Was mich Oberfeldwebel Hönecke über das Laufen lehrte

Meine Liebe zum Laufen, bzw. Joggen, entdeckte ich während meiner Zeit in der Bundeswehr. Mein Jahrgang war einer der letzten, die noch eingezogen wurden. Und um ganz ehrlich zu sein: Ich fand die Zeit ziemlich witzig.

Aber ich hatte es wohl auch einfacher, als die meisten meiner Kumpels.

Mein Wehrdienst begann zunächst mit zwei Monaten Grundausbildung, sprich schießen, marschieren und viel Schreierei. So wie man sich das vorstellt. Nach den zwei Monaten ging es dann zivilisierter zu.

Zu meiner weiteren Verwendung wurde ich für acht Monate ins Offizierskasino und Mannschaftsheim als Ordonanz versetzt. Das hieß dann konkret als Barkeeper Bier ausschenken und Cocktails mixen. Gibt Schlimmeres. Ich hatte halt eher so eine Art Zivi mit ein bisschen rumballern.

Darf ich vorstellen, Oberfeldwebel Hönecke

Aus meiner Zeit als Barkeeper Ordonanz habe ich eine Sache mitgenommen, die mich noch heute prägt.

Meine Liebe zum Laufen!

Mein Vorgesetzter im Kasino hieß Oberfeldwebel Hönecke. Das war ein recht harter Knochen und ehrlich gesagt auch ein ziemlicher Drecksack. Es ist schon erstaunlich, was so ein Umfeld über einen längeren Zeitraum aus Menschen machen kann.

Aber ich bin Oberfeldwebel Hönecke bis heute noch dankbar.

Hönecke war nämlich passionierter Marathonläufer. Ein ziemlich fittes Bürschchen. Er hatte keine Lust alleine seine Runden zu drehen und hat uns Untergebenen daher angeboten, mit ihm laufen zu gehen. Das war allemal besser als regulären Dienst zu schieben.

Ich war sofort dabei.

Muss es gleich ein Marathon sein?

Bis dahin war Laufen nicht so wirklich mein Ding.

Ich war Mannschaftssportler und spielte am liebsten Basketball. Aber durch das Laufen kam ich wenigstens mal aus der Kaserne raus und konnte ein bisschen Zeit an der frischen Luft verbringen.

In bester Oberfeldwebel-Hönecke-Manier wurde auch gleich die Marschroute vorgegeben: Ziel nach sechs Monaten Training war der Hamburg-Marathon.

Da werden keine Gefangenen gemacht. Ganz oder gar nicht.

Jawohl, Herr Oberfeldwebel!

Da bin ich dabei. Naja, zumindest mach ich erst mal mit. Schauen wir mal wie lange die Motivation anhält…

Die Vorstellung, einen Marathon zu laufen, war für mich damals so realistisch, wie mit meinem City-Bike bei der Tour-de-France Bergetappe mitzumischen.

Marathon war etwas für die richtigen Sportler. Mein Spielfeld war eher die Kneipenliga, mit meinen Stärken ganz klar nach dem Training in unserem Stamm-Pub.

Sollte es also wirklich klappen, dass ich einen Marathon laufen kann?

Um es vorweg zu nehmen: Ja, es hat geklappt. Nicht nur das eine Mal in Hamburg während meiner Bundeswehrzeit, sondern auch noch öfters in den Jahren danach. Dazu gleich mehr.

Eine Ode an das Laufen

Laufen ist eine der besten Sportarten, die es gibt.

Es ist die Einfachheit, die es so unwiderstehlich macht. Fast überall gibt es schöne Strecken, sei es zu Hause oder auf Reisen. Du kannst wunderbar die Natur um Dich herum kennenlernen. Im Urlaub oder auf Dienstreisen liebe ich es, eine neue Umgebung joggend zu erkunden. Gleichzeitig kannst Du auf Deinen gewohnten Strecken irgendwann Deine Gedanken schweifen lassen, so dass Du Dich später gar nicht mehr daran erinnerst, was in den letzten zehn Kilometern eigentlich um Dich herum passiert ist.

Laufen an der frischen Luft ist ungeheuer gut für Deine Gesundheit. Es regt den Kreislauf an, stärkt Dein Immunsystem und Deine Knochen. Dein Geist entspannt sich. Du baust Stress ab. Gleichzeitig verbrennst Du Fett und stärkst Deine Muskeln. Dein Körper schüttet Glückshormone (Endorphine) aus. Vielleicht kommst Du ja sogar in den Genuss eines Runners High, mit all seiner euphorisierenden Wirkung.

Kurzum, Laufen tut Dir gut. Richtig gut sogar.

Doch muss es gleich ein Marathon sein? Nein, aber es kann.

Einen Marathon zu bewältigen ist kein Hexenwerk. Es bedarf letztendlich nur eines Trainingsplans, der schnell erstellt ist, und dann der Motivation es auch durchzuziehen. Dann steht einem Marathon nach sechs oder zwölf Monaten Training eigentlich nichts mehr im Wege.

Motivation ist alles

Um Deinen Körper und Geist in Marathon Verfassung zu bringen, brauchst Du weder eine teure Ausrüstung noch einen Trainer. Du kannst auch getrost auf diesen ganzen Technik Schnickschnack verzichten.

Mit minimalem Kosten- und Planungsaufwand kannst Du das Projekt angehen. Während des Trainings bist Du unabhängig und kannst frei wählen, wann, wie und wo Du trainieren willst. Du bist Dein eigener Herr und musst Dich nicht nach den Terminen anderer richten.

Das Allerwichtigste beim Laufen ist Deine Motivation. Da darf es keine Kompromisse geben. Das ist nicht ohne. Hier wird es problematisch.

Es finden sich eigentlich immer gute Gründe, den nächsten Lauf zu verschieben. Das gilt für den Sonntagmorgen-nach-dem-Frühstück-ein-kleines-Ründchen-gegen-das-schlechte-Gewissen-drehen-Läufer genauso wie den erfahrenen Marathoni.

Termine, Wetter oder das kleine Zucken in der Wade. Irgendetwas ist eigentlich immer. Der innere Schweinehund entwickelt sich vom knuddeligen Langhaardackel zur tollwütigen Bestie. Ein widerliches Tier! Den Kläffer gilt es zu überwinden.

Sei weise wie Oberfeldwebel Hönecke

Was hat mir geholfen, meine Motivation beim Lauftraining aufrecht zu erhalten?

Jetzt kommt der gute alte Oberfeldwebel Hönecke wieder ins Spiel. Er hatte nämlich doch eine erstaunlich philosophische Ader, die ihm die wenigsten zutrauen würden. In seinen schwachen Momenten haute er gerne mal seine Weisheiten unter das Volk, so wie einst Diogenes aus seiner Tonne heraus.

Darunter befand sich auch eine seiner zeitlosen Erkenntnisse, die mit Sicherheit noch nachfolgende Generationen in Philosophie-Seminaren rund um die Welt debattieren werden.

Eine Erkenntnis, die Oberfeldwebel Hönecke in eine Reihe aufrücken lässt mit philosophischen Titanen wie Platon, Aristoteles oder Kant.

Wie lautet diese Weisheit, die das Potential hat, unsere Erde wieder zu einem besseren Ort zu machen, in dem wir gerade in diesen schweren Tagen wieder einen Lichtblick für die Zukunft unserer nachfolgenden Generationen ersehnen?

Das schwierigste am Laufen ist sich die Schuhe anzuziehen

Das musst Du jetzt erst mal sacken lassen.

Es ist tatsächlich so. Sobald Du die Schuhe erst mal anhast, verschwinden Deine Motivations-Probleme wie von allein.

Du gehst vor die Tür und rennst los. Plötzlich ist es egal ob es regnet oder nicht. Du genießt sogar die erfrischenden Tropfen auf Deiner Haut. Das Zwicken in der Wade verschwindet nach den ersten Metern, als hätte es nie existiert. Die Termine rücken in den Hintergrund und waren dann wohl doch nicht so wichtig. Die Füße tragen Dich von ganz allein. Langsam gleitest Du in Deinen ganz eigenen Zen ähnlichen Zustand über.

Weisheiten für das Leben

Viel wichtiger aber ist, dass Oberfeldwebel Hönecke’s Weisheit weit über das Laufen hinausgeht. Es ist auf alle Bereiche im Leben anwendbar.

Wenn ich vor einem neuen Projekt stehe, dann habe ich große Motivationsprobleme, erst mal den Anfang zu finden. Die Probleme scheinen endlos und übermächtig.

Dann gebe ich mir einen Ruck. Ich ziehe mir die Schuhe an, lege erst mal los. Definiere den Umfang und breche das Projekt in seine Einzelteile runter. Plötzlich erscheinen die Probleme nicht mehr überwältigend. Stück für Stück arbeite ich mich durch und bringe das Projekt voran.

Wie oft bin ich daran gescheitert, gar nicht erst angefangen zu haben. Ich hatte interessante Ideen, aber habe einfach meinen Hintern nicht hochbekommen um anzufangen. Dann schiebe ich die Sachen vor mir her bis sie irgendwann in Vergessenheit geraten.

Dazu zählten über viele Jahre mich vernünftig mit meinen Finanzen auseinanderzusetzen. Oder aber auch diesen Blog zu starten. Ich habe mich monatelang davor gedrückt einen Domainnamen zu suchen, einen Host zu finden und bei WordPress mein Theme aufzusetzen. Alles kein Hexenwerk, wenn Du erst mal anfängst.

Was habe ich mich gesträubt den ersten Beitrag zu schreiben! Im Toskana-Urlaub hat es dann doch nach ein paar Anläufen, mit ausreichend Chianti, gepasst. Einmal angefangen, sind die Worte dann nur so aus mir rausgesprudelt.

Ein Leben ohne Laufen? Unvorstellbar

Oberfeldwebel Hönecke ist den Hamburg Marathon nie mit mir gelaufen. Er hatte sich nach ein paar Monaten Training verletzt und musste pausieren. Darüber war ich nicht wirklich unglücklich. So konnte ich in Ruhe alleine meine Runden drehen und mich ganz individuell vorbereiten.

Mein Zieleinlauf in Hamburg war dann auch einer der emotionalsten Momente meines Lebens. Es sind sogar Tränen geflossen.

Das geht übrigens vielen so beim ersten Marathon. Hamburg war für mich nur der Startpunkt. Es folgten seit dem diverse weitere Marathons in Frankfurt, Bremen und der Isle of Man, Distanzläufe wie die 30-Mile Commando Challenge in Dartmoor (Südwestengland) oder Matschgeschichten wie der Braveheart Battle in Bayern oder der durchaus entspanntere StrongmanRun auf dem Nürburgring (um nur die Highlights zu nennen).

Für mich bedeutet Laufen Freiheit und Entspannung. Ich kann dem Alltag entfliehen und meine Gedanken kreisen lassen. Bei längeren Strecken laufe ich mich dann in eine Art Trance-Zustand, bei dem ich alles um mich herum vergesse. Und das alles an der frischen Luft und idealerweise in der Natur. Traumhaft.

Im Moment habe ich leider viel zu wenig Zeit zum Laufen. Neben Job, Familie und Blog bleibt wenig Raum für längere Läufe. Das wird sich wieder ändern, wenn ich irgendwann die finanzielle Freiheit erreiche. Dann kann ich mir meine Zeit komplett selber einteilen. Dann wird das Laufen wieder einen höheren Stellenwert bekommen. Dann kann ich einige langfristige sportliche Ziele angehen.

Vielen Dank, Du Sack!

Lieber Oberfeldwebel Hönecke, ich kann Dich immer noch nicht leiden. Du bist einfach ein fieser Sack.

Aber ich habe Dir einiges zu verdanken. Ohne Dich hätte ich womöglich niemals das Laufen für mich entdeckt und so viele schöne Stunden dabei verbracht. Dafür danke ich Dir von ganzem Herzen.

Leider kann ich mich kaum noch an Deine anderen Weisheiten erinnern. Vielleicht waren sie dann doch nicht so interessant…

 

Wie hältst Du es mit dem Laufen? Könntest Du Dir vorstellen, irgendwann mal einen Halb- oder sogar kompletten Marathon zu laufen? Was hältst Du von Oberfeldwebel Hönecke’s Weisheit? Ich freue mich schon auf Deinen Kommentar!

 

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20 Kommentare

  1. Der Oberfeldwebel trifft den Nagel auf den Kopf. Der Anfang ist immer das Schwerste. Hat man dann einmal begonnen, führt meist ein Gedanke/eine Tat zum nächsten. Ein anderer bekannter und ebenfalls dem Laufen angelehnter Sinnspruch ist ja „Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt“ (Lao Tse, ca. 500 v. Chr.). Daher würde ich den „Sack Hönecke“ jetzt nicht als innovativ in seinem Denken bezeichnen, aber doch erfrischend in die konkrete Situation umsetzend.

    Für mich ist das Laufen einfach nichts. Ich habe vor 2 Jahren mal damit angefangen und bin auch fast ein halbes Jahr 3x wöchentlich ne halbe Stunde durch den nahegelegenen Park getrabt. So ganz klassisch anfänglich mit Gehen und Laufen in verschiedenen Intervallen bis ich irgendwann dann die 30 Minuten durchgelaufen bin. Bis zum Winter habe ich durchgehalten – dann war „kalt“, „erkältet“, „och nö“. Mich reizt am Laufen leider zu wenig, als dass ich das langfristig Durchhalten würde. Sehr schön daran finde ich den minimalen Aufwand: Schuhe sind wichtig, der Rest eher egal. Laufen geht immer (außer man ist ein Weichei wie ich) und im Prinzip auch überall. Ich verstehe also gut, wenn Menschen viel Freude daran haben.

    1. Das Oberfeldwebel Hönecke auch in einem Atemzug mit Lao Tse genannt wird, würde ihn sicher freuen 🙂

      Wenn es nur Krampf und kein Spaß ist, dann macht es keinen Sinn. Das geht mir manchmal so, wenn ich mit Gewichten trainiere. Das ist dann morgens um 6 Uhr vor der Arbeit. Da hapert es öfters mit der Motivation. Geht am besten wenn Heiermann sowieso einen Frühstart in den Tag hinlegt. Dann habe ich einen Trainings-Buddy der mich motiviert. Bei den Sit-ups zieht er mich gnadenlos ab.

  2. Geiler Artikel über’s Laufen!
    Laufen ist meine Passion. 17.04.2016 geht es wieder entlang der Blue Line durch mein Hamburg.
    Der Weg in die finanzielle Freiheit ist wie ein Marathon, am Start bis Du voll motiviert und freust dich auf alles was bevorsteht. Sobald dann einige Kilometer gelaufen sind, der Körper langsam anfängt Erschöpfung zu signalisieren, fragst Du dich warum das ganze…vergleichbar mit den ersten Crash in deinem Depot und dein hart verdientes Geld langsam dahin geht…dann aber stehst du kurz vorm Ziel oder vor der finanziellen Freiheit, jetzt weißt Du ganz genau, dass sich jede Anstrengung jede Trainingseinheit, jede Einzahlung auf Depot gelohnt haben nur noch ein paar KM/Jahre/Monate durchhalten und Du bekommst einen Moment der Dein Leben nachhaltig verändert..DU HAST DEIN ZIEL ERREICHT! – auf gehts neue Ziele zu definieren 🙂

    Beste Grüße aus Hamburg und vielleicht drehen wir mal eine gemeinsame Runde.
    BIG25 in BErlin im Mai wäre doch eine schöne Veranstaltung 🙂

    1. Hallo Fiete,

      toller Parallele zum Weg in die finanzielle Freiheit. Das hat doch Zeug zu einem ganz eigenen Finanzglück Beitrag.

      Ich wünsch Dir schon mal viel Glück beim Hamburg Marathon. Welche Zeit peilst Du an? Ich war nie wesentlich schneller als 4 Stunden.

      Big25 klingt ja interessant. Kannte ich noch gar nicht. Sehr gerne mal, aber nicht dieses Jahr. Für 2016 habe ich mir noch ein paar andere Sachen vorgenommen, da passt es nicht so gut. Ab nächstes Jahr wird wieder angegriffen. Da möchte ich gerne einen Lauf machen, den ich schon seit vielen Jahren gerne machen würde. Den Medoc Marathon (oder auch Marathon des Chateaux) in Frankreich. Hoffentlich klappt das. Zielzeit dort wäre dann 6,5 Stunden 🙂

      VG, Nico

      1. Es gibt schon sehr coole Events 🙂
        Mein Zeit liegt auch bei 3:45:00 – 4:00:00. Dieses Jahr trainiere ich auf 3:30:00 aber es sieht nicht wirklich danach aus, aber mal sehen einige Langläufe stehen ja noch an, und wer am Samstag dabei sein möchte 10:30 Uhr vorm AsicsStore starten wir. 32km 🙂
        wat mut dat mut…

        Ich kann dem Privatier nur zustimmen, die Wertschätzung und der Umgang unter den einzelnen Sportlern ist einfach unglaublich. Egal ob nun Topathlet, oder wie wir Freizeitläufer mit Potenzial 🙂 jeder unterstützt und motiviert um am Ende gemeinsam das Ziel erreichen zu können!

        Beste Grüße
        Fiete

    1. Da hast Du dann wenigsten was Sinnvolles gelernt 🙂

      Aber ganz im Ernst, ich konnte der Zeit dort wirklich etwas Positives abgewinnen. Dieses Gefühl der Kameradschaft, was sich in den zwei Monaten der Grundausbildung in unserer Einheit entwickelt hat, war schon beeindruckend. Typen mit denen ich jetzt nicht unbedingt etwas zu tun gehabt hätte wollen. Trotzdem ist man sich dann aufgrund der extremen Situation so nah gekommen, dass wir echt überlegt haben anschließend gemeinsam alle in den Urlaub zu fahren. Haben wir zum Glück nicht gemacht.

  3. Ein wunderbarer Beitrag über das Laufen!
    Ich hätte es nicht besser formulieren können. Wobei ich allerdings keinen Wehrdienst gemacht habe und daher auch niemanden hatte, der mich zum Laufen getrieben hat.

    Ich habe das Laufen leider erst im Alter von 45 Jahren entdeckt, bin seitdem begeistert und kann Dir in allem nur zustimmen. Für den Marathon hat es bei mir leider nicht gereicht, dafür habe ich in meiner Berufszeit nicht genügend Trainingszeit gefunden. Aber ich war dann auch mit der halben Distanz in deutlich unter 2:00:00 zufrieden.

    Und das wichtigste Utensil auf Geschäftsreisen waren immer die Laufsachen! Andere Dinge (wie z.B. wichtige Geschäftsunterlagen) habe ich schon mal vergessen – die Laufklamotten nie!

    Eine meiner Trainingsstrecke zu Hause (mit kleinem Berg) habe ich meist dreimal hintereinander gelaufen und mich beim dritten Mal ernsthaft gefragt, ob ich diese Stelle heute wirklich schon einmal (oder sogar zweimal) passiert habe? Trance…

    Und das aller Wichtigste ist eben, das einen das Laufen so viele andere Dinge lehrt:
    Du hast hier das Anfangen herausgegriffen. Stimmt. 100%.

    Aber es geht auch um das Durchhalten. Laufen ist ein Ausdauer-Sport!

    Und es geht um die Erhöhung des Frustrationslevels! Jeder der läuft, ist irgendwann frustriert. Wenn Du das überwindest, überwindest Du auch (fast) jede andere Frustration.

    Und es lehrt Respekt. Respekt vor der Leistung anderer. Und zwar vor JEDER Leistung. Auch vor dem Sieger – klar. Aber auch vor dem Opa, der Dich überholt. Oder der Dich eben nicht überholt. Sondern mit seinen 75-80 Jahren als letzter ins Ziel läuft. Oder vor dem Mitläufer mit seinen 50Kg Übergewicht, der kaum vorwärts kommt…

    Es lehrt Demut. Es lehrt Grenzen zu erkennen und zu überschreiten. Laufen lehrt Zufriedenheit… Es ist einfach eine Schule des Lebens!

    Mit läuferischem Gruß,
    Der Privatier
    P.S.: Einen „Schnickschnack“ sollte man sich allerdings doch gönnen: Ordentliche Schuhe!
    Und die können leider Sch… teuer sein. Aber alles andere ist wirklich „Schnickschnack“ !

    1. Hallo Peter,

      Hier vielleicht noch eine kleine Anekdote von meinem ersten Marathon. Da war dieser Typ, den ich nach ein paar Kilometern überholt hatte. Fortgeschrittenes Alter und humpelnd (vielleicht war es auch einfach nur ein komischer Laufstil). Gedanklich habe ich ihm alles Gute gewünscht, überhaupt die ersten 10 KM zu überstehen. Der Knabe hat mich dann bei Kilometer 35 wieder überholt. Sah noch genauso aus wie am Anfang. Ich dagegen eher wie Merkel nach einer EU Gipfelnacht. Er hatte sich das rennen einfach gut eingeteilt. War ein alter Fuchs! Ich dagegen habe den Kardinalsfehler beim Marathon gemacht: zu schnell anfangen. Das rächt sich später.

      Beim Thema Schuhe bin ich mir nicht so ganz sicher. Hast Du mal das Buch „Born to Run“ gelesen? Ist für mich immer noch das beste Buch, wenn es ums Thema laufen geht. Es ist nicht eines von diesen Anleitungsbüchern (die habe ich auch Zuhause) sondern einfach eine so coole und interessante Geschichte ist. Der Autor rechnet auch mit dem ganzen Hype um das richtige Schuhwerk ab. Habe mir meine Meinung noch nicht abschließend gebildet. Ich kaufe derzeit immer noch ausgelaufene Modelle von der letzten Saison und trage sie dann auch bis sie echt ausgenudelt sind.

      VG, Nico

      1. Hmm… „Born to run“?
        Ja – habe ich gelesen. Aber nicht das Buch von Christopher McDougall und das meinst du wahrscheinlich?
        Ich habe „Born to run“ über den Extrem-Läufer Achim Heukemes gelesen. Ist sicher nicht so jedermanns Sache, aber ich finde eben auch diese Extrem-Sportler immer sehr interessant. Oder auch Joey Kelly z.B.: „Hysterie des Körpers“. Spannend!
        Andreas Niedrig: „Vom Junkie zum Ironman“ oder einer der ganz Alten: Werner Sonntag: „Einmal musst Du nach Biel“.
        Das sind alles keine Anleitungsbücher, sondern erzählen über das, was in einem Läufer vorgeht…

        Ach so, ja – es ging ja um die Schuhe. Richtig. Stimmt schon: Das neueste Modell des Marktführers muss ich auch nicht haben. Ich nehme auch gerne das von der letzten Saison. Oder auch von der vorletzten. Das ist mir so ziemlich egal.
        Aber mit den alten Fußballschuhen oder vom Tennis oder gar Straßenschuhen würde ich es dann doch lieber nicht versuchen.

        Gruß, Der Prvatier

        1. Ich meine tatsächlich Born to Run von Christopher McDougall. Sehr empfehlenswert!

          Das Buch habe es hier bei mir im Schrank stehen, allerdings auf Englisch. Hast Du Lust es zu lesen? Ich kann es Dir schicken. So ganz old school… ohne Internet… per Post! Kannst es Dir in Ruhe durchlesen und dann ein paar nette Worte reinschreiben. Entweder Du schickst es mir dann zurück oder, falls noch jemand Interesse hat, dann gleich weiter an den nächsten Finanzglück Leser!

          1. Vielen Dank für das Angebot, aber zu englischen Texten kann ich mich nur in ganz seltenen Ausnahmefällen durchringen. Von daher: Danke nein, ich reiche das Angebot gerne gleich an den nächsten Interessenten weiter.

            Ich habe übrigens auch einen Patronengurt getragen. 😉 Damals, als ich noch befürchtet habe, auf einer 10km Strecke unterwegs unweigerlich zu verdursten, wenn ich nicht ständig was trinke. Später habe ich ihn dann noch hin und wieder bei langen Läufen (>20km) in einsamen Gegenden mitgenommen.

            Und in noch einem Punkt haben wir dasselbe Empfinden: Beim Laufband. Ich habe auch einige Jahre (immer mal wieder) im Fitness-Studio trainiert und das Laufband gerne zum Aufwärmen oder auch mal als Ausklang benutzt. Aber das ist einfach kein Vergleich zum Laufen in der freien Natur. Auf dem Laufband sind schon 10 Min. eine Qual. Für mich jedenfalls.

            Gruß, Der Privatier

  4. Kurzer und prägnanter Satz. Jedoch so viel Weisheit darin. Sobald ich die Laufschuhe geschnürt habe gehe ich wirklich immer problemlos laufen. Der Weg in die Schuhe ist meist der längste Weg an manchen Tagen.

    Halbmarathon habe ich schon hinter mir 😉 Marathon steht dieses Jahr auf den Plan und eigentlich schiele ich richtig Ultratails. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aktuell zickt das Bein mal wieder rum. Aber nicht jammern. Gibt ja im Triathlon genug Ausweichmöglichkeiten.

    Deine Begeisterung zum Laufen kann ich daher nur zu gut verstehen. Keep on running.

    1. Moin Mafis,

      ich habe auch mal bei den sportlichen Themen auf Deinem (tollen!) Blog rumgestöbert. Per Ferndiagnose würde ich einfach mal behaupten, dass bei Dir 3 Monate Vorbereitung für einen Marathon reichen. Ich habe schon verschiedene Male mit Leuten trainiert, die eigentlich nicht viel mit Laufen am Hut haben, aber in anderen Ausdauersportarten wirklich fit sind. Die haben erstaunlich kurz gebraucht sich vorzubereiten und sind auch vor mir ins Ziel gekommen. Wie unfair! 🙂

      Die Einstellung im Kopf ist mit das Wichtigste beim Laufen. Die Beine kann man schnell trainieren. Wer in anderen Ausdauersportarten Erfahrung mitbringt, der hat schon das Schwierigste geschafft.

      VG, Nico

  5. Warum rennen so viele Finanzblogger? Korrelation oder Kausalität? 😉
    Ich laufe Mo/Mi/Fr, Di&Do ist Kieser. Immer gleich morgens, wenn die Familie sowieso das Haus in Richtung Arbeitsplatz und Schule verläßt.
    Genau so, wie es Nico sagt: Gar nicht lange nachdenken, das ist Routine. Wer HH kennt, weiß, dass wir oft sehr hohe Luftfeutigkeit haben, aber das macht ja nichts. Wenn ich tropfnass nach Hause komme es läuft ja warmes Wasser aus der Wand 😉
    Man erkältet sich nur, wenn man nass und verschwitzt draussen abkühlt.
    Was die Schuhe angeht: Ich mache es auch so. Keine Kompromisse, aber natürlich nicht das limitierte Deluxe-Modell, sondern ein „Arbeitspferd“ mit guten Preis/Leistungsverhältnis.
    Bekleidug: egal, Hauptsache sittlich & temperaturangepaßt.
    Wa gar nicht geht: Der Patronengurt, in dem diese kleinen Fläschchen mit gelber, oranger oder klarer Flüssigkeit stecken. Oder gar ein Rucksack mit Trinkschlauch. Ich bin doch nicht Joe Kelly in der Atacama-Wüste… 🙂

    Gruß
    Finanzwesir

    1. Haha! Ich habe sowohl Patronengurt als auch Rucksack mit Trinkschlauch bei mir im Schrank!

      Den Gurt hatte ich mir geholt, als ich mit dem Laufen angefangen bin. Der sieht aber so scheiße aus, dass ich mich irgendwann nicht mehr damit auf die Straße getraut hatte. Dann kam der Rucksack. Sieht auch dämlich aus, aber ab 20km brauche ich die Flüssigkeit. Bis ca. 20km laufe ich ohne trinken oder nur mit einer kleinen Flasche in der Hand.

  6. Laufen, ich weiß nicht so recht. Halte eher weniger davon, wie ich im meinem Bekanntenkreis sehe, jammern alle nach zwei Jahrzehnten Laufen (ca. 20-30km die Woche) über massive Knieprobleme. Also mit Laufen ist bei denen nichts mehr. Radfahren oder Wandern ist da wesentlich sinnvoller, was das Knie anbelangt. lg

  7. Tolle Geschichte, Nico. Kenne ich auch, wobei ich leider nicht mehr laufen kann/darf. Das fehlt mir, aber die Muckibude tut es zur Not.

    Aber dieses Gefühl, mal so richtig abzuschalten, hatte ich bisher nur beim kilometerlangen Laufen während meiner Studentenzeit. Wenn ich könnte, würde ich es immer noch machen. So bleiben nur noch andere Sachen im Fitnessstudio, die einen zwar auspowern, aber nicht so zum Abschalten bringen.

    Und der Spruch vom Oberfeldwebel ist wirklich passend! Das ist bei allem so: Geldanlage, Bloggen, Podcasten, Jobwechsel etc. Ich habe mir angewöhnt lieber erstmal loszulegen und hinterher feinzujustieren. Das rockt einfach mehr. Sonst kommt am Ende nur was Halbgares oder gar nix bei raus.

    Viele Grüße
    Daniel

    1. Das klingt ja nicht so gut. Geht auch Francis Punkt oben zurück. Vor Verletzungen ist man nicht geschützt. Fitnessstudio ist wohl auch die effektivere Methode zu trainieren, aber mir kommen dort 20 Minuten auf dem Laufband länger vor als 2 Stunden an der frischen Luft.

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