Volatilität bedeutet nicht gleich Risiko

Dies ist Teil 5 der Aktienmarktserie

Ich habe meine Studentenzeit geliebt! Was war das für eine tolle Zeit. So unbeschwert. Da habe ich viele lustige Leute kennengelernt, von denen einige auch ganz gut feiern konnten. Gelernt wurde natürlich auch. Mein Studium der Volkswirtschaft beinhaltete viele wirklich interessante Themen. Von dem Wissen kann ich heute noch zehren. Ich musste allerdings auch den einen oder anderen Betriebswirtschaftskurs belegen. Die Lerninhalte dort kann ich überwiegend in zwei Gruppen einteilen:

  1. Kram, den ich bisher nie wieder gebraucht hatte.
  2. Inhalt, der mittlerweile überholt ist oder aber schon damals falsch war.

Um fair zu sein, es gab dann doch auch einige Dinge, die ich in meinem späteren Berufsleben noch gebrauchen konnte. Das war dann allerdings eher die Ausnahme. Es war aber definitiv eine lustige Zeit, die ich nicht missen möchte.

Der heutige Post dreht sich um ein Thema, das in die zweite Gruppe fällt.

Volatilität = Risiko?

Volatilität bedeutet mehr Risiko. Das ist eine weit verbreitete Annahme, selbst unter Leuten, die sich viel mit dem Thema Investieren beschäftigen. Ich rede hier über Volatilität am Aktienmarkt.

Der Aktienmarkt gilt als volatil. Die Kurse gehen munter auf und ab, wie die Achterbahn oder das letzte Maß auf dem Oktoberfest. Das kommt beim konservativen Investor nicht gut an. Innerhalb des Aktienmarktes gelten volatile Wertpapiere, also die mit einem hohen Beta, als besonders risikoreich.

Die Alternative sind „sichere“ Anlagen, wie zum Beispiel (langfristige) Bankeinlagen, Staatsanleihen (bevorzugt Deutsche Bundesanleihen), das Tagesgeldkonto oder für die Old-School-Anleger, das gute alte Sparbuch. Da gibt es keine oder kaum Volatilität. Traumhaft. Was kann da schon schiefgehen?

Langfristig sind Aktien risikoarm und Tagesgeld/Anleihen risikoreich

Ich sehe schon ein, dass eine hohe Volatilität ein Problem sein kann. Wenn ich Geld anlege und dieses kurz- oder mittelfristig dringend benötige, dann ist Volatilität ungefähr so wünschenswert wie ein Akne Ausschlag beim ersten Date. Das Geld wird gebraucht. Wenn zu diesem Zeitpunkt gerade die Märkte darniederkriechen, dann habe ich ein Problem. Kurzfristig bedeutet Volatilität am Aktienmarkt ein höheres Risiko.

Langfristig sieht die Sache jedoch anders aus. Aktien outperformen langfristig fast alle anderen Assetklassen (um es mal im feinsten Neudeutsch auszudrücken). Da ist es gehopst wie gesprungen, ob die Kurse zwischendurch oben oder unten sind. Langfristig kannst Du mit steigenden Kursen rechnen. Während der Achterbahnfahrt wirst Du dann jedes Jahr fleißig Deine Dividenden einheimsen und weiter investieren.

Bei Anleihen, Bankeinlagen, Tagesgeld, Girokonto und Konsorten sieht die Sache anders aus. Hier bekommst Du einen garantierten Ertrag. Keine wild schwingenden Tageskurse, dafür einen festen Zins. Das Problem ist nur, dass Du den Zins meist in den Skat drücken kannst. Es reicht oft nur für einen geringen realen Ertrag bzw. nicht einmal aus, um die Inflation zu decken.

Die Minimierung von Risiko ist absolut erstrebenswert. Jedoch setzen viele Anleger dies mit einer Minimierung von Volatilität gleich. Das geht oft nach hinten los. Durch die Reduzierung der Volatilität erreichen viele Anleger das genaue Gegenteil.

Das Risiko wird erhöht! Bei Aktien wird der Kurs kurzfristig stark schwanken, aber langfristig ansteigen. Bei konservativen Anlagen wie Anleihen hast Du schon von vornherein verloren, weil die Inflation Deine Realrendite auffrisst.

Du kannst sogar noch einen Schritt weiter gehen und der Volatilität etwas Positives abgewinnen. Volatilität bedeutet, dass zu verschiedenen Zeitpunkten eine Aktie (oder auch der Aktienmarkt generell) über- oder unterbewertet ist. Damit tun sich Chancen auf. Wenn Du Dir zutraust zu erkennen, wann Werte über- oder unterbewertet sind, dann kannst Du darauf Deine Aktienstrategie aufbauen. Günstig kaufen und teuer verkaufen. Market Timing*.

Wie gehe ich mit Volatilität um?

Ich habe neben meinen Immobilien zu 100% im Aktienmarkt investiert. Keine Anleihen, Bankeinlagen oder Tagesgelder. Ich halte einzig eine Notreserve auf dem Girokonto für unerwartete Ausgaben.

Mir ist es so ziemlich egal, wo gerade der Wert meines Aktiendepots steht. Ich checke mein Depot weder täglich noch wöchentlich, sondern nur wenn ich neu investiere. Das passiert alle ein bis zwei Monate.

Das Geld, was ich in den Aktienmarkt investiere, brauche ich weder kurz- noch mittelfristig. Ich bin breit gefächert im weltweiten Aktienmarkt mit kostengünstigen Indexfonds. Diese regulieren sich selbst, indem schwache Unternehmen aus den Indizes rausgekegelt und neue, starke aufgenommen werden. Es bedarf keiner Steuerung meinerseits. Ob wir uns gerade in einem Bullen- oder Bärenmarkt befinden ist egal. Ich investiere alles freie Kapital, generiert durch Ersparnisse, komplett in die Indexfonds. Die Zielgewichtung stelle ich mit jeder Investition wieder her (re-balancing), ohne Anteile zu verkaufen.

 Wenn Du langfristig investierst dann ist Volatilität kein Problem. Im Gegenteil, die vermeintliche Sicherheit durch geringe Volatilität wird erkauft durch eine niedrigere Rendite. Das geht hin bis zu negativen Realrenditen.

Du willst langfristig Dein Vermögen möglichst schnell wachsen lassen? Lass Dich nicht durch Volatilität beeinflussen. Investiere in den Aktienmarkt, möglichst breit diversifiziert und kostengünstig. Lasse in der Zwischenzeit die Magie der Zinseszinsen wirken. Damit wirst Du auf der sicheren Seite sein.

 

* Ich sehe Market Timing eher kritisch. Zumindest lasse ich die Finger davon, weil ich nicht glaube in der Lage zu sein, erfolgreich Market Timing zu betreiben.

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7 Kommentare

  1. Ich denke, dass Market Timing schon Sinn macht – allerdings auf große Ebene….
    Sicherlich kennst du doch den Gebert Idikator, oder….
    Dies ist nur ein Beispiel…
    Generell braucht man eben „nur“ eine Strategie, die in der Vergangenheit gut performt hat und dadurch gute Chancen hat, dies auch zukünftig zu tun!!

    1. Market Timing ist langfristig nicht umsetzbar. Daran gibt es nichts zu ändern. Market Timing ist reine Spekulation und kein wissenschaftlich fundiertes Investieren.

      Nächster Punkt: „eine Strategie, die in der Vergangenheit gut performt hat und dadurch gute Chancen hat es wieder zu tun“ => Wenn das so einfach wäre, wäre diese Anlage risikolos und schnell wegarbitragiert. Außerdem ist es unmöglich von der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen.

  2. Hi Nico,
    es geht ja zumeist immer um die langfristige Anlage – gerade im Aktienmarkt – sprich mit ETF’s zum Beispiel.
    Du schreibst ja, daß Du nicht unbedingt auf ein Auto angewiesen bist, um täglich zur Arbeit zu fahren. Was wäre denn Dein Ansatz, müsstest Du z.B. 50-60 km täglich zur Arbeit pendeln und somit laufen Rücklagen für ein neues Auto zu bilden?
    Danke für eine „Hypothese“ 😉 und viele Grüße,
    Alex

      1. Hey Nico,
        kein – nicht direkt, beim Durchlesen deines blogs bin ich eben an dieser stelle über „langfristig… Aktien… Sichere Anlagen“ gestolpert und da ist mir diese Frage gekommen. Wie würdest Du (wenn Du müsstest) den mittelfristigen Bedarf abdecken? Z. b für ein Auto, Tagesgeld kanns ja irgendwie nicht sein, Aktien aber wohl auch nicht.
        Also was wäre eine clevere Idee?
        Herzliche Grüße, Alex

        1. Hallo Alex,

          warum kann es kein Tagesgeld sein? Unter der Annahme, dass es ein Auto absolut notwendig ist, sollten die Rücklagen in entsprechend risikoarme Geldanlagen gesteckt werden.

          Gruß,
          Mitro

        2. Hi Alex,

          ok, jetzt habe ich es verstanden. Da gebe ich Mitro Recht. Wenn Du an das Geld bald ranmusst, dann parke es irgendwo, wo Du schnell ran kannst. Tagesgeldkonto bietet sich hier an. Es ist übrigens auch nicht das Ende der Welt, wenn Du mal einen Teil Deines Aktiendepots verkaufst um damit solch eine größere Ausgabe abzudecken. Für absolut notwendige Ausgaben sollte dann aber ein ordentlicher Puffer im Depot sein für den Fall eines großen Kursverlustes. Wenn die Ausgabe also in sagen wir 5 Jahren oder so ist, dann würde ich persönlich trotzdem weiter investieren. Aber das ist Geschmackssache.

          VG, nico

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