Freitagsfrage: Sollte Ethik im diversifizierten ETF-Portfolio eine Rolle spielen?

Ethik Geldanlage

Willkommen zur Freitagsfrage!

Hier geht es wieder mal um Deine Meinung. Ich gebe eine kurze Einleitung zu einer konkreten Frage. Dann übernimmst Du die Show.

Jetzt kommt die Moral-Keule.

Kippen und Granaten

Diese Woche hat mich eine E-Mail von Finanzglück-Leser Tobias erreicht. Er spart eifrig und füttert damit sein stetig wachsendes ETF-Portfolio. So weit so gut.

Wären da nicht die Gewissensbisse.

Denn ethisches Anlegerverhalten spielt bisher keine Rolle in seiner Geldanlage. Im breit gestreuten ETF-Portfolio versteckt sich der eine oder andere Rüstungs- und Tabakkonzern. Mit Sicherheit sind noch ein paar andere schwarze Schafe dabei, deren Profite direkt oder indirekt von der Ausbeutung armer Menschen in Entwicklungsländern abhängen.

Von daher fragt Tobias nicht zu Unrecht:

Sollte Ethik im diversifizierten ETF-Portfolio eine Rolle spielen und falls ja, wie könnte man sie sinnvoll in seine Anlagestrategie integrieren?

Ich bin schon gespannt auf Deinen Kommentar!

 

33 Kommentare

      1. Nico, hast Du das layout geändert? Früher standen rechts immer die letzten Kommentare, das war schön übersichtlich.

        Generell bin ich ja eher der Immbilienmensch (Verhältnis Immo zu ETF ~50:1) aber bei den Börseninvestitionen bin ich teilweise mit einem nachhaltigen ETF drin (sparplan).

        Bei einer der nächsten Einzelanlagen wandert der hier ins Depot
        https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?region=World&equityStrategy=Social%2B/%2BEnvironmental&assetClass=class-equity&groupField=index&from=search&isin=IE00BDR55927

      2. Hi Mat,

        korrekt, ich hatte die Sidebar etwas verändert und jetzt meine Nachttischlektüre neu mit aufgenommen. Die Archive und letzten Kommentare waren dafür rausgeflogen. Letztere habe ich für Dich jetzt wieder mit aufgenommen 🙂

        Fällt Dir sonst noch was auf? Habe die letzten zwei Wochen dran gebastelt.

        VG, nico

  1. Für mich spielt Ethik durchaus eine Rolle. Da ja gerade die unethischen Invests gerne mal eine gute Rendite abwerfen, sind die in meinem Depot durchaus willkommen.
    Bei breit streuenden ETFs beachte ich das aber nicht weiter. Entsprechende Werte kann man ja gezielt noch mit dazu mischen.

    Das „Welt-verbessern“ überlasse ich anderen… 🙂

  2. JA, würde ich sehr gerne machen. Ich kaufe auch bewusst nachhaltig, möglichst nur Bio, benutze Produkte lange, repariere etc.
    Bei einem Welt ETF Portfolio muss ich das aber leider ausblenden. Oder gibt es hier Vorschläge???

  3. Klare Antwort: nein*

    Begründung: Portfolio soll Rendite bringen. Die Welt wird auf anderer Ebene verbessert.

    Beispiel: ich habe einigen Bekannten einen privaten Geld-Grundkurs gegeben und mein Portfolio vorgestellt. Darin enthalten: GSK. Schuldig wegen: Tierversuchen. Die Bekannten griffen mich als unethisch an, weil ich damit diese Firma unterstützen würde. Ich erklärte ihnen, dass ICH genau das nicht tue, weil (1) mein Geld nicht an GSK ging, sondern an jemand anderen, und (2) der Kauf von Aktien auf das operative Geschäft/ auf das Unternehmen nullkommanull Auswirkung hat.

    Wer etwas tun muss ist der Konsument. Ich darf keine Produkte von Firmen kaufen, die unethisch handeln, absolut. Meine Bekannten waren etwas peinlich betroffen, dass sie Zahnpasta und Mundwasser von eben jenem Konzern zuhause hatten, den sie mir gegenüber so verteufelten.

    Was würde wohl mit meinen unethischen Investments passieren, wenn alle Konsumenten deren Produkte nicht kaufen würden? Diese Unternehmen gingen pleite, und nur noch ethische Investments würden auf dem Markt vorhanden sein. Oder, was wahrscheinlicher wäre, die Unternehmen würden sich den Kundenwünschen anpassen und ethisch handeln. Ich würde das toll finden. Diese Ziele werden nur nicht auf Seite der Investoren erreicht, sondern auf der Seite der Konsumenten.

    *Ausnahme: Waffen. Dort funktioniert die Argumentation nicht ganz.

  4. Nun ja, es geht nicht zwingend um Unterstützung sonder um Partizipation. Und da kann sich jeder entscheiden ob er für ein paar % an Panzerherstellern, Giftgasproduzenten und Firmen mit Suchtpotential verdienen möchte.

    Wenn es Alternativen gibt ist das doch super. Siehe zB im Bankensektor die GLS Bank..

    Die Konsumentensicht ist natürlich richtig.

  5. Ich bin klar für nein!
    Und das aus 2 Gründen:
    Den ersten Hauptgrund hat @Dominik bereits treffend erläutert. Der eigene Konsum sollte nachhaltig sein, denn die Macht des Kunden (in seiner Fülle) ist enorm.
    Der zweite Grund ist die Definition „ethisch“, die mir zu denken gibt. Klar gibt es das ein oder andere offensichtliche Unternehmen, aber den Großteil der Unternehmen könnte man wegen dem ein oder anderen Grund doch immer schlechtreden und die Grenze zwischen ethisch oder unethisch verschwimmt, je genauer bzw. konsequenter man ist. Ich würde diese Einschränkung nicht haben wollen, insbesondere nicht, wenn ich in Indizes und statt in Einzelwerte investiere.

  6. In ETF’s und Fonds blende ich das aus.
    Bei Einzelaktien kämen mir Rüstungskonzerne sowie Nestlé nicht ins Depot.

    Mit Tabakkonzernen habe ich hingegen keine Probleme, da sich die Menschen ja selbst für’s Rauchen entscheiden.

  7. Ich halte das wie Tanja.
    In den ETFs ist das halt zu einem kleinen Teil drin. Auch aus Kostengründen. Spezielle Themen ETFs sind ruck-zuck mal 0,5 % teurer als ein Vanguard S&P500.
    Weltverbessern überlasse ich nicht anderen (schließlich will ich mit Bill und Warren auf Augenhöhe sein ;-), aber das muss nicht im Wollmilchsau-Paket mit der Geldanalge sein. Da mache ich dann lieber mit gezielten Spenden und auch über den Konsum.
    Bei Einzelaktien gibt es genug Auswahl, die gut performen und mit denen ich gut schlafen kann.

  8. Ethik per se spielt für mich nicht wirklich eine Rolle. Da ich mich dafür entschieden habe, dass ich breit an der Welt teilhaben möchte, akzeptiere ich unethische Investition. Eine Ethik lasse ich dann eher als Konsument walten, denn wenn wir als Konsumenten etwas ändern, fliegen entsprechende Unternehmen aus dem Index. Auch sind die Konzerne mit Ethik und Unethik stark verwachsen.

    Meine persönliche Ethikfrage kam bei P2P Krediten auf. Die hohen Zinssätze können aus deutscher Sicht als Abzocke betrachtet werden. Ich investiere trotzdem einen Teil dort, da die Renditechancen deutlich sind und ggf. so Kredite für Menschen in Betracht kommen, die sonst keine bekommen.

    1. Kann man machen. P2P Mache ich auch, allerdings sehr selektiert. Wucherkredite wie sie zB bei Bondora sind mache ich nicht. Auch bei auxmoney selektiere ich die Kredite.

      Es gibt ja meistens Gründe warum Menschen keinen Kredit bekommen… Und da ist dann die Frage ob man mit den horrenden Zinsen nicht noch ein bisschen die abwärtsspirale beschleunigen möchte…

      Die TER sind bei den Nachhaltigkeits ETF auch nicht significant höher. Bei nem depot von 100k macht das ein, zweimal essen gehen aus….

  9. Hallo zusammen,

    das ist wirklich ein schwieriges Thema. Bei meinen ETFs lasse ich ethische Bedenken bisher komplett außen vor und investiere ohne Ausnahme breit in die Märkte. Ich tue mir schwer damit Unternehmen zu identifizieren, in die ich nicht investieren sollte.

    Tabak, Alkohol und Glückspiel sind kein Thema für mich. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Solange sich alles im legalen Rahmen bewegt ist es ok. Muss jeder selber wissen. Schwer wird es z.B. bei Rüstung. Ist Airbus noch ok – obwohl es auch Rüstungsgüter produziert? Da gibt es bestimmt eine Handvoll Rüstungsschmieden, die ich gerne aus meinen ETFs verbannen würde. Aber solch einen ETF, der genau diese Unternehmen nicht mit aufnimmt, gibt es leider nicht. Ich glaube auch nicht das insgesamt weniger Waffen produziert würden selbst wenn einen große Menge an Investoren sich aus solchen Unternehmen zurückziehen würden. Die Nachfrage wäre davon nicht beeinträchtigt und die Profite würden dann halt in andere Taschen wandern. Hinzu kommt, dass ja wirklich nur ein sehr kleiner Teil meiner Investitionen in genau solche Unternehmen fließt. Ist es also zu vernachlässigen? Schwierig.

    Derzeit sehe ich noch mehr Sinn darin meine Macht als Konsument zu nutzen und lieber einen Teil der Dividenden jährlich zu spenden.

    Mal schauen was die Zukunft bringt.

    VG, Nico

    1. Im Grunde kann man doch solchen Unternehmen doch indirekt Parolie bieten. Die aus solchen Aktien gewonnen Gewinne in Unternehmen stecken, die genau das Gegenteil tun. Beispielsweise Unternehmen die Bildungsprodukte herstellen etc. pp.

  10. Ich gehe den nicht optimalen Mittelweg. Mit steigenden Vermögen setze ich immer mehr auf Einzelaktien. Da sind etwaige Unternehmen definitiv außen vor. Die Problematik wird sich bei mir also von alleine lösen.

    Aktuell sind noch 50 % in ETFs.

  11. Was ist eigentlich ethisch?
    Was ist an VW ethisch?
    Warum ist Rauchen nicht ethisch?
    Warum meinen Menschen, dass man sich für das Rauchen selbst entscheiden kann, für das Schießen jedoch nicht?
    Warum ist McDonalds ethisch?
    Nico meint: Solange sich alles im legalen Rahmen bewegt, ist es ok!“ Rüstung ist seiner Meinung nach aber knifflig?! Ist Rüstung denn illegal?

    Für mich ist das alles noch etwas schwurbelig. Es würde mich nicht wundern, wenn einige der Ethiker Rauchen, Saufen, sich als Jäger oder Sportschütze betätigen, einen alten Diesel fahren und T-Shirts im Sonderangebot kaufen, die von blutigen Kinderhänden genäht wurden.

    Das funktioniert wohl mehr wie der mittelalterliche Ablasshandel: Wer das schlechteste Gewissen hat, möchte am meisten Ethik.

    Was passiert denn jetzt konkret, wenn niemand mehr Aktien von Rüstungsfirmen kauft? Meint Ihr, die Leben vom Aktienverkauf?
    Im übrigen ist das Bedürfnis von Menschen, Waffen besitzen zu wollen, so normal wie kaum etwas anderes.

    Sind Hersteller von Pfeil und Bogen denn ethisch, oder ist das auch bäh?

    Fragen über Fragen!

    1. Naja, ob ich eine Martin Lockheed Aktie kaufen sollte, die so schöne „Verteidigungswaffen“ wie Cluster Bomben herstellt….da fehlt mir ehrlich gesagt jegliches Verständnis für moralisches Geschwurbel.

      https://www.youtube.com/watch?v=wnd3IYH7x1o als Hilfestellung.

      Alkohol, Glückspiel oder Zigaretten sehe ich noch in der Grauzone. Das sind halt Dinge, bei dem der Mensch entscheidet, was er konsumiert. Verstehe da die Problematik nicht wirklich. Da müsste man die Schokoladen-Branche verbieten.

      1. Auch bei Lockheed Martin finde ich das ehrlich gesagt schwierig zu sagen. Die stellen zum Beispiel auch den F-35 Jet her, mit dem bald wahrscheinlich so gut wie alle westlichen Streitkräfte ausgerüstet werden. Wenn man das für unethisch hält, müsste man konsequenterweise auch dafür eintreten, dass all diese Länder ihre Streitkräfte abschaffen. Die meisten, die nach „Ethik“ schreien werden aber so realistisch sein, das nicht zu fordern. Also frage ich: Wie kann die Bundeswehr ethisch sein, das Herstellen von Dingen, die die Bundeswehr braucht aber nicht?

    2. > Was passiert denn jetzt konkret, wenn niemand mehr Aktien von Rüstungsfirmen kauft?

      Unter anderem passiert folgendes:

      1.) Aktienkurs sinkt
      2.) Manager der Firma, die Aktien(-optionen) haben, ärgern sich.
      3a.) Manager der Firma, die sich ärgern, fragen Anleger: „Warum kauft ihr unsere Aktien nicht?“
      3b.) ETF-Anbieter schreiben eine Pressemitteilung „Wir kaufen keine Aktien von Rüstungskonzernen“.
      4.) Manager spalten Rüstungsgeschäft ab und versuchen, dafür Käufer zu finden.

      Soweit die sehr eindimensionale, markttheoretische Sichtweise, wenn niemand mehr Aktien kauft.

      Und was du so unter schwurbelig zusammenfasst, scheint zwei Hauptanteile zu haben: Einerseits „wenn ich 100% nicht erreichen kann, bleibe ich lieber bei 0%, statt 50% zu versuchen“ und zweitens „Whataboutism“.

      MfG, Arno

  12. Ich seh das ähnlich problematisch wie Schwachzocker.
    Man müsste zunächst mal definieren was ethisch ist und was es alles mit einschließt.

    Und bei vielen Firmen weiß man es einfach nicht. Vielleicht ist bei denen alles super nach außen, aber sie diskriminieren Frauen. Oder haben irgendwelche fragwürdigen, internen Praktiken. Was weiß ich.

    Ich hab mich daher dazu entschieden, bei meinen ETFs auf eine breite, weltweite Streuung zu achten. Fertig.

    Denn auch ein „ESG“ – ETF ist nicht zwangsweise ethisch…

  13. Hallo Nico,
    ich mache es für mich möglichst einfach.
    Wenn ich einen ETF oder Fonds kaufe gebe ich die Verantwortung für das Investment wem anderen, also kann ich den Verlauf meines Geldes wenig beeinflussen. Kaufe ich jedoch Einzelaktien entscheide ich wie beim Essen, was mir nicht schmeckt kommt nicht auf den Tisch. Persönlich gilt also für mich – Rüstung und Glücksspiel kommt nicht in mein Depot. Ein Aktienkauf ist eine Beteiligung an der Firma, sorry da geht mein Gewissen vor Rendite. Das leiste ich mir vorab dieses auszuklammern – genug andere Branchen machen auch gute Ergebnisse.
    Klar, das soll/muss jeder für sich entscheiden ob oder wie er sein Geld anlegt.
    Viele Grüße
    Bergfahrten

  14. @ Capri

    Na, wenn Lockheed keine Clusterbomben mehr herstellt, ist doch alles tutti, oder?

    @ Bergfahrten

    Ja, viele Anleger haben sich schon dagegen verwahrt, Glückspiel in das Depot zu nehmen. Dieselben Anleger haben aber Kryptowährungen und CDFs im Depot. Du auch?

    Ich würde dann doch empfehlen, bei der Geldanlage die Rendite in den Vordergrund zu stellen. Das ist nämlich der Sinn der Geldanlage. Für das Gewissen gibt es den Beichtstuhl und für die Gefühle das Bett.

    1. Hallo Schwachzocker,

      nee, in meinem Depot ist auch keine der ca. 1.500 Kryptowährungen, die meiner Meinung eh nix wert sind oder CDFs. Mein Depot ist überhaupt total langweilig – also nix für Zocker wie dich. Aber mir schüttet es doch monatlich genug Kohle zum Leben aus.
      Sorry, an die Kirche glaube ich nicht und mein Gewissen benutze ich selbst.
      Viel Erfolg weiterhin beim zocken.
      Bergfahrten

  15. Was spricht den gegen den „UBS ETF (LU) MSCI World Socially Responsible UCITS ETF (USD) A-dis“?

    Man hat den MSCI World und das ohne die ganzen Tabak-, Rüstungs- und Menschrechtsverletzungskonzerne..
    Also könnte man seine Aufteilung aus MSCI World und MSCI EM und anderen ETFs einfach beibehalten und nur den MSCI World durch den MSCI World Socially Responsible austauschen.

    Anlagestrategie

    Der MSCI World Socially Responsible 5% Capped Index bietet Zugang zu den globalen Aktienmärkten und berücksichtigt dabei lediglich Unternehmen, die im Vergleich mit der Konkurrenz aus ihrem Sektor über ein hohes Rating in den Bereichen Umweltschutz, soziale Verantwortung und Unternehmensführung (ESG) verfügen. Das maximale Gewicht eines Unternehmen ist auf 5% begrenzt.

    ISIN LU0629459743, WKN A1JA1R

    1. Ich habe in meinem Depot nur den genannten ETF LU0629459743 und sein Emerging-Markets-Pendant LU1048313891. Sicher rettet das alleine nicht die Welt, wahrscheinlich kostet es (vor allem dank ein paar Promille höherer TER) auch ein paar Promille Rendite.

      Ich bin aber davon überzeugt, dass „nur“ „ethischer Konsum“ die Welt auch nicht verbessert – im Gegenteil, viele Unternehmen treffen Entscheidungen, um für Aktionäre gut dazustehen, gerade in Bereichen, in denen der Kunde wenige Alternativen oder wenige Informationen hat (gerade im Lebensmittel-Bereich ist es oft recht aufwändig, die Konzernzugehörigkeit der jeweiligen Marke zu finden).

      Konsequent nach meinen eigenen Kriterien von Nachhaltigkeit zu investieren ist mir aber zu viel Arbeit, ein „Ökoworld Ökovision Classic“ ist mir mit 2,45% Jahresgebühr zu teuer – die genannten ETFs (oder andere Fonds auf Basis von ESG/SRI-Indizes) schienen mir der beste Kompromiss zu sein.

      MfG, Arno

  16. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit „ethischen“ ETF- und Aktienanlagen gemacht. Die Wissenschaft ist sich inzwischen sogar ziemlich einig, dass verantwortungsvolle Investments oft sogar bessere Renditen bringen als normale Investments (siehe Gunnar Friede, Timo Busch & Alexander Bassen (2015) ESG and financial performance: aggregated evidence from more than 2000 empirical studies, Journal of Sustainable Finance & Investment, 5:4, 210-233). Bei der Umsetzung muss man neben den Kosten („ethische“ ETFs sind etwas teurer als „normale“ ETFs) auch die zugrunde liegenden Indizes beachten. Bei MSCI haben z.B. die SRI (Socially Responsible) Indizes härtere „ethische“ Kriterien als die ESG (Environment, Social, Governance) Indizes. ETFs, die individuellen ethischen Kriterien perfekt entsprechen, wird man aber kaum finden, dazu muss man Portfolios aus einzelnen Aktien zusammenstellen. Diese erfordern jedoch recht hohe Anlagevolumina, um sie effizient umsetzen zu können. Beispielportfolios siehe meine Webseite http://www.diversifikator.com.

  17. Was das diversifizierte ETF-Portfolio (und damit die Ausgangsfrage) betrifft, achte ich nicht auf das Thema Ethik und Nachhaltigkeit. In der Debatte werden ja gerne mal die Klassiker Waffen und Tabak aufgeführt, die durch mein Investment unterstützt werden. Aber ich sehe das ähnlich wie Schwachzocker: Egal wie man es dreht und wendet, so gut wie die meisten global agierenden Unternehmen haben in irgendeiner Art und Weise Dreck am Stecken:

    – VW & Co. vergiften mit erhöhtem NO2-Ausstoß die Bewohner in größeren Städten.
    – McDonalds, Coca-Cola & Co. machen ihre Gewinne damit, dass die Weltbevölkerung fettleibig wird und an Diabetis erkrankt.
    – Apple, Samsung & Co. verbauen Rohstoffe, die Krisengebieten gefördert und dann unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen verarbeitet werden.
    – etc…

    Wenn einem die Ethik wichtig ist, finde ich ein ETF-Portfolio das falsche Vehikel. Ich würde zudem bezweifeln, dass es ein Unternehmen juckt, ob ein Kleinanleger über ein Weltportfolio 0,0000X% an eben jenem Unternehmen erwirbt. Die paar Euro fallen kaum auf. Zumal ein ETF-Anleger noch nicht mal die Option hat auf Hauptversammlungen seiner Stimme kund zu tun. Den wirklichen Hebel auf Seiten der Anleger haben eher die Institutionen.
    Da bin ich dann eher wie viele meine Vorredner gewillt über den Konsum meinen Wunsch nach Nachhaltigkeit auszuleben. Wem das zu wenig ist, kann über Organisationen und Parteien aktiv werden und versuchen die Welt zu verbessern. Da gibt es genug Stellschrauben, die mehr bewirken, als ein paar Promille einer Unternehmensbeteiligung.

    Wenn man die Ausgangsfrage aber etwas erweitert, gibt es sicherlich ein paar Möglichkeiten sein ETF-Weltportfolio mit etwas gutem Gewissen und Nachhaltigkeit zu würzen. Ich denke da an zusätzliche Vehikel wie Bettervest oder ökologische Genossenschaften im regionalen Umfeld. Oder über ein Konto bei der GLS Bank.

  18. Treffen wir uns unter dem Kreuz?

    Als Teil dieser Welt werden wir alle schuldig, jeden Tag, und brauchen die Vergebung und Erloesung unserer Schuld durch Jesus Christus … zur Versoehnung mit Gott und zur echten Freiheit.
    Ein bisserl ethisches Investieren wird da nicht genuegen …
    Soweit die moralische Seite.

    Was wir mit dem Geld dann machen (zB welches wir hoffentl. m. unseren Investments vereinnahmen) ist viel interessanter: wir koennen es zB zum Guten einsetzen in Abhaengigkeit und mit Besprechung der Details (wie alles andere auch) mit Christus unserem HErrn.

    Klingt abstrakt? Mal bei einem christlichen Blog vorbeischauen? Hier ein hard-core Paper zum Umgang mit Spenden (nicht gaaanz fuer Unbedarfte geeignet? aber zum Blick ueber den Tellerrand? notfalls zum Entruesten :D?): herausgerufene.de/downloads/zehnter06.pdf

  19. Ich würde gerne genau das Gegenteil umsetzen: Unethisches Investieren und dann die Gewinne spenden.

    Leider habe ich keinen speziellen unethischen Fonds gefunden und der Vice Funds ist in Deutschland nicht handelbar. Ich fände das aber vernünftiger als die Alternative, denn die Gewinne fallen ja an, egal ob ich nun Aktien kaufe oder nicht.

    Die Idee hätte dazu noch den angenehmen Nebeneffekt, dass man Steuern spart. Wenn man 100€ Dividende kassiert zahlt man ja „nur“ ~26%, wenn ich nun 100€ spende, dann wird mir das vom zu versteuernden Einkommen abgezogen und ich lande im Plus 😉

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