Freitagsfrage: Funktioniert Market Timing im Aktienmarkt-Crash?

Market Timing im Aktienmarkt-Crash

Willkommen zur Freitagsfrage!

Hier geht es wieder mal um Deine Meinung. Ich gebe eine kurze Einleitung zu einer konkreten Frage. Dann übernimmst Du die Show.

Heute brauche ich Deinen Rat.

Axt oder Aktie?

Market Timing funktioniert nicht.

Zumindest nicht für mich. Ich traue mir nicht zu, durch den regelmäßigen Kauf und Verkauf von Aktien-ETFs eine Überrendite zu erzielen. Von daher halte ich meine ETFs über sehr lange Zeiträume, vielleicht sogar für die Ewigkeit.

Aber wie sieht es aus wenn es mal wieder richtig rumst?

Die letzte große Wirtschafts- und Aktienmarktkrise ist jetzt zehn Jahre her. Es wäre eigentlich mal wieder Zeit für eine zünftige Rezession mit all dem Weltuntergangsgeschrei was dazu gehört.

Dieses Mal ist alles anders!

Der Aktienmarkt ist tot!

Wer jetzt kein Gold kauft (und sich Konserven und eine Axt in den Keller legt), dem ist nicht mehr zu helfen!

Gehebelter Antizyklismus

Der Aktienmarkt ist volatil weil die Handelnden zwischen Euphorie und Panik schwanken. Keiner beschreibt dies so schön wie Kenneth Galbraith – zum Beispiel hier* oder hier*.

Ein richtiger Crash am Aktienmarkt ist nicht mit Fundamentaldaten zu erklären, sondern mit Psychologie. Der Herdentrieb zieht die ganze Meute Richtung Ausgang.

Wenn man in der Lage ist diesem Trieb zu widerstehen, dann sollte man in solchen Marktphasen durch beherztes anti-zyklisches Investieren doch hohe Renditen einfahren können. Oder nicht?

Und genau diese Frage treibt mich derzeit um.

Funktioniert Market Timing im großen Stil – also wenn der DAX sich halbiert und die Crash-Propheten „Ich habe es Euch doch gesagt!!“ in die Welt hinausbrüllen?

Und ich möchte bei dieser Freitagsfrage sogar noch einen Schritt weitergehen.

Sollte ich bei einem heftigen Einbruch am Aktienmarkt vielleicht sogar im größeren Stil mit Fremdkapital investieren (z.B. durch Umschuldung/Refinanzierung meiner Immobilien oder per Wertpapierkredit)?

Funktioniert Market Timing im Aktienmarkt-Crash?

Ich bin schon gespannt auf Deinen Kommentar!


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19 Kommentare

  1. Hallo Nico,

    als junger und eher unerfahrener Investor habe ich mir bereits häufiger die gleiche Frage gestellt.
    Wenn der Aktienmakrt richtig zusammenkracht und 30-50 % nach unetn geht, sollteb wir als Investor doch unser ganzes Geld darein investieren und eventuell sogar eine Kredit aufnehmen.
    Ich bin bei Investitionen auf Kredit extrem risikoscheu und würde es wahrscheinlich selbst nie machen, doch ich denke das kann ein richtiger Turbo für das eigene Depot und die Finanzielle Freiheit sein.
    Wann gibt es sonst schonmal die gute Möglichkeit, dass sich das investierte Geld in wenigen Jahren verdoppelt?

    In meiner Crash-Interviewreihe habe ich erfahrenere Investoren zu ihren Erfahrungen im Crash befragt. Daraus habe ich für mich als wichtigste Erkenntnis mitgenommen, dass es einafch von den Emotionen und dem Umfeld (Nachrichten, Medien) extrem schwer ist in diesen Zeiten zu investieren. Alle glaubven daran, dass das Finanzsystem so wie es existiert komplett in sich zusammenbrechen wird und Du investierst noch in Unternehmen. Wenn Du Dich in diesen Zeiten aber überwunden hast und Dein Geld weiter in den Aktienmarkt gesteckt hast, wirst Du extrem gute Zuwächse erzielt haben.

    Zur weiterführenden Lektüre meine bisherigen spannenden Crashinterviews:

    http://finanziell-frei-mit-30.de/vincent-von-freaky-finance-im-crashinterview/
    http://finanziell-frei-mit-30.de/alexander-von-rente-mit-dividende-im-crashinterview/
    http://finanziell-frei-mit-30.de/alex-von-reich-mit-plan-im-crashinterview/

    Wenn die Links nicht erwünscht sind, dann bitte löschen.

    Schöne Grüße
    Dominik

  2. Hallo Nico,

    ich kann leider mit dem Begriff „Market Timing“ im Zusammenhang mit einem Crash wenig anfangen. Für mich (als Passivinvestor) steht die Asset-Allokation, also die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen im Vordergrund meiner Anlageentscheidungen. Ich investiere jeweils so, dass meine persönliche prozentuale Aufteilung von „schwankungsarme Anlagen“ (Tages-, Festgeld, Anleihen) zu „schwankungsreichen Anlagen“ (Aktien) möglichst gleich bleibt. Steigen also die Aktienkurse, so investiere ich mehr in Tages- und Festgeld, fallen die Aktienkurse, so fließt mehr Geld in Aktien-ETFs. Ich verhalte mich also automatisch antizyklisch und kaufe die „unterbewertete“ Anlageklasse.

    In einem Aktien-Crash ist durch das Absenken des Aktienanteils innerhalb meines Portfolios somit ein Aufstocken dieser Postion die logische Folge. Da ich nicht zu 100% in Aktien investiert bin, ist auch genug „schwankungsarmes“ Geld da, um dies durch Umschichtungen zu machen. Ansonsten kann man das natürlich auch über neue Sparraten (im geringeren Maße) tun. Ich sehe das allerdings als nicht als Market Timing an, da es sich eher an den Folgen *vergangener* Depotveränderungen orientiert.

    Unter Market Timing verstehe ich (den Versuch), *zukünftige* Entwicklungen vorherzusehen und entsprechend zu handeln – also mögliche Gewinner zu kaufen und Verlierer zu verkaufen. (Dass das zuverlässig funktioniert, traue ich meiner Kristallkugel nicht zu.) Market Timing ist in meinen Augen also eher in die Zukunft gerichtet. Wer einen Crash erwartet und Market Timing betreiben will, sollte eher auf fallende Kurse „wetten“.

    Das Vorgehen, bei einem heftigen Aktienkurseinbruch gar mit Fremdkapital zu investieren, wird hier garantiert von einigen Kommentatoren angepriesen werden. Ich kenne auch Stimmen, die das generell als „sinnvolles“ Vorgehen erarten. Die Logik dahinter ist, dass Aktienkurse ja (langfristig) höhere Renditen haben als die aktuellen Kreditzinsen hoch sind. Wenn man mehr oder weniger nur steigende Aktienkurse kennt, ist das vermutlich als „Naturgesetz“ abgespeichert. Als eher konservativ denkender Anleger würde ich mir keinen Kredit ans Bein binden und dann ggf. auch langjährige Seitwärtsbewegungen oder gar weitere Kursstürze aussitzen wollen. (Kreditzinsen können irgendwann auch mal wieder anziehen!)
    Im Grunde gibt es für mich da auch keinen Unterschied ob man die heutigen Kurse oder die Kurse nach einem 25%-Crash betrachtet. Ich traue mir in beiden Fällen nicht zu, die zukünftige Entwicklung vorauszusehen und bleibe lieber ohne Schulden.

    Liebe Grüße
    Dummerchen

    1. Na, da bin ich mal wieder zu 100% dabei.
      Wir splitten auch auf verschiedene Basen auf, auch auf Immobilien und Akien , ETF auf Aktien, ETF auf Anleihen in EUR und US, Tagegeld.
      Auch gehört für uns der Einsatz auf Kredit verboten. Auf der einen Seite versucht jeder der Abhängigkeit des Hamsterrades zu entfliehen, auf der anderen Seite begibt man sich wieder in die Abhängigkeit einer Bank.
      Market timing hat auch nie so richtig geklappt. Oft waren die liquiden Mittel nicht da, da sowieso meist immer vollinvestiert.
      Wir verschieben jetzt etwas Kapital in eine schwankungsärmere Gegend und prüfen bei Frau Plutusandme ( einfacher, da im öffentlichen Dienst ) eine Arbeitszeitverkürzung. Wenn es nicht funktioniert oder gefällt können wir es wieder zurück drehen

  3. Hallo Nico,

    Ich halte es da ganz pragmatisch mit: (1) Keiner kann in die Zukunft schauen und (2) hinterher ist man immer schaluer. Die Vergangenheit kann halt immer nur in Ansätzen eine Aussage über die Zukunft geben.

    Da das mein erster Eintrag hier ist: Toller Blog und schöner Schreibstil! Macht Spaß mitzulesen, auch für mich als Neuling auf dem Gebiet. Ich komme auch aus dem Rhein-Main-Gebiet und freue mich, wenn es dieses Jahr wieder ein Treffen geben würde, das klang spannend, was du da geschrieben hattest.

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende!
    Johannes

  4. Mein Vorgehen: Ich achte auf die Zinsen. Wenn die Zinsen steigen, wird der Crash wahrscheinlicher. Ich achte zunächst auf den Ölpreis, dieser ist meines Erachtens ein Frühindikator für die Inflation. Steigt die Inflation, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung der Zentralbanken. Wenn die Zinsen bei (vielleicht) 3 -5 % stehen, könnte es kritisch werden, das halte ich aber für unwahrscheinlich vor 2019. Dann das Depot auf kurzfristige Staatsanleihen mit höchster Bonität und eventuell Gold umschichten. Meiner Meinung nach wurden die beiden letzten Krisen (2000 und 2008) durch eine zu späte aber dann sehr heftige Zinsanhebung der Zentralbanken ausgelöst. Ohne nennenswerte Zinsanhebung halte ich einen bedeutenden Crash von -50% oder mehr für unwahrscheinlich. Dann halte ich nur kleinere Einbrüche, die keine Depotumschichtung erfordern, für möglich.

  5. Bei mir war es oft Zufall das ich den richtigen Zeitpunkt für eine Investition gefunden hatte und das merkt man ja immer erst hinterher.
    Darum ist es mir wichtiger als jeder mögliche Gewinn das meine Investitionen vom ersten Euro an Geld bringen wenn Kosten entstehen dann muss die jemand anderes zahlen ( meine Mieter) alles was sonst noch an Gewinnen rausspringt ist schön aber nicht zwingend erforderlich.
    Aber das wichtigste für mich, ich Investiere nur sehr wenig eigenes Geld (Eigenkapitalrendite so bei 20 -30 %) somit ist mein Risiko auch sehr gering.
    Wie schon oben ersichtlich halte ich sehr wenig meines Kapitals in Aktien (ca. 10 %) und da habe ich eine sehr lange Haltedauer, eigentlich verkaufe ich nie….
    Zur eigentlichen Frage, ich denke das wir im Moment sehr hoch bewertete Aktienmärkte haben und es eigentlich ein Ausstiegszeitpunkt ist.
    Möglicherweise wird der Auslöser der Krise der Bitcoin und Konsorten sein da dort gerade sehr viele Menschen Geld in etwas stecken was weder einen inneren noch überhaupt einen Wert hat ( Erinnerungen an den neuen Markt) aber wer weiß das schon.
    Ist möglicherweise auch gut so.

    Gruß Chris

  6. Market-Timing wäre es doch zu versuchen den Crash vorherzusagen oder den niedrigsten Kurs während des Crashes abzupassen. Beides dürfte kaum jemandem gelingen und damit lohnt es sich wohl auch gar nicht es zu versuchen.

    Aber wenn ein Crash oder eine andere Gelegenheit schon mal da ist, warum diese nicht nutzen?
    Wenn man einen guten Kurs vor sich hat kann man ruhig zugreifen – völlig egal, wenn man nicht den besten Kurs erwischt und er nur sehr gut ist.

    Wie viel Geld man für solche Gelegenheiten vorhalten soll muss jeder für sich selbst wissen/entscheiden. Mir ist es auch egal, wenn es bei „All-in-Predigern“ verpönt ist Cash zu haben, ich behalte gerne eine ordentliche Reserve in der Hinterhand – gute Gelegenheiten gibt es auch ohne kapitalen Crash immer mal wieder und gut fühlt sich so ein Cash-Polster auch noch an. 🙂

    Einen Kredit würde ich dafür vermutlich nicht aufnehmen. Man weiß ja weiterhin nicht wie es weiter (runter?) geht. Durststrecken bei Kursen kann ich wesentlich entspannter aussitzen wenn mir keine Rückzahlung eines dazugehörigen Kredits im Nacken sitzt…

  7. Schöne Idee!
    Leider zeichnet sich ein Börsenchrash gerade dadurch aus, dass die Mehrheit der Anleger nicht erkennt, dass er bevorsteht. Wäre dem anders, gäbe es nie einen Börsenchrash. Daher halte ich die Frage: „Was tun, wenn es mal wieder richtig rumst?“ für etwas naiv.
    Was ist ein „Rums“?
    Was ist ein „Chrash“?
    In welchem Baumarkt kann ich mir das Lämpchen kaufen, dass den Ausstieg rechtzeitig anzeigt? Und wo bekomme ich die Hupe, die mir den Wiedereinstieg signalisiert?
    Warum dürfen Aktienkurse nicht mehr als 50% fallen? Warum sind sie verpflichtet, während meiner Lebenszeit wieder zu steigen?
    Zinsanhebungen? Ja, die sind tendenziell schlecht für Aktien. Ich befürchte nur, dass man mit dieser Erkenntnis nicht der einzige ist.
    Und überhaupt, warum nur in einer Baisse nachkaufen? Wenn wir schon Markettiming betreiben, dann doch bitte richtig:
    Wenn die Zinsen entsprechend ansteigen, verkaufen wir alle unsere Aktien, beleihen das Haus und pumpen uns Geld von der Verwandtschaft. Dann investieren wir in ein gehebeltes Dax-Short-Zertifikat. Schließlich können wir Marktettiming. Was soll da also passieren?

  8. Bei mir sind gerade Aktien innerhalb weniger Tage enorm gestiegen, um dann wieder enorm zu fallen, um nun wieder zu steigen.. Bis ich da irgendwie reagiert habe, ist es gelaufen. Zudem müsste ich 25% Kapitalertragssteuer zahlen. Wenn ich also Gewinne mitnehmen will und kurz darauf merke: „Ach, nee. Doch kein Crash.“ Und wieder investieren will, dann habe ich 25% zum Fenster rausgeschmissen. Realistisch gesehen, kann ich den Markt nicht timen. Ich kann aber, so wie Dummerchen, meinen Tagesgeldpuffer füllen.

    1. Warum 25%? Die Steuer zahlst Du eh, dann halt nur auf das Kursdelta. Oder verstehe ich gerade etwwsa nicht?

      Bei Kryptowährung wäre das was anderes solange Du innerhalb der 12 Mon Frist bist….

  9. Peter Lynch hat mal geschrieben, es gibt nur einen zuverlässigen Indikator, dass die Börse bald kracht: Wenn dein Friseur dir Aktientipps gibt, alles andere hat nicht funktioniert. Nun ja, er war ein Fundamentalist, also könnte die technische Analyse einen Crash dennoch helfen. So oder so, wir haben hier im deutschsprachigem Raum bei weitem noch keine so grosse Euphorie mit Aktienwahn in den Massenmedien. Und auch vom wirtschaftlichen Stand fängt der Aufschwung in der EU erst gerade an und eine Überhitzung nicht zu sehen. Die Zinsen wurden bisher auch nicht angehoben.
    Hier hat jemand was von Bitcoin geschrieben, ja da gibt es solche Euphorie und ich habe auch die Befürchtung, dass ein Crash dort auf die Börsen überschwappen könnte. Dennoch, die Börsen in der EU sind nicht überbewertet. Das sieht aber in USA anders aus und die Zinsentwicklung auch. Ich weiss aber nicht, wie die Stimmung da ist.
    Also eine uneindeutiges Fazit. Ich habe auch mehrmals gelesen, dass man häufig mit dem Timing zu früh auf die Gegenbewegung setzt und zum Teil grosse Gewinne entgehen. Deswegen haben einige die Strategie eine Bewegung durchzuhalten bis der Trend klar umgedreht ist (in einer Hausse ein vorheriges Tief unterschritten wird).

  10. Persönlich glaube ich, dass Market-Timing nicht funktioniert. Das soll dich aber m.E. nicht davon abhalten, die Finanzierung deiner Immobilien zu überdenken. Das sind aus meiner Sicht zwei unterschiedliche Aspekte. Es gibt gute und schlechte Schulen. Gute Schulden sind solche, die von anderen bezahlt werden. Ob das in deinem Fall realistisch ist und du die Schulden auf die Mieter überwälzen kannst, weiss ich nicht.

    Anders als viele andere gehe ich nicht davon aus, dass man keine Schulden haben darf, wenn man an der Börse investiert. Vielmehr geht es darum, sein Gesamtrisiko abzuschätzen. Dabei gilt es für dich z.B. folgende Fragen zu klären:

    In welchem Verhältnis steht deine Hypothek zu deinem risiko-arm angelegten Vermögensteil? Kannst du mit dem risiko-arm angelegten Vermögensteil einen längeren Crash ausfinanzieren, ohne die Nerven zu verrlieren? Mit einem grösseren risiko-armen Anteil sinkt dein Gesamtrisiko. Da der risiko-arme Anteil wenig Rendite bringt, sinkt so aber auch die Gesamtrendite. Ob der Kredit dann noch etwas bringt, muss genauer geprüft werden.

    Kommt eine drastische Zinserhöhung ausgerechnet dann, wenn du deine Hypothek erneuern musst? Das wissen wir nicht. Aber sicher kannst du mit einer klugen Staffelung der Darlehen dein Risiko etwas minimieren. Ausserdem stellt sich natürlich die Frage, wie drastisch die Zinserhöhung sein kann, bis es dich schmerzt.

    Wie sicher ist deine Arbeitsstelle und wie gross ist das daraus erzielte Arbeitseinkommen im Verhältnis zur (allenfalls gestiegenen) Zinsbelastung aus der Hypothek? Mit einem Beamtenjob auf Lebenszeit ist das etwas Anderes als als Gründer eines Startups.

    Wie flexibel bist du mit den fremdvermieteten Immobilien? Könntest du da noch Mieterhöhungen durchsetzen? Stehen dringenden Sanierungsarbeiten an oder ist alles in bestem Zustand? Könntest du mit deiner Familie in eine deiner kleineren Mietwohnungen ziehen und deine jetzige grössere Eigentumswohnung teurer an jemanden vermieten? Wir gross wären in diesem Fall die Zusatzeinnahmen? …

    Wie gut bist du und deine Familie gegen die Risiken des Lebens abgesichert?

    Stehen in Zukunft Kapitaleinkünfte an, die du als Reserve in deine Risikoabschätzung einbeziehen kannst? Zu denken ist hier z.B. an Erbschaften, Versicherungsleistungen, Renten, Verkäufe von eigenen Firmen/Immobilien/Grundstücken/Wald/Oldtimeren (sofern die dann beim Weltuntergang noch jemand kauft), aber auch an Darlehen von Verwandten und Bekannten.

    Kommt tatsächlich ein Crash, ist er gross und dauert er lange? Das können wir nicht wissen. Für mich ist es nur ein Problem, wenn alle drei Bedingungen zugleich zutreffen (Crash kommt, ist gross, dauert lange). Ich bin schon seit etwa 1993 an der Börse und habe die bisherigen «Crashs» eher mit einem Schulterzucken quittiert und ausgesessen. Natürlich können auch grössere Crashs kommen, genauso wie auch der Weltuntergang.

  11. Hallo zusammen! Spannende Diskussion.
    Ich betreibe ganz bewusst Market-Timing und bin fest davon überzeugt dass es funktioniert.

    Niemand kann auf dem Mikrolevel den Crash vorhersagen und bestimmen wann er kommt. Ich betreibe Timing deswegen auch nicht so wie das die Crash Propheten tun. Ich versuche auch nicht den Crash vorherzusagen. Für mich geht es nur um das Chance-Risiko Profil! Und dazu muss man einfach ein bisschen auf das Makro-Level hinauszoomen.
    Was meine ich damit: dein Gefühl sagt dir ja, dass die General-Equities gut gelaufen sind und sich auf historischen Bewertungsleveln bewegen. Wir bewegen uns eher am Markt-Top als am Boden. Kann die Hausse noch 1-2 oder mehr Jahre weitergehen? Klar! Allerdings ist das Chance-Risiko Profil in meinen Augen sehr unattraktiv. Warum soll ich 50% (Markcrash) meines Vermögens für eine 10 oder 20% Chance riskieren? Das ist für mich kein attraktives Investment.
    Also habe ich mein liquides Vermögen komplett in eine historisch unterbewertete Anlageklasse verschoben. Dieses Bild verdeutlicht sehr schön was ich meine: https://tinyurl.com/y9wcmqcm
    Rohstoffe befinden sich im Vergleich zu General Equities auf einem historischen Tief. Die Downside ist sehr beschränkt, das Upside ist jedoch nicht 20%, sondern eher 100-400% (je nachdem wie man den Sektor spielt).
    Für ein gutes Markt-Timing ist es also gar nicht notwendig den genauen Zeitpunkt voherzusagen und 100% der Bewegung mitzunehmen. Faktisch dürfte so etwas auch unmöglich sein. Es reicht doch vollkommen aus, wenn man den Hauptteil der Korrekturbewegung erwischt (z.B. 60-70%).

    Euer Finanzr
    PS. so jetzt dürft ihr die Tomaten rausholen!

  12. Halli Hallo Hallöchen,

    vielen Dank schon mal für Euer Input bisher! Ich gebe gerne noch einen Schwung weiterer Gedanken mit auf den Weg.

    Ich glaube nicht, dass ich einen Crash vorhersagen kann. Aber erkenne ich einen, wenn ich mitten drinstecke? Vielleicht. Und genau da setze ich ja auch an.

    Lass mich Dir ein Beispiel geben. Bei der letzten großen Krise war der Niedrigstand irgendwann Ende 2008 oder Anfang 2009 erreicht. Damals hatte ich schon eine Vorstellung, dass der Markt gerade daniederliegt – oder in anderen Worten – günstig ist. Damals gab viel negatives Marktgeschrei. Das ist für mich der beste Indikator. Wann genau der Tiefpunkt erreicht ist wird wohl die allerschwierigste Frage sein. Es dürfte unmöglich sein diesen Punkt zu treffen. Aber das ist ja auch nicht so wild. Es wäre egal gewesen „zu früh“ zu kaufen (Mitte 2008) oder „zu spät“ zu kaufen (Mitte 2010). Beides hätte sich gelohnt einzusteigen. Und zwar ordentlich.

    Jetzt hat sich der Markt in den letzten 10 Jahren aber auch außergewöhnlich stark entwickelt. Das muss nicht immer so sein. Es hätte auch eine 3-jährige Seitwärtsbewegung geben können. Oder eine richtige Depression, in der die Kurse noch viel weiter sinken. Kurzfristig (die nächsten paar Jahren) kannst Du daher nichts voraussagen. Aber langfristig kannst Du davon ausgehen, dass die Kurse sich wieder erholen und weiter steigen.

    Vor diesem Hintergrund würde es vielleicht wirklich Sinn machen bei einer größeren Marktbereinigung (Crash) den Immobilienkredit für meine Eigentumswohnungen zu refinanzieren (die Buden sind in den nächsten Jahren weitestgehend schuldenfrei). Dieser Kredit trägt sich ja dadurch selber, dass die Mieteinnahmen den Schuldendienst (und alle weiteren Kosten) tragen würden. Die Kredite würde ich auch tatsächlich langfristig finanzieren, vielleicht mit einer 10 Jahre Volltilgung (mit Sondertilgungsrechten). So gibt es auch kein Zinsänderungsrisiko, da der Kredit dann ja voll getilgt wird.

    Diese Liquidität könnte ich dann breit in den Aktienmarkt investieren und würde durch die Dividenden hier auch einen laufenden Cash-Flow generieren (der allerdings deutlich niedriger wäre als bei schuldenfreien Immobilien). Dazu gäbe es dann noch hohe Kursgewinne. Denn den Einstandspreis hätte ich ja zu einem Discount gekauft (langfristig).

    Natürlich ist dies kein Patentrezept, bei dem nichts schiefgehen kann. Es gibt ein großes spekulatives Element. Aber letztendlich wäre das Ziel durch die allgemeine Panik am Markt eine Überrendite zu erzielen. Ob ich dann so eine coole Sau bin, dass ich nicht auch in Panik verfalle, lasse ich mal dahingestellt.

    VG, Nico

  13. Hallo Nico,

    danke für den Schwung an weiteren Gedanken, aber ich befürchte, dass Du hier dem klassischen Rückschaufehler erlegen bist.
    Natürlich hätte man das alles rückblickend so machen können. Leider bin ich nicht in der Lage, in der Vergangenheit zu investieren, sondern ich muss meine Entscheidungen heute treffen und kenne die Zukunft nicht.
    Aus meiner Sicht war das Investieren in der Finanzkrise (ich habe es gemacht, aber ohne Schulden) nicht leichter und nicht schwerer als heute. Ich wusste damals genauso wenig über die Zukunft wie heute. Nur die aktuelle Lage war damals eine andere. In England war es teilweise bereits zu einem Bankrun gekommen. Die oberste Physikerin musste mit ihrem Kassenwart vor die Presse treten und für die Bankeinlagen garantieren. Herr Steinbrück ist noch heute dankbar dafür, dass keiner der Journalisten nachgefragt hat, wie das denn ohne Bundestagsbeschluss geht (der ja erst später kam).
    Aus meiner damaligen Sicht hätte die Sache auch ganz anders ausgehen können. Dann wären die Spareinlagen weg gewesen und die Wähler hätten ein entsprechendes Wahlverhalten an den Tag gelegt, was in einer Katastrophe hätte enden können. Natürlich soll man darauf vertrauen, dass alles gut geht. Das war aber nicht ausgemacht.
    Man kann also auch die Ansicht vertreten, dass der Aktienmarkt aus damaliger Sicht völlig korrekt und rational bewertet war, weil eben düstere Zukunftsaussichten eingepreist waren.

    Wenn ich Dich richtig verstehe, hättest Du Deine abbezahlten Immobilien belastet, welche sich dann durch Mieteinnahmen selbst finanzieren und das Geld in den Aktienmarkt gesteckt?
    Dabei übersiehst Du eventuell, dass
    – damals etwas andere Zinssätze galten
    – die finanzierende Bank noch ein Statement zu Deinem Vorhaben abgeben würde
    – Menschen in einer Finanzkrise mit hoher Arbeitslosigkeit auch nicht so einfach die Miete bezahlen können, wie das bisher der Fall war

  14. Moin Schwachzocker,

    klar, einfach wird es nicht. Da gebe ich Dir Recht.

    Ich wollte bei der letzten Krise nicht in den Aktienmarkt investieren, da ich bis dahin nur schlechte Erfahrungen gesammelt hatte – was an mir lag. Ich hatte mich einfach noch nicht mit dem Thema beschäftigt.

    Allerdings hatte ich in der Zeit Erfahrungen in einer anderen Asset-Klasse gesammelt. Immobilien. Ich hatte mir vorgenommen mein Erspartes in eine Eigentumswohnung zu investieren. Zufällig hatte es mich 2009 beruflich nach London verschlagen (es sollten vier Jahre dort werden).

    2009 war seit sehr langer Zeit das erste Mal, dass der Londoner Immobilienmarkt in die Knie ging. Wenn ich mich noch an all das Gerede erinnere. Dieses Mal alles ist wirklich alles anders! In der Londoner City verloren viele gutbezahlte Leute ihre Arbeit. Es waren nicht wenige, die den Tod der City vorausgesagt haben. Die Zeitungen waren voll mit dieser Untergangsstimmung. Wenn erst mal die Banker weg sind, dann wird sich der Immobilienmarkt auch nicht mehr auf diesem Niveau halten können, bzw. von diesem Einbruch erholen. Heute lacht man drüber. Schon nach weniger als einem Jahr gingen die Immobilienpreise wieder ab durch die Decke.

    Es war der perfekte Zeitpunkt eine Immobilie zu kaufen! Und tatsächlich bin ich gemeinsam mit Frau Finanzglück losgezogen und habe nach einer Immobilie geschaut, in der wir während unserer Zeit in London leben können. Die hätten wir entweder später vermietet oder aber auch (steuerfrei) verkauft. Aber für unser Budget hätte es nur ziemliche Löcher gegeben, in denen wir nicht wohnen wollten. Einen Immobilienkredit zu bekommen war für mich zu dem Zeitpunkt nicht einfach. Daher haben wir weiter gemietet und ich habe mir die beiden Eigentumswohnungen in Berlin gekauft (die einfach deutlich günstiger waren). Letztere waren auch eine gute Investition, aber mi t einer Londoner Wohnung zu diesem Zeitpunkt hätte ich wirklich den Vogel abgeschossen. In den vier Jahren hätte sich der Preis verdoppelt.

    Wir beide hatten uns damals nicht von dem Marktgeschrei ablenken lassen und hätten gerne investiert – wenn das Eigenkapital gereicht hätte. Von daher bin ich auch vorsichtig optimistisch, dass ich beim nächsten großen Einbruch nicht in Panik verfallen werde. Aber wer weiß. Auch dann wird wieder alles anders sein als zuvor 🙂

    VG, Nico

  15. Hallo Nico,

    hinsichtlich der steuerlichen Abzugsfähigkeit halte ich es für sinnvoll genauer zu formulieren.
    Beleihst Du Deine fast abbezahlten Eigentumswohnungen um mit dem Geld Aktien zu kaufen, so sind die daraus entstehenden Schuldzinsen keineswegs steuerlich abzugsfähig. Anders sieht es aus, wenn Du Renovierungs- bzw. Instandhaltungsaufwendungen mit Kreditmitteln bezahlst. Dann kannst Du die Zinsen steuerlich geltend machen. Zinsen lassen sich grundsätzlich nur steuerlich absetzen wenn ein Zusammenhang zwischen Darlehen und Einkunftsquelle besteht. Nimmst Du einfach ein Darlehen auf um ETF`s zu erwerben, besteht kein Finanzierungszusammenhang zwischen Darlehen und Immobilie.

    Dieser Hinweis nur bevor jetzt alle Ihre (fast) schuldenfreie Immobilien beleihen um damit in Aktien einzusteigen und glauben es wäre ein super Steuersparmodell.

    LG Markus

    1. Moin Markus,

      da hast du natürlich Recht! Das hatte ich unsauber, bzw. falsch, formuliert. In diesem Falle wären die Zinsen nicht steuerlich absetzbar. Ich nehme oben den Satz raus damit es kein Missverständnis gibt. Danke für die Klarstellung.

      VG, Nico

  16. Wie sagte Kostolany

    „Wenn die Börse auf gute Nachrichten nicht mehr reagiert, herausgehen – und wenn schlechte Nachrichten keine Wirkung mehr haben, hereingehen.“

    Ob man wirklich timen kann – weiss ich nicht. Was ich jedoch machen würde wäre nach einem „guten“ Crash wie 98 oder 2001 sukzessive zu kaufen. Je nach Liquidität oder Verfügbarkeit auch auf Kredit (in Maßen). Da lässt sich doch zB der Immohebel nutzen, warum die freie Liquidität für Renovierung oder Sanierung nehmen, lieber am Markt investieren und die freien Objekte beleihen.

    Ähnliches geht natürlich auch bei Immobilien. Berlin, München, Frankfurt werden in Zukunft vielleicht mal kurz günstiger – auf Dauer gehts da aber nach oben. Gerade Berlin ist im internationalen Bereich absolut unterbewertet (und irgendwann ist BER ja auch mal fertig :D)

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