Seelenfrieden ist wichtiger als Rendite

Dies ist Teil 8 der Aktienmarktserie

Wenn ich einen Kick im Leben brauche, dann fahre ich zur Bloukrans Bridge oder nach Queenstown. Dort lasse mir bei dröhnenden Bässen von ein paar Youngstern mein Gewicht auf den Handrücken kritzeln und ein Seil um die Knöchel binden. Dann zähle ich laut von drei runter und brülle „Bungee!!!“, bevor ich mich in den Abgrund stürze.

Oder ich reise nach Cuchi Corral und ziehe mit einem Gleitschirm meine Kreise in luftiger Höhe.

Wenn ich mich nach Aufregung in meinem Leben sehne, dann brettere ich im PS-Geschoß über die Rennstrecke in Silverstone.

Oder verspeise Hühnerfüße in Singapur oder gegrillte Stierhoden in Argentinien.

Oder besteige den Kilimanjaro.

Oder, oder, oder..

Kreissaal oder Handelssaal?

Mir fallen noch Dutzende weitere Aktivitäten ein, die mir das Adrenalin durch die Adern schießen lassen.

Ab und an brauche ich diesen ganz besonderen Kick. Dann will ich aus meinem Wohlfühlbereich ausbrechen. Meine Grenzen verschieben.

Meine intensivsten Grenzerfahrungen waren die Geburten meiner Kinder im Kreissaal mitzuerleben. Besonders Heiermanns spektakulärer Auftritt hat mich an den Rand des Zusammenbruchs gebracht – und war gleichzeitig einer der schönsten Momente meines Lebens.

Solche Momente, abseits der Routine, sind enorm wichtig für meine persönliche Entwicklung.

Es gibt allerdings einen Bereich, an dem ich absolut keinen Kick brauche. Ein Bereich, der so langweilig sein soll wie möglich. Nur einen Bruchteil meiner kostbaren Zeit in Anspruch nehmen darf.

Worum geht es? Du ahnst es schon.

Meine Geldanlage.

Buy high, sell low

Lass uns erst mal gemeinsam einen kleinen Zeitsprung in die Vergangenheit wagen.

Bei meinen ersten zaghaften Versuchen an der Börse ging es ganz klar darum schnell reich zu werden. Das konnte doch gar nicht so schwer sein.

Buy low, sell high.

Das versteht doch jeder Trottel. Was kann ich da falsch machen?

Also ging es munter drauf los. Eine Aktie hier, ein (aktiv verwalteter) Fonds da. Bei ersten Kursgewinnen wurde hektisch verkauft, während Verluste ausgesessen wurden.

Hauptsache das Portfolio bleibt in Bewegung. Transaktionskosten und Ausgabeaufschläge hatte ich nicht wirklich auf dem Radar.

Und um auch ja nichts zu verpassen, musste der Depotstand mehrmals am Tag gecheckt werden.

Fragen, Fragen, Fragen…

Das ich damals ordentlich Geld habe liegen lassen, brauche ich Dir hier nicht zu erzählen.

Das war schon nervig genug.

Dazu kam jedoch aber auch dieser Stress, den so ein aktiver Handel mit sich bringt. Damals hatte ich öfter vor dem Schlafengehen noch über die aktuellen Kurse nachgedacht.

Soll ich verkaufen oder nicht?

Habe ich die richtige Aktie gekauft oder hätte ich doch lieber in das andere Unternehmen investieren sollen?

Greife ich ins fallende Messer oder ist jetzt endlich der Wendepunkt gekommen?

Ich hatte die eine oder andere Stunde damit zugebracht, meine eigene Analyse von Einzeltiteln vorzunehmen. Die Gewinner von den Verlierern unterscheiden. So den Markt schlagen.

Was für ein Schwachsinn.

No pain, no gain

Das ist jetzt gut 10 Jahre her. Seit dem hat sich einiges getan.

Ich war so frustriert vom Aktienmarkt, dass ich erst mal die Finger davon gelassen hatte. Einige Jahre sparte ich mein Geld einfach auf meinem Tagesgeldkonto an.

Nachdem das Konto gut gefüllt war, widmete ich mich dem Immobilienmarkt und kaufte meine beiden Wohnungen im Prenzlauer Berg.

Und schließlich, vor einigen Jahren, habe ich dann doch endlich meine Liebe zum Aktienmarkt entdeckt. Jetzt hatte ich mich intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt. Ausreichend Lektüre und Blogs gelesen, um mir eine fundiertere Meinung zu bilden.

Heute bin ich mir sicher: Der Aktienmarkt ist die beste Anlageklasse, um langfristig Vermögen aufzubauen.

Wahrscheinlich brauchte ich all diese negativen Erfahrungen um da anzugelangen, wo ich heute bin.

Ich weiß, was ich nicht kann

Jetzt ist es nicht mehr mein Ziel, in möglichst kurzer Zeit die höchste Rendite einzustreichen. Das hieße Risiken eingehen, die ich nicht nehmen möchte. Diesen Stress brauche ich nicht in meinem Leben.

Ich traue mir nicht zu, den richtigen Zeitpunkt zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren zu finden. Also erfolgreiches Market-Timing zu betreiben. Das lass ich lieber gleich sein.

Ich glaube auch nicht, dass ich in der Lage bin, die Gewinner von den Verlierern am Aktienmarkt zu unterscheiden. Die allerwenigsten können durch ihr Stock-Picking den Durchschnitt schlagen. Ich möchte es gar nicht erst versuchen.

Meine Zeit ist mir heute viel kostbarer, als es noch vor einigen Jahren der Fall war. Damals hatte ich noch keine eigene Familie oder ein zeitintensives Hobby wie meinen Blog.

Ich musste erst verstehen lernen, dass es beim Investieren von Geld etwas deutlich wichtigeres gibt, als die Rendite zu optimieren.

Ich brauche Seelenfrieden bei meiner Geldanlage.

Entspannt den Schneeball wachsen lassen

Für mich ist passives Investieren, mit günstigen Indexfonds, die geeignete Anlagestrategie. Ich habe mich einmal intensiv mit dem Thema beschäftigt und danach meine passenden Indices und deren Gewichtung festgelegt. Dabei investiere ich stetig und immer, egal wo der Markt gerade steht.

Jetzt folge ich stumpf dieser Zielallokation und stelle die korrekte Gewichtung mit jeder neuen Investition wieder her.

Dabei mache ich mir keine Gedanken, ob ich den richtigen Index gewählt habe oder die Gewichtung ändern sollte. Ich bleibe einfach stur dabei und hinterfrage meine früheren Entscheidungen nicht.

Mir macht es nichts aus, Verlierer in mein Portfolio zu holen. Ich weiß, dass die Gewinner dies mit Ihrer Performance wieder ausgleichen werden.

Es ist mir Schnuppe, zum falschen Zeitpunkt zu investieren. Ich werde auch dabei sein, wenn der perfekte Moment kommt.

Ich plane nicht in den nächsten Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, auch nur einen Anteil meiner ETFs zu verkaufen. Ich behalte sie einfach und lasse alle paar Monate die Dividenden auf mein Konto fließen. Eine wunderbare Motivation weiter zu investieren und den Schneeball wachsen zu lassen.

Diese passive Take-and-Hold-Strategie ist Balsam für meine Seele. Kein Stress. Minimaler Zeit- und Arbeitsaufwand. Kein ständiges Hinterfragen meiner Entscheidungen.

Das ist eine Strategie, die ich problemlos über lange Jahre beibehalten kann.

Und das ist es, worauf es ankommt.

Unterdurchschnittlich langt völlig

Und wie sieht es mit der Rendite aus?

Die kann sich trotzdem sehen lassen. Sie ist zwar „unterdurchschnittlich“ – der Index wird nicht ganz getroffen durch die günstigen, aber immer noch vorhandenen Kosten der ETFs – aber sollte trotzdem noch über den meisten Anlegern liegen, die eine aktivere Strategie am Aktienmarkt fahren.

Es wird immer wieder einige Investoren geben, die auch langfristig den Markt schlagen können. Ich werde aber nie dazugehören. Ich versuche es erst gar nicht.

Für eine langfristig hohe Rendite ist es wichtiger geduldig über viele Jahre durchzuziehen, als kurzfristig die Rendite durch viel Aktivität und Risiken pushen zu wollen.

Auch der Uli hat endlich Seelenfrieden

Uli Hoeneß ist das Paradebeispiel, wie Wertpapierinvestitionen nicht laufen sollten. Lassen wir mal seine ganzen Steuergeschichten beiseite, die ihn letztendlich in die Zelle gebracht haben.

Wurst-Uli hatte massiv an den Börsen spekuliert, überwiegend an den Devisenmärkten. Hat dabei viele Millionen investiert mit einem gewaltigen Tempo. An Spitzentagen soll er bis zu 100 Orders am Tag abgegeben haben. Und trotz all dieser Aktivität, die ihn mit Sicherheit viele unruhige Momente und schlaflose Nächte gekostet hat, ist am Ende von der ganzen Asche kaum etwas übriggeblieben. Er hat alles wieder verzockt.

Die wilde Spekulation. Der hohe Zeiteinsatz. Die schlaflosen Nächte. Es war alles für die Katz.

Für solch eine Action ist kein Platz in meinem Leben.

Seelenfrieden bei der Geldanlage ist für mich das Maß aller Dinge. Wenn dann noch die Rendite stimmt, umso besser.

Den Kick hole ich mir dann doch lieber indem ich „Bungee!!!“ brülle und meine Beine von der Plattform abstoße.

Wie investierst Du Dein Geld? Aktiv oder passiv? Eher mit der Gelassenheit eines buddhistischen Mönches oder mit der Aktivität eines Hochfrequenzhändlers? Ich freue mich schon auf Deinen Kommentar!  

 

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13 Kommentare

  1. Hi,

    schöne Vergleiche und ich kann die Unruhe beim „Zocken“ gut nachvollziehen. Ich habe ein Depot mit etwa 50% ETFs und 50% Einzelwerten. Bei den Einzelwerten habe ich zum Teil Stopp-Loss Grenzen eingezogen, die ganz manchmal auch greifen. Aber eher selten. Und wenn das so ist, rege ich mich auch nicht drüber auf. Ansonsten halte ich auch meine Einzelwerte eher beständig.
    Bei meinem Depot entwickeln sich die Einzelwerte deutlich besser als die ETFs. Auch wenn da mehr Bewegung drin ist und die manchmal nicht schön ist, geniesse ich die Momente, in denen es nach oben geht.
    Für mich ist entsprechend gerade die Mischung schön. Es kann sein, dass ich das nochmal verändere – aber derzeit passt es.
    Viele Grüße Monika

    1. Ich sehe mich in meiner Rolle darin, dass ich mich mit ansteigendem Investitionsvolumen immer mehr zum Manager unseres „Familiy Offices“ entwickele. Und damit kann ich drei Aspekte wunderbar miteinander verbinden: Finanzielle Freiheit, Hobby und künftige „berufliche Tätigkeit“. Ich finde es einfach toll, unser Vermögen zu managen und weiterzuentwicken. Einfach nur stumpf in ETF´s zu investieren, wäre mir zu viel Seelenfrieden:-)

      Neben Immobilien soll der Aktienanteil auch zu je 50 % in ETF´s und Einzelaktien investiert werden. Höhere Rendite-Chancen, geringere Kosten und vor allem die Unabhängigkeit von Produktanbietern sehe ich als Vorteile gegenüber ETF´s. Letztlich haben natürlich beide Formen ihre Vor- und Nachteile.

      Hinsichtlich der Einzelaktien bin ich gerade noch in der Strategie-Phase. Deshalb zwei Fragen an Monika: Nach welcher Strategie wählst du die Einzelaktien aus? Wieviele Aktienpositionen hältst du im Depot?

      Ich denke an 20-30 Aktien und schwanke derzeit noch zwischen der eher aktiveren Levermann-Strategie und einem Portfolio aus eher langweiligen Dividenden-Aristokraten.

      Kann jemand einen Internetanbieter empfehlen, bei dem man Einzelaktien nach typischen Kriterien wie Rendite, Ausschüttungsquote, Cashflow, KGV, Buchwert, Wachstum, Eigenkapitalrendite etc. durchfiltern kann? Quasi ein JustETF für Aktien?

    2. Hallo Matthias,

      Manager des eigenen Family-Offices sein – ein wirklich netter Gedanke! Das habe ich noch nie so gesehen, aber eigentlich ist es ja genau das. Nur eben in etwas abgespeckter Form mit ein paar Nullen weniger 🙂

      VG, Nico

  2. Gerne würde ich etwas zu den beiden angeschnittenen Themen „Seelenfrieden“ und „Rendite“ beitragen:

    Seelenfrieden:
    Seit ca. 25 Jahren lege ich Geld in Aktien an; dabei ist inzwischen ein ansehnliches Vermögen zusammengekommen. Ein richtiger Trader war ich zwar nie und dennoch habe ich viele Um- und Irrwege begangen, genau wie Nico. Meinen „Seelenfrieden“ habe ich gefunden, seit ich den Kommer gelesen habe und mir klare, schriftlich festgehaltene Regeln für die Geldanlage gegeben habe. Diese Regeln sehen z.B. vor, dass …

    – das Vermögen immer als Ganzes d.h. im Zusammenwirken der einzelnen Bestandteile betrachtet wird.
    – ein Notgroschen vorliegt, der für längere Zeit reicht.
    – ich mein Vermögen in einen risiko-ärmeren und einen risiko-reichen Teil unterteile.
    – der risiko-reiche Teil 65% bis 75% meines Anlagevermögens umfassen soll.
    – die Aktienanlagen im risiko-reichen Teil ausschliesslich in ETFs erfolgen (buy and hold).
    – die Anlagen sehr breit diversifiziert werden.
    – jährlich einmal Anfang August ein Rebalancing vorgenommen wird (dann also, wenn die Börsen häufig tief sind – sell in May and go away)
    – das Rebalancing ausschliesslich durch Nachkäufe und nicht durch Verkäufe vorgenommen wird.
    – das Rebealancing vernünftige Bandbreiten vorsieht, innerhalb derer NICHT ausgeglichen wird
    – …
    Solche Regeln geben mir eine grosse Ruhe (=Seelenfrieden) bei der Geldanlage.

    Rendite:
    Dennoch versuche ich eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen. Dazu muss zuerst natürlich definiert werden, was der Durchschnitt ist. Für mich ist die Rendite des All-World-Index der Durchschnitt, den ich zu übertreffen versuche. Ich versuche dies mit zwei Massnahmen:

    1. Wie von Kommer in erster Linie empfohlen, investiere ich nicht wie so viele Blogger nur in eine Kombination von World- und Emerging Markets-ETF, sondern auch in ETFs mit Faktorprämien wie Value oder Small Caps. Dies macht das Depot zwar etwas unübersichtlicher, aber ich bin durchaus in der Lage einmal pro Jahr 10 ETFs anzuschauen und entlang meiner schriftlichen Regeln ein Rebalancing vorzunehmen. Kommer belegt empirisch dass Value- und Small-Cap- ETFs in vielen Märkten über längere Zeiträume eine „überdurchschnittliche“ Rendite brachten. Natürlich sind Daten aus der Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft. Aber für mich ist das plausibel und deshalb ein Versuch wert. Auch der Finanzwesir (http://www.finanzwesir.com/blog/etf-index-rendite-vergleich) zeigt mit einem ausführlichen Backtest auf, dass die Beimischung von Value- und Small-Cap-ETFs Renditevorteile bringt (er zieht dann aus seinen Daten allerdings andere Schlüsse als ich). Mit diesen Faktor-Prämien versuche ich den All-World-Index langfristig zu schlagen.

    2. Für den risiko-reichen Teil meines Anlagevermögens habe ich nicht eine fixe Quote, sondern eine Bandbreite von 65% bis 75% vorgesehen. Wenn die normalen, tagesaktuellen Medien, die sonst nicht über Finanz-Themen berichten, in den Wochen/Monaten vor meinem Rebalancing anfangs August Beiträge im Sinne von „die Börse ist so tief wie seit sieben Jahren nicht mehr“ bringen, dann kaufe ich beim Rebalancing eher etwas mehr Aktien-ETFs nach, gehe also näher an meine Grenze von 75%. Wenn die Stimmung in den Medien umgekehrt ist („Kurse sind so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr“), dann sind meine Anlagen bereits so gestiegen, dass ich kein neues Geld mehr in den risiko-reichen Teil investiere, sondern dieses Geld für bessere Zeitpunkte aufspare. Wenn keine besondere Markt-Situation vorliegt, ziele ich auf einen Anteil von 70% risiko-reiche Anlagen. Auch wenn ich weiss, dass Market-Timing nicht wirklich funktioniert, bilde ich mir ein, dass ich mit diesem Vorgehen langfristig tendenziell eher zu den besseren Zeitpunkten kaufe (jedenfalls nicht zu den schlechtesten). Mit diesem Market-Timing innerhalb klar vorgegebener Grenzen versuche ich gegenüber dem All-World-Index eine Mehrrendite zu erzielen.

    So versuche ich Seelenfrieden und Rendite zu kombinieren. Ob es funktioniert (hat), kann ich dann in 30 Jahren hier berichten. Ich bleibe dabei relativ entspannt. Wenn ich ein paar Renditepunkte verschenken sollte, ist alles halb so schlimm – ich schätze aber die Wahrscheinlichkeit einer langfristigen Überrendite deutlich höher ein.

    1. Moin Michael,

      toller Kommentar! Mir hatte der Kommer auch sehr weitergeholfen. Der Knabe kann einfach gut und tatsachenbasiert argumentieren. Ich habe gerade sein Buch zu Mieten oder Kaufen gelesen und es hat mich wirklich umgehauen. Bei mir gibt es übrigens auch Small Caps im ETF-Portfolio mit 30% (neben World 40% und EM 30%).

      Einmal Re-balancing im Jahr? Das nenne ich dann mal wirklich entspanntes Investieren! Heißt das Du investierst wirklich nur einmal im Jahr? Ich meine mich zu erinnern, dass der Wesir auch mal erzählt hatte das so zu machen. Ich kaufe immer nach wenn sich wieder etwas Kohle angesammelt hat, also alle paar Monate.

      Ich unterscheide übrigens nicht in risiko-reich und risiko-arm. Meine Immobilien-Investition ist so eine Art risikoarme Investition. Ich würde es eher weniger volatil nennen (durch den stabilen Cash-Flow). Der Rest geht dann volles Pfund in den Aktienmarkt.

      VG, Nico

      1. Hallo Nico

        Ja, einmal Rebalancing pro Jahr reicht mir. Ich bin da völlig entspannt – mit Seelenfrieden und Coolness.

        Ich bin sonst nicht so auf Gurus fixiert, aber Kommer scheint mir einer der wenigen absolut seriösen in der Branche zu sein: Wissenschaftlich bzw. theoretisch fundiert, verständlich geschrieben und empirisch belegt. Er schreibt in „Souverän investieren mit Indexfonds & ETFs“, dass vorübergehende Abweichungen von der Ziel-Allokation „erlaubt“ sind, sofern …

        a) regelbasiert rebalanciert wird,
        b) über einen Zeitraum von max. 24-36 Monate die realistische Aussicht besteht, wieder auf die Ziel-Allokation zu kommen,
        c) Verzögerungen/Abweichungen v.a. dadurch motiviert sind, Gebühren/Steuern zu sparen (vgl. S. 304).
        Jährliches Rebalancing reicht aus seiner Sicht völlig aus.

        Auch der Finanzwesier sagt: „Hier einige Faustregeln
        1. Einmal pro Jahr reicht, wenn Sie dazu umschichten müssen. Wenn Sie frisches Geld anlegen, können Sie auch öfter rebalancen. Öfter als alle 6 Monate muss aber nicht sein.
        2. Starten Sie das Rebalancing nur, wenn die Gewichtungen sich um mehr als 5 % beziehungsweise 10 % verschieben. Sonst fressen die Kosten den Renditevorteil auf.“
        (http://www.finanzwesir.com/blog/etf-depot-geld-anlegen-vermoegensaufbau).

        Mein Fazit nach einigen weiteren Recherchen zum Thema: Es ist mittelfristig wichtig, dass die Ziel-Asset-Allokation nicht aus dem Ruder läuft. Wenn man aber in zu kurzen Intervallen eingreift, fressen die Gebühren den Rendite-Gewinn auf. Einmal Rebalancing pro Jahr ist somit gut für die Rendite, schont Gebühren und befördert den Seelenfrieden… Ich muss nur schauen, dass ich zum Zeitpunkt des Rebalancings genügend Cash habe, um bei Bedarf effektiv intervenieren zu können…

        Ich vermiete ebenfalls Wohnungen und ein Büro. Allerdings zähle ich diese Vermögenswerte trotz regelmässiger Miet-Einnahmen zum risiko-behafteten Vermögensteil, da ich davon ausgehe, dass der Wert meiner Immobilien schwankt (ich sehe es einfach nicht). Mein Vorgehen hängt u.a. damit zusammen, dass ich Hypotheken auf meinen Immobilien habe und nicht besonders schnell tilgen werde (Hebel-Wirkung zur Generierung von Performance beibehalten, deshalb aber eher vorsichtige Kalkulation). In meinen Berechnungen (z.B. zum Rebalancing) rechne ich nur mit 60% meines Eigenkapitals an diesen Immobilien (vorsichtige Kalkulation –> Seelenfrieden). Bisher fahre ich gut mit meinem Vorgehen.

        Wichtiger als das konkrete Vorgehen dünkt mich, dass man sich klar darüber ist, was man macht, sich seine eigenen Regeln gibt und sich daran hält.

        Liebe Grüsse
        Michael

  3. Hey Nico,
    war wieder ein echt guter Artikel. Habe mich in vielem wiedergefunden. Und wenn man dann
    noch die Kommentare liest fühlt man sich wie Zuhause (hoffe wir sind nicht nur gleicher Meinung weil wir alle die gleichen Bücher gelesen haben 😉

    Die Verteilungs- und Rebalancingregeln sind wirklich sehr Entspannungsfördernd. Ich habe Sie mir
    auch zu eigen gemacht und achte auch bei den Anlageklasse auf einen Mix (wobei mir bei den sicheren Anlagen, wozu ich Immobilien nicht zähle, die Ideen ausgehen).

    Ich bringe bei mir noch etwas Würze rein, indem ich, wie auch einige andere hier,
    50% in Einzelwerte per buy and hold investiere. Das mag zwar erst mal aufwendiger wirken,
    bringt mir persönlich aber langfristig etwas zusätzlichen Seelenfrieden, da ich dieses Investment noch direkter und weniger künstlich als die ETF finde. Wenn ich durch den Supermarkt laufe sehe ich „meine“ Produkte im Regal und weiß, das läuft schon irgendwie. Außerdem hat man, zumindest statistisch gesehen, die Durchschnittsrendite in der Tasche.

    Die ETF decken bei mir zuallererst die Märkte ab, die mir zu intransparent (EM), steuerlich ungünstig (diverse), oder zu stark segmentiert sind (Smallcaps).

    Schade, dass ich es nicht zum Treffen schaffe. Hätte richtig Lust auf einen Austausch. Unsere Lebenssituation in Bezug auf Alter, Familie und wenn ich deine Stationen richtig deute auch Job ist schon ziemlich ähnlich.

    1. Moin Gustus Gonas,

      schade, dass es mit dem Treffen dieses Mal nicht klappt. Aber das kriegen wir irgendwann schon noch mal hin. Melde Dich einfach wenn Du mal in der Nähe bist.

      Interessanter Ansatz durch ETFs intransparente Märkte abzudecken und ansonsten in Einzeltitel zu investieren. Aus „Würze“ schließe ich, dass Du auch einfach Bock hast Dich um einzelne Aktien zu kümmern. Also es auch eine Art Hobby oder Interesse ist. Das geht mir, zumindest im Moment, noch ab. Aber wer weiß, vielleicht verspüre ich ja auch irgendwann den Drang mir ein paar Einzeltitel anzulachen.

      VG, Nico

    2. Ja, es gibt ganz unterschiedliche Strategien, die alle ihre Berechtigung haben.

      Ich habe früher auch in Einzelaktien investiert. Dann musste ich aber einsehen, dass ich zu wenig davon verstehe und mit Buy and Hold von Einzelaktien zu viele Verluste einfahre. Wenn ich unter meinen Aktien einen aussterbenden Dinosaurier habe, dann habe ich mit Buy-and Hold ein recht grosses Verlustrisiko (Niedergang/Konkurs der Firma). Was ich damit sagen möcht: Die Investition in Einzelaktien setzt viel mehr Kompetenz und Engagement voraus als ich habe (und ich bin seit bald 30 Jahren an der Börse dabei).

      Wenn ich in ETFs investiere, ist die Streuung automatisch so breit, dass ein solcher Dinosaurier-Fall nur wenig auf meine Rendite durchschlägt. Mit ETFs reichen ein paar letztlich recht rudimentäre Kenntnisse über das kapitalistische System, um langfristig erfolgreich unterwegs zu sein. Das nimmt mir zwar die Würze – gibt mir aber den Seelenfrieden… Und die Würze hole ich mir dann im Alltag mit Familie, Hobby, Beruf (auch ohne Fallschirmspringen). Das ist der aktuelle Stand des Irrtums meiner Strategie.

  4. Hallo Nico,
    Du hast völlig recht, den Kick im Leben kannst Du Dir überall holen, allerdings am besten nicht am Aktienmarkt. Es ist nachweisbar, dass impulsgetriebene Verhaltensweisen beim Investieren am Aktienmarkt zu nachteiliger Rendite führt (dafür zu hohen Gebühren und falschen Kauf-/Verkaufsentscheidungen…).
    Das Investieren an der Börse sollte aus meiner Sicht im Idealfall eine ganz langweilige aber dafür sehr stetige Aktität sein. So können monatlich ersparte Beträge investiert und reinvestiert werden, während das Auf und Ab des Protfolios keinen Einfluss auf das Investitionsverhalten haben sollte.
    Du hast schön beschrieben, dass Du selbst eine Menge Lehrgeld bezahlt hast – wünsche Deinen Lesern, dass sie aus Deinen Erfahrungen profitieren!
    Viele Grüße
    FF

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