Wie Du Dich richtig versicherst (Teil 1)

Wieviel gibst Du im Jahr für Versicherungen aus?

Im Finanzglück-Haushalt waren es laut Old-School-Haushaltsbuch letztes Jahr 1.279 Euro.

2014 waren es mit 2.686 Euro sogar noch deutlich mehr.

Darin sind keine Aufwendungen für die private Altersvorsorge (Rentenversicherung) oder Krankenversicherung enthalten. Die zähle ich nicht mit zu meinen Versicherungen – aber dazu gleich mehr.

Die Chancen sind hoch, dass Du ähnlich viel oder sogar noch mehr für Deine Versicherungen ausgibst. Das ist eine ziemliche Stange Geld. Gleichzeitig deckst Du wahrscheinlich nicht alle Risiken ab, die wichtig für Dich sind. Du wärst dann unterversichert.

In diesem Beitrag beschreibe ich Dir meinen Ansatz, mit Versicherungen umzugehen. Vielleicht passt es ja auch für Dich.

Lass mich mit den Grundlagen beginnen.

Die Basics

Eines mal vorneweg. Ich hatte in meinem Leben noch nie einen Versicherungsschaden. Mir hat noch nie eine Versicherung für einen Schadensfall Geld ausgezahlt. Von den locker über 15.000 Euro an bezahlten Prämien habe ich noch keinen einzigen Cent wiedergesehen.

Und wie finde ich das? Fantastisch! Das ist der Idealfall. Versicherungen haben für mich nämlich nur einen einzigen Zweck:

Versicherungen sollen die Risiken abfedern, die Dich finanziell aus der Bahn werfen würden.

Nicht mehr und nicht weniger.

Dabei greift das Prinzip, das allen Versicherungen zugrunde liegt. Alfred Manes, der alte Versicherungsfuchs, hat es auf den Punkt gebracht. Worum geht es bei Versicherungen?

Beseitigung des Risikos eines Einzelnen durch die Beiträge von Vielen.

Das ist die Kernbotschaft. Einige von uns wird es erwischen. Für diejenigen wird es ganz besonders bitter. Die Unglücksraben werden nicht die finanziellen Mittel haben, um den Schaden alleine bewältigen zu können. Sie brauchen Hilfe. Die Gemeinschaft schmeißt zusammen und zieht das arme Würstchen aus dem (finanziellen) Schlamm.

Solltest Du der Glückpilz sein, der keinen Schaden erleidet, dann freue Dich! Das Leben geht weiter. Alles ist gut. Gräme Dich nicht wegen Deiner eingezahlten Prämien. Die Gewissheit, dass Du im Fall der Fälle abgesichert wärest, lässt Dich nachts besser schlafen. Das ist es wert.

Versicherung ≠ Versicherung

Aus diesem Verständnis heraus unterscheide ich zwischen „richtigen“ Versicherungen, um die es in diesem Beitrag geht, und den Pseudo-Versicherungen. Letztere sind z.B. die Krankenversicherung oder Rentenversicherung. Bei denen ist meine klare Erwartung Gelder in Anspruch zu nehmen. Das ist mein Base Case. Ich gehe jedes Jahr zum Zahnarzt und nehme meine Krankenversicherung in Anspruch. Das weiß ich von vornherein. Meine Rentenversicherung soll mir im Alter erlauben, auch mal ein Croissant beim Bäcker zu kaufen, statt immer nur die einfachen Schrippen zu mampfen.

Natürlich greift hier auch das Versicherungsprinzip, aber es hat eher den Charakter einer Vorsorge.

Für all die „richtigen“ Versicherungen (sorry, aber mir fiel kein besserer Begriff ein) gibt es ein paar allgemein gültige Grundsätze, die Du bei Deiner Auswahl beachten solltest.

Die Bank gewinnt immer

Bei Versicherungen arbeiten eine ganze Stange aufgeweckter Bürschchen. Da verbringen Mathematikgenies den ganzen lieben langen Tag damit, Risiken zu berechnen und zu modellieren. Es fließen eine Vielzahl von Annahmen in ungeheuer ausgebuffte Modelle. Ganz unten kommt dann die magische Zahl raus. Das ist Deine Prämie.

Diese Prämie sollte ausreichen, um unter anderem die Verwaltungsgebühren zu zahlen, Provisionen für die Versicherungsverkäufer abzudecken und eine angemessene Eigenkapitalrendite für das Versicherungsunternehmen zu gewährleisten. Die Aktionäre wollen schließlich eine saftige Dividende sehen. Danach müssen noch ausreichend Goldtaler im Beutelchen sein, um die Schadensfälle zu begleichen.

Es überrascht Dich also nicht, dass ein nicht unerheblicher Teil Deiner Prämie abfließt und nie ausgezahlt wird. Zumindest nicht an Dich und die anderen Versicherten. Wieviel tatsächlich ausgezahlt wird, wirst Du nie erfahren. Das ist gewollt intransparent.

Was Du aber weißt, ist das es sich bei Versicherungen wie im Spielkasino verhält. Die Bank gewinnt immer. Du musst schon deutlich überdurchschnittlich schadensanfällig sein, um einen direkten finanziellen Nutzen aus einer Versicherung zu ziehen. Es wird immer Leute geben, die massiv von Ihrer Versicherung profitieren. Bei denen die Schadensfallauszahlungen die Prämieneinzahlungen deutlich übertreffen. Das liegt in der Natur der Sache. Aber im Durchschnitt wirst Du draufzahlen.

Risiko statt Nutzen

Diese Erkenntnis ist wichtig. Eine Versicherung ist nicht dafür da, einen planbaren finanziellen Nutzen daraus zu ziehen. Du solltest keine Zahnzusatzversicherung abschließen, weil Du denkst, damit die Kosten für Deine Zahnbehandlungen zu reduzieren. Genauso solltest Du kein Krankenhaustagegeld vereinbaren, nur um damit ein zusätzliches Einkommen zu generieren.

Du schließt eine Versicherung  ab, um zu verhindern, dass ein Schaden Dich in Deiner finanziellen Existenz bedroht. Alles andere lässt sich deutlich besser durch eigene finanzielle Puffer absichern.

Lass uns puffern

Dazu zählt die Notreserve auf dem Giro- bzw. Tagesgeldkonto für die alltäglichen, unerwarteten Ausgaben. Dein Smartphone ist Dir wieder mal ins Klo gefallen. Durch Deinen heroischen Einsatz beim Betriebssport hast Du Dir die Schulter ausgerenkt und kannst jetzt den bereits bezahlten Toskana-Familienurlaub abschreiben. Für solche Unfälle brauchst Du keine Versicherung. Du kommst Dir zwar wie der letzte Depp vor, kannst es aber finanziell verkraften.

Du bist also immer erst mal Deine eigene Versicherung. Viele Schäden kannst Du selber abfedern, ohne dabei finanziell vor die Hunde zu gehen. Je weiter Du Dein Vermögen aufbaust, desto weniger bist Du auf Versicherungen angewiesen. Das Geld kannst Du Dir dann sparen.

Solltest Du eher ein Von-Der-Hand-In-Den-Mund-Typ sein, dann hast Du weniger Kohle auf der hohen Kante und musst daher mehr versichern. Dieses Geld fehlt Dir dann beim Vermögensaufbau.

Jetzt aber mal konkreter!

Vor diesem Hintergrund gibt es ein paar ganz konkrete Schritte, die Du beim Abschluss jeder Versicherung beachten solltest. Damit reduzierst Du die Kosten und behältst weiterhin den Versicherungsschutz, den Du auch wirklich benötigst.

 1. Versichere nur die Risiken, die Du im Schadensfall auch wirklich nicht mehr selbst stemmen kannst.

Alles andere brauchst Du nicht. Was das genau ist, hängt von Deiner ganz persönlichen Lebenssituation ab. Als junger Single ohne Familie brauchst Du wahrscheinlich keine Risikolebensversicherung. Als Haupternährer einer achtköpfigen Großfamilie mit Dackel sieht die Sache schon anders aus. Wenn es nicht wirklich stichhaltige Gründe für eine Versicherung gibt, dann haue sie raus. Keine Kompromisse. Dadurch kannst Du ziemlich schnell die Anzahl Deiner Versicherungen reduzieren.

2. Checke genau, welche Risiken Du schon durch anderweitige Versicherungen abgedeckt hast.

Das klingt banal. Es passiert aber ziemlich oft, dass man sich unwissentlich mehrfach versichert. Ich hatte lange Jahre eine private Unfallversicherung, ohne zu wissen, dass mein Arbeitgeber ebenfalls eine für mich abgeschlossen hatte (für die Arbeitszeit inklusive An-/Abreise). Vielleicht deckt Deine Kreditkartenfirma auch schon Reiserücktrittsrisiken ab? Mach Dir ein genaues Bild und entscheide erst dann, ob Du noch etwas abdecken musst.

3. Drücke die Höhe der Prämien soweit runter wie möglich.

Dabei hilft es zu verstehen, wie Versicherungen ticken. In deren Prämienberechnungen sind die Wahrscheinlichkeiten und die Höhen der Schadensfälle treibende Faktoren. Je unwahrscheinlicher und niedriger eine Schadenszahlung an Dich ist, desto geringer die Prämie. Macht Sinn.

Dein Ziel ist es, die wirklich großen, aber meist seltenen, Schäden zu versichern. Also komme der Versicherung bei der Vertragsgestaltung entgegen. Schraube die Selbstbeteiligung so weit hoch, dass es für Dich gerade noch zumutbar ist (meist das Maximum). Die kleineren Schäden kannst Du zur Not noch selber schultern. Streiche alle „nice-to-haves“. Das können z.B. Krankenhaustagegeld bei Deiner privaten Krankenhauszusatzversicherung sein (außer Du bist drauf angewiesen)  oder die Teil/Vollkasko für Deinen Gebrauchtwagen.

 4. Vermische keine Versicherungen.

Das schafft Intransparenz und macht es Dir schwer, zu vergleichen. Also lieber eine reine Risikoleben statt ein wilder Mix aus Risikoleben-, Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung.

5. Und zu guter Letzt: Hol Dir das beste Angebot ein.

Es gab bei Versicherungen noch nie so viel Transparenz wie heute. Auf diversen Onlineportalen kannst Du jederzeit Preise und Leistungen vergleichen. Such Dir die besten Angebote raus. Hier ist bei mir noch deutlich Luft nach oben. Da muss ich selber noch aktiver werden.

Das Beste aus allen Welten

Durch diesen Ansatz solltest Du in der Lage sein, nicht nur Deine Schadensabsicherung zu verbessern, sondern vor allem auch Deine Kosten zu reduzieren. Die Kostenersparnis kannst Du dann dazu nutzen, Dein Vermögen weiter aufzubauen. Damit machst Du Dich letztendlich unabhängiger von Versicherungen.

Überspitzt gesagt, erlaubt die Ersparnis Dir eher in die Aktien von Versicherungen zu investieren, anstatt deren Prämien zu zahlen.

Nach diesen Versicherungsgrundlagen, werde ich im zweiten Teil des Beitrags auf die diversen Versicherungen eingehen. Dabei unterscheide ich zwischen

  • Geht nicht ohne
  • Solltest Du haben
  • Braucht kein Mensch
  • Hier scheiden sich die Geister

Dabei zeige ich Dir auch, welche Versicherungen wir im Finanzglück Haushalt haben und wieviel wir dafür bezahlen.

Hier geht es zum zweiten Teil.

 

Hast Du soweit schon Fragen? Stimmst Du mit diesem Ansatz überein oder hältst Du ihn für unvernünftig oder sogar durchweg falsch? Nach welchen Kriterien suchst Du Dir Deine Versicherungen aus? Ich freue mich schon auf Deinen Kommentar!

 

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10 Kommentare

  1. Insbesondere die finanzielle Absicherung der vielen deutschen Dackel ist tatsächlich besorgniserregend. Das wurde wissenschaftlich noch gar nicht richtig untersucht. Im Zuge des demographischen Wandels kommen hier enorme Belastungen auf den deutschen Steuerzahler zu.

    Ich kann dem Artikel nur zustimmen. Ich finde, man sollte auch nicht zu pessimistisch sein und sich die möglichen Schadensfälle tatsächlich mal genau vor Augen führen. Also wann zahlt die Versicherung überhaupt und wie viel? Und vor allem wann zahlt die Versicherung nicht? Beispiel: Glasschäden werden üblicherweise nicht von der Hausratsversicherung bezahlt.

    Ich bin gespannt auf die weiteren Artikel.

    1. Die finanzielle Situation der deutschen Dackel, insbesondere bei der Altersabsicherung, wird tatsächlich in der hiesigen Medienlandschaft totgeschwiegen. Zum Glück gibt es aufklärende Blogs wie Finanzglück, die einen Lichtkegel auf diese verheerende Situation werfen und das Thema in den Blickpunkt ziehen. Finanzglück gilt deshalb auch weit über unsere Landesgrenzen hinaus als der Edward Snowden unter den Finanzblogs.

      1. Investigativ, kritisch und ganz hart an der Realität – das lieben die Leser an Finanzglück. Zum Glück wird dieses Thema nicht mehr totgeschwiegen. Ich bin froh, dass sich endlich mal jemand der Dackelproblematik annimmt.

    2. Dazu eine Eilmeldung:
      Hohe Kosten für die Behandlung der Dackellähme – als direkte Folge der Kurzbeinigkeit – stellen die künftige Ausfinanzierung der Dackelrenten in Frage.

  2. Hallo Nico,

    als 19-jähriger Student habe ich den Vorteil, dass ich noch mit meinen Eltern mitversichert bin. Jetzt muss ich mich mit Versicherungen noch nicht abplagen.

    MFG Philipp

  3. Hey,
    als Single zählen ich ja eher zur Fraktion, so wenig wie möglich.

    Aktuell gibt’s nur eine Hausrat Haftpflichtversicherung, KFZ-Versicherung. Am meisten schwanken tue ich wegen einer Berufsunfähigkeitversicherung abschließen. Aber die sind schon sehr verwirrend.

    Gruß,
    mafis

    1. Hallo Mafis,

      die BU ist schon ein besonders schwieriges Tierchen. Ich will dem nächsten Beitrag nicht vorweggreifen, kann aber jetzt schon sagen, dass sie einen besonderen Stellenplatz bekommen wird.

      VG, Nico

  4. Hi Nico,

    spannendes Thema – ich freue mich auf die Artikelserie.
    Ich bin weder Student, noch bei meinen Eltern versichert – im Gegenteil, meine Familie ist unter meinen Fittichen. Pro Jahr macht das geschätzt 2.400€ inkl. der Kfz Versicherungen.
    natürlich fein säuberlich im Haushaltsbuch erfasst 😉

    Gerade gestern habe ich mich aber dem Thema gewidmet und entschieden, meine Unfallversicherung zu kündigen. Ich habe vor 2 Monate eine (so denke ich) für mich sinnvollere Lebens- & Berufsunfähigkeits-Versicherung abgeschlossen.

    1. Moin Felix,
      da bist Du ungefähr bei einem Niveau, bei dem ich auch 2014 war. Seit dem wir unsere Versicherungen auf den Prüfstand gestellt haben, liegen wir jetzt im Finanzglück Haushalt deutlich drunter (trotz KfZ und Gebäudeversicherung für das Eigenheim). Die Vorher/Nachher Betrachtung unserer Versicherungen schlüssele ich dann im nächsten Beitrag auf. Eines Vorweg – meine Unfallversicherung hatte ich ebenfalls gekündigt.
      VG, Nico

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