Freitagsfrage: Wie lehre ich meinem Kind einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld?

Freitag, Freitag, Freitagsfrage!

Hier geht es um Deine Meinung. Es gibt eine kurze Einleitung zu einer konkreten Frage. Dann übernimmst Du die Show. In den Kommentaren kannst Du Dich zu diesem Thema direkt mit den anderen Lesern austauschen und so die Diskussion gestalten.

Los geht’s.

Ein Baby als passiver Take-and-Hold Investor?

Das Thema dieser Freitagsfrage treibt mich schon seit einiger Zeit um.

Ich möchte, dass meine Kinder ein glückliches Leben führen. Dafür ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Geld enorm wichtig. Wenn sie ihre Finanzen im Griff haben, können sie später viele negative Gefühle (Sorge, Stress, Angst) verringern.

Aber wie stelle ich das an?

Hier hatte ich schon darüber berichtet, dass wir für unsere Lütschen ein Depot eröffnet haben. Die Hosenscheißer füttern jetzt schon fleißig ihren Sparplan auf den MSCI World. So kommen sie bereits in jungen Jahren mit dem Aktienmarkt in Kontakt und lernen die Magie des Zinseszinses kennen – und hoffentlich lieben.

Aber was kann ich darüber hinaus meinen Kindern noch über Geld beibringen?

Du kannst mir sicher weiterhelfen.

Wie lehre ich meinem Kind einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld?

Wie würdest Du es anstellen? Hast Du vielleicht schon positive Erfahrungen gesammelt? Was funktioniert und was sollte ich besser vermeiden?

Teile Deine Meinung!

Ich bin gespannt auf Deinen Kommentar.

 

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19 Kommentare

  1. Hallo Nico,

    „Wie lehre ich meinem Kind einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld?“

    Ganz einfach: Gib ihnen welches. Lass sie davon kaufen, was immer sie wollen. Wenn sie dann keins mehr haben, gib ihnen keinen Vorschuß, sondern lass dich als blödesten Papa der Welt beschimpfen. 😉

    So haben unsere es gelernt. Wer noch ein Geburtstagsgeschenk kaufen muss, aber vorher alles verprasst, geht eben ohne Geschenk auf die Feier.

    Aber letztendlich kannst Du ihnen nichts aktiv beibringen. Sie werden es sich einfach von Dir und Deiner Frau abschauen. Kinder lernen durch Nachahmung. Das ist mächtiger, als alles andere.
    Die Kinder fühlen und spüren, was Geld in eurem Haushalt bedeutet (ich sage nur Glaubenssätze) und richten sich entsprechend aus.

    Was ich persönlich auch wichtig finde: Nicht nerven und den Kindern einen Finanzvortrag halten. Eher so beiläufig mal einflechten. Kinder haben ein erstaunliches Gehör für Nebensätze.

    Wenn ich darf, würde ich gerne auf meinen Artikel „Chill mal, Papa! Wie man seine Kinder für Geld interessiert …“ verweisen. Siehe http://www.finanzwesir.com/blog/kinder-geldanlage-erziehung

    Gruß
    Finanzwesir

    1. Hallo Albert,

      also wenn es nur ums vorleben geht, dann sollte es doch eigentlich gut klappen. Allerdings verhält es sich hier ähnlich wie beim passiven investieren in ETFs – nichts zu tun ist viel schwieriger durchzuhalten als aktiv zu werden!

      Klar darfst Du einen Beitrag verlinken. Diesen Beitrag hatte ich schon vor einiger Zeit mal gelesen und bereits wieder vergessen.

      VG, Nico

  2. Als meine Tochter klein war, lebten wir in Berlin. An jedem zweiten Haus in Kreuzberg klebte ein Kaugummiautomat. Und alle zwanzig Meter fragte das Kind hoffnungsvoll: „Da mal was reinstecken?“ Und Muddern antworte stoisch alle zwanzig Meter „Nein.“ Eines Tages zeigte ich auf eine Bierflasche, die auf dem Weg lag und erklärte meiner Tochter: Wenn Du die Flasche zu Hoffmann bringst, bekommst Du dafür Geld. Das kannst Du in den Automaten stecken. Seitdem kannte man bei Getränke-Hoffmann in der Zossener Straße das Phänomen, dass mindestens einmal täglich eine Flasche am Kassentisch scheinbar aus dem Nichts wuchs. Die Kassierer legten das Pfandgeld an die Tischkante und eine kleine Hand streckt sich um die Ecke und hob es ab.
    Mit 3 Jahren wollte die Tochter Bundespräsidentin werden und dafür sorgen, dass alle Obdachlosen ein Zuhause bekommen. Später antwortete sie auf die Frage nach ihrem Berufswunsch „Präsidentin des Bundesrechnungshofs“. Sie hatte in den Nachrichten die Diskussionen um die Staatsverschuldung verfolgt.
    Das Flaschenhobby pflegte die Tochter bis zum Beginn der Pubertät mit großem Erfolg. Wenn sie 40 € beisammen hatte, habe ich „abgeschöpft“, 20 € draufgelegt und ihr einen Bundesschatz Typ B gekauft. Bis zum 18. Geburtstag hatte sie 1000 €, von denen etwa die Hälfte aus Flaschen generiert waren. Damit hat sie ihren Führerschein bezahlt.
    Als Alleinerziehende konnten wir jahrelang keine großen Sprünge machen, Markenklamotten waren selten drin. Einmal stellte meine Tochter beim Anprobieren einer Aldi-Jeans sachlich fest: Ich bin ein billiges Kind.
    Das billige Kind steht jetzt im ersten Berufsjahr und schiebt einen fast fünfstelligen Betrag auf dem Girokonto vor sich her. Und macht keine Anstalten, das Geld anzulegen.

  3. Das mit dem Geld auf dem Konto vor sich herschieben kommt mir bekannt vor. Allerdings haben beide meiner Kinder eine kaufmännische Ausbildung und ich versteh nicht, wieso sie dieses wissen nicht privat nutzen. Evt. Ist da schulisch einiges schiefgegangen. Ich bin autodidakt und hab es gehalten wie der finanzwesir: Taschengeld war klimpergeld und wars aus, gab keinen Nachschlag.

    Ich glaub ja das der Mensch durch eigene Erfahrung lernt – es ist typabhängig und egal wie wir erziehen, gegen den Typ kommt keine Erziehung an.

  4. Das wichtigste, was Kinder lernen sollten, ist: Geld ist endlich und Geld muss man verdienen.
    Ich habe mit 5 Mark Taschengeld pro Monat in der Grundschule angefangen und bekam mit 16 rund 20€. Wenn ich was Bestimmtes haben wollte, musste ich es mir selbst kaufen oder was dazu zahlen. Am meisten konnte ich durch einmalige Geschenke sparen: Geburtstags-, Weihnachts- und Zeugnisgeld von meinen Großeltern. Da ich wusste, dass ich mal einen Führerschein brauche, habe ich quasi fast alles auf meinem Sparbuch gehortet und jeden größeren Kauf mir sehr gut überlegt. Wenn ich einiges an Bargeld angesammelt hatte, fuhren meine Eltern mit mir zu Bank und zahlten es ein. Am Anfang des Jahres holte ich mir den Stempel für meine Zinsen ab. Geld bekommen fürs Sparen! Man wurde doppelt belohnt.

    Mit meinen Kindern will ich es mal ähnlich handhaben. Kinder müssen Geld zu schätzen wissen. Als ich mal mit rund 15 zu meinen Freunde sagte: „Ich kann nicht mit euch ins Kino, weil mich das mit der Zugfahrt 20€ kostet und so viel will ich nicht ausgeben.“, bekam ich von einem Kumpel zu hören: „Dann frag doch deine Eltern.“ Nur weil seine Mutter einen Goldesel hatte und er stets das neuste Iphone, MacBook und sonstiges gewohnt war.

    Mit dem Investieren tat ich mich anfangs sehr schwer, weswegen ich das meinen Kindern (siehe Finanzwesir) mal vorleben möchte. Statt eines Sparbuchs gibt es eben relativ früh einen ETF-Sparplan.

    Noch viel wichtiger als das Thema Geld ist Toleranz. Ich will nicht, dass meine Kinder sich für was Besseres halten nur weil sie mehr haben. Aber auch da kann man durch Erziehung hoffentlich ein wenig Einfluss üben.

    1. „Geld ist endlich und Geld muss man verdienen.“
      Diesen Glaubenssatz sollen meine eigenen Kinder GENAU NICHT lernen (Entschuldigung für meine kritischen Gedanken – sie sind konstruktiv gemeint und sollen den Horizont der Blog-Lesenden öffnen). Geld ist nämlich nicht endlich, es entsteht vielmehr täglich neu (Produktivitätsgewinn der Wirtschaft, Notendruckpresse der Notenbanken usw.). Auf meiner persönlichen Ebene ist Geld ebenfalls nicht endlich. Geld ist ein unendlicher Strom von „Energie“ und es liegt (zumindest teilweise) an mir, wie viel davon in ich über mein Konto leiten und für mich behalten will: Ich kann mein Arbeitspensum (und jenes meiner Frau) erhöhen, Überstunden machen, Nebentätigkeiten annehmen bzw. ausbauen, ein eigenes Business aufbauen (und da Leute anstellen, die für mich arbeiten, anstatt dass ich das selber tue), Steuervergünstigungen gezielt(er) nutzen oder mein Vermögen gewinnbringend(er) anlegen. Ich kann mehrere Objekte zusammenpacken und das gesamte Set in neuer Kombinsation teurer als die Einzelteile (plus meine Arbeitskosten) wieder verkaufen. Umgekehrt kann ich auch ein Gesamtpaket (z.B. Wohnblock) kaufen und dann die Einzelteile (z.B. einzelne Wohnungen) teurer als das Gesamtpaket wieder verkaufen. Es gibt Beispiele im Netz, da haben Leute eine Immobilie mit 0% Eigenkapital „gekauft“ (inkl. Kaufnebenkosten) und lassen die Mieter nun den Kredit tilgen. Ist Geld unter dieser Perspektive wirklich endlich? Ich glaube nicht! Die Möglichkeiten zu (mehr) Geld zu kommen sind vielmehr unbegrenzt, aber es braucht dazu Mut und Knowhow. Das sollen meine Kinder lernen.

      Geld muss man auch nicht verdienen im Sinne von „ich muss viel dafür arbeiten oder leisten“. Vielmehr kann ich Geld auch ohne grosse Leistung erhalten – z.B. im Sinne passiven Einkommens (ETFs, Peer-to-Peer-Kredite, Mietwohnungen, Lizenzen für Publikationen) oder cleveren Geschäftens (Beispiele siehe oben). Da würde ich nicht davon sprechen, dass ich das Geld „verdiene“, ich „bekomme“ es einfach. Wenn meine Kinder denken würden, sie müssten sich das Geld verdienen, würde ich ihren gedanklichen Horizont zu schnell und zu stark einschränken. Natürlich ist das klassische Geldverdienen in einem abhängigen Arbeitsverhältnis eine Möglichkeit, aber es ist nicht der einzige Weg zu Geld zu kommen. Ich möchte meinen eigenen Kinder da den Horizont eröffnen und ihnen dann die Freiheit einer informierten Wahl lassen – immer vor dem Hintergrund von nicht-selbstbegrenzenden Glaubenssätzen!

      Wie man das alles an die Kinder weiter gibt, ist allerdings wieder eine ganz andere Frage. Auf jeden Fall braucht es Neugier, alltagsnahe und kindgerechte Beispiele, Übungs- und Erfahrungsmöglichkeiten im Kleinen sowie Unterstützung durch die Eltern (Vorbild, unaufdringliche Erklärungen im passenden Moment).

      Viel Erfolg!

      1. Hallo Michael,

        kann deine Gedanken gut verstehen. Aktuell ist meine Denkweise sehr leistungsorientiert – mir fehlt der Unternehmergeist. Mir fällt es sehr schwer, diesen für mich zu erschließen. Vielleicht sollte ich da meinen potentiellen Kindern eine bessere Grundlage bieten – wobei ich es ihnen aktuell nicht vorleben könnte.

        Es ist wirklich schwer, erlernte Denkweisen abzulegen.

        1. Hallo Ex-Studentin
          Mich freut deine ehrliche Reflexion.
          Ich bin mit ähnlichen Glaubenssätzen aufgewachsen wie du und habe lange daran gearbeitet, diese weiter zu entwickeln – mit vielen Rückschlägen und noch lange nicht am persönlichen Ziel…
          Liebe Grüsse
          Michael

      2. Hallo Michael,

        ich gehe mit den Gedanken d’accord, die Du *allgemein* zum Thema „Geld“ äußerst.

        Mich würde aber mal interessieren, wie Du das Thema Deinen Kindern erklärt hast?!
        „Geld ist nicht endlich“ und „Für Geld muss man nicht (grundsätzlich) arbeiten“ wären ja demnach die Aussagen, die Du vermitteln müsstest. Ich als unbedarfter Kinderloser würde erwarten, dass ein Erstklässler nach diesen Sätzen davon ausgeht, dass er seine Eltern immer nach Geld fragen kann, denn es kommt ja aus dem Automaten – so wie der Strom aus der Wand und die Milch aus der Tüte.

        Hätte ich Kinder, hätte ich wohl auch eher den Weg der Ex-Studentin eingeschlagen, der auch mich geprägt hat: Geld fällt nicht vom Himmel – es bedarf einer Vorleistung.
        Die von Dir zusätzlich eingebrachten Gedanken über Geldvermehrung durch Investition etc. halte ich für Kinder zunächst nicht relevant. Primäres Ziel sollte es in meinen Augen sein, dass erkannt wird: Geld ist ein Tauschmittel, das man ansammeln kann und wenn man genug davon hat, kann man etwas davon kaufen. Und zwar erst dann – geliehen wird nichts.
        Vielfach lernen Kinder diesen elementaren Gedanken nicht und landen in der Schuldenfalle. Beim Handyvertrag geht’s los, dann ein Auto auf Pump mit dem ersten Ausbildungsgehalt und irgendwann steht Peter Zwegat mit dem Kamerateam von RTL vor der Tür. Wer das seinen Kindern erspart, hat ihnen in meinen Augen das wichtigste beigebracht.
        Geldanlage und die anderen von dir genannten fortgeschrittenen Themen sind ja frühestens dann wirklich wichtig, wenn mal echtes Geld verdient wird – wenn die Reise dem Ausbildungs-/Studienende nahe geht, kann man sich hier als finanzgebildete Erziehungsperson freilich austoben – ein Glücksfall für Kinder.

        Liebe Grüße
        Dummerchen

        1. Liebes Dummerchen
          Wenn ich dein „d’accord“ zu meinen allgemeinen Äusserungen zu Geld richtig interpretiere, teilst du meine Meinung, dass Geld prinzipiell nicht endlich ist und dass das Einkommen/Vermögen nicht 1:1 mit Arbeitsleistung/Anstrengung korrespondiert (man denke hier neben passivem Einkommen auch an Erbschaften, Lotto-Gewinne, Heirat in reiche Familien, Einkommen von CEOs internationaler Konzerne usw.). Da haben wir offenbar eine gute gemeinsame Basis.

          Da unsere Glaubenssätze in früher Kindheit geprägt werden, ist es m.E. wichtig, darauf zu achten, was man den Kindern genau mitgibt. Möchte ich sie früh auf Mangel, (Verlust-)Angst, Konkurrenz und Hamsterrad trimmen? Oder auf Urvertrauen, Mut, Miteinander und Eigenständigkeit? Mir ist das zweite lieber. Natürlich ist das nicht ein absolutes „Entweder-Oder“, ich stelle bei mir und in meinem Umfeld aber fest, dass die zweite Prägung im Leben deutlich hilfreicher und produktiver ist. Insbesondere glaube ich nicht, dass es Sinn macht, die Kinder in frühen Jahren auf Mangel und Verlustangst zu „programmieren“ um ihnen dann in späteren Jahren wieder mühsam beizubringen, dass man beim Investieren gewisse „Risiken“ eingehen muss (Mut).

          Ich schloss meinen Beitrag mit „Wie man das alles an die Kinder weiter gibt, ist allerdings wieder eine ganz andere Frage.“ Damit wollte ich ausdrücken, dass ich bei den erzieherischen Konsequenzen meiner Glaubenssätze immer noch am Suchen bin. Aber da unsere Kinder noch im Vorschulalter sind, haben wir auch noch etwas Zeit. Wir können, wollen und müssen unseren Kindern jetzt noch nicht alles erklären. Das Wenige, was wir ihnen jedoch schon jetzt beibringen, soll aber bereits in frühen Jahren wahr und langfristig tragfähig sein (inkl. Glaubenssätze). Deshalb möchte ich den Kindern auch nicht etwas anderes als meine persönlichen Glaubenssätze erzählen/vorleben.

          Dies ist m.E. auch deshalb sinnvoll, weil wir wie Nico von Finanzglück für die Kinder jeden Monat einen ETF-Sparplan füttern und sie bei Volljährigkeit einmal tatsächlich Geld ohne Arbeitsleistung von uns erhalten werden (sie wissen es noch nicht und werden es noch eine ganze Weile nicht erfahren). Und bei unserem Tod werden sie einmal unser Vermögen erben; auch das wird absolut keinen Zusammenhang mit ihrer Leistung haben. Ich würde sie also anlügen, würde ich etwas anderes behaupten.

          Paradoxerweise macht dies alles nicht unbedingt einfacher. Und ich glaube, das war auch der Hintergrund dieser Freitagsfrage von Nico vom Finanzglück (er ist ja in Reichweite der finanziellen Freiheit). Wie gibt man ein kleines Vermögen weiter an die nächste Generation, damit diese weiterhin verantwortungsvoll damit umgeht und es nicht verprasst?

          So komme ich nun zu deiner Frage. Du fragst, wie wir unseren Kindern die „Unendlichkeit des Geldes“ erklären: Da wir mit unseren Kindern ehrlich sein möchten, sagen wir ihnen im Spielzeugladen nicht: „Nein, diese Puppe kaufen wir nicht, das können wir uns nicht leisten“ (=Geld ist endlich), denn das wäre ja gelogen. Wir lösen das dann etwa so: „Ja, wir verstehen, dass dir diese Puppe gefällt. Wir könnten diese Puppe auch problemlos kaufen (=Geld ist „unendlich“), aber wir möchten das nicht tun, weil …“ (und dann kommen ganz verschiedene Argumente, je nach Situation kindgerecht verpackt: du hast schon eine Puppe, wir wollen uns nicht über den Tisch ziehen lassen, es ist Ressourcenverschwendung (Umweltschutz), es bedingt Kinderarbeit, es erzeugt hohe Transportwege, vermüllt dein Zimmer, langweilt dich schnell, macht dich nicht glücklich, du möchtest die Puppe vielleicht nur um deiner Kollegin zu imponieren …). Das ist erfahrungsgemäss VIEL anstrengender als die (gelogene) Aussage: „Das können wir uns nicht leisten oder dafür müssten wir zu lange arbeiten gehen“. Aber es bereitet die Kinder auf die Zukunft vor: „Ich KÖNNTE mir zwar vieles kaufen, aber ich muss nicht alles haben (weil es neben den Finanzen auch andere Gründe gibt, auf etwas zu verzichten)“. Glücklicher als Konsum machen viele kostenlose Dinge wie Natur, Sport, Spiel, Musik, Freunde, Hobbies, Achtsamkeit im Alltag usw. Das versuchen wir ihnen täglich vorzuleben (heute z.B. mit einem ausführlichen Waldspaziergang im strömenden Regen …).

          Wir versuchen Leistung und Belohnung möglichst voneinander zu entkoppeln (im Wissen darum, dass wir da die ganze Leistungsgesellschaft gegen uns haben). Unsere Kinder sollen z.B. einen altersgerechten Beitrag ans Familienleben leisten (z.B. Tisch decken), ohne eine Belohnung dafür zu erhalten, etwa so wie wir Eltern auch zum Miteinander beitragen, ohne dafür extra belohnt zu werden. Wenn Leistung dennoch mit Belohnung gekoppelt wird (in gewissen Situationen werden muss), ist es uns wichtig, dass unsere Kinder früh den Belohnungsaufschub lernen. Sie leisten heute etwas und werden nicht unmittelbar belohnt, sondern gar nicht oder erst später (so lernen sie, dass man zwar heute spart und anlegt, aber erst später Gewinne einfährt bzw. dass man lange eine Ausbildung macht und erst später – möglicherweise – dafür entlöhnt wird). Leistung soll um der Leistung willen (intrinsisch motiviert) geschehen und nicht um der Belohnung willen – dann gibt es die Belohnung oft als Supplement oben drauf!

          Bei den Schulden teile ich deine Meinung in Bezug auf Konsumschulden vollständig. Anders sieht es bei mir mit Schulden für geschäftliche Investitionen aus: Wenn eines meiner Kinder mit 13 Jahren im Keller eine Sirup-Bar für seine Kollegen eröffnen möchte und mir einen seriösen Businessplan vorlegt (Marktanalyse, worst-case, break-even …) werde ich ihm mit Freuden Geld vorstrecken (gegen eine risiko-angemessene Entschädigung…) und das Kind dann die finanziellen Konsequenzen vollständig selber tragen lassen.
          Soweit mal ein paar vorläufige Gedanken.

          Liebe Grüsse
          Michael

          1. Hallo Michael,

            da hast Du Dir ja in der Tat wirklich viele Gedanken darüber gemacht, was Deine Kinder über Geld denken sollen. Vielen Dank für Deine Mühe bei der ausführlichen Antwort.
            Insbesondere den Abschnitt über Leistung und Belohnung fand ich spannend. „Leistung um der Leistung willen“ geht mir zwar so unmittelbar nicht in den Kopf, aber „Leistung wegen der Freude am Tun ohne unmittelbare Belohnung“ (aka „Flow“) empfinde ich als einen erstrebenswerten Zustand. Ich vermute, Dein Gedanke zielt in eine ähnliche Richtung.

            Liebe Grüße
            Dummerchen

          2. Ja, du bringst es besser auf den Punkt, was ich ausdrücken wollte (bezüglich Leistung bzw. Flow). Danke!

            An dieser Stelle noch ein Nachtrag. Du schreibst, Kinder sollten Folgendes lernen: „Geld ist ein Tauschmittel, das man ansammeln kann und wenn man genug davon hat, kann man etwas davon kaufen. Und zwar erst dann – geliehen wird nichts.“

            Ich würde diesen Satz, dem ich grundsätzlich zustimme, ausdifferenzieren, sobald die Kinder in der Lage sind, die Feinheiten zu verstehen: „Geld ist ein Wertaufbewahrungs- und Tauschmittel, das man auf ganz verschiedene Arten ansammeln kann. Die einen Arten sind anstrengender, die anderen weniger. Die einen Arten sind für die Geselleschaft nützlicher, die anderen weniger. Die einen Arten machen dich glücklicher, die anderen weniger usw. Finde selber heraus, welcher Weg für dich am besten passt – wenn du willst, unterstütze ich dich dabei! Und wenn man genug Geld hat, kann man etwas davon kaufen – man muss aber nicht. Oft ist Konsumverzicht oder ein gezielter Konsum am Ende befriedigender und macht glücklicher. Viele wichtige Dinge im Leben sind (fast) kostenlos zu haben (Naturerlebnisse, Musik, Freunde…). Auf jeden Fall wird für Konsum nichts geliehen; geliehen wird höchstens für eine wohl durchdachte, erfolgsversprechende, geschäftliche Investition“.

            Liebe Grüsse
            Michael

          3. Hi Michael,

            ja, klar. Man kann solche knappen „Weisheiten“ natürlich weiter verfeinern, je reifer der Nachwuchs ist, und je mehr Lebenserfahrung er mit Finanzen schon gewonnen hat.
            Ob der Nachwuchs mit „The best things in life are free“ tatsächlich einverstanden ist, wird man dann sehen – ich schaue regelmäßig in Augen von Jugendlichen, die den Konsum schon gut finden. Die wissen zwar auch, dass man Freundschaften nicht kaufen kann, aber Konsumverzicht ist für sie schon eher eine befremdliche Lebenseinstellung.
            Aber Du hast ja viele Jahre Zeit, ihm vorzuleben, was im Leben wirklich wichtig ist. Das wirkt ja meist sehr viel effektiver als mahnende oder gar dozierende Worte.

            Liebe Grüße
            Dummerchen

  5. Ich glaube, dass man zwei Dinge beibringen sollte: a) Geld sorgsam behandeln (nicht alles rauswerfen, dafür einteilen, Budgetplanung sozusagen) und b) mit Geld arbeiten. Ich habe zwar als „Kind“ gespart (das typische „du hast ein Sparbuch-Kind“), habe die Summe aber vor mir hergeschoben wie ein Bauklötzchen und das sehr lange – das geht sicher klüger. Eine Zeitlang habe ich alles, was ich bekam, für Bücher ausgegeben und das recht zügig, war aber eine Phase, die vorbeiging… Eine gute Freundin wollte ihrem Sohn (14) beibringen, wie man seinen Lebensunterhalt plant mit Gehalt und ließ ihn alle Fixkosten berechnen (inkl. Strom, Miete etc.) – er hatte alles beisammen, er hatte nur vergessen, daß er auch Essen und Trinken muß. Man verlässt sich da gerne auf die Eltern, die sind halt da… und irgendwann nicht mehr. Ich würde versuchen, die beiden Bereiche a) und b) beizubringen, an kleinen Beispielen in der Praxis, und schauen, dass das Kind durchaus auch in der Lage ist, nicht immer nur eine Lösung zu finden, sondern mehrere… aber da lässt sich in der Theorie viel reden… wichtig sicher auch das Umfeld, sprich die Clique bzw. die Freunde/Freundinnen des Kindes, kann evtl. einiges kaputtmachen und den Druck erzeugen, da ein Stück weit mithalten zu müssen.

  6. Eine wirkliche Antwort auf die Frage habe ich nicht. Unsere 3j Tochter hat zumindest verstanden, dass gewisse Dinge einen Wert haben und ihre Eltern unterscheiden, ob sie diesen Wert bezahlen möchten oder nicht. Auch das Geld nicht einfach da ist, hat sie wohl verstanden, und man dafür etwas tun muss. Die Einzelheiten folgen dann, wenn das Thema im Alltag bei uns aufkommt. Einen genauen Plan dazu, habe ich aber nicht entworfen.

    Aber einen Buchtipp: „Rich Dad, Poor Dad“ von Robert T. Kiyosaki erzählt sein Aufwachsen mit einem „armen“ (leiblichen) und einem „reichen“ Dad. Beide haben natürlich unterschiedliche Betrachtungsweise und Methoden, diese an den Nachwuchs weiterzugeben. Zudem erzählt das Buch auch den Weg in die finanzielle Freiheit, hiermit sind also zwei Themen direkt abgedeckt.

  7. Guten Morgen Zusammen,

    das ist mein erster Kommentar hier, ich glaube sogar der erste Kommentar überhaupt in einem Finanzblog. Bin bereits in einem gesetzteren Alter und wenn ich lese, wie viele Sparer und Vermögensaufbauer sich hier tummeln, bin ich wohl der BadGuy unter den Lesern. Zum Jahreswechsel 15/16 habe ich den Vorsatz gesetzt (den Einzigen), mich dieses Jahr mental mehr mit dem Thema Geld zu beschäftigen. Notgedrungen. 😉 So wie bisher, soll es nicht weitergehen. Nun denn, angefangen hat die Transformation meiner Glaubenssätze bereits vor ca. 10 Jahren, mit entsprechender Zaghaftigkeit. Komme mir vor, wie ein Schweralkoholiker, der bereits den fünften Anlauf nimmt, um trocken zu werden. Zum Glück hat ungenügendes Geldverhalten keine gravierenden gesundheitlichen negativen Eigenschaften. Mein Neujahresvorsatz führte dazu, das ich dieses Jahr zwei Geldbücher gelesen habe und bereits 5 Finanzblogs seit ein paar Monaten ab und an lese. Ok, das mal in aller Kürze. Wer mehr wissen möchte, kann mich kontaktieren. Jetzt zur eigentlichen Frage, die mich aus den eben genannten Gründen natürlich bewegt. Mein Sohn ist mittlerweile in der Pubertät. Er lebt bei meiner Ex-Frau, wir sehen uns alle paar Wochen. Mein Sohn und ich haben trotz der Umstände ein gutes Verhältnis und „zum Glück“ wird er durch seine Mutter eher zur Sparsamkeit geprägt. Das gefällt mir gut, denn meine eigene Mutter lebte ein Geldverhalten, das wohl auf mich übergesprungen ist. Hier wird nicht grundlos diskutiert, ob die Prägung – also das „erleben“ Geld ausreicht oder ob es eine aktiven Anleitungen sein sollte. Meiner Einschätzung nach ist der Mittelweg richtig. Was ebenfalls hilft – den Blick für die „eigene“ Verantwortung zu schärfen. Es wurde bereits das schöne Beispiel genannt, bei dem das Kind dann eben ohne Geschenk zur Geburtstagsfeier gehen durfte. Wer das Geld verprasst, muss mit den Konsequenzen leben, darf die Schuld nicht auf das Außen schieben. Die subtile Art der mentalen Erziehung ist ebenfalls ein hier häufiger genannter Ansatz. Ja, ebenfalls Zustimmung, es darf und sollte jedoch auch die direkte Ansprache sein. Ich bin für meinen Sohn so ein „gutes“ Negativbeispiel. Er erlebt eben direkt und unmittelbar, welche Auswirkungen finanzielle Engpässe auch auf unsere Vater/Sohn-Beziehung haben. Die Schlüsse kann und sollte er daraus für sein eigenes Leben schließen. Ich weiß jedoch, dass sein Verständnis zum Thema Geld jetzt bereits intelligenter und wissender ist, als es bei mir in den ersten Jahrzehnten des Lebens war. Und ja, auch ich bin der Überzeugung, dass genug Geld vorhanden ist. Für alle. Irgendwann hatte ich die metaphysische Vorstellung, dass Geld nur ein bestimmter Aggregatzustand kosmischer Energie ist. Die Physiker wissen immer noch nicht, wie so viel Materie im Universum entstehen konnte – aus dem Nichts. Geht uns bei der Geldschöpfung (FIAT-Money) der Notenbanken wohl ähnlich. Freue mich auf weitere Kommentardiskussionen und den gedanklichen Austausch mit Euch allen.

    1. Hallo Duke,

      erst mal Willkommen auf Finanzglück. Vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Ich finde es beeindruckend, wie hart Du mit Dir ins Gericht gehst. Du scheinst wirklich motiviert Dein Leben zu ändern. Davor habe ich Respekt, denn je länger man (schlechte) Angewohnheiten hat, desto schwerer ist es sie zu ändern. Du wirst hier und auf anderen Blogs hoffentlich noch viele gute Ratschläge finden. Ich lerne ständig dazu, wenn ich die Beiträge meiner Blogger-Kollegen lese. Wenn Du Ratschläge zu Literatur brauchst, dann gib kurz Bescheid. Vielleicht sollten wir das mal als Freitagsfrage mit aufnehmen.

      Aber jetzt zu dem eigentlichen Thema. Du bist eigentlich in einer ganz guten Position, um Deinem Sohn einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu lehren. Du hast schon viel negative Erfahrung gesammelt und es hatte einen direkten Einfluss auf die Beziehung zu Deinem Sohn. Es ist ihm also nicht egal, sondern betrifft ihn direkt. Wenn Du ihm jetzt aufzeigst, wie Du Dich änderst und mit gutem Beispiel vorrausgehst, dann sollte es einen größeren Einfluss auf Deinen Sohn haben, als wenn ich „einfach nur“ meinem Sohn ein gutes Beispiel bin, aber der Umgang mit Geld ihm trotzdem nicht interessiert. Verstehst Du was ich meine? Das Thema steht bei Euch schon hoch auf der Agenda. Da kannst Du mehr bewirken, als ich es mit einem uninteressierten Kind könnte.

      Ich wünsche Dir jetzt schon mal alles Gute. Anders als bei einem Schweralkoholiker sollte es hier einfacher sein, einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu lernen und umzusetzen. Hoffe ich zumindest. Du bist hier auf jedem Fall in bester Gesellschaft für Ratschläge und Fragen.

      VG, nico

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