Nach dem Börsencrash ist vor dem Börsencrash

Dies ist Teil 3 der Aktienmarktserie

Ich hatte den groben Entwurf für diesen Artikel bereits im Mai geschrieben. Damals hieß der Titel noch: „Der nächste Crash kommt garantiert!“

Tja, was soll ich sagen. Der Aktienmarkt ist in seiner Art und Weise dann doch irgendwie vorhersehbar. Die lang erwartete Marktbereinigung hat Ende August endlich stattgefunden. Ob es bloß eine Korrektur ist oder ein ausgewachsener Crash werden wird, muss sich erst noch zeigen.

Dazu habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für Dich. Fangen wir mit der schlechten an.

Nach dem Börsencrash ist vor dem Börsencrash

Es wird auch in der Zukunft wieder einen Crash am Aktienmarkt geben.

Garantiert. So sicher wie das Amen in der Kirche. Es wird wieder Korrekturen (definiert als 10% Einbruch) am Markt geben und auch mal wieder richtig rumsen wie 2008. Im Schnitt gibt es kleinere Korrekturen alle paar Jahre und größere Crashs alle 7 Jahre oder so. Wann genau kann keiner voraussagen. Es kann morgen soweit sein oder in 5 oder 10 Jahren.

Warum ist das so? Es ist einfach in die DNA der Börse(n) gemeißelt, wie das Grinsen in Roberto Blanco’s Visage. Seit es Börsen gibt sind spektakuläre Crashs mit dabei. Denk nur an die Tulpenkrise im 17 Jahrhundert oder der Black Thursday 1929, dem die Große Depression folgte.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Es gibt diverse Faktoren, die eine Rolle spielen wie z.B. Zinsniveauentwicklungen, Finanzinnovationen, Makroökonomische Schocks, Zahlungsbilanzungleichheiten, …

Meiner Meinung nach sind die treibenden Faktoren jedoch letztendlich die Gier und das ausgeprägte Herdenverhalten von uns Menschen. Ist einfach so. Sobald sich Märkte positiv entwickeln, kommen immer mehr Leute dazu, um einen Teil vom Kuchen abzubekommen. Das wiederrum treibt die Kurse an. Irgendwann kommt die Erkenntnis, meistens in Begleitung irgendeines externen Ereignisses, dass die Preise der Aktien ja doch nicht den Wert der Unternehmen widerspiegeln. Dann setzt Panik ein und die ganze Truppe rennt zur Tür um ja nicht letzter zu sein. Jetzt schwingt das Pendel komplett in die andere Richtung. Das geht solange bis die ersten Schnäppchenjäger einsteigen, Kurse sich stabilisieren und dann wieder leicht steigen. Jetzt beginnt der ganze Tanz von vorne.

Immer locker bleiben

Ist aber eigentlich gar nicht so schlimm, denn hier kommt die gute Nachricht:

Ein Crash am Aktienmarkt braucht Dich gar nicht zu kümmern.

Wo gerade der tatsächliche Aktienkurs steht ändert zunächst einmal nichts an Deiner Position. Du hältst immer noch die gleiche Anzahl an Aktien und erhältst immer noch Deine Dividenden, basierend auf der Anzahl Deiner Aktien. Der Verfall Deines Portfoliowertes ist rein theoretisch.

Das gilt allerdings nur solange Du nicht den großen Fehler machst und Deine Aktien verkaufst. Damit realisierst Du nämlich Verluste, die Du sonst nicht hättest. Denn eins ist genauso sicher wie die Gewissheit, dass ein Crash kommt: Es wird auch immer wieder eine Erholung geben. Langfristig wird der Aktienmarkt steigen.

Wann werden die Kurse wieder anziehen? Keine Ahnung. Kann keiner wissen. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass man den richtigen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg verpassen würde, wenn man seine Aktien im Crash verkauft hat. Market Timing funktioniert nicht, besonders für Kleininvestoren wie uns.

Das wäre das typische Marktverhalten von Touristeninvestoren. So nenne ich die Privatinvestoren, die nur dabei sind, wenn die Sonne scheint und weglaufen wenn es anfängt zu regnen. Hoch einzusteigen und dann im Crash in Panik verkaufen. Erst wenn die Kurse schon wieder ordentlich gestiegen sind, wird wieder zugekauft. Das geht dann auch gerne damit einher, dass der Touristeninvestor sich beim Grillen (die Sonne scheint ja!) mit anderen Touristeninvestoren über die letzten Aktieninvestitionen austauscht. Durch dieses Verhalten verdient der kleine Investor auch kaum Geld am Aktienmarkt. Nicht weil gute Renditen mit kleinen Beträgen nicht möglich wären, sondern weil oft katastrophales Market Timing betrieben wird. Das ist einer der Gründe, warum Aktien hierzulande so verteufelt werden.

Take and Hold

Es geht meiner Meinung nach kein Weg daran vorbei einfach an seinen Positionen festzuhalten („take and hold“) und beständig immer weiter zu investieren („cost-dollar-averaging“). Es sollte egal sein ob die Kurse hoch zu sein scheinen oder niedrig. Wer vor drei Jahren alle Aktien verkauft hatte, weil diese „auf jeden Fall zu teuer bewertet waren“ hatte die größte Wertsteigerung und zwischenzeitlich Dividendenzahlungen verpasst. Dumm gelaufen.

Was also tun wenn man sich mental auf den nächsten Crash vorbereiten will?

  • Vermeide Geld im Aktienmarkt zu investieren, das Du kurz- bis mittelfristig brauchst. Gerade weil der Aktienmarkt volatil ist, willst Du nicht in eine Situation kommen, in der Du Deine Unternehmensanteile zu Schleuderpreisen verkaufen musst. Dein Anlagehorizont sollte mindestens 10 Jahre sein, am besten wesentlich länger. Ich halte meine Aktien (in Form von Indexfonds) für die Ewigkeit.
  • Sieh den Crash positiv. Bei niedrigen Kursen kannst Du viel günstiger Aktien bzw. (Index-) Fonds dazukaufen. Du wirst mit Deiner Kohle, die Du gleichmäßig durch die verschiedenen Zyklen investierst, jetzt mehr Aktien bekommen und damit in der Zukunft auch ein höheres Dividendeneinkommen bzw. Kursgewinne erzielen.
  • Sei Dir Deiner Risikotoleranz bewusst. Wenn Du Dir nicht sicher bist, wie Du einen Crash nervlich durchhalten kannst, dann pass von Anfang an Deine Asset Allokation dementsprechend an. Weniger Aktien, dafür mehr Anleihen/Renten oder Festgeld.
  • Wenn der Crash dann kommt: Halte an Deinen Anteilen fest, egal was passiert. Darüber hinaus investiere weiter so, als ob nichts passiert wäre.*

Wie sagt der weise Investor: Bull markets make you feel good, but bear markets make you rich.

Der nächste große Crash wird kommen. Wann er kommt und wie heftig er wird kann keiner voraussagen. Ist auch egal, danach wird es wieder fleißig bergauf gehen mit den Kursen. Ignoriere einfach den Crash und all das Mediengelaber drum herum. Investiere weiter regelmäßig. Der aktuelle Tageskurs Deines Depots ist irrelevant.

 

* Der Kursrutsch Ende August hat in meinem Depot einen „Wertverlust“ im fünfstelligen Bereich verursacht. Ich habe ein paar Tage abgewartet und dann nachgekauft.

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4 Kommentare

  1. Auch ein Grund für Einbrüche und starke Kursrutsche ist, dass es von den großen Playern gewollt ist. Die verdienen nämlich immer (Stichwort short). Außerdem wissen die immer vor dem Kleinanleger, was passiert und können sich entsprechend positionieren.

    1. Da bin ich mir nicht so sicher. Ich glaube zwar auch, dass Händler einfacher an den Märkten Geld verdienen können, wenn die Aktienkurse volatil sind. Allerdings haben die nicht generell einen Vorteil vor anderen (Privat-) Anlegern. Dafür fliegen viel zu regelmäßig die pfiffigsten Hedgefonds spektakulär auf die Schnauze.

      Ich glaube die gewinnen einfach durch Ihre Anreizstruktur. Wenn die Wette aufgeht, dann klingelt die Kasse richtig (oft 20% vom Upside über einer gewissen Schwelle zuzüglich zu den horrenden Management Gebühren). Wenn es schief geht dann… ja was dann? Der Fonds wird zugemacht und danach geht es mit einem neuen Fonds wieder munter drauf los. Irgendwann wird es schon gutgehen.

      Man kann den Jungs da auch keinen Vorwurf machen. Die Anleger in solchen Fonds sind selber Schuld den Mist mitzumachen.

  2. Stichwort Telekomaktie: Da ist in den letzten 15 Jahren nichts wieder so gestiegen wie der Preis zum Einstieg mal war. Also pauschal sagen, dass der Markt sich wieder erholt und wieder steigt kann man auch nicht.
    Die Deutsche Bank Aktie war 2007 / 2008 auch auf dem Höchststand von 100€/Aktie, nach dem Crash war sie dann mal kurzzeitig auf 40€ und ich glaube nicht das sie wieder auf 100€ geht.

    1. Moin Gurki,

      doch, Du kannst pauschal sagen, dass der Markt sich wieder erholen wird. Für Einzelaktien mag das nicht stimmen (es gibt auch immer wieder Totalausfälle), in Ausnahmefällen sogar für Branchen oder Regionen. Aber bei einem gut diversifizierten Portfolio wird der Markt sich immer wieder erholen.

      Also statt einem Aktienportfolio mit je 50% Deutsche Telekom und Deutsche Bank lieber einen günstigen ETF auf den MSCI World.

      VG, Nico

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