Der Zinseszins: Die Geschichte von Kalle und Knut

Dies ist Teil 4 der Aktienmarktserie

Was gibt es für tolle Sachen im Leben!

  • Der angeschraubte Bieröffner an meinem Grill
  • Fußball Derbys
  • Gummibärchen (außer die Grünen, die schmecken nicht)
  • Biergärten
  • Tiramisu

Aber es gibt eine Sache, die über all dem steht. Etwas so vollkommen Geniales, Unbegreifliches, Magisches. Es als achtes Weltwunder zu bezeichnen wäre schon fast eine Beleidigung.

Du weißt genau wovon ich spreche: Der Zinseszins!

Bitte…, der Zinseszins? Was soll das denn jetzt?

Der Zinseszins ist, und wird es wahrscheinlich auch immer bleiben, das am meisten unterschätzte Finanzphänomen aller Zeiten. Es ist eigentlich simpel: Es gibt Zinsen auf Zinsen. Das sollte doch eigentlich noch jeder auf die Reihe kriegen.

Warum ist es dann so schwer den Zinseszins zu verstehen? Weil er exponentielles Wachstum reflektiert. Wir Menschen sind dafür zu einfach gestrickt. Wir denken in erster Linie linear und dann hört es meist auch schon auf. Um exponentielles Wachstum zu verstehen, muss sich unser Hirn schon richtig ins Zeug legen. Das klappt leider viel zu selten.

Um die Magie des Zinseszinses zu beschreiben, ist es am einfachsten, ein konkretes Beispiel zu zeigen.

Die Geschichte von Kalle und Knut

Kalle und Knut sind zwei Kumpels und kennen sich schon von Kindheit an. Beide gehen zusammen zur Schule, hängen mit den gleichen Leuten rum, daten teilweise die gleichen Mädels und rocken dann gemeinsam die Uni. Beide ziehen diese einigermaßen durch und landen den ersten Job mit 25 Jahren. Kalle und Knut fangen endlich an Kohle zu verdienen. Beide Jungs wissen, wie wichtig es ist, privat etwas zur Seite zu legen.

Knut legt gleich los. Er ist ein Stammleser von Finanzglück und weiß daher, dass günstige Indexfonds für ihn das Richtige sind. Er fängt sofort mit dem Sparen und Investieren an, monatlich 500 Euro.

Kalle ist da etwas anderer Ansicht. Er will erst mal ordentlich Gas geben und schiebt das Sparen auf. Genau genommen fängt er erst 10 Jahre später an im Alter von 35 Jahren. Auch er spart 500 Euro monatlich und legt es dann in Indexfonds an.

Knut muss allerdings nach 10 Jahren, im Alter von 35, aufhören mit dem Sparen. Es gibt Probleme und das Geld ist einfach nicht mehr übrig. Kalle fängt zwar erst spät mit 35 an, zieht es aber dann auch durch und zahlt seine 500 Euro monatlich bis zur Rente mit 67 Jahren.

Beide schauen dann, wieviel sie bis zum Renteneintrittsalter von 67 Jahren angespart haben. Wir nehmen eine Rendite von 7% an, was nicht unrealistisch ist am Aktienmarkt.

Zur Erinnerung,

  • Knut hat nur 10 Jahre eingezahlt, von 25-35 Jahren. 500 Euro monatlich, macht insgesamt 60.000 Euro.
  • Kalle hat insgesamt 32 Jahre eingezahlt, von 35-67 Jahren. 500 Euro monatlich, macht insgesamt 198.000 Euro.

Was glaubst Du haben beide bis dahin angespart? Und wer glaubst Du hat mehr gespart?

Knut hat beim Eintritt zum Rentenalter satte 773.000 Euro auf dem Konto!

Kalle hat dagegen „nur“ 707.000 Euro auf dem Konto.

Holy Shit! Nicht nur, dass beide aus ihren relativ kleinen Einzahlbeträgen, 60.000 Euro bzw. 198.000 Euro, ein verdammtes Vermögen gemacht haben.

Noch viel erstaunlicher ist die Tatsache, dass Knut nur 10 Jahre gespart hat um das zu erreichen. Er hat früh angefangen. Die Magie des Zinseszinses konnte seine volle Wirkung entfalten!

Kalle hatte mehr als dreimal so viel eingezahlt und hat trotzdem am Ende des Tages weniger in der Tasche. Er hat es bis zum Rentenalter nicht mehr aufgeholt.

Hier noch mal der dazugehörige Graph*:

Die Magie des Zinseszinses
Die Magie des Zinseszinses

Wenn ich die Zeitachse erweitern würde dann könntest Du sehen, dass Kalle erst im zarten Alter von 85 Jahren mehr angespart hätte als Knut. Das setzt voraus, dass Kalle immer noch weiter 500 Euro pro Monat spart, sonst würde er es nie schaffen.

 Ist das nicht der absolute Wahnsinn? Es ist eine Sache, sich die Macht des Zinseszinses vorzustellen und glauben zu verstehen. Dann schau ich mir diesen Graphen an und es verschlägt mir die Sprache. Es ist schon fast etwas beängstigend.

Worauf musst Du beim Zinseszins achten?

Es gibt zwei Variablen, die den Zinseszins beeinflussen:

  1. Die Wichtigste ist die Zeit. Je früher Du anfängst, desto mehr Zeit hat der Zinseszins seine Kraft zu entwickeln. Die beste Zeit mit dem Sparen und Investieren anzufangen ist dies bereits vor 10 Jahren getan zu haben. Wenn das nicht klappt dann starte heute! Sei ein Knut und kein Kalle.
  1. Die zweite wichtige Variable ist der zugrunde liegende Zins oder anders ausgedrückt die Rendite. Je niedriger die Rendite, desto geringer ist der Zinseszinseffekt. Stell sicher, dass Dein Geld so hart wie möglich für Dich arbeitet. Investiere z.B. dein Erspartes regelmäßig, jeden Monat, in einen oder mehrere kostengünstige und breit gestreute Indexfonds.

Fange am besten noch heute an, regelmäßig zu sparen und das Geld anzulegen. Je früher desto besser und dies mit einer möglichst hohen Rendite. Es ist wirklich nicht schwer, Vermögen aufzubauen, wenn Du Deinem stärksten Verbündeten, dem Zinseszins, die Möglichkeit gibst Dir zu helfen.

Abschließend möchte ich noch ein Zitat von Albert Einstein bringen. Albert, der alte Physik-Lümmel? Was hat der denn mit Finanzen zu tun? Er hat sich auf mehreren wissenschaftlichen Gebieten getummelt und weiß wovon er spricht. Dies ist eines seiner bekanntesten Zitate:

„Die größte Erfindung des menschlichen Geistes? – Die Zinseszinsen!“

Nun ja, damals gab es wahrscheinlich noch keinen Grill mit angeschraubtem Bieröffner…

 

* Ich kann Dir nur empfehlen, selber ein bisschen in Excel rumzuspielen und z.B. die Berechnung oben selber durchzuführen. Dann kannst Du mal schauen, welchen Einfluss verschiedene Zinssätze bzw. Renditen haben usw. Unter folgendem Link stelle ich Dir eine einfach gestrickte Excel Tabelle bereit, die Du gerne nutzen kannst. Lass mich ruhig wissen, wenn Du Hilfe brauchen solltest. (hier Link zur Excel Tabelle Kalle und Knut)

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14 Kommentare

  1. Hallo Nico,

    sehr anschauliches und schönes Beispiel!

    Wenn wir allerdings die Inflationsrate einbeziehen und von der Rendite abziehen,
    schlägt das Beispiel schnell zugunsten von „Kalle“ um.

    Aber egal > Das Fazit lautet: fange an zu sparen 🙂

    Viele Grüße
    Felix

  2. Hallo Felix,

    klar, das ist ein sehr vereinfachtes Beispiel. Daher macht es Sinn ein bisschen mit den Zahlen zu spielen, so wie Du es gemacht hast. Generell gilt, je niedriger die Rendite, desto geringer der Zinseszins-Effekt.

    Aber warum willst Du die Inflationsrate von der Rendite abziehen? Die Rendite sollte zunächst mal gleich bleiben, egal wie hoch die Inflationsrate ist. Die Inflation wird relevant, wenn Du schaust, wieviel Dein Geld in der Zukunft dann noch wirklich wert ist, ins Verhältnis gesetzt zur heutigen Kaufkraft. Will heißen, selbst wenn wir die Inflation mit einrechnen, hat Knut immer noch mehr Euro in der Tasche als Kalle, wenn die beiden das Rentenalter erreichen. Allerdings können die beiden mit ihren über 700.000 Euro nicht mehr so viele Brötchen kaufen, wie das heute der Fall wäre 🙂

    Wenn Du allerdings von der jährlichen Rendite ggf. anfallende Steuern abrechnen würdest (direkt zahlbar, jedes Jahr), dann sähe die Sache tatsächlich anders aus.

    VG, Nico

    1. Wirklich schönes Beispiel. Du hast vollkommen recht. Der Mensch ist einfach nicht auf exponentielle Vorgänge programmiert. Hättest du mir das Beispiel bei einem Bier am Gartengrill (mit angeschraubtem Öffner!) erzählt, hätte ich deutlich kleinere Zahlen getippt und auch vermutet, dass Kalle die Nase vorn gehabt hätte.
      Mit ein bisschen Rechnen (72-Regel!) hätte man die ungefähre Höhe von Kalle aber abschätzen können: mehr als 3 aufeinander folgende Verdoppelungen. Da kommt was zusammen.

      Immer wieder faszinierend dieses exponentielle Wachstum!

      Liebe Grüße
      Dummerchen

      PS: Felix‘ Hinweis bezog sich vermutlich auf den Barwert der Einzahlungen. Die 500€ zu Beginn waren ja mehr wert als die 500€ 10 oder 42 Jahre später.
      Vergleicht man die 60k€ mit den 198k€, so ist der erste Gedanke ja, dass 60k€ viel weniger (nämlich 138k€) waren. Diese 138k€ wurden aber teilweise sehr viel später angelegt. Um die Summen richtig zu vergleichen, müsste man mit Barwerten rechnen und entsprechend ab- bzw aufzinsen.
      Aber darum ging es ja vornehmlich gar nicht in deinem Beitrag.

      1. Korrektur: Es muss natürlich heißen
        „… hätte man die ungefähre Höhe von KNUT aber abschätzen können… “

        Ähnlichkeitshemmung…

  3. Ich liebe ihn auch, diesen Zinseszinseffekt.

    Die Zeit ist natürlich der wichtigste Faktor, aber die Rendite darf man nicht vernachlässigen, finde ich.
    Stell dir vor, Du machst statt 14 Prozent statt deinen 7. Kannst Du Dir erträumen, welche Summen hier möglich wären?
    Ich habe da auch ein kleines Berechnungsbeispiel gemacht, vielleicht magst Du ja mal reinschaun:
    http://www.easydividend.net/wie-mir-der-zinseszinseffekt-hilft-millionaer-zu-werden/

    mfG Chri

    1. Moin easydividend,
      Du kannst auch 100% ansetzen, dann gehört Dir noch vor dem Ende des Schachspiels der ganze Vorrat an Reis im Reich 🙂
      Ganz ehrlich, wenn Du 14% Rendite über einen längeren Zeitraum erwirtschaftest, dann gibt es so einen wie Dich vielleicht noch einmal in der Welt – und der heißt Warren. Es gibt immer mal einen guten Lauf, eine gute Investition, bei der Du überdurchschnittliche Renditen erwirtschaftest. Aber nachhaltig den Durchschnitt zu schlagen (mit legalen Mitteln), grenzt für mich an ein Ding der Unmöglichkeit. Rechne vielleicht lieber erst mal mit 7%.
      VG, Nico

  4. Hallo Nico,
    Danke für deine Antwort 🙂
    Es gibt sogar sehr viele die mit legalen Mitteln 14% im Jahr locker erwirtschaften, und das über einen längeren Zeitraum. Diese Menschen haben herausgefunden, dass es eine einfach Methode gibt mehr aus ihren Investitionen herauszuholen. Leider wurde das lange von den Banken verheimlicht. In Deutschland gibt es noch immer viele Banken die diese Art des Investierens leider nicht anbieten. Glücklicherweise gibt es aber ein paar.

    Ich habe mich nun lange mit dem Thema Investitionen auseinandergesetzt und für mich letztendlich die richtige Strategie gefunden. Ich erwarte nicht dass du mir glaubst, ich würde mich nur freuen, wenn Du Dir selbst die Chance gibst deine Rendite zu verbessern. Vor allem in Kombination mit starken Dividendentiteln ist die Stillhalterstrategie viel risikoloser als eine simple Buy and Hold Strategie.

    Da du Warren Buffet erwähnt hast: Auch dieser hat diese Methode verwendet um seinen Reichtum zu erlangen. Nur weil die breite Masse sehr wenig vom Investieren weiß, heißt das nicht, dass es so etwas wie legale 14 % per anno nicht gibt. Wusstest du dass du auch gute Rendite an fallenden Kursen erwirtschaften kannst? Mal ehrlich: Wenn ich nur 7 Prozent Rendite erwirtschaften würde, würde ich meine Strategie auch lassen, und in einen ETF investieren. Wäre ja dann keinen Zeitaufwand wert.

    Tut mir leid dass ich dich vollgelabert habe ^^.
    übrigens: schöner Blog! gefällt mir.

    mfG Chri

    1. Moin Chri,

      Ich glaube Du wirst in Deinem Leben noch öfters Deine Investitionsstrategie ändern. Es ist toll, dass Du Dich aktiv mit Deiner Geldanlage auseinandersetzt. Es gehört dazu auszuprobieren und dann auch manchmal schiefzuliegen. Ist wie mit der Liebe. Du heiratest ja auch nicht Dein erstes Date.

      Bitte lass mich Dir nur einen Rat mit auf den Weg geben. Setz nicht alles auf eine Karte, wenn Du anfängst mit Derivaten zu spekulieren. Egal ob short oder long, eine höhere Rendite erkaufst Du Dir immer mit einem höheren Risiko. Die Modeerscheinungen ändern sich, aber diese Regel ist schon seit Jahrhunderten gleich. 14% über einen längeren Zeitraum schaffen die Allerwenigsten. Es gibt viele die behaupten genau das zu schaffen und Dir dann noch gleich ihr Buch oder Seminar mitverkaufen. Vielleicht haben es ja auch einige gepackt. Aber die allermeisten scheitern daran. Von denen hörst Du dann nicht mehr viel. Über Misserfolge redet man ja nicht…

      Verstehe mich nicht falsch, ich wünsche Dir alles Gute bei Deiner Strategie. Ich bin nur besorgt, dass Du Dich hier verschätzt. Das ist nicht ganz so schlimm, wenn es dann nur Dich betrifft. Es wird nur gefährlich, wenn Du andere davon zu überzeugen versuchst, das gleiche zu tun.

      VG, Nico

  5. Ich würde mich freuen, wenn du mich auf meinem Weg als Zuschauer begleiten würdest. 🙂
    Überzeuge dich einfach selbst davon 🙂 Ich glaube ja, dass du dich verschätzt 😉 Die Zeit wird es zeigen.
    Schau doch einfach mal auf meinem Blog vorbei 🙂 Würde mich freuen.

    mfG Chri

  6. Hallo Nico!

    Der Zinseszinseffekt ist schon klasse! Die Message, fange an zu sparen und am Besten noch heute!
    Das ist gut!! Sehr gut!
    Aber von einer anderen Seite betrachtet ist dieser Zinseszinseffekt auch die Wurzel allen Übels in dieser Welt! Das Finanzsystem ist krank! Es werden Schulden produziert und wieder Schulden die zum Schuldenzahlen aufgenommen werden und letztlich hat sich die Menschheit versklavt!
    Wenn ich das System nun für mich selbst nutze und für mich selbst arbeiten lasse um, so wie Du sagt die finanzielle Freiheit zu erlangen, ist das eine positive Sache und man ist selbst nicht abhängig!
    Immer dann wenn ich auf Kredit konsumiere und den netten Banken die Zinsen hinterherwerfe mache ich mich selbst zum Spielball dieses kranken Systems!
    Ich will jetzt hier keine Moralapostel spielen, das ist nur meine persönliche Meinung!
    Wegen diesem System wurden große Kriege geführt!

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