres gemieden. Das könnte sich aber fatal auf die Familien-Harmonie auswirken.

Keine dieser Alternativen ersetzt Dir den Notgroschen, der sofort und bedingungslos zur Verfügung steht. Trotzdem ist es hilfreich, Dir die Liste oben vor Augen zu führen, wenn Du die Höhe Deines Notgroschens berechnest.

Denn vielleicht brauchst Du weniger als gedacht.

Chuck Norris braucht keinen Notgroschen

Es gibt eine weit verbreitete Faustregel für die Höhe des Notgroschens: Er sollte drei bis sechs Monatsnettogehälter ausmachen.

Warum das Gehalt als Referenz genommen wird und nicht die monatlichen Ausgaben, ist mir ein Rätsel. Es könnte daran liegen, dass jeder sein Gehalt kennt, aber vielleicht nicht die eigenen Ausgaben. Wie auch immer: diese Faustregel kannst Du getrost in den Skat drücken.

Je nach Lebenssituation und Gemüt kann Dein Notgroschen ein paar Hundert Euro betragen oder aber auch ein sechsstelliger Betrag sein.

Dabei wird die Höhe Deines Notgroschens maßgeblich von vier Faktoren bestimmt:

  1. Einkommen: Bei einem Beamtenjob, mit sicherem Einkommen, reicht ein kleinerer Notgroschen, während Du als Freelancer einen größeren Puffer brauchst.
  2. Ausgaben: Als Mieter ohne Familie mit Zweirad langt ein Pufferchen, als Eigenheimbesitzer mit Kindern und zwei Autos sollte es schon mehr sein.  
  3. Gemüt: Bist Du ein vorsichtiger Typ, fühlst Du Dich mit einem höheren Notgroschen wohler. Chuck Norris braucht keinen Notgroschen!
  4. Sparrate: Die Höhe Deiner Sparrate beeinflusst direkt die Höhe Deines Notgroschens. Je höher sie ist, desto kleiner darf der Notgroschen sein.

Es macht also einen sehr großen Unterschied, ob Du als selbständiger Grafiker mit fünf Kindern in der Doppelhaushälfte finanziell auf Kante lebst oder als draufgängerischer Beamter mit kleiner Mietwohnung und hoher Sparrate Vermögen aufbaust.  

Dazu kommt noch, in welcher Phase des Vermögensaufbaus Du Dich gerade befindest. Baust Du Vermögen auf, reicht ein kleinerer Notgroschen. Wechselst Du in die Entnahmephase, weil Du Dich zum Beispiel in die Teilzeit verabschiedest, brauchst Du einen größeren Puffer.

Meine Empfehlung ist daher ein dynamischer Notgroschen, der sich Deiner Lebenslage anpasst. Je nach aktueller Situation, solltest Du Deinen Geldpuffer nach oben oder unten anpassen.

Bei mir ist das aktuell gerade der Fall. Aber dazu gleich mehr.  Jetzt schauen wir erst mal, wo Dein Notgroschen am besten aufgehoben ist.

Shaolin-Mönche nutzen Girokonten

Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Millionen Bargeld in Wohnungen versteckt oder in Gärten verbuddelt ist. Gerade unsere Großelterngeneration hat noch Wert auf einen Notgroschen in Form von Cash gelegt. Kann man machen, meins ist es aber nicht. Ich hätte immer Schiss, dass meine Lütschen Heiermann und Groschen es finden und damit irgendwas anstellen.

Der Notgroschen muss schnell verfügbar sein. Er dient Deiner Sicherheit und die erzielbare Rendite ist schnurzpiepegal. Daher bieten sich Deine normalen Konten an – entweder das Girokonto oder das Tagesgeldkonto.

Vielleicht fährst Du ja eh ein Mehrkontenmodell – eines zum Ansparen des Urlaubs, ein Spaßkonto, eines für Rechnungen, Rücklage, usw. Dann brauchst Du einfach ein weiteres Konto für den Notgroschen und fertig ist der Lachs. Da es hier bis auf Notfälle keine Kontobewegungen geben wird, ist ein Tagesgeldkonto der passende Kandidat.

Du kannst den Notgroschen aber auch auf dem Girokonto parken. Mit der Willenskraft eines Shaolin-Mönches stellst Du sicher, dass der Bodensatz des Kontos nie unterhalb des Notgroschenbetrages sinkt. Die Versuchung ist hier allerdings größer, Deinen Puffer für die schönen Dinge des Lebens auszugeben.

Beides geht, schau einfach was Dir besser gefällt.

Jetzt wird’s nerdy

Bevor wir gleich zum großen Finale kommen – dem dynamischen Notgroschen der Finanzglück-Familie – möchte ich noch kurz auf ein Thema kommen, dass gerne mal unter den Tisch fällt. Der Notgroschen als Bestandteil Deines Vermögensmixes.

Im Idealfall strukturierst Du Dein Vermögen in einen risikoarmen und einen risikobehafteten Teil (unter Finanznerds auch RK1 und RK3 genannt). Zum ersteren gehören zum Beispiel Festgeld oder Anleihen mit guter Bonität. Da kann nichts schiefgehen. Es kommt aber auch kaum was bei rum. Beim risikobehafteten Teil geht es zum Beispiel um Aktien – hohe Wertschwankungen (Volatilität), aber auch eine hohe Rendite.

Bist Du ein risikoaverser Mensch, könnte Dein Mix bei 80%/20% liegen. Dann sind Aktien eher eine kleine Beimischung. Als risikofreudiger Sparer und Investor könnte es genau andersherum sein. Ziel der Veranstaltung ist, dass Du beim Aktienmarktcrash nicht die Decke hoch gehst, sondern Piña Colada schlürfend das Spektakel von der Seitenlinie betrachtest.  

Dein Notgroschen ist Teil Deines risikoarmen Vermögens. Er erfüllt alle Kriterien, indem er Stabilität ins Portfolio bringt und die Gesamtrendite geschmeidiger macht. Solltest Du den Notgroschen tatsächlich mal ziehen müssen, verschiebt sich der Mix (RK1 nimmt proportional ab) und gleicht sich wieder aus, sobald Du ihn wieder aufgefüllt hast.      

Wenn Du gerade erst anfängst mit dem Sparen und Investieren, dann wird Dein Risikomix automatisch 100% risikoarm sein. Denn bevor Du den ersten Euro in einen ETF investierst, musst Du Deinen Notgroschen gefüllt haben. Er bildet das Fundament für Deinen Vermögensaufbau.

Kommen wir jetzt zum großen Finale: Wie sieht es in der Finanzglück-Familie aus?

Solange das Baby nicht brüllt

Der Notgroschen unserer vierköpfigen Familie war jahrelang recht konstant. Er war in etwa so hoch, dass wir damit einen Monat unsere gesamten Ausgaben decken konnten.

Der Notgroschen bildet einen Bodensatz auf unserem Familien-Girokonto, über das fast alle Ausgaben laufen. Sobald sich ein größerer Betrag auf dem Konto anspart, investieren wir den Differenzbetrag zum Notgroschen in unser ETF-Portfolio oder nutzen es für Sondertilgungen des Eigenheims.

Ausgaben für nur einen Monat? Das ist nicht wirklich viel. Denn durch Eigenheim und meine beiden vermieteten Wohnungen können jederzeit höhere und unerwartete Kosten entstehen. So wie unsere neue Heizung letztes Jahr.

Trotzdem war in der Vergangenheit immer ausreichend Liquidität vorhanden – und genau das ist ja das Ziel des Notgroschens. Denn zwei Faktoren helfen uns.

Unser Einkommen ist diversifiziert. Wir haben Einnahmen aus unseren Jobs, der Vermietung meiner Immobilien, sowie Dividenden unseres ETF-Portfolios. Dazu kommen mein Nebengewerbe und das Kindergeld. Das stabilisiert einerseits das Einkommen und erlaubt uns andererseits eine hohe und recht konstante Sparquote von rund 50%.

Wenn es denn mal zu hohen Ausgaben kommt, wie der Heizung letztes Jahr, dann konnten wir mit ein paar Monaten Vorlauf gut reagieren. Wir haben einfach aufgehört, das Ersparte zu investieren und stattdessen den Kontostand hochgefahren. Für die ganz großen und unerwarteten Klopper hätten wir zur Not einen Teil unseres ETF-Portfolios versilbert. Das kam aber noch nie vor.

Mit diesem Notgroschen konnten Frau Finanzglück und ich immer friedlich schlafen wie ein Baby – außer selbiges hat gerade gebrüllt.

Aber jetzt hat sich einiges geändert.

Teilzeit – here I come!  

In ein paar Wochen werde ich meine Arbeitszeit deutlich reduzieren. Dann heißt es drei Tage arbeiten, vier Tage frei. Ich tausche Zeit gegen Geld. Es ist ein erster Schritt in die finanzielle Freiheit, ziemlich genau sieben Jahre nach meinem Heureka-Moment, mit dem alles begann.   

Die Teilzeit erlaubt mir mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Projekten zu verbringen. Es bedeutet aber auch einen heftigen Einkommensausfall. Aktuell bin ich, Corona-bedingt, Alleinverdiener unserer Familie.

Das Geld wird also knapper werden, die Sparrate nach unten rauschen. Auf unerwartete Ausgaben kann ich finanziell schwerer reagieren. Deshalb habe ich in den letzten Monaten unseren Notgroschen deutlich hochgefahren. Aktuell deckt er rund vier Monate unserer kompletten Ausgaben.

Wo er langfristig landet, müssen wir noch schauen. Gegen Ende des Jahres werde ich einen besseren Überblick darüber haben, wie wir mit unserem Geld hinkommen. Und auch Frau Finanzglück wird irgendwann wieder zur Schippe greifen, wenn sich die Betreuungssituation unserer Wonneproppen stabilisiert hat.

Schauen wir mal.

Fazit

Der Notgroschen bildet das Fundament Deines Vermögens. Ohne einen ausreichenden Liquiditäts-Puffer brauchst Du gar nicht erst mit dem Investieren anfangen.

Die Höhe Deines Notgroschens richtet sich nach Deiner individuellen Situation. Er wird sich dynamisch Deinem Lebensabschnitt anpassen müssen – so wie es gerade bei mir passiert.

Dabei erfüllt der Notgroschen nur einen Zweck: Er soll Dir in Krisenzeiten stets ausreichend Liquidität bereitstellen. Du willst nicht mit leeren Händen dastehen müssen.

Denn das würde dem alten Julius das Herz brechen.

Hast Du einen Notgroschen? Wie hoch ist er? Ich freue mich schon auf Deinen Kommentar!


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36 Kommentare

  1. Hallo Nico,
    Ich habe gar kein „festes Ziel“ für meinen Notgroschen…
    Es wird jeden Monat ca ein Fünftel meines Gehalts „automatisiert“ langfristig angelegt. (Riester, Wertpapiere, Festgeld etc) Dann habe ich mal hoch gerechnet, was ich jeden Monat an ständigen Ausgaben habe… (Miete, Telefon, Benzin, Essen etc), da kommt ein Liquiditätspuffer drauf, bei mir aktuell 100€ und der Rest des Gehalts geht ebenfalls per Dauerauftrag auf ein Tagesgeldkonto (TG).
    Also bei 2000€ Gehalt werden 400€ gespart, 1300 bleiben auf dem Konto und 300€ gehen auf das TG. Das 13. Gehalt und Steuerrückerstattungen etc gegen auch aufs TG.
    Nicht alltägliche Ausgaben (Urlaub, KFZ-Versicherung, Möbel, Autoreparatur etc) werden bei Bedarf vom TG genommen – fertig 😉
    Ich fühle mich nur unwohl, wenn da TG unter 3 Monatsgehältern liegt…

  2. Danke für den Artikel. Ich habe Familie und ein Eigenheim. Mein Notgroschen ist so dimensioniert, dass ich 12 Monate Einkommensverlust aushalten kann. Ja, das ist viel Geld. Die Rendite dafür ist guter Schlaf! Hat sich in der Corona-Krise bewährt.

  3. Moin Nico,

    noch so eine persönliche Frage…

    Bei mir ist der Notgroschen eine durchschnittliche Jahresausgabe auf dem Tagesgeldkonto. Das erscheint viel, ich bin da sicherlich auch eher sicherheitsfanatisch, ersetzt aber nicht nur offensichtlich unsinnige Versicherungen wie Brillen- oder Handyversicherung, sondern auch PKW-Kaskoversicherung, Hausratsversicherung… wenn ich mich spontan komplett neu orientieren muss (z.B. massiver Wasserschaden), kann ich mir eine Wohnung mieten (Kaution), neue Möbel inklusive Küche kaufen und auch ein neues Fahrrad oder wenn ich es plötzlich unbedingt brauche auch ein Auto, ohne nennenswert darüber nachzudenken. Natürlich könnte ich auch ein 200€-Fahrrad einplanen, aber wer billig kauft, kauft zweimal, dann lieber gleich das 1500€-Fahrrad, das mich dann die nächsten zehn-fünfzehn-zwanzig Jahre begleitet.

    Ich rechne den Notgroschen auch nicht in die RK1 ein, was ganz konkret bedeutet: Wenn mein RK3-Depot fällt, ist das Rebalancing auf den RK1-Anteil des Tagesgeldkontos begrenzt, der Notgroschen bleibt da liegen. Wobei ich das bisher noch nicht austesten musste.

    MfG, Arno

    1. Hi Arno,

      diesen Versicherung-Aspekt hatte ich früher gar nicht so auf den Schirm. Aber es ist tatsächlich so, dass Du mit einem soliden Notgroschen direkt Geld bei Versicherungen sparen kannst. Entweder Du verzichtest komplett drauf (z.B. Hausrat) oder aber setzt den Eigenanteil so hoch wie möglich. Letzteres habe ich für alle meine Versicherungen gemacht. Selbst bei der Haftpflichtversicherung habe ich einen Selbstbehalt, sprich bei einem Schadensfall zahle ich die ersten 150 Euro oder so allein. Das drückt die Versicherungsprämie weit runter, während ich immer noch den Versicherungsschutz genieße, wenn die Kacke mal richtig am Dampfen ist.

      VG, Nico

  4. Der Notgroschen sollte sich natürlcih nach den Ausgaben/Monat richten. Miete (warm), 2x Auto, Versicherungen und ein paar Euro am Tag für Nahrung. Wenn ich das zugrunde lege komme ich auf 10 Monate, was Cash in de Täsch „rumliegt“. Sicher ist Sicher. Ich bin da aber auch standardmässig Frugalist, wenn es hart kommt noch viel brutaler frugaler 😉
    Die gleiche Summe auf meinem Girokonto zähle ich schon gar nicht mehr zum Notgroschen – denn wenn die Bank ein Problem hat, bin ich der Gläubiger und die Bank hat meine Kohle.
    Schden tut auch nicht, wenn man 2-3 Monate Futter für sich und die Katze (oder Frau 😉 ) im Schrank hat, denn dann braucht man schon mal wesentlich weniger harte Groschen für die Not.
    Und wenn ich noch das goldig und silbrig schimmernde Metall mitrechne … oh Boy … da komme ich 10 frugale Jahre weit mit meinen Notgroschen. Hatte ich schon mal im Gold-Posting erwähnt – mein finanzielles Rettungsboot. Und das sollte auch unter allen Umständen (In/De/Stag-flation) mich über Wasser halten. Papier schwimmt in dem Fall auch nur schlecht, wenn es feucht wurde, aber ein goldenes Bötchen trägt einen ans trockene Ufer.

  5. Hi Nico, vielen Dank zu deinem Artikel über den Notgroschen. Tatsächlich habe ich noch nirgends etwas Ähnliches gefunden! Bis dato habe nur gelesen, dass ungefähr 6 Nettomonatsgehälter angemessen sind. Doch in Vergangenheit war das auch für uns immer viel zu viel. Wir werden das jetzt wohl reduzieren auf die Höhe der Ausgaben über 3 Monate.

    Wir sind Mieter. Das Auto ist gebraucht gekauft, falls eine Reparatur mehr als die Hälfte des Wertes ausmachen würde, würden wir es verkaufen und könnten auch erstmal ein Auto mieten. Dabei 3-6 Monate sparen und ein neues Gebrauchtes kaufen. Viel mehr möchte ich für ein Auto nicht ausgeben.

    Die teuerste Anschaffung der letzten Jahre war unser Umzug. Und den haben wir auch innerhalb von 2 Monaten wieder „eingenommen“, weil wir gegen eine kleine Miete bei Freunden zwischen gewohnt haben. Ohne eine teure Großstadtmiete in der Zeit zu bezahlen. Es gibt immer Möglichkeiten, die Ausgaben kurzfristig runterzufahren.

    Liebe Grüße, Eva von kinderleichtefinanzen.de

    1. Hi Eva,

      bei Euch sollte tatsächlich ein kleiner Notgroschen reichen. Die Lütschen sind ja auch noch lütsch. Da steht kein Wunsch ins Haus am teuren Schüleraustausch in den Staaten oder ähnliches teilnehmen zu wollen. Die Kosten für kleine Kinder empfinde ich immer wieder als niedrig, stabil und gut vorhersehbar.

      VG, nico

  6. Da ich ein Zahlenmonk bin, habe ich mich mit mir auf 10.000 Privatnotgroschen und 20.000 Hausnotgroschen geeinigt. Der Private liegt irgendwo zwischen dem 3 und 4x Netto, der andere orientiert sich ungefähr an den Kosten für ein neues Dach 😉
    Da ich aber neben dem Notgroschen auch den Vermögensaufbau vorantreibe und ebenfalls Sondertilgungen möglich frühzeitig (bin im 5. Jahr der Finanzierung) machen möchte, wächst das ganze nicht so schnell…

  7. Bis vor kurzem hatte ich auch nur ca. 2000 Euro liquide verfügbar und habe damit bestens geschlafen. Mit zwei Angestellten-Jobs und einem Kind war das kein Problem. Die Sparrate war auch entsprechend hoch und mein Plan der gleiche wie Deiner: Wenn sich z.B. der Kauf eines neuen Autos ankündigt, muss eben ein paar Monate mit den Investitionen gewartet werden.

    Jetzt haben wir uns aber ein Eigenheim zugelegt und außerdem habe ich mich selbstständig gemacht. Jetzt habe ich einen Notgroschen, der meine (regelmäßigen) Ausgaben etwas mehr als ein Jahr deckt und das scheint mir in der Situation auch angemessen.

    Zum Glück habe ich Ende März noch einen guten Schuss ins Depot geben können, sodass ich jetzt Dank der Corona-Krise einen internen Zinsfuß von 14 % seit 04/2017 (dem Beginn meines „Finanzlebens“) habe 🙂

  8. Hallo, ich bin neue, sporadische Leserin hier (vielen Dank für die guten Infos!) und zum Thema Notgroschen habe ich selber so einige Google-Suchen vorzuweisen! 3 Monatsgehälter, 5 Monatsgehälter… ? Aber warum volle Gehälter? Warum, wenn doch bei Jobverlust mit Ersatzleistungen zu rechnen ist…..? Ich bin derzeit zu 50% in Kurzarbeit – aber da sind mir ja nicht 50% des Gehaltes weggebrochen – auch hier bekomme ich Ersatzleistungen…..

    Zur Situation: Wir, der Ehemann und ich, arbeiten beide Vollzeit und verdienen auch jeweils gleich. Wir leben also Gleichberechtigung – die Kinder sind im jungen Teenageralter und das Haus ist in ca. 8 Jahren abbezahlt. Das Haus ist aber nun auch schon 11 Jahr alt. Ab wann muß ich also mit welchen größeren Reparaturen rechnen? Da muß ich den Notgroschen evtl. doch anpassen….

    Ich habe jedenfalls nun angefangen, auch Dank der Beiträge hier, einen ETF-Sparplan zu besparen, mit 100 EUR im Monat – obwohl das Haus noch nicht abbezahlt ist… Aber die Zinsen der Hauskredite liegen zwischen 1,1% bis 1,5 % – da hoffe ich also auf die hoffentlich etwas höhere Rendite von ETFs und wollte endlich mit dem Sparen für die Rente beginnen – auch wenn es bis dahin noch ca. 25 Jahre für uns sind….. (Oder wie haltet Ihr es so? Haus komplett abbezahlen und wirklich erst dann sparen?)

    Den Notgroschen werde ich jetzt auch auf 2 volle Monatseinkommen (also 4 Gehälter, denn bei uns gibt es ja Zwei Verdiener) beschränken , denn wenn wirklich mal ein Job komplett wegfällt würden wir auch ganz gut mit nur einem Gehalt klar kommen – sicherlich – Urlaub oder so gibt es dann mal nicht und sparen könnten wir dann auch nichts mehr….

    VG!

    1. Hallo Jassy,

      na das klingt doch nach einem soliden Plan. Zu Deiner Frage, ob Du erst alles tilgen musst, bevor Du in ETFs investierst, gibt es kein klares Ja oder Nein. Es gibt ein Lager, was Dir genau das empfehlen würde (der Finanzwesir würde Dir zum Beispiel erst die volle Tilgung empfehlen, bevor es an die ETFs geht). Ich halte es anders und bespare substantiell ETFs während ich noch Immobilienschulden habe. Du machst daher nichts falsch und kannst es gerne so weitermachen. Mehr Infos zum Umgang mit Schulden findest Du übrigens hier: https://finanzglueck.de/schulden-teil1/

      VG, nico

  9. Hey Nico,

    ich glaube auch, dass man keine generelle Aussage darüber treffen kann, wie viel Notgroschen es bedarf. Es hängt, wie du schon sagt, sowohl von dem eigenen Risikoprofil als auch den (finanziellen) Zielen und dem Lebensabschnitt ab, in dem man sich befindet.

    Meine Frau haben einen etwas anderes Ansatz und bilden für viele Dinge z. B. den Urlaub, das Auto, die Wohnung und Einrichtungsgegenstände eigene monatliche zweckgebundene Rücklagen auf einem getrennten Konto. Ein monatlicher Dauerauftrag in Höhe X und fertig ist die Laube. Im Grunde sind 95% der Ausgaben planbar. Wirklich „unvorhersehbare“ Ausgaben gibt es in meinen Augen kaum welche.

    Falls dann doch mal einem von uns der Zahn abbricht, haben wir noch eine Notreserve, die für unerwartete Risiken ist. 😉

    Insgesamt ist unser Ansatz eher konservativ, weil das Geld auf den Tagesgeldkonten alternativ angelegt werden könnte. Wir fühlen uns aber wohl mit diesem Ansatz, da wir für alle wichtigen Lebensbereiche gezielte Vorsorgen getroffen haben.

    Am Ende muss aber jeder selber für sich bestimmen, wie viel Sicherheit er benötigt.

    Gruß Stefan

    1. Moin Stefan,

      mit einem Mehrkontensystem, wie ihr es führt, kommst Du tatsächlich mit einem kleineren Notgroschen aus. Letztendlich habt ihr einen Puffer auf dem Konto, oder den Konten, auf den ihr im Notfall zurückgreifen könntet.

      VG, Nico

  10. Danke Nico,

    „Firmen gehen nicht pleite, weil sie unprofitabel sind, sondern weil sei ein Cash-Problem haben.“
    Naja, wer unprofitabel ist/bleibt bekommt auf jeden Fall irgendwann ein Liquiditaets-Problem …?
    (ich habe keine Fa.; welches Nebengewerbe Du? Blog&Co?)
    Da ist es sogar besser (bei laengerer, umstaendehalber Unprofitabilitaet) die Reissleine schneller zu ziehen, als sich als Kaninchen-vor-der-Schlange weiter auf Billig-Geld-Droge zu begeben?!
    „Die Hoffnung stirbt zu letzt“, ist manchmal ein finanziell-schlechtes Verhalten (Lockdown-begruendet werden wir es erleben)?

    Persoenlich: Es muss gut zu dir passen (wie du ja schoen schreibst).
    Renditetechnisch ist „hart am Wind Segeln“ schneller/besser. Als Beamter/oeff.Dienst oder mit Super-bonitaet (Assets) brauchst du wenig Tagesgeld, weil du jederzeit guenstig Kredit bekommst.
    Als Selbstaendiger mit schwankenden Einkuenften ist das voellig anders.

    Ich hatte unseren Notgroschen Mitte Mrz auf wenige Tausend EUR heruntergefahren (ETFs gekauft) und es ist gut gegangen (bis jetzt).
    Einen Hypotheken-Kredit auf unsere Immo 50k fuer 0,8% Kapitalbeschaffung zur freien Verwendung hatte ich angefragt, aber nicht gezogen/abgeschlossen.
    Aber das hat mir gezeigt, egal ob Auto, Zaehne, Dachschaden ;-), die wuerden uns mit „money for nothing“ ueberschuetten.

    Veraenderung als Option: Das Argument mit „besser schlafen“ ist manchmal auch ein faules/einlullendes?
    Veraenderung ist stets anstrengend, ungewiss, unbequem, v.a. am Anfang.
    Wenn du Muskeln aufbauen willst, nuetzt es dir auch nix zu sagen: „ach, lieber besser schlafen“. Von nix kommt halt (meist) nix.
    Aber Herantasten (vgl. andere Kommentare) ist die richtige Loesung!

    Karsten hat mal versucht zu quantifizieren, wie hoch die Oportunitaetskosten eines Notgroschens sein koennen (hier z. Link u Zus.fassung):
    finanzwesir.com/blog/passive-anlagestrategie#1524135902

    Aber auch hier gilt: Wer kann, der kann (sich wenig Notgroschen „leisten“).

    LG Joerg

    1. Hi Joerg,

      naja, Unternehmen gehen tatsächlich an fehlender Liquidität Pleite. Schau Dir mal die Internet Startups an. Die können viele Jahre horrende Verluste einfahren, während von Investoren immer wieder fleißig Kapital nachgebuttert wird. Demgegenüber stehen viele Betriebe, gerade kleinere und mittlere, die zwar profitabel sind, aber ihre Rechnungen nicht eintreiben. Dann kommt die Zahlungsunfähigkeit. Irgendwann schlägt sich eine miese Profitabilität auf die Cash-Situation um, aber das kann dauern.

      VG, nico

  11. very nice article I think. I have never read an alternative article that illuminates the subject of nest egg so extensively! And of course, as always, well written.

  12. Hallo Nico,

    wie immer ein sehr lesenswerter Artikel – Danke dafür und Glückwunsch zur bald hinzukommenden Freiheit! Auf den Podcast bin ich dann auch sehr gespannt.

    Anbei eine Frage zum Notgroschen – ich bin vom Risikoprofil etwas sportlicher unterwegs als der eher konservative Sparer (80 Aktien, ETF / 20 Tagesgeld). Ich bin Mieter und sehe persönlich wenige Gründe die 20 anders als in Cash zu halten. Anleihen, Festgeld und co. sind mir irgendwie zu kompliziert oder scheinen mir in der aktuellen Zeit keinen sonderlich großen Renditevorteil zu versprechen.

    Irgendwann kommt dann ja glücklicherweise der Moment wo die 20% Tagesgeldregel die üblichen Regeln zum Notgroschen übersteigen (auch die sehr konservativen). Im März hat es mir sehr in den Fingern gejuckt aber ich habe kaum nachgekauft, da ich bereits zu fast 80% investiert war.

    Daher die Frage in die Runde – bleibt ihr Fest bei eurer Strategie (80/20 etc.) oder seid ihr bereit diese mit steigendem Notgroschen anzupassen (90/10)?

    Gruß in die Runde

    1. Hallo Stefan,

      interessante Fragestellung! Das was wir bisher als Strategie bezeichnet haben, ist ja im Grunde unsere Assetallokation. Die anzupassen ist schon ein deutlicher Eingriff in die Grundfesten eines jeden Investors. Da du bisher mit deiner 80/20 Aufteilung zufrieden bist und sogar die aktuelle Achterbahnfahrt entspannt überstanden hast, scheint deine Risikotragfähigkeit noch nicht ausgeschöpft zu sein. Eine Anpassung der Assetallokation wäre also drin.

      Ich selbst habe bisher meine Assetallokation auch schon verändert. Anfangs war ich bei 40/60 und wollte erstmal sehen, wie ich mich damit fühle. Über die letzten 2 Jahre habe ich das dann auf 60/40 angepasst und bin damit aktuell auch zufrieden.
      Was ich dabei festgestellt habe: Je mehr Vermögen man angesammelt hat, desto größer ist dieser Sicherheitsanker im nominalen Wert. Daher habe auch ich mir schon mal die Frage gestellt, ob ich den sicheren Teil nicht bei einem Nominalwert begrenze (ähnlich wie beim Notgroschen) und den Rest einfach in Aktien anlege.
      Da ich aber doch eher die Sicherheit mag, werde ich wohl noch einige Zeit sparen bis ich meinen Aktienanteil deutlich erhöhe. Könnte mir vorstellen über die nächsten 2-3 Jahre auf 70/30 zu gehen.

      Wichtig ist halt, dass man es nicht überreizt und dann bei der nächsten Krise doch in Panik gerät.

      Gruß Remo

    2. Hallo Stefan,

      wenn Du Dich mit mehr Risiko wohlfühlst, dann ab da für. Bei uns ist es ein nominaler Notgroschen und der ganze Rest geht immer in Sondertilgungen und ETF-Investitionen. Ich habe keine 90/10 Regel oder so. Letztendlich geben Immobilien immer eine gewisse Grundstabilität – zumindest scheinbar, denn ie täglichen Schwankungen kriege ich nicht mit, weil es intransparent ist. Ich hatte bisher noch kein Gefühl der Panik, wenn die Märkte mal südwärts rutschen. Wobei mit steigendem Vermögen auch die nominalen Papierverluste größer werden. Beim letzten Einbruch verschwand ein neuer Mittelklassewagen vom Depot – aktuell ist er fast schon wieder da 🙂

      VG, nico

  13. Moin Nico,

    sehr schöner Artikel wie ich finde. Ich habe bisher noch keinen alternativen Artikel gelesen der das Thema Notgroschen so umfangreich beleuchtet! Und natürlich wie immer super geschrieben 🙂

    Wir sind selbst gemäß deiner Systematik in der Kategorie Mieter, ohne Auto mit hoher Sparrate und fahren daher so wie du zuvor beinahe ohne Notgroschen. Es gibt kaum Angriffsfläche und falls doch mal was ist (Kühlschrank hatten wir zB letztes Jahr), dann wird halt bissl weniger gespart.

    Was beneide ich dich um dein neues Arbeitskonzept! Ich muss mir für mich auch einen Plan überlegen wie ich dahin komme. In meinem aktuellen Job ist eine Teilzeit leider so gut wie ausgeschlossen. In jedem Fall würde ich dann wie du auch etwas mehr Reserven bilden.

    Schönen Sonntag, Georg

    1. Mh, bei mir ist der Notgroschen etwas ausgeufert…ich hatte jahrelang wenig Einkommen (alleinerziehend mit schlecht bezahltem Halbtagsjob) und war daher immer stark sicherheitsorientiert. Ein fester Betrag ging immer aufs Extrakonto für unvorhergesehene Sachen. Irgendwann war da dann ein netter Betrag beisammen, ich ließ das aber einfach so weiterlaufen und erfreute mich am wachsenden Kontostand…
      Nun sind die Kinder aus dem Haus, ich habe dank Weiterbildung einen gut bezahlten Ganztagsjob und lebe sparsam wie bisher…so dass ich auf eine Sparrate von ca. 45% komme.
      Das sammelt sich zunächst auf dem Giro an, und wird einmal jährlich für die Sondertilgung des Hauses verwendet. Die Extrakontenrate läuft ebenfalls weiter, und nun sammelte sich heimlich still und leise ein fünfstelliger Betrag auf den Konten an (und da ist keine 1 vornedran…).
      Ich will schon lange mit ETFs anfangen, um nun endlich einen Teil des Geldes mit mehr Risiko anzulegen, habe aber trotz mehrerer Anläufe noch nicht die Kurve gekriegt (zu viel Information und Auswahl….). Mein Notgroschen beläuft sich somit ungefähr auf 24 Ausgabenmonate…was viel zu viel ist.
      Toller Artikel, ich fände ja die Idee gut, dass jeder so einen Notgroschen haben „muss“….wie hat denn der alte Julius das kontrolliert?

      1. Hallo Ursula,
        Mein Tipp an dich bzgl. ETF:
        – schau nach, ob deine Bank dir die Möglichkeit eines kostenfreien Depots und günstiger Sparpläne bietet.
        – schnappe dir einen Brot & Butter ETF wie bspw. einen auf den MSCI ACWI und setze einen kleinen Sparplan (25-50€) auf.

        Wenn du erstmal angefangen hast, wirst du Schritt für Schritt sicherer im Umgang damit und kannst die Sparplanrate erhöhen und/oder andere ETF dazu nehmen. Vielleicht suchst du dir auch irgendwann einen anderen Broker bzw Direktbank, wo du noch bessere Konditionen bekommst, aber der wichtigste Schritt ist der Anfang.
        Vor allem ist wichtig, das du diesen Anfangsschritt machst, statt es noch länger vor dir her zu schieben. Das wo und wie ist gar nicht so wichtig, da kann man mit wenig Aufwand später immernoch optimieren.

        Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, Fang an! 🙂
        Wenn du Unterstützung brauchst hast du hier doch schon eine super Anlaufstelle für deine Fragen.

        Gruß Remo

      2. Hallo Ursula,
        so wie Dir geht es vielen Menschen. Die Hemmschwelle, den ersten Euro in einen ETF zu investieren, ist riesig. Deshalb ist Remos Tipp auch genau der richtige. Fange erst mal mit einem kleinen Betrag und einem ETF an. Wenn das Depot erst mal läuft, ist der Schritt zu größeren Beträgen und einer breiteren Aufstellung über mehrere ETFs ein kleiner. Hier findest Du mehr Informationen dazu:

        https://finanzglueck.de/etf-sparplan/

        Und ich habe keine Ahnung, ob der alte Julius seinen frommen Wunsch auch wirklich durchgesetzt hatte 😊

        LG, nico

  14. Hi Nico,
    schöner Artikel und super, dass du auf die Variabilität des Notgroschens eingegangen bist!
    Bisher habe ich mir einen Notgroschen von 3 Netto-Monatsgehältern gehalten, den ich auch bei der letzten „Rabattaktion“ an der Börse nicht angerührt habe. Da ich bisher 50% Sparrate habe, bringt mich der Notgroschen bei Totalausfall des Einkommens ein halbes Jahr ohne Einschränkungen über die Runden. Da lassen sich aber noch einige Luxusposten streichen, wenn es hart auf hart kommt, aber ein solcher Extremfall ist dank unseres Sozialsystems eher unwahrscheinlich. Somit bleibt dann auch genügend Puffer für ungeplante Ausgaben.
    Besonders die aktuelle Lage zeigt sehr deutlich, wie wichtig dieser Notgroschen ist. Trotz Kurzarbeit und angekündigter Restrukturierungen (was soviel heißt wie Arbeitszeitkürzungen und Entlassungen) beim Arbeitgeber, kann ich Dank des Notgroschens ruhig schlafen. Er gibt mir genug Zeit die Einkommenssituation zu verbessern und ggf. die Ausgabensituation anzupassen ohne ins Straucheln zu kommen.

    Deine Ausführungen möchte ich noch um die Festgeldtreppe ergänzen. Meinen risikoarmen Anteil habe ich auf mehrere Festgelder mit je 5 Jahren Laufzeit aufgeteilt, von denen jedes Jahr mindestens eines ausläuft. So kann ich im Ernstfall in max. 1 Jahr auf weitere Reserven zurückgreifen und bin nicht gezwungen Aktien- bzw. ETF-Anteile zu ungünstigen Zeitpunkten verkaufen zu müssen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Angebot der Targobank (heißt glaube ich Extra-Festgeld), bei dem man gestaffelte Zinsen hat und schon nach 2 Jahren an das Geld ran kommt obwohl es 5 Jahre Laufzeit hat. Höhere Flexibilität, die man sich mit minimal niedrigeren Zinsen in der Gesamtlaufzeit erkauft.

    Da kann man jetzt noch ewig hin und her optimieren, wichtig ist jedoch, dass jeder eine für sich passende Lösung findet, bei der man abends ruhigen Gewissens ins Land der Träume entschwinden kann. Ich für meinen Teil werde den Notgroschen jetzt noch etwas ausbauen, bis sich die Lage bei meinem Arbeitgeber beruhigt hat. Sobald auf der Einkommenseite wieder Normalität eingekehrt ist, kann der Überschuss dann wieder in den risikobehafteten Anteil wandern. Diesen Anteil kann ich solange unberührt lassen und ggf. sogar weiter besparen.

    Gruß Remo

    1. Hallo Remo,

      gerade in diesen unsicheren Zeiten weiß man einen ordentlichen Notgroschen zu schätzen. Aber als die Kurse zu Beginn der Corona-Krise gepurzelt sind hat es Dir doch schon in den Fingern gejuckt, oder?

      Sehr interessanter Punkt mit der Festgeldleiter. Bisher halte ich meinen risikoarmen Anteil recht klein. Aber später werde ich ihn ausbauen und dann ist eine Festgeldleiter auf jeden Fall spannend.

      VG, nico

      1. Klar, gejuckt hat es schon, aber erstens wollte ich eben kein Markttiming betreiben und zweitens war auch klar, dass die Einkommensseite demnächst nicht mehr so sicher ist, wie bisher.
        Ersteres steht so auch in meinen Finanzzielen bzw. in meiner Strategie. Dachte damals, dass ich mir das nicht aufschreiben müsste, habe es dennoch getan und glaube jetzt, dass allein dadurch, dass ich es Mal aufgeschrieben habe, es stärker verinnerlicht habe.
        Und der zweite Punkt ist für mich halt eine völlig neue Erfahrung. In meinem bisherigen vergleichsweise kurzen Berufsleben (7 Jahre) ging es nur bergauf und es gab keine nennenswerte Krise. 2008/2009 habe ich noch studiert und war nicht direkt betroffen. Jetzt ist es anders, jetzt bin ich direkt betroffen, indem ich aktuell mehr Tage daheim bin als auf der Arbeit. An sich nicht schlecht, aber ein unschönes Gefühl, wenn man sich das nicht ausgesucht sondern verordnet bekommen hat.
        Ich sehe das jetzt als Bewährungsprobe für meine Einstellung zur Arbeit, zu meinen Finanzen etc.
        Ich bin ganz froh, mir den Spruch: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ bereits vorher zu Herzen genommen zu haben. Und ich bin froh, dass ich bisher in dieser Krise tatsächlich entspannt an der Seitenlinie zusehen konnte und von meiner Strategie weiterhin überzeugt bin.

        Aber es ist wirklich eine interessante Zeit und Erfahrung. Um so wichtiger ist es jetzt auch diese Basics, wie den Notgroschen, weiter unter die Leute zu bringen.

        Gruß Remo

  15. Moin,
    Oh ja, Fam. Plutusandme hat auch einen Notgroschen. Bedingt durch viele persönliche Kontakte haben wir in unserem Umfeld bemerkt, das es gerade für gut bezahlte Personen ab einen gewissen Alter (sagen wir mal 50 + ) schwierig wird, bei einem Jobverlust, einen entsprechenden Job wieder zu bekommen. Wir haben dies bei 2 befreundeten Paaren mitbekommen, das es durchaus eine Bewerbungszeitraum von 9 Monaten geben kann. Wir hatten also in der Anfangszeit einen Notgroschen von 9 x der monatlichen Ausgaben. Dieser wurde in lf. der Zeit aber reduziert, da die Dividendeneinnahmen doch einen deutlichen Teil übernehmen konnten.
    Heute haben wir auf ein Dividendenkonto eine Reserve, die uns im folge Jahr immer eine monatliche Auszahlung garantieren kann. Der Notgroschen selber ist wieder auf die berühmten 3 Nettogehälter runter gefahren worden, da die Haupteinnahmequelle zwar immer noch der Job ist, aber nicht mehr ausschließlich. Von daher hast Du völlig recht, das sich ein Notgroschen den Lebenssituationen anpassen sollte.
    Auch stimmen wir mit Dir überein, das bei einem Vermögensaufbau der erste Baustein immer der Notgroschen sein sollte. Dieser wird im laufe der Zeit mit den Ansprüchen dann auch bestimmt mitwachsen.

    1. Hallo Plutusandme,

      das stimmt, guter Punkt. Je älter man wird, desto schwieriger ist es finanziell gegenzulenken, wenn es mal nicht so gut läuft. Daher sollte tatsächlich der Notgroschen mit den Jahren steigen.

      VG, Nico

  16. Hi Nico,

    schöner Artikel.
    Freut mich sehr, dass du jetzt in Teilzeit gehst 🙂 Dann werden wir bestimmt auf Finanzglück noch mehr Artikel von dir lesen können, oder? Oder vielleicht sogar ein Buch?

    Mein Vermögen ist bisher nur auf Edelmetalle und Wertpapiere verteilt. Ich hatte mal Tagesgeldkonten, auf denen ich gespart habe, aber die habe ich wieder geschlossen …

    Viele Grüße aus Frankfurt,

    Anna

    1. Hallo Anna,

      am meisten freue ich mich in der Teilzeit darauf mehr Zeit mit den Lütschen verbringen zu können. Das kam mir in letzter Zeit etwas zu kurz. Aber auch auf Finanzglück wird es hoffentlich mehr Aktivität geben. Ein Buch ist nicht in Planung. Ich bastle aber gerade an einem Podcast-Format, was hoffentlich Ende des Sommers an den Start geht. Es wäre einfach nicht fair Euch noch länger meine bezirzende Stimme vorzuenthalten 😉

      VG, nico

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