Interview mit dem Versicherungsfuchs (Teil 1)

Weißt Du was diesen Blog so einzigartig macht?

Das bist Du.

Du und all die anderen Finanzglück-Leser, die mit ihren Kommentaren dem Blog das Leben einhauchen.

Und darunter befinden sich einige wirkliche Fundstücke. Topausgebildete Menschen mit einem tiefen Wissen auf ihren jeweiligen Spezialgebieten.

Einer davon ist der Versicherungsfuchs, der… nun ja… halt ein echter Fuchs auf seinem Fachgebiet Versicherungen ist. Ich habe den Versicherungsfuchs beim Finanzglück-Lesertreffen kennenlernen dürfen. Er ist ein ganz feiner Kerl, mit dem man sich stundenlang unterhalten kann, ohne dass es langweilig wird.

Der Fuchs arbeitet als Versicherungsanalyst. Er verbringt seinen lieben langen Tag damit, Versicherungsprodukte zu analysieren, zu bewerten und zu vergleichen. Er schaut also hinter die Kulissen und bekommt einen ganz besonderen Einblick in die Materie.

Erst schnack ich, dann Du

Es freut mich ganz besonders, dass der Versicherungsfuchs uns alle von diesem Spezialwissen profitieren lassen wird. Denn er hat sich lieberweise für ein Interview auf Finanzglück bereiterklärt.

In dem dreiteiligen Beitrag „Wie Du Dich richtig versicherst“ habe ich mich schon mit diesem Thema auseinandergesetzt. Aber einige Fragen brennen mir noch immer unter den Nägeln. Diese Fragen beantwortet der Versicherungsfuchs jetzt im Interview.

Aber dann geht der Spaß erst richtig los.

In den Kommentaren kannst Du ihm dann weitere Fragen stellen. Alles was Du zum Thema Versicherungen immer mal fragen wolltest.

Nutze Deine Chance!

 

Interview mit dem Versicherungsfuchs

Mit welchen Versicherungen verdienen Versicherer am meisten? Wo zahlen sie drauf?  

Die Frage lässt sich nur schwer allgemein beantworten. Im Lebens- und Krankenversicherungsbereich wird viel mit Kapitalanlage als Rückstellung gearbeitet, daher kann man nur in den Schadensversicherungsbereich konkrete Aussagen machen.

Was man auf jeden Fall aber sagen kann ist, dass ein hoher Wettbewerb die Marge für den Versicherer extrem minimiert.

An einem Ende der Skala liegt die KFZ-Haftpflicht, bei der die Beitragseinnahmen teilweise unter den ausgezahlten Schadenssummen liegen. Das heißt, der Versicherer macht Verlust. Der Wettbewerb ist durch den Zwang des Gesetzgebers sehr hoch. Einerseits muss jeder PKW zwangsweise eine Versicherung haben, andererseits muss auch jeder PKW vom Versicherer versichert werden (Kontraktionszwang). Zudem darf die Versicherung jährlich mit kurzen Fristen gekündigt werden.

Hohe Schaden-Kosten-Quoten haben daneben aber auch Wohngebäude-, Haftpflicht- oder Rechtschutzversicherungen.

Am anderen Ende der Skala liegen z.B. die Hausrats- oder auch die Unfallversicherung.

Welche Versicherungen siehst Du als absolutes Muss für einen jeden an?

Eine private Haftpflichtversicherung (PHV). Alles andere kommt auf die persönliche Situation an.

Bei der privaten Haftpflicht sollest du übrigens darauf achten, dass der Baustein „Haftungsausfalldeckung“ mit versichert ist. Nur ca. 2/3 der Deutschen haben eine PHV.

Wenn Dir ein Schaden von dem anderen Drittel zugefügt wird und derjenige nicht solvent ist, übernimmt Deine eigene Haftpflichtversicherung den Schaden. Auch der Verlust von Schlüsseln (privat bei Miete, beruflich) kann hier günstig mitversichert werden, und so eine Schließanlage kann teuer werden.

Wenn ich mir meine Versicherungen zusammenstelle, sollte ich das dann selber tun und mir über Vergleichsportale den besten Deal suchen oder sollte ich doch besser die Dienste eines Versicherungs-Spezialisten in Anspruch nehmen?

Eins vorweg: Die Vergleichsportale im Internet sind häufig auch als Makler zugelassen und verdienen nicht schlecht am Abschluss per Klick.

Aber gerade bei „komplizierten“ Versicherungen (z.B. Berufsunfähigkeitsversicherung) sollte man sich im persönlichen Gespräch kompetenten Rat (Makler [Provision], Versicherungsberater [Honorar]) einholen. So können z.B. durch eine anonyme Risikovoranfrage auch Personen mit einer gewissen Krankengeschichte noch als gesund versichert werden.

Verschiedene Versicherer haben auch eine verschiedene Annahmepolitik. Macht der Versicherungsnehmer das alleine, kann er das nicht anonym machen. Dabei lautet eine regelmäßige Frage in den Antragsfragen „Wurde schon mal eine Antragsstellung zu einer BU-Versicherung abgelehnt oder nur mit Erschwernissen angenommen?“ Da ist man dann „verbrannt“.

Selbst bei einer privaten Haftpflicht kann es ratsam sein, einen Spezialisten mit einzubeziehen,  der einem die großen Schadenshöhen/-gefahren aufzeigt. Insbesondere ältere Verträge haben die bereits erwähnte „Haftungsausfalldeckung“ nicht inkludiert. Diese halte ich jedoch für einen extrem wichtigen Baustein in der PHV. Als Laie bekommt man wenig Neuerungen mit.

So habe ich bei meinen Eltern vor einigen Jahren noch eine Haftpflichtversicherung gefunden, deren maximale Deckungssumme 1 Millionen DM war… – und natürlich ohne Haftungsausfalldeckung.

Eine KFZ-Haftpflicht wiederum ist durch den Gesetzgeber stark reglementiert. Hier gibt es schon sehr hohe Mindestschadensummen. Mit ein bisschen Klicken in einen Onlinevergleichsrechner wird man auch als Laie gute Ergebnisse erzielen können.

Eine der kontroversesten Versicherungen ist die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Wie stehst Du dazu?

Für alle Erwerbstätigen ist eine Einkommenssicherung noch ein absolutes Muss. Hast Du Dir auf deiner letzten Rentenauskunft mal Deine Rente bei vollständiger Erwerbsunfähigkeit angesehen? Ich wäre damit als Aufstocker beim Sozialamt bzw. würde ich nichts weiter bekommen, weil ich eine mich versorgende Ehefrau habe.

Wenn möglich (finanziell und gesundheitlich) sollte diese Absicherung über eine Berufsunfähigkeitsversicherung geschehen. Meiner Meinung nach sollte man sich hier einen Profi (Versicherungsmakler / -berater) mit an Bord nehmen.

Wirklich überlegenswert ist es, einen Versicherungsberater zu bezahlen. Das kostet zwar erstmal einige Hundert Euro, dafür ist dieser dann aber auch in der Lage Honorartarife zu vermitteln. Diese haben einen deutlich geringeren Beitrag, da sie die Provisionen für den Makler nicht mit einkalkulieren müssen.

Sollte man eine nicht wirklich gute Krankheitsgeschichte haben, kann ein Makler oder Berater auch anonyme Voranfragen bei einem Versicherer stellen. Ganz wichtig: Nichts verschweigen oder verharmlosen. Es ist alles anzugeben, wonach der Versicherer fragt.

Wenn der Makler /  Berater meint, dass diese Erkältung nicht wichtig sei, dann hat man evtl. den falschen Berater. Ob es nicht wichtig ist, entscheidet nicht er, sondern der Risikoprüfer der Versicherung. Sonst hat man im Schadensfall keinen Versicherungsschutz. Sollte man sich nicht mehr im Klaren über seine Krankheitshistorie der letzten 5 bzw. 10 Jahre sein, darf auch gerne mal die Krankenversicherung angefragt werden.

Was sind die typischen Ursachen für eine Berufsunfähigkeit? Gibt es hier Unterschiede in den verschiedenen Altersklassen?

Mit steigendem Alter nimmt die absolute Zahl der BU-Fälle zu, weswegen auch die Beiträge zu einer BU steigen, je später man sich für eine BU-Absicherung entschließt.

Die mit Abstand häufigsten BU-Ursachen sind mit ca. 31% psychische Probleme, gefolgt von Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates (ca. 22%), Krebs und sonstige Geschwüre (ca. 14%), Unfälle (ca. 10%) und Erkrankungen des Herzens und Gefäßsystems (ca. 8%). Der Rest geht auf „Sonstiges“ zurück.

Signifikante altersbedingte Unterschiede gibt es bei Unfällen (unter 40 ca. 15%, über 50 ca. 7%) und Erkrankungen der Herzens und Gefäßsystems (unter 40 ca. 3%, über 50 ca. 14%).

Der Rest bleibt relativ stabil in der Verteilung der Ursachen.

Vielen ist eine BU aber schlichtweg zu teuer und daher lassen sie diese wichtige Versicherung weg. Gibt es Wege die Beiträge sinnvoll zu senken?

Das eine BU-Versicherung teuer ist, kann ich nicht nachvollziehen. Das mag bei dem Blick auf den Beitrag vielleicht so erscheinen. Aber hast Du Dir mal durchgerechnet, was Du absicherst? Wieviel Geld wirst Du noch bis zu deinem Renteneintritt verdienen?

Sind nicht sehr viele Menschen bereit, ihren neuen BMW mit allem Schnickschnack Vollkasko zu versichern und geben vierstellige Prämien dafür aus? …und jetzt frage ich Dich: Ist Dir ernsthaft Deine Arbeitskraft, Dein Einkommen für den Rest deines Lebens weniger wert, als ein Auto, das sowieso an Wert verlieren wird?

Dann ist die Schadenswahrscheinlichkeit bei einer Berufsunfähigkeit noch sehr hoch. Jeder Vierte wird im Laufe seines Lebens zumindest temporär einmal berufsunfähig.

Gerade Personen wie Du oder Deine Leser können sich auch überlegen, eine BU nur bis zum geplanten „Renteneintritt“ zu versichern. Das senkt die Kosten dramatisch, da die „gefährlichen“ Jahre gerade die im Alter sind. So kann man durchschnittlich rechnen, dass z.B. eine BU-Versicherung bis 67 anstatt 62 Jahren ca. 50% Aufschlag kostet.

Zudem könntest Du eine technisch einjährig kalkulierte Versicherung abschließen. Hier bildest Du keine Altersrückstellung und zahlst jedes Jahr das Risiko Deines Jahrgangs. Das führt zwar zu sehr hohen Beiträgen im Alter, aber auch zu sehr niedrigen in jungen Jahre. Du und jeder Deiner Leser kann aber ziemlich sicher das Geld besser anlegen. Die Gefahr dabei ist aber, dass man sich irgendwann sagt, dieser Beitrag ist viel zu hoch, dabei aber vergisst, wieviel Beitrag in der Vergangenheit eingespart wurde.

Was wären die Alternativen zu einer BU? Vielleicht eine Unfallversicherung?

Eine Unfallversicherung kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht ersetzen, da sie die Lücke statistisch nur zu 10% schließt. Das heißt nur ca. 10% aller BU-Fälle basieren auf Unfällen.

Eine Unfallversicherung ist grundsätzlich nicht dazu gedacht, fehlendes Einkommen zu ersetzen, sondern um eine einmalige Summe zu erhalten, um sein Lebensumfeld den durch den Unfall geprägten Gegebenheiten anzupassen. Aber häufig ist nur eine bestimmte Summe abgesichert und keine Rente.

Weitere Absicherungsprodukte für Erwerbseinkommen wären:

  • Erwerbsunfähigkeitsversicherung (sichert die Erwerbsfähigkeit, aber nicht speziell den eigenen Beruf),
  • Grundfähigkeitsversicherungen (sichert bestimmte Grundfähigkeiten ab, wie z.B. Gehen, Greifen, Treppensteigen etc.),
  • Dread Disease Versicherungen (Leistungsfall ist hier der Eintritt einer bedingungsmäßigen schwere Erkrankung, z.B. eine Tumorerkrankung),
  • funktionelle Invaliditätsversicherungen / Multirisk-Versicherung (vereint einige oben stehende Bereiche zu einer Versicherung).

Wie gesagt sollte man sich für die Absicherung seines Einkommens einen Profi holen.

Jetzt gibt es ja immer noch eine ganze Reihe an Menschen, die einfach gar keine BU mehr bekommen aufgrund ihrer Krankheitsgeschichte, des Alters, Berufes oder einer Kombination davon. Einige gehen den fragwürdigen Weg der vorsätzlichen Falschangabe und hoffen auf die gesetzlichen Verjährungsfristen für vorvertragliche Anzeigepflichten. Sprich: Es erst bei den Angaben nicht so genau nehmen und dann hoffen, dass die ersten 10 Jahre lang nichts passiert. Dann kann die BU nicht mehr angefochten werden. Wie siehst Du das?

Zunächst mal muss ich Dir Recht geben, dass es für viele Menschen keinen BU Schutz gibt.

Bei einem 50-jährigen Dachdecker mit Vorerkrankungen ist der Zug abgefahren. Er muss so lange wie möglich durchhalten und im Zweifel von seiner Familie und dem Staat aufgefangen werden.

Ich möchte niemanden empfehlen, bei Antragsstellung falsche Angaben zu machen. Man hat im Zweifel dann bis zu 10 Jahre (Verjährungsfrist für Vorsatz und Arglist) Beiträge umsonst gezahlt.

Mein Wunsch wäre eher, dass der Gesetzgeber tätig wird und alle Versicherer verpflichtet, ihren günstigsten Tarif ohne Gesundheitsfragen mit einer Wartezeit von 10 Jahren anzubieten. So würde dem großen Problem entgegengewirkt werden, dass risikoreiche Berufe immer teurer werden und risikoarme Berufe immer günstiger.

Da die risikoreichen Berufe eher den günstigen Tarif mit 10 Jahren Wartezeit abschließen würden, wären sie in einem Kollektiv mit Mathematikern und Juristen, was diese Tarife verteuern würde. Es würde also wieder eine Risikodurchmischung stattfinden, was eigentlich der Grundgedanke einer Versicherung ist. De facto gibt es diesen „Wartezeit-Tarif“ aufgrund der Verjährungsregelung ja schon heute.

 

Das war jetzt der erste Teil des Interviews. Im zweiten Teil des Interviews sprechen wir über private Krankenzusatzversicherungen, Pflegeversicherung, Rechtsschutz und darüber, welche wiederkehrende Fehler Versicherungsnehmer machen. Zu guter Letzt listet der Versicherungsfuchs seine eigenen Versicherungen auf (und sagt, was er dafür bezahlt).

Hast Du soweit schon Fragen an den Versicherungsfuchs? Vielleicht zum Thema BU oder Haftpflicht? Er wird Deine Fragen so gut es geht (aber natürlich ohne Gewähr) beantworten. Ich freue mich schon auf Deinen Kommentar!

 

Facebooktwittergoogle_plusmail

20 Kommentare

  1. Hallo Nico,

    was für eine tolle und gewinnbringende Kooperation mit dem Versicherungsfuchs… 🙂
    Herzlichen Dank für das interessante Interview, ich freue mich schon auf die folgenden Beiträge!

    … und tatsächlich ist im Bereich Privathaftpflicht eine Frage aufgetaucht:
    Lieber Versicherungsfuchs, zu welcher zeitgemäßen Deckungssumme würdest Du bei der Privathaftpflicht denn raten?
    Mein Mann und ich sind seit 2010 zusammen versichert und haben tatsächlich auch „nur“ jeweils 500.000 EUR für Personenschäden und jeweils 150.000 EUR für Sachschäden (pro Versicherungsjahr) – hab gerade unsere Unterlagen gewälzt. Anscheinend besteht hier dringend Handlungsbedarf.
    Und kann man die Haftungsausfalldeckung nachträglich in den Vertrag aufnehmen lassen?

    Ich möchte gerne mit konkreten Daten bei unserem Versicherungsberater antreten und wäre Dir für einen Tipp sehr dankbar!

    Viele Grüße,
    TanteOnna

    1. Hallo TanteOnna,

      der Bund der Versicherten empfielt eine Versicherungssumme für Sach- und Personenschäden in Höhe von mindestens 5 Millionen Euro und 100.000€ für Vermögensschäden. Natürlich ist hier ein Mehr immer besser.
      Normalerweise ist ein Wechsel bei einem Versicherer in einen leistungsstärkeren Tarif ziemlich unproblematisch möglich und es haben auch fast alle Versicherer Tarife mit Haftungsausfalldeckung. Es sollte daher kein Problem sein, kurzfristig in einen aktuellen und leistungsstarken Tarif zu wechseln. Wahrscheinlich wird dies nicht einmal mit erheblichen Mehrkosten verbunden sein.
      Wenn du mit dem Gedanken spielst in einen Tarif eines anderen Versicherers zu wechseln musst du natürlich die Kündigungsfristen beachten.
      Wenn du dich tiefer in die Materie der Haftpflichtversicherung einlesen willst, gibt es hier ein Merkblatt (11 Seiten) des Bund der Versicherten: https://www.bundderversicherten.de/Haftpflicht

      Viele Grüße
      Versicherungsfuchs

  2. Hi,

    ein wirklich interessanter Beitrag, bin schon sehr gespannt auf die anderen Teile des Interviews.

    Besonders den Punkt sich nur bis zum geplanten Renteneintritt zu versichern, finde ich gut. Die Beiträge dürften ja noch ein gutes Stück zurück gehen, wenn man sich nur bis 50 oder 40 versichern muss. Eine Frage noch zum Abschluss: Welchen Betrag deckt eine solche BU ab? Bezieht sich die Abdeckung auf das aktuelle Netto-/Bruttogehalt oder kann man da relativ frei wählen und es erhöht sich dementsprechend nur der Beitragssatz, wenn man sich höher versichern lassen will?

    Vielen Dank bereits im Voraus.

    Als Student habe ich mich bis jetzt noch nicht mit diesem Thema beschäftigt. Doch es ist sicherlich ziemlich praktisch bereits vor dem Eintritt in das Berufleben schon ein paar Sachen zu wissen 🙂

    VG Christian

    1. Hi Christian,

      plane aber bitte genug „Puffer“ bis zu deinem geplanten Renteneintritt ein. Pläne haben häufig den Nachteil, dass sie nicht aufgehen. 😉
      Die Höhe der BU-Rente kannst du innerhalb einer „Angemessenheitsprüfung“ frei wählen. Normalerweise wird von Versicherern ca. 60% deines Bruttoeinkommens bzw. 80% deinen Nettoeinkommens als angemessen betrachtet.
      Du kannst über sog. Dynamiken eine Beitragssteigerung (z.B. 5% p.a.) vereinbaren, so dass jedes Jahr dein Beitrag und deine Leistung steigen, ohne dass eine Gesundheitsprüfung vorgenommen wird. Hiermit solltest du Inflation oder regelmäßige Lohnsteigerungen anpassen. Für außerplanmäßigen Steigerungsbedarf der Absicherung existieren bei den meisten Versicherern sog. Nachversicherungsgarantien. Hier kannst du bei bestimmten Ereignissen (in deinem Fall z.B. Studienende, erster Job; aber auch Heirat, Geburt, außerplanmäßige Gehaltssteigerung) die versicherte Rente ohne Gesundheitsprüfung erhöhen.
      Auch als Student kannst du schon eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen.

      Viele Grüße
      Versicherungsfuchs

      1. Hehe, ja das werde ich definitiv. Ich kalkuliere generell lieber etwas vorsichtiger, um immer einen gewissen Spielraum zu haben, sollten sich irgendwelche Sachen ändern oder anders laufen als geplant.
        Vielen Dank für die top Antwort, damit wären erst einmal alle Fragen geklärt.

  3. Ein toller Blick in die Insides der Versicherer! Vielen Dank dafür! Beim Thema BU hört man auch immer wieder von großen Unterschieden in den Vertragswerken der Versicherer. Gibt es hier pauschale Empfehlungen für einzelne Versicherer?

    1. Hallo Bankenmärchen,
      der erste Blick bei einer BU-Versicherung sollte auf dem Bedingungswerk liegen. Hier ist ein sehr aussagekräftiges Argument das Höchstrating einer der großen Analysehäuser für Versicherungsprodukte (5 Sterne, fff, 5 Eulenaugen).
      Eigentlich haben fast alle Versicherer zumindest einen ausgezeichneten Tarif. Ich würde hier keinen bestimmten Versicherer hervorheben. Schau mit einem Versicherungsmakler oder -berater nach dem für dich besten Tarif.
      Viele Grüße
      Versicherungsfuchs

  4. Zunächst einmal: Super Artikel!
    Danke an Euch beide!

    Ich habe eine „Spezialfrage“ an den Versicherungsfuchs:
    Es geht um die landwirtschaftliche Haftpflichtversicherung. Mein Vater hat als Nebenerwerbslandwirt einen derartigen Vertrag und da stehen (so erinnere ich mich zumindest dunkel) 1 Million Euro Versicherungssumme drin. Wenn ich mir die einfache „Otto-Normal-Bürger“-PHV ansehe, bin ich ja bald als Standard bei 5 Millionen.
    Sein Versicherungsvertreter meint, dass ja eh alles konstruiert sei und man das nie bräuchte…
    Daher meine Frage, sofern Du dich da auskennst: Ist da eine Erhöhung nicht Pflicht? Gibt es da spezielle Literatur?

    Und dazu noch etwas:
    Macht dort auch eine Ausfalldeckung Sinn bzw ist diese dort integriert?

    Vielen Dank und lass uns gern weiter an Deinem Wissen teil haben!

    1. Hallo Thomas,
      mit speziell landwirtschaftlichern Haftpflichtversicherungen kenne ich mich leider nicht wirklich aus. Grundsätzlich solltest du überlegen, was denn von einem landwirtschaftlichen Betrieb für Gefahren und Schadenshöhen ausgehen können. Literatur wirst du hier wohl in einer Universität in der Bibliothek der Rechtswissenschaften finden.
      Tut mir leid, dass ich dir hier nicht wirklich weiterhelfen kann.
      Viele Grüße
      Versicherungsfuchs

      1. Gar kein Problem – das ist ja auch eine Nische.
        Aber rein von der Logik: Wenn es privat schon so hoch ist, macht es da doch auch Sinn, oder? Normale Unternehmen werden ja auch höhere Summen haben.

        1. Hi Thomas,
          ich weiß nicht, welche Gefahren von einem landwirtschaftlichen Betrieb ausgehen können. Ist dieser frei zugänglich und es kann jemandem etwas auf den Kopf fallen? Kann ein Düngemittellager auslaufen und benachbarte Grundstücke verseuchen?
          Als Privatperson die Fahrrad fährt, kann ich im Straßenverkehr sehr hohe Schäden verursachen. Von teuren Autos bis Menschenleben kann ich da alles gefährden. Kann der landwirtschaftliche Betrieb das auch? Was ist das Worse-Case-Szenario? Wie wahrscheinlich ist dessen Eintritt?

          Gruß
          Versicherungsfuchs

  5. Ich habe dieses Jahr zum Thema BU rechechiert:

    Handelsblatt schreibt kritisch in einem Artikel, dass jedem eine BU angeraten wird ohne dass es belastbaren Statistiken gibt. Dafür wird das Handelsblatt als dumm beschimpft.

    Finanztip rät eine BU nur mit einer Rechtsschutzversicherung abzuschließen, weil es sehr wahrscheinlich ist, dass die Versicherung versuchen wird nicht zu zahlen.

    Es kann sein, dass irgendein Arzt in den letzten Jahren Diagnose gefälscht hat, um abzukassieren. Dadurch könnte ich falsche Angaben machen ohne es zu wissen (TKK Krankenkassenskandal).

    Finanztest wird wieder kritisiert wegen ihrer Testmethodik zum Thema BU.

    Ich muss einen Experten bezahlen, den ich nur für ein einziges Thema brauche und danach nie wieder und von dem ich nicht beurteilen kann wie kompetent er ist.

    Wenn ich in der Vergangenheit krank war und das richtige gemacht habe, nämlich einen Arzt aufsuchen um mich zu behandeln bekomme ich einen schlechten Tarif.

    Ein gängiger Tipp in der Finanzcommunity ist es, niemals ein Produkt zu kaufen, was man nicht bis zum Ende versteht. Ich habe keine Ahnung wem ich in diesem Markt vertrauen kann, ich habe keine Ahnung wer in dieser Sache welche Interessen vertritt. Mag ja sein, dass es sinnvoll wäre dieses Risiko abzusichern. Aber ich habe kein Vertrauen in eine Versicherung noch in ein Produkt.

    1. Hallo Herr Pfeffer,
      du hast zwar keine direkte Frage gestellt, ich möchte trotzdem kurz einige Worte sagen, die dir vielleicht weiterhelfen.
      Die Wahrscheinlichkeit, dass die Versicherung zahlt, ist eher gut. Selbst „schlechte“ Versicherer haben noch eine Leistungsquote von über 50%.
      Wenn du dir nicht sicher bist, was in deiner Krankengeschichte notiert ist, solltest du zusammen mit einem „Profi“ eine Abfrage bei deiner Krankenversicherung machen und eine anonyme Voranfrage auf Versicherungsschutz stellen. Makler machen dies ohne eine Vorabzahlung, vermitteln dann aber natürlich auch Tarife mit eingerechneter Courtage. Gerade bei einer solchen komplizierten Abfrage, hat er sich diese dann aber auch verdient. So kann aber auch rechtssicher häufig auch noch ein Versicherungsschutz ohne Ausschlüsse oder Zuschläge erreicht werden.
      Viele Grüße
      Versicherungsfuchs

  6. Vielen Dank für diese interessanten Einblicke!

    Ich habe mich auch alle paar Jahre mit dem Thema BU auseinandergesetzt, aber letztlich jedes Mal dagegen entschieden. Hauptgrund war am Ende immer, dass ich das Risiko nicht wirlich einschätzen konnte weil mir einfach ein paar Daten gefehlt haben.

    Vorallem die typische/mittlere Dauer einer Berufsunfähigkeit hätte mich interessiert. Kannst Du dazu etwas sagen? (Womöglich noch spezifisch für Schreibtischtäter wie mich?) Es ist ja nicht so, dass die Versicherung unabhängig vom Krankheitsverlauf immer bis Vertragsende zahlt.

    Mit Hilfe von Rücklagen und Familie 2-3 Jahre Verdienstausfall zu überbrücken würde wohl noch gehen, bei 10 oder mehr Jahren wäre es dann aber doch existenzbedrohend, wenn man von der finanziellen Freiheit noch ein gutes Stück entfernt ist.

    Der Eindruck, dass die Versicherer diese Daten lieber für sich behalten wollen, schafft letztlich auch kein höheres Vertrauen in dieses Produktangebot.

    1. Hallo Dirk,
      die typische Dauer ist ja bereits in die Prämie eingepreist. Ebenso der Beruf „Schreibtischtäter“. Daher sorgt der Wettbewerb schon dafür, dass hier eine faire Prämie verlangt wird.
      Wenn du eine gewisse Zeit selbst mit Rücklagen überbrücken kannst und willst, wäre es für dich vielleicht auch sinnvoll eine hohe Karenzzeit mit in eine BU-Vertrag „einzubauen“. Eine Karenzzeit bedeutet, dass erst nach dem Ablauf der gewählten Karenzzeit eine Rente gezahlt wird.
      Das kann auch deswegen sinnvoll sein, da du als Angestellter zuerst noch Lohnfortzahlung genießt und anschließend eine gewisse Zeit noch Krankentagegeld beanspruchen kannst.
      Viele Grüße
      Versicherungsfuchs

  7. Hallo Versicherungsfuchs,

    vielen Dank für deinen Beitrag!

    Das Thema mit der BU macht mir echt zu schaffen, da ich es nicht schaffe, mir selbst einen guten Überblick zu verschaffen. Die Sache ist doch sehr intransparent und höchst individuell.

    Hast du einen Tipp, wo ich da am besten ansetze? Oder führt der Weg echt nur über einen Berater? Ich würde mich wirklich ungern ausschließlich auf eine externe Meinung verlassen …

    Viele Grüße

    1. Hallo ETF-Sparer,
      wenn du die letzten 5 Jahre (ambulant) bzw. 10 Jahre (stationär und psychisch) gesund warst, kannst du versuchen, dich selbst darum zu kümmern. Frage dann ruhig bei deiner Krankenkasse an, ob sie dir deine gemeldete Krankengeschichte der letzten 10 Jahre zur verfügung stellen.
      Dann sind auch Direktversicherer meist eine preiswerte Alternative. Achte dann auf ein Top-Rating von Analysehäusern. Trotzdem würde ich eher einen Berater hinzuziehen, da es auch sein kann, dass ein Courtage-Tarif günstiger ist, als ein Direktversicherer.
      Viele Grüße
      Versicherungsfuchs

    2. …vielleicht berechnest du dir selbst erstmal eine BU bei einem Direktversicherer und bestellst dir dann einen Makler zu dir, der dir ein besseres Angebot unterbreiten soll.

  8. Das Thema BU schiebe ich auch nach wievor vor mir her. Als ich bei meiner Krankenkasse meine Akte angefordert habe, wurde mir mitgeteilt, dass man alles vor 2012 bereits vernichtet habe. Es steht kaum etwas in meiner Akte, weswegen ich alle 20 Ärzte der letzten Jahre selbst abklappern müsste. Angenommen, dort steht irgendwo was Falsches über mich: Wie soll ich das jetzt noch anfechten? Zudem weiß ich von meinem Vater, dass man schnell mal Depressionen/psychische Probleme angedichtet bekommt, wenn man keine organische Ursache für ein Problem findet. Mich stört es sehr, dass man mir wegen sowas arglistige Täuschung vorwerfen könnte bzw. wie im Falle einer bekannten 5-6 Jahre Gerichtsstreitereien auf mich nehmen soll. Ebenso gibt es viele Fallstricke im Vertrag: Z.B. geminderte Absicherung, wenn man nehrere Jahre Hausfrau ist. Oder falsche Absicherung bei Berufswechsel. Bei einem angenommenen gesetzlichen Renteneintrittsalter von 70, sind das noch 46 Jahre, in denen ich mich sicherlich beruflich umorientieren werde. Ohne kompetente, professionelle Hilfe werde ich mich an sowas nicht dran trauen. Vielleicht studiere ich noch Jura, um eine BUV abschließen zu können.

    1. Hi,
      pragmatisch gesehen, hast du eigentlich eine ziemlich gute Position. Von dir wird bei Antragsstellung einer BU nichts unmögliches verlangt. Du musst nach bestem Wissen deine Krankheitsgeschichte angeben. Bis 2012 kannst du es ja wohl lückenlos angeben und davor machst du es aus dem Gedächtnis. Was du nach grünlicher Recherche nicht mehr nachvollziehen kannst, kann auch im Zweifel der BU-Versicherer nicht mehr nachvollziehen. Und sollte er doch irgenwas finden aus der Zeit, dann kannst du mit der Anfrage bei der GKV nachweisen, dass du weder arglistig, vorsätzlich noch fahrlässig irgendetwas verschwiegen hast.
      Geprüft wird grundsätzlich dein letzter Beruf. Manche Versicherer erkennen auch Hausfrau/-mann als Beruf an und prüfen dann eben diesen Beruf (auch wenn du dich dann entschieden hast Sprengmeister, Mienentaucher oder ähnliches zu werden). Bis 70 Jahre versichert eigentlich kein Versicherer, es wäre von der Beitragsseite auch nicht sinnvoll.
      Hol dir wirklich einen kompetenten Versicherungsmakler/-berater und sprich mit ihm alles ab, was für dich wichtig ist und halte dies im Beratungsprotokoll fest.
      Gruß
      Versicherungsfuchs

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.