Setze Deine Prioritäten im Leben richtig

Es ist schwierig im Leben den Überblick zu behalten. Wir verwirren uns in Details und verlieren den Blick für das Große und Ganze. Das Hamsterrad dreht sich immer schneller und wir geben Gas um mithalten zu können.

Hätte ich doch nur…

Vieles im Leben ist wichtig und unsere Zeit doch nur begrenzt. Wir müssen Deadlines von Projekten einhalten. Wollen schöne Stunden mit der/dem Liebsten verbringen. Die Familie besuchen. Mit den besten Freunden Zeit verbringen. Sport treiben. Mit den Kindern spielen. Dem Hobby nachgehen. (Alte) Bekanntschaften pflegen….

Die Liste scheint endlos und der Tag hat aber nach wie vor nur 24 Stunden. Verdammt!

Am einfachsten ist es dann wohl das Dringendste zuerst zu machen und alles andere auf später zu schieben.

Zunächst mal muss das Projekt auf der Arbeit fertig gestellt werden. Das ist erst mal am wichtigsten, auch wenn die Abendstunden und das Wochenende dabei drauf gehen. Sonst wird es auch schwierig mit der Gehaltserhöhung. Meine Frau kann ich auch nächstes Wochenende noch ausführen. Die Familie und Freunde können warten. Zuviel Sport soll eh ungesund sein. Die Kinder merken doch gar nicht, wenn ich mal nicht mit Ihnen spiele. Mein Hobby ist im Moment meine Arbeit! Die alten Freunde sollen sich doch selbst erst mal melden.

Und dann schaust Du irgendwann zurück und denkst: Scheiße, was ist da denn falsch gelaufen? Auf der Arbeit klappte es dann doch widererwartend nicht so gut. Der Job machte nicht wirklich glücklich. Hätte ich doch nur…

The Top Five Regrets of the Dying

Ich tue mir auch schwer zu entscheiden welche Prioritäten ich meiner knappen Zeit zuordnen soll. Woher weiß ich was wirklich wichtig ist? Es gibt eine Technik, die Dir dabei helfen kann. Achtung, jetzt wird es Makaber!

Ich bin in den letzten Jahren dazu übergegangen regelmäßig zu hinterfragen, wie mein gutes altes Ich auf dem Sterbebett die Dinge sehen würde. In solch einer Situation schaut man wirklich auf die wichtigen Dinge im Leben zurück und setzt sie ins Verhältnis zueinander. Die Perspektive ist eine völlig andere.

Maßgelblich beeinflusst hatte mich hier Bronnie Ware, eine ehemalige Palliativpflegerin aus Australien. Sie hatte auf Ihrem Blog einen Artikel veröffentlicht der sich rasend schnell verbreitete und von diversen Zeitungen aufgegriffen wurde. Ich las damals im Guardian darüber. Bronnie hatte daraufhin ein Buch darüber geschrieben mit dem Titel „The Top Five Regrets of the Dying“ (auch auf Deutsch erschienen).

Basierend auf Bronnie’s Erfahrungen gibt es ein Muster bei Leuten auf dem Sterbebett. Sie bereuen ähnliche Dinge in ihrem Leben. Hier ist noch mal die Kurzversion der fünf am meisten genannten Reuen (frei übersetzt):

1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben, nicht das, was andere von mir erwarteten.

2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.

3. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.

4. Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten.

5. Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.

Wow, das sitzt. Es gab keinen Einzigen, der sich gewünscht hätte noch etwas mehr gearbeitet zu haben. Keinen, der es bereut hatte, nicht doch das teurere Auto gekauft zu haben. Es dreht sich einfach mal gar nicht um materielle Dinge. Nur auf das Zwischenmenschliche kommt es an.

Sei Dir Deiner Prioritäten im Leben bewußt

Es ist nicht alles eins zu eins auf Dich oder mich umsetzbar. Bronnie arbeitete in Australien (andere Kultur) und die Leute, die sie pflegte, waren häufig Menschen, die ein oder zwei Generationen weiter waren als ich heute.

Trotzdem bin ich überzeugt, dass der Grundgedanke ähnlich ist. Ich werde mit Sicherheit nicht irgendwelchen materiellen Dingen nachtrauern, sondern vielleicht eher bereuen, nicht noch mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbracht zu haben.

Ich habe für mich bereits versucht meine Prioritäten im Leben zu setzen. Diese Liste wird sich eventuell noch ändern, je nachdem wie sich meinen Lebenssituation ändert. *

  • Generell hinterfrage ich jede größere Entscheidung ob sie mich glücklicher macht. Wenn die Antwort Nein lautet, dann hat es keine Priorität.
  • Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie. Den ersten Entwurf dieses Artikels schrieb ich in meiner Elternzeit, welche wir zum großen Teil zu Besuch bei unseren Familien verbracht hatten. Ich hebe (fast) jeden Morgen meinen Kleinen aus dem Bett und singe ihn abends wieder in den Schlaf.
  • Ich pflege meine Freundschaften, besonders die zu meinen ältesten Freunden. Obwohl ich seit zehn Jahren nicht mehr in meiner Heimatstadt wohne, halte ich immer noch einen sehr engen Kontakt zu meinen alten Jungs. Zwei Mal im Jahr (in verschiedenen Gruppen) fahre ich für verlängerte Wochenenden mit ihnen in den Urlaub.
  • Ich versuche so fit wie möglich zu bleiben. Körperliche Fitness und Gesundheit sind ungeheuer wichtig. Es gibt mir einfach so viel mehr Lebensqualität, wenn ich körperlich nicht eingeschränkt bin. Ich fühle mich wohl in meiner Haut. Es gibt immer Ausreden gerade keinen Sport zu machen. Dabei ist es viel wichtiger, als die meisten anderen Dinge im Leben. Wir haben z.B. die Lage unseres Hauses danach ausgesucht, dass ich den Weg zu meiner Arbeit gut mit dem Fahrrad fahren kann (ca. 11km pro Weg). Dadurch kann ich den Sport in meinen Alltag integrieren und die Zeit, dich ich sonst mit Sport treiben verbracht hätte, mit meiner Frau und meinem Sohn verbringen. Es hat mich übrigens überrascht, dass Sport/Ernährung nicht in der Liste von Bronnie oben auftaucht.
  • Erfahrungen sind immer mehr wert als Gegenstände. Ich mache mir nicht viel aus (Luxus)-Gegenständen. Dafür denke ich oft an schöne Momente in meinem Leben. Ich vermute, das wird im Alter eher noch zunehmen.

Mein Ziel der finanziellen Freiheit deckt sich mit meinen Prioritäten im Leben. Es erlaubt mir meine komplette Zeit an diesen auszurichten. Ich kann dann mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen. Ich kann mehr Sport treiben, eigene (ehrenamtliche) Projekte entwickeln und Hobbies nachgehen. Wichtiger noch, ich habe die Freiheit, Dinge nicht mehr tun zu müssen, die sich nicht mit meinen Prioritäten decken.

 

Ich hoffe dieser (sehr persönliche) Blogpost wird Dir helfen, auch Deine Prioritäten klarer zu erkennen. Es würde mich freuen, wenn Du diese mit mir in einem Kommentar unten teilst.

 

* Dies ist das erste Mal, dass ich diese Liste tatsächlich aufschreibe. Ich hatte sie bisher immer nur in meinen Gedanken. Das zeigt mir mal wieder in wie weit mich dieser Blog persönlich weiterbringt.

Facebooktwittergoogle_plusmail

4 Kommentare

  1. Erfahrungen sind immer mehr wert als Gegenstände. Ich mache mir nicht viel aus (Luxus)-Gegenständen. Dafür denke ich oft an schöne Momente in meinem Leben. Ich vermute, das wird im Alter eher noch zunehmen.

    Auf dem Sterbebett haben wir nur noch die Vergangenheit auf die wir zurückblicken können. Diese wird vermutlich umso wertvoller, je besser wir während unseres Lebens im Hier und Jetzt leben. Uns darauf konzentrieren jetzt das zu tun was wir unbedingt wollen und die Zukunft im Augenwinkel zu behalten (Vorsorgen), diese aber nicht unser komplettes Handeln dominieren lassen, sollte eine gute Grundlage dafür sein.

    Viele Grüße,
    Marco

  2. Schön geschrieben, Marco. Ich kann Dir voll zustimmen. Man muss sich der schönen Dinge bewußt sein im Leben und diese auch wertschätzen. Dabei sind es gar nicht die großen Dinge, sondern eher die kleinen, unerwarteten Glücksmomente, die den Unterschied machen.

  3. Schön Beitrag. Ich erkenne mich in vielen Punkten wieder.

    Doch habe ich mich fast im selben Alter wie Du dazu entschlossen einen anderen Weg zu gehen. Ich habe meinen sehr gut bezahlten Job aufzugeben, der mir ermöglichte einen ordentlich Betrag bis dahin zu sparen, und mich neu zu orientieren. Ich wollte nicht mehr mit Zahlen, sondern mit Menschen arbeiten. Ich habe nochmal studiert, mich weitergebildet, eine Familie gegründet usw. Der Preis? Ich verdiene nun viel, viel weniger und werde wohl nach Deiner Definition nicht mit Mitte 40 finanziell frei sein. Ich möchte glücklich leben. Wir verdienen mehr als wir ausgeben. Das macht uns finanziell frei. Ich gehe einer Tätigkeit nach, die mich erfüllt. Das macht mich frei. Ich kann mir meine Zeit an vielen Tagen frei einteilen. Klar, wir können uns keinen Luxus leisten. Teure Urlaube oder elektronische Gadgets sind nicht drin.

    Wer weiss, vielleicht werde ich den Schritt dann im Alter bereuen, wenn alle Betreiber von Dividenden-Blogs den lieben langen Tag im Alter ihre Dividenden zählen und … ja, was eigentlich tun? Eventuell, was ich jetzt schon mache. Ich wüsste nicht, was ich mit mehr Zeit anders machen würde. Ich habe keine Ahnung, ob der liebe Gott mich 50, 60 oder 80 werden lässt. Ob mir meine finanzielle Freiheit etwas bringen, wird wenn ich ein paar Jahre darauf umfalle.

    Manchmal muss man vorbeizielen, um ins Schwarze zu treffen. Ich wünsche Dir, dass Du auf Deinem Weg zur finanziellen Freiheit in Wahrheit die innere Freiheit triffst.

    Alles Gute!

  4. Ich glaube nicht, dass Du Deinen Schritt im Alter bereuen wirst, Santiago. Du scheinst mit Deinem Leben im Reinen zu sein und ein glückliches Leben zu führen.

    Es gibt nicht den einen, richtigen, Weg im Leben, um glücklich zu sein. Jeder muss für sich selbst schauen was am besten passt. Ich glaube allerdings, dass die wenigsten sich wirklich Gedanken machen darüber. Es ist bequem, einfach alles so zu machen wie die meisten Anderen: Job, Konsum, Schulden. Ich versuche hier zumindest einen alternativen Weg aufzuzeigen.

    Vermögen aufbauen nur des Vermögen willens, a la Dagobert Duck, macht keinen Sinn für mich. Es muss schon zielführend sein. Ich halte es da ganz mich Dostojewski: Geld ist geprägte Freiheit!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.