Wenn ich auf meinen Job keinen Bock mehr habe, gehe ich einfach nicht mehr hin

Im Spätsommer letzten Jahres hatte ich Stress – und zwar richtig.

Kein persönlicher Stress in der Familie. Auch kein hausgemachter Stress, weil ich mir den Terminplan zu voll gepackt hatte.

Es war mein Job. Dort war einfach die Hölle los.

Und das hatte mich zum Nachdenken gebracht.

Immer schön im Flow

In meinem Tagesjob gibt es neben einigen wiederkehrenden Routinetätigkeiten recht viel Projektarbeit. Je nach Lage geht es dann mal richtig hoch her oder ist etwas lockerer und entspannter.

Diesen Wechsel mag ich sehr gerne.

Das Schöne an solchen Projekten ist der klar abgesteckte zeitliche Rahmen. Bei erfolgreichem Abschluss gibt es die direkte Belohnung in Form von Anerkennung, finanzieller Entlohnung und – das darf man nicht unter den Tisch fallen lassen – persönlicher Stolz auf das Erreichte. Jedes Projekt ist unterschiedlich. Somit bin ich immer wieder gefordert mein Bestes zu geben und kreative Lösungen zu finden.

Wenn der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi über das Flow-Erlebnis spricht – und den damit einhergehenden Glückszustand – dann komme ich in meinem Job der Sache oft ziemlich nahe.

Eigentlich darf ich mich gar nicht beschweren.

Oder etwa doch?

Vollsprint im Hamsterrad

Zwischen den Projekten gibt es immer wieder ruhigere Phasen. Die brauche ich auch um runterzukommen. Dann kann ich meine Energie sammeln und die Zeit nutzen, das Liegengebliebene aufzuarbeiten.

Wenn das nächste Projekt vor der Tür steht bin ich wieder top motiviert und bereit mein Bestes zu geben.

Und genau diese ruhigeren Phasen fehlten mir letztes Jahr. Ein Projekt jagte das andere, oft auch überlappend und über einen längeren Zeitraum hinweg. Meist waren es komplexe Themen, denen ich eigentlich meine ungeteilte Aufmerksamkeit hätte schenken müssen. Aber der Zeitmangel lies das nicht immer zu.

Obendrein gab es noch zahlreiche Dienstreisen und ein Messe-Besuch (Hamsterrad in Reinform). Dazu E-Mails und Telefonate im Urlaub und an den Wochenenden. Ich war so weit, dass ich selbst vor dem Einschlafen noch über Arbeitsprobleme grübelte.

Dieser Cocktail hat mir einfach die Laune verdorben. Keine Spur mehr vom Flow oder einem Glückgefühls durch meine Arbeit.

Der ganze Kram hat mich einfach nur noch angepisst.

Die Wahrheit vor den Latz geknallt

Und dann, irgendwann Anfang Oktober, habe ich mich abends im Nieselregen mit dem Fahrrad unseren Berg hochgekämpft. Das ist die Zeit des Tages, wenn ich meinen Gedanken freien Lauf lasse.

Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Wenn ich auf meinen Job keinen Bock mehr habe, gehe ich einfach nicht mehr hin.

Es ist so simpel!

Wenn mir die Tätigkeit, mit der ich den größten Teil meiner wachen Zeit verbringe, keine Freude mehr bereitet, dann lasse ich es einfach sein.

Ich muss das nicht machen.

Was zwingt uns in diesem Job, bei unserem Arbeitgeber, malochen zu müssen?

In den allermeisten Fällen hält uns das Geld bei der Stange.

Wir trauen uns nicht den Job zu wechseln aus der Angst heraus den Lebensstandard nicht halten zu können. Wir haben Zweifel einen gleichwertigen Ersatz zu finden, indem wir ein ähnliches (oder besseres) Gehalt verdienen.

Also bleiben wir dabei, auch wenn die Tätigkeit keine Freude und Erfüllung mehr bringt.

Was wäre wenn?

Aber trifft das auf mich überhaupt zu?

Frau Finanzglück und ich bauen jetzt schon über einen längeren Zeitraum hinweg Vermögen auf. Wir halten unsere Sparquote hoch. Den Überschuss investieren wir fleißig in unser ETF-Portfolio und in den Schuldenabbau unserer vermieteten Immobilien und dem Eigenheim. Die finanzielle Freiheit ist in Sichtnähe. Der Plan ist spätestens ab diesem Zeitpunkt wirklich nur noch aus dem reinen Spaß an der Freude Tätigkeiten nachzugehen.

Das ist aber noch ein paar Jahre hin.

Was würde passieren, wenn ich morgen alles hinschmeiße? Keinen Lohn mehr beziehe?

Wir würden erst mal soweit es geht vom jetzigen passiven Einkommen aus Mieteinnahmen und Dividenden leben. Bei den Immobilienfinanzierungen könnten wir den Tilgungssatz runterfahren und damit die monatliche Belastung reduzieren.

Dieses Einkommen würde aber vorne und hinten nicht langen. Wir müssten darüber hinaus anfangen am Kapitalstock zu zehren – sprich ETF-Anteile verkaufen.

Damit könnten wir recht entspannt einige Jahre hinkommen, besonders wenn wir etwas bescheidener leben und wieder zu Miete wohnen (und das Haus verkaufen).

Die finanzielle Freiheit beginnt schon vor der finanziellen Freiheit

Ein paar Jahre ohne Einkommen ist aber eher unrealistisch. Die Realität sähe wohl anders aus.

Wenn ich bereits morgen in den Sack hauen würde, dann könnte ich mir schon gut vorstellen eine längere Auszeit zu nehmen und mir dann ganz in Ruhe zu überlegen wie es weitergeht. Möglichkeiten gibt es ohne Ende.

Und so komisch es klingt, diese Gewissheit, nicht auf meinen Tagesjob angewiesen zu sein, hat mir wirklich weitergeholfen aus meinem kleinen Motivationsloch rauszukommen.

Ich arbeite für meinen Arbeitgeber, weil ich Bock drauf habe. Ich brauche den Job nicht. Wenn mich irgendetwas wirklich anstinkt, dann schmeiße ich hin. Nach mir die Sintflut!

Das ist der wunderschöne Nebeneffekt beim Vermögensaufbau. Du machst Dich unabhängig davon, einer Tätigkeit nur des Geldes wegen nachzugehen. Je mehr Vermögen Du aufbaust, desto eher kannst Du Dich darauf konzentrieren, was Du wirklich gerne machst.

Du bist nicht erst finanziell frei wenn Dein passives Einkommen Deine Kosten übersteigt.

Es beginnt schon viel früher. Und zwar in dem Moment, wenn Du in der Lage bist jederzeit hinschmeißen zu können, ohne Dir materielle Sorgen machen zu müssen.

So far, so good

Jeder, ohne Ausnahme, sollte einen Teil des Einkommens sparen, investieren und damit langfristig Vermögen aufbauen.

Das Ziel muss nicht die finanzielle Freiheit sein. Du brauchst nicht unbedingt einen großen Batzen Kohle in Deinem Depot anzusammeln. Schon fünfstellige Beträge, angespart über einen längeren Zeitraum, können Wunder für die Psyche wirken.

Ich bin übrigens wieder mit Begeisterung im Job dabei. Die richtige Balance zwischen Vollgas und Ruhephasen passt derzeit gut. So kann es gerne bleiben.

Wer weiß, vielleicht ändert es sich ja irgendwann wieder und es wird mir zu stressig. Oder ich beginne mich zu langweilen. Oder ich habe aus anderen Gründen einfach keinen Bock mehr.

Alles kein Problem.

Dann gehe ich am nächsten Tag einfach nicht mehr hin.

Erfüllt Dich Dein Job? Könntest Du von heute auf morgen hinschmeißen, wenn Du keine Lust mehr hättest? Wie hältst Du es mit der finanziellen Freiheit? Ich freue mich schon auf Deinen Kommentar!

 

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58 Kommentare

  1. Hi,

    Toller Beitrag! Habe mir selber schon öfter darüber Gedanken gemacht, auch wenn ich keine konkreten Wechselgedanken hatte.

    Das hat wohl jeder, wenn es mal zu stressig wird.

    Mal ganz abgesehen davon, dass ihr es euch leisten könnt. Andere können es eben nicht.

    Am Ende ist die Suche nach neuen Jobs die alles entscheidende Frage. Kann man ohne Probleme etwas Neues finden?

    Ich könnte relativ locker einen neuen Job finden, weil ich in einer Branche arbeite, wo praktisch immer nach Leuten gesucht wird.

    Wer sein Wissen in so einem Gebiet hat, dem fällt die Entscheidung leicht oder es gibt zumindest Sicherheit für eventuelle Wechsel.

    Aber eine Menge Leute können nicht einfach mal wechseln.

    Trotzdem super Thema und ich bin gespannt auf die anderen Kommentare.

    Alles Gute,

    Ferhat

    1. Hallo Ferhat,

      „Andere können es eben nicht“. Das ist in den meisten Fällen wohl eher ein „Andere wollen es eben nicht“. Die allermeisten können jeden Monat zumindest kleine Beträge (z.B. 100 Euro) sparen. Die in einem Sparplan angelegt knacken bei normaler ETF-Rendite nach 10 Jahren den fünfstelligen Bereich. Das langt in den meisten Fällen sich frei zu machen von dem Stress dem nächsten Gehaltszettel hinterher zu hecheln.

      Es gibt natürlich Härtefälle, in denen das nicht möglich ist. Alleinerziehend mit Kindern oder Ausbeuterjob im Niedriglohnsektor. Keine Frage. Aber für die meisten sollte es möglich sein langfristig Vermögen aufzubauen.

      VG, nico

  2. „Die finanzielle Freiheit beginnt schon vor der finanziellen Freiheit“ – damit ist für mich alles gesagt, denn genau so ist es. Ich bin bei meiner aktuellen Ausgaben- und Sparquote Jahrzehnte von der vollständigen finanziellen Freiheit entfernt. Aber so what? Das ist ohnehin nicht mein Ziel. Ich werde in meinem Leben immer etwas finden, das mir hinreichend Spaß macht und gleichzeitig auch den einen oder anderen Euro auf mein Konto fließen lassen wird. Wenn es der aktuelle Job irgendwann nicht mehr sein sollte, könnte ich aber jetzt schon ein Jahr und mehr überbrücken. Und allein diese Möglichkeit lässt mich besser schlafen als wenn dies nicht so wäre, und sie sorgt für eine ungemeine Entspanntheit im Umgang mit Chefs und Kollegen.

    1. Moin 14republic,

      das ist auch noch ein spannender Punkt. Selbst wenn Du überhaupt nicht vorhast den Job zu wechseln, bringt Dir finanzieller Spielraum Vorteile.
      Arbeitnehmer werden nicht gerecht nach Leistung bezahlt. Von diesem romantischen Gedanken können wir uns verabschieden. Der Preis der Arbeitskraft bildet sich genau wie andere Preise und hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab. Wenn meine Vorgesetzten wissen, dass ich Flexibel bin, dann werden sie mir auch eher eine Gehaltserhöhung geben, als anderen Kollegen (die vielleicht auch mehr leisten) denen nicht glaubhaft abgenommen wird, dass sie das Unternehmen verlassen würden. Gehalt (oder Positionen) sind eine Frage der Verhandlungen – und mit der glaubhaften Option flexibel zu sein hast Du deutlich bessere Karten (auch wenn Du gar nicht vorhast wechseln zu wollen).

      VG, nico

  3. Hi Nico,

    grundsätzlich denke ich genauso. Wenn ich absolut keinen Bock mehr auf meinen Job hätte, würde ich eben nicht mehr hingehen. Ist ja kein Problem. Von den Rücklagen könnte ich einige Zeit ganz gut leben. Tatsächlich steckt man aber eben doch in einem ziemlichen Dilemma, weil es dich in der Finanzplanung um Jahre zurückwirft. Ganz ehrlich, ich kann für mich nicht klar sagen, ob ich es durchziehen würde. Man könnte, aber macht es letztendlich dann doch nicht.

    Viele Grüße
    Götz

    1. Hallo Götz,

      klar, den Schritt muss man gut abwägen. Wenn ich morgen kündigen würde, dann wäre die finanzielle Freiheit erst mal auf absehbare Zeit dahin. Aber das wäre zwar nicht das Ende der Welt, aber ärgerlich.

      Wir sprechen ja bisher auch immer von der freiwilligen Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Viel wichtiger ist ja auch der finanzielle Schutz vor einer Kündigung, wenn Du über Vermögen verfügst. In wohl jeder größeren Firma gibt es Mitarbeiter – meist jenseits der 50 – die wirkliche Panik haben den Job zu verlieren aus Angst danach gar nichts mehr zu finden. Das ist ja auch nicht ungerechtfertigt. Wer in diesem Alter nicht über ein (Jahrzehnte angewachsenes) Vermögen verfügt, wird immer mehr zum Spielball. Letztendlich musst Du dann alles schlucken, was Dir vorgesetzt wird. Der Druck nimmt zu. Oft höre ich den Spruch „ich muss noch 10 Jahre bis zur Rente“ oder ähnliches. Das finde ich schrecklich! Diesen Gedanken passiv solch einer Situation ausgesetzt zu sein, muss einen ja belasten.

      Von daher geht an einem gescheiten Vermögensaufbau eigentlich kein Weg vorbei.

      VG, nico

  4. Moin Nico,
    ich glaube das ist tatsächlich bei jedem unterschiedlich.
    Wer kann schon ernsthaft behaupten: „Wenn ich keinen Bock mehr habe, gehe ich am nächsten Tag einfach nicht mehr hin!“? Die meisten können das bestimmt allein aus finanziellen Gründen schon nicht. Und ich würde auch nicht behaupten, dass die dann selbst schuld sind, weil sie nicht hart genug gespart haben. Es gibt sicher genug Leute, die sparen was halt so geht aber wo es für eine solch komfortable Situation trotzdem einfach nicht reicht. Gerade mit Familie kann es manchmal sehr schwer werden.
    Und dann gibt es bestimmt auch einige Leute, die es sich finanziell leisten können aber es aus anderen Gründen dann doch wieder nicht in Frage kommt.

    Hut ab, wenn du das im Fall der Fälle wirklich so durchziehen würdest! Ich glaube auch du würdest dir das nicht von heute auf morgen, sondern reiflich überlegen.

    Bei mir ist es so, dass ich auf die Hamsterradkohle nicht angewiesen bin. Trotzdem habe ich keine großen Ambitionen „in den Sack zu hauen“. Ich mag meinen Job. Wir sind da wie ein altes Ehepaar. In guten und in schlechten Zeiten. Bis, dass der Tod uns scheidet. Wobei ich auch nicht anstrebe im Bürosessel dahinzuscheiden 😉 Wir sind noch vom alten Schlag und Scheidung war nie ein Thema bei uns. Ich blicke mittlerweile auf fast 24 glückliche Jahre zurück. Nächstes Jahr ist Silberhochzeit. Das ist abgesehen von der Beziehung zu meinen Eltern die längste in meinem Leben!
    Während die Ehe mit einer Frau für mich nie in Frage kam. Warum erklärt Bloggerkollege Götz ganz fantastisch in diesem Artikel http://www.finanzblognews.de/ehe-freiheit-und-finanzen/
    Fast allen meinen besten Freunden ging es so, wie in dem Artikel beschrieben. Finanziell ist das der Overkill und dann haben wir von seelischen Schäden noch gar nicht gesprochen! Ich war gerne für die Jungs da aber nicht bereit, mich und meine Finanzen dieser Gefahr selber auszusetzen.

    Zurück zu meiner „Ehe“. Da ist es umgekehrt. Ich profitiere finanziell. Ich habe jahrelang Leistung gebracht, alles gegeben und in die „Ehe“ investiert. Das wurde und wird bis heute fürstlich entlohnt. Ich hau doch da nicht in den Sack, um mir dann woanders was neues zu suchen! So scheiße kann es gar nicht sein, dass ich so blöd wäre.

    Auch dieses oft gehörte: „Ich mach dann was, was meiner Leidenschaft entspricht!“, ist auch nicht die Allround-Lösung für alle. Wenn man mit seiner Leidenschaft nur ein Drittel verdient und das hinten und vorne nicht reicht, ist das eben auch keine Option. In meinem Fall würde ein Drittel zwar reichen, aber da würde ich mir trotzdem blöd vorkommen. Vielleicht, weil ich noch nicht in der Situation war, dass mich mein Job dermaßen ankotzt, dass Handlungsbedarf bestünde.

    Mein Luxusproblem ist, dass ich zu gut bezahlt werde, um überhaupt in die Nähe eines Kündigungsgedanken zu kommen. Diese Bezahlung habe ich mir aber hart erarbeitet. Das schmeiße ich doch nicht von heute auf morgen weg! um wonaders (fast) bei Null anzufangen. Dazu habe ich auch noch das Glück, eine harmonische „Ehe“ zu führen. Der Rosenkrieg müsste auch schon mit sehr abscheulichen Mitteln ausgefochten werden, damit ich da freiwillig den Saal verlasse.
    Ich bin hier wohl einfach kein repräsentatives Beispiel. Aber du hast gefragt 😛

    Seit Juni arbeite ich 27h/Woche an 3 Tagen in der Woche. Dafür bekomme ich 40 Stunden (hatte vorher 35h/Woche) plus Anfahrt und Essensgeld bezahlt. Mehr Geld für weniger investierte Zeit. Hier zahlt es sich mal wieder aus, die „Ehe“ stets gepflegt zu haben. Die 3 Tage, an denen ich „ran“ muss, sind allerdings Freitag, Samstag und Sonntag. Nicht jedermanns Sache – aber meine! Ich liebe es. In diesem Modell werde ich leider nicht ewig arbeiten dürfen. Danach würde ich mal ein Jahr Auszeit (bei uns ziemlich einfach möglich) anpeilen und im Anschluss eine Stundenreduzierung mit entsprechender Gehaltskürzung, dafür aber die Stunden unter der Woche abreißen. Komplett raus ist bisher nicht in Planung. Aber das kann ja noch kommen.

    Mein finanzielles Polster ist aber natürlich sehr vorteilhaft, falls meine liebe Firma sich ihrerseits von mir trennen möchte oder muss. Oder falls die Gesundheit es zur Qual macht sich ins Büro zu schleppen. Dann hätte ich mit dem Ende damit kein (finanzielles) Problem. Und wahrscheinlich auch keine große Eile mir etwas neues zu suchen. Wenn überhaupt.

    Sich ein möglichst dickes finanzielles Polster anzusparen kann aber auf keinen Fall schaden! Für alle job- und bezahlungstechnisch nicht so mit Glückseligkeit gesegneten kann dieses Polster dann auch wirklich den Ausschlag geben zu kündigen und sich neu zu orientieren. Das sind alles sehr individuelle Geschichten.

    Dass finanzielle Freiheit anfängt, bevor man finanziell frei ist, sehe ich nicht so. Klar, du kannst dir ne Auszeit und ne Phase der Neuorientierung leisten. Das hat aber nach meinen Vorstellungen nichts mit der finanziellen Freiheit an sich zu tun. Man muss ja schließlich irgendwann wieder los. Allein das Wissen darum ist doch nervig und das Gegenteil von finanziell frei. Aber das ist natürlich wieder Geschmackssache.

    Gut jedenfalls, dass sich „hoch hergehen“ und „locker/entspannt“ bei dir wieder im Wohlfühlmix eingependelt haben.

    Ich schließe mich Ferhat an und bin gespannt auf weitere Kommentare 🙂

    Beste Grüße
    Vincent

    1. Mensch Vincent, Du scheinst ja wirklich in einer glücklichen Ehe zu leben – und wirst dafür sogar noch bezahlt! 🙂

      Dein Job scheint für mich als Außenstehender echt ein Träumchen zu sein. Aber mir ist schon klar, dass Du den nicht in den Schoß gelegt bekommen hast. Das geht mir ähnlich. Ich habe es in meinem Laden hier schon recht gut getroffen was Tätigkeit und Bezahlung angeht. Aber dem Voraus gingen auch einige Jahre, in denen ich mir immer wieder neue Tätigkeiten innerhalb der Firma gesucht hatte um mich zu entwickeln und dabei auch räumlich flexibel war. Das hat sich dann irgendwann ausgezahlt. Solch eine Position müsste ich mir woanders erst wieder erarbeiten (und das dazugehörige Netzwerk im Hause aufbauen).

  5. Letztes Jahr ging es in meinem Job etwas hässlich zu, viele Überstunden gepaart mit schlechter Bezahlung, und ich habe an einen Jobwechsel gedacht. Auch meine Freunde haben mir dazu geraten. Als ein paar Jobangebote kamen, haben mich die Tätigkeiten einfach nicht sonderlich gereizt oder waren mit einem Umzug verbunden. Ein Kommilitone von mir wies mich letztens darauf hin, dass in seinem Team mehrere Stellen zu vergeben wären, wo ich auf Dauer fast den doppelten Stundenlohn hätte als jetzt. Aber die damit verbundene Tätigkeit wäre einfach stinklangweilig. Deswegen bin ich dieses Jahr sehr motiviert in meinen Beruf gestartet: Ich bin 24 und will lernen so viel es geht. In kleineren Unternehmen hat man dabei meistens mehr Abwechslung, auch wenn man dort schneller ausgenutzt wird. Gleichzeitig weiß ich: Ich könnte jederzeit kündigen und habe die Bewerbung fertig in der Schublade liegen. Finanziell könnte ich ein paar Jahre mit meinem Ersparten überbrücken.

    1. Hi Jenny,

      ich bin mal gespannt, wie lange Du da noch an Bord bleibst. Im Süden werden qualifizierte Menschen wie Du händeringend gesucht. Ich bin mir sicher irgendwann ruft ein Headhunter an mit einem Angebot, dem Du nicht wiederstehen kannst.

      Bist Du aktiv auf den Karriereportalen (Xing, Linkedin, etc.)?

      VG, Nico

    2. 2-3 Jahre ist so ein Zeitraum, nachdem man wechseln kann ohne sich beim zukünftigen Arbeitgeber auf komische Fragen vorbereiten zu müssen.

      In einigen Branchen wird es sogar sehr positiv aufgenommen, wenn man nach einigen Jahren wechselt.

      1. Auf Xing bin ich. Bisher bin ich eher weniger auf dem Schirm von irgendwelchen Head-Huntern. Den OEMs selbst mangelt es nicht an Bewerbern, die müssen nicht groß suchen. Ohne Master kann ich mich da aber kaum sehen lassen, obwohl ich mittlerweile rund 5 Jahre Berufserfahrung vorweisen kann. Was mich ebenso stört: Ellbogenmentalität. In meinem jetzigen Unternehmen bin ich nun im 7. Jahr. Da stört eine junge Projektleiterin keinen mehr. Wobei es für Männer Mitte 30 schon ein Problem da stellt, wenn sie Anweisungen von einer jungen Frau annehmen müssen. Die Dienstleister und Zulieferer haben da andere Probleme: Preis wird vom Kunden gedrückt, Konkurrenzkampf mit dem Ausland, schlecht ausgebildete Mitarbeiter (weil alles Gute früher oder später zu Daimler, Porsche, Bosch, Siemens, Festo und Co. wechselt).

        1. Ich bin arbeite selber für einen OEM in und um Wolfsburg. Bin für eine 100% Tochter für die innovativen Zukunftsthemen in der Autoindustrie tätig. 😉

          Es gibt eine Menge Projektleiter, Product Owner und sonstiges, die keinen Master haben und trotzdem den Job machen. Ich weiß, dass das auch bei Audi und Porsche so aussieht.

          Viele der Mitarbeiter und späteren Projektleiter bei den großen Automobilherstellern fangen bei einem Zulieferer oder bei Tochterfirmen an und kommen dann zu den Konzernen.

          Ich will dich damit nicht zu einem Wechsel drängen! Ich will nur sagen, dass es sicherlich möglich ist.

        2. Hi Jenny,
          das Thema „Bachelor vs. Master“ ist bei Dir ein „Dauerbrenner“, gell? Als Dipl-Ing habe ich da leicht reden, aber ich kann mir gut vorstellen, dass irgendwann (z.B. nach 5 Jahren Berufserfahrung) der Abschluss keine Rolle mehr spielt und Projekterfahrung bzw. Berufspraxis viel wichtiger ist.
          Just my 2 cents
          Dummerchen

          1. Dem können wir nur zustimmen. Ein vernünftiges Zeugnis und Arbeitsplatzbeschreibung gleicht den fehlenden Abschluss in der freien Industrie durchaus aus. Im öffentlichen Dienst sieht dies leider noch ein wenig anders aus.
            Und keine Angst vor der Gehaltsfrage und immer mit dem Hintergrundwissen, der Personalchef braucht auch sein Erfolgserlebnis. Also ruhig ran die Forderung.

        3. @Dummerchen Das Thema Bachelor-Master beschäftigt mich nach wie vor. Kann aber auch daran liegen, dass ich mir wegen meines „minderwertigen“ Titels öfter mal was anhören muss. Mittlerweile gäbe es an jeder Ecke ja nur noch Schmalspuringenieure, die ihren Bachelor aus der Kellogspackung haben. Selbst Erzieherin brauchen einen Bachelor. Da hast du es mit deinem Dipl-Ing. wenigstens noch einfacher. Ich habe immerhin das Glück, mich „Bachelor of Engineering“ nennen zu dürfen. Andere Hochschulen vergeben oft den Bachelor of Science oder gar of Arts. Man weiß also gar nicht, ob man nun einen Ingenieur oder Sportwissenschaftler vor sich stehen hat. Das frage ich mich nämlich oft, wenn ich den Leuten cosinus/sinus/tangens erklären muss oder was der Unterschied zwischen Kraft und Drehmoment ist. Meine älteren Technikerkollegen tun mir da auch leid: Sie selbst haben 4 Jahre Abendschule für den Techniker hinter sich gebracht, in Sindelfingen bekommt man den nach 9 Monaten Vollzeit. Aber nun gut, man Freund könnte nach der Ausbildung auch noch 1 Jahr dran hängen und würde dann einen Bachelor in Informatik ergattern.

          An sich mache ich mir keine Sorgen wegen meiner Jobchancen, weil Berufserfahrung tatsächlich mehr Wert ist als der Abschluss und man sich im besten Fall sogar einen Namen in seiner Branche gemacht hat.
          In jungen Jahren (gerade frisch nach der Hochschule) fällt man da schneller durch ein Raster.

  6. Bei mir ist es auch sehr ähnlich, wie bei der Ex-Studentin. An Stellenangeboten mangelt es nicht und ein gutes Jahr könnte ich mit ersparten auch aushalten mittlerweile. Deswegen habe ich relativ wenig Angst meinen Job zu kündigen, wenn es mal nicht passt.

    Aber es ist auch wahr das es oft ein Trugschluss ist. Man ist woanders glücklicher. Oft ist es die eigene Einstellung, welche doch die Unterschied macht. Aber ab und zu hat man halt komplett ins Schwarze getroffen und dann muss man es halt ändern.

    Wobei ich dann so jemanden bin der total ins Schwarze getroffen hat. Leider im negativen Sinne. Irgendwann reicht doch die Einstellung nicht mehr, wenn die eigenen Lebensziele nicht mit den des Unternehmens zusammenpassen. Aber ich bin ja schon dran was zu ändern.

    Um mal zurück zu den Fragen zu kommen. Aktuell bin ich nicht wirklich erfüllt. Anfangs dachte ich es wäre nur eine Phase. Aber naja. Hinschmeißen könnte ich und mir würde es fürs nächste Jahr nicht schlecht gehen. Aber aktuell habe ich andere Pläne und man lernt trotzdem etwas daraus, wenn vieles blöd ist. Auf jeden Fall eins: „Was ich nicht mehr“. Und die finanzielle Freiheit? Ich weiß gar nicht mehr ob ich genau die wirklich will. Eher ein guter Job wo ich flexibel von Zeit und Raum bin und auch mal mit nur 30-40 Stunden im Monat über die Runden gut komme. Das wäre für mich schon einen Art Freiheit.

    Gruß,
    mafis

    1. Hey Mafis,

      Du hast doch auch noch den Luxus einen Job zu haben, bei dem man sich wirklich gut und recht unkompliziert selbstständig machen kann. Als IT-Fuchs könntest Du Dich ja komplett von einem einzelnen Arbeitgeber lösen und Dein eigenes Ding machen. Reizt Dich das nicht?

      VG, nico

      1. Hey,
        Ja und Ja und Ja. Habe da schon mal ein langes Gespräch mal mit den zweien von WhatLifeCouldBe gehabt.

        Ist auch alles in Arbeit 😉 aber kann ich auf meinen Blog noch nicht so berichten. Der Chef liest mit. Würde grade noch etwas komisch kommen. Ich denke im Herbst wird mal mehr kommen. Die Deadline ist schon gesetzt dafür.

        Gruß,
        mafis

  7. Leider gibt es viele Leute die nur des Geldes wegen noch zur Arbeit gehen. Bei mir in der Firma ist das nicht anders. Zum Teil kann ich das nachvollziehen. Was will man machen wenn man Familie hat und diese ernähren muss. Was ich schlimmer finde ist allerdings, dass viele Arbeitgeber noch nicht verstanden haben das glückliche Mitarbeiter bessere Leistung bringen.

  8. Interessanter Artikel. Witzig finde ich , dass die Sachen , die Du als „Hamsterrad in Reinform“ bezeichnest bei mir eher das Gegenteil darstellen. Ich liebe Messen, dabei laufe ich immer zu Höchstform auf 🙂

    Im gegensatz zu Dir hab ichbisher nur in Immobilien investiert, der Aktien/ETF Anteil ist mit 10000 E eher gering. Von den Immoeinnahmen könnte ich sicherlich einige Zeit überbrücken, ganz leben geht aufgrund der Restschuld noch nicht.
    Wobei, der Kapitalbedarf würde sich ja bei einem Jobwegfall ändern da gewisse Punkte einfach wegfallen.
    Also, im Grunde könnte ich „in den Sack hauen“, aber ich will es gar nicht. Mein Job macht mir verdammt viel Spass, ich komme viel rum und lerne jede Menge interessanter Personen kennen. Davon ab bekomme ich gutes Geld (von dem ich leider viel zu wenig spare *g*), nach dem „Butter bei Fische“ Beitrag von Nico haben wir mal so überflogen was wir so bräuchten, da ist noch einiges an Luft.

    1. Hi Mat,

      In Frankfurt sind ja einige großen Messen jedes Jahr. Dann gibt es morgens diese Ströme von trist dreinblickenden Menschen, die sich aus dem Bahnhof ergießen und die letzten paar Hundert Meter zur Messe laufen. Das gleiche Spiel geht dann wieder abends wieder zurück mit der Option sich noch in den Kneipen die Hucke vollzuhauen. Solche Messen sind schon seltsame Veranstaltungen. Ich bin immer völlig platt nach ein paar Tagen Messe 🙂

      VG, nico

      1. Klar, gibt viele bei denen das so ist. Für mich ist Messe immer ein Highlight, als Vertriebler ist das ja nochmal was anderes. Dazu kommt dass ich international arbeite und die Leute sonst zB nur einmal im Jahr sehe. Messe ist immer anstrengend, keine Frage aber bringt mich zumindest immer in den Flow 🙂 Davon ab sind einige Messen auch mit netten Besuchen verbunden, ich weiss nicht ob ich Singapur, Sao Paulo,Dubai, sonst bereist hätte.

        Aber wie gesagt, da ist jeder anders. Für mich ist ein Bürojob nach spätestens einem Monat die Hölle, daher bin ich froh dass da immer Termine zukommen.

        Aber was den Job angeht kann ich Dir zustimmen, wenn es nicht mehr passt sollteman über einen Wechsel nachdenken. Ich habe eine Zeit lang in Düsseldorf gelebt und in Berlin gearbeitet, vier Tage die Woche vor Ort. Kann man machen, man ist auch in der Zeit unglaublich produktiv.
        Als ich dann keinen Bock mehr hatte das länger durchzuziehen habe ich halt erstmal für mich die Entscheidung einer Veränderung getroffen und dann relativ schnell gehandelt. In meiner Branche gab es damals ziemlich viele Stellen, ich hätte in die Schweiz gehen können, nach Süddeutschland oder in der Nähe bleiben. Die beiden erst genannten wären entweder Familienumzug oder Fernbeziehung geworden, da hatte ich dann keine Lust zu. Aber ich schweife ab 🙂

        Was ich sagen wollte – ich würde fast den gleichen Job machen den ich heute mache wenn ich nicht mehr arbeiten müsste. Vielleicht etwas weniger aber der Job an sich ist „genau mein Ding“. Von daher stellt sich mir die Frage so halt nicht….

  9. „Einfach nicht mehr hingehen“?
    Ja, klingt sinnvoll. Aber wie so oft in der Realität evtl. alles andere als einfach umzusetzen.

    Hatte selber schon mal die Situation, dass mich mein Job total angekotzt hat und ich mich jeden Tag regelrecht hin schleppen musste. Mir war absolut bewusst, dass ich einfach hätte hinschmeißen können und dass genau das auch richtig gewesen wäre. Habe ich es gemacht? Nein. Weiter durchgewurschtelt bis es irgendwann krank gemacht hat. DANN habe ich einfach gekündigt ohne mich überhaupt vorher nach was neuem umgesehen zu haben. Klar, war zu spät und objektiv gesehen damit dumm, aber eher konnte ich mich einfach nicht dazu aufraffen. Ich kann damit jeden verstehen der zwar weiß, dass er eigentlich weg müsste, aber trotzdem zögert. Und habe gleichzeitig dann auch meine Zweifel ob derjenige der behauptet „wenn es mir nicht mehr gefällt, gehe ich einfach nicht mehr hin“ das dann auch wirklich so einfach durchzieht oder nicht doch ins Grübeln kommt wenn es wirklich ernst wird damit. Ist evtl. doch viel leichter es nur zu sagen als es auch zu tun.
    Für mich ging der Wechsel dann übrigens gut aus. Ob das allerdings auch so gekommen wäre, wenn ich nicht so lange gewartet hätte, steht natürlich in den Sternen…

    1. Hi Martin B.,

      klar, ob man es durchzieht ist dann noch eine ganz andere Sache. Ich finde es trotzdem befreiend, dass ich das Gefühl habe es machen zu können. Ist eine Frage der Kontrolle. Ich entscheide aktiv ob ich hier sein möchte oder nicht. Passiv der Dinge zu harren, weil ich keine andere Option habe, ist das Gegenteil davon. Letzteres würde mich deprimieren und wohl auch die Lust verderben.

      VG, nico

  10. Hallo Nico,

    „…E-Mails und Telefonate im Urlaub und an den Wochenenden.“
    Oh je 🙁
    Das würde ich nicht machen. Wann soll man sich denn dann noch erholen und mal abschalten?
    „Ich war so weit, dass ich selbst vor dem Einschlafen noch über Arbeitsprobleme grübelte.“
    Passiert mir gelegentlich auch mal. Das ist für mich ein Warnsignal dass ich sofort runter schalten muss: eine Weile lang keine Überstunden mehr und vielleicht mal früher nach Hause gehen. Dann geht es wieder.

    Bei mir gab es auch schon Zeiten in denen ich ernsthaft darüber nachgedacht habe, zu kündigen. Zu wissen, dass es offene Stellen gibt die auf mich passen war eine Erleichterung. Und mein Notgroschen, mit dem ich eine Weile überbrücken könnte auch ohne mein Depot teilweise zu verkaufen.

    LG
    Julia

    1. Hi Julia,

      ganz ehrlich – da war ich selber einfach zu doof. Bin es teilweise immer noch. Mein Arbeitgeber zwingt mich nicht am Abend oder an den Wochenenden Mails zu checken. Es liegt völlig in meiner Kontrolle da einfach die Finger von zu lassen. Die Schuld dafür liegt also bei mir. Den Stress habe ich mir selber gemacht. Mittlerweile habe ich das auch ganz gut im Griff (zumindest meistens). Es ist letztendlich eine Frage der Disziplin.

      VG, nico

      1. Ich glaube hier ist auch so ein bisschen die Frage – was macht man? Ich habe zum Beispiel viele Kunden deren Wochenenden anders sind als unsere. Auch unsere extrem hohe Urlaubstage sowie Feiertage reissen da einige Löcher in die Kommunikation. Aber das sind natürlich Einzelfälle und betreffen nicht jeden.

    2. eMails und Telefonate im Urlaub zwar nicht. Aber tatsächlich: Über Arbeitsprobleme habe ich regelmäßig fast jedes Wochenende nachgedacht und gegrübelt. Zwei Wochen Urlaub waren nötig, um mal abzuschalten, aber Urlaub ist begrenzt.
      Wenn über längere Zeit sehr viel an Arbeitsumfang da ist, es nicht ganz so rund läuft und hoher psychischer Stress von der Gegenseite (Kunde, AG und wer auch immer) aufgebaut wird,- und man dann nicht berufserfahren ist, nimmt das einen gerne mal mit.
      ps. Konsequenz; nach zwei Jahren in dem Zustand die Reißleine gezogen und einen neuen Job gesucht und viel glücklicher damit.

  11. Hallo Nico,

    ich denke, Du bist an dem Punkt angekommen, an dem sich das „Anhäufen von Geld“ erstmalig richtig bezahlt macht. Klar, es ist auch schon wichtig, nicht bei jedem Haushaltsgerät, das den Geist aufgibt, gleich in den Dispo zu müssen.

    Aber der Punkt, an dem man erkennt, dass man die Option hat, einfach auch mal auf der Arbeit „Nein“ zu sagen, ohne den Jobverlust wirklich fürchten zu müssen, ist doch herrlich. Oder zu wissen, dass man auch einen anderen beruflichen Weg einschlagen kann, selbst wenn er etwas weniger gut bezahlt wird, dafür aber stressfreier, erfüllender, cooler, glücklich machender. Für mich ist das bereits finanzielle Freiheit. Selbst wenn man die Option niemals ausübt – zu wissen, dass man es könnte nimmt mitunter dem Leben viel Druck.

    Liebe Grüße
    Dummerchen

  12. Moin Moin,

    sehr interessante Beiträge hier.;)
    Zu deinem tollen Artikel, wurde genug gesagt…daher spare ich mir die lobenden Worte.:) Allerdings muss ich bemerken, dass du mit mehreren Immobilien sowie Aktien auch einen entsprechenden Background hast, solche Überlegungen anzustellen.
    Ich bin leider im „Osten“ groß geworden, dh tolles Bildungssystem durch welches ich jetzt eine sehr gute Anstellungen genießen darf, aber durch selbstfinanziertes Studium und keinerlei geerbte/ überlassene Vermögenswerte mit Ende 20 ins Berufsleben gestartet.
    Dann zwei Jahre als Single „gut gelebt“, dann zwei Jahre gespart (ca. 15.000 T€) und jetzt Familienvater mit knapp Mitte 30. Leider beschäftige ich mich erst jetzt mit dem Thema finanzieller Freiheit und stelle fest, ein paar Jahre in ETFs investieren fehlen mir um mit Mitte 50 „frei“ zu sein.

    Nun zu meiner Frage an dich: Du könntest ja mal ein Thema erstellen, wo es um die Lebenskosten geht…ich stelle nämlich fest, dass wir als 3-köpfige Familie in einem gemieteten Haus bei ca. 3500€ pro Monat landen – irgendwie viel, aber lässt sich kaum was reduzieren.:(
    Solltest du einen Thread erstellen, ich würde auch einen detailliert anfangen.;)

    Eines fällt mir allerdings auf, die meisten Blogger starten unter besonders guten Umständen (nicht auf dich bezogen, ganz allgemein), d.h. Erbe von größeren Vermögenswerten. Klar, wer da die letzten 7 Jahre noch vernünftig investiert hat, der hat jetzt ein kleines Vermögen…nur ist das kein Standard. Wer von Sparquoten von über 50% redet, weist entweder ein extrem hohes Einkommen oder eine unterdurchschnittliche Lebensqualität auf…

    Greetz
    Djerun

    1. Hello Djerun,

      Das Thema der Lebenshaltungskosten klingt wirklich interessant. Ich schaue mal. Vielleicht bringe ich es als Freitagsfrage rein. Dann könnten wir uns gemeinsam zu dem Thema austauschen.

      „Wer von Sparquoten von über 50% redet, weist entweder ein extrem hohes Einkommen oder eine unterdurchschnittliche Lebensqualität auf“

      Bei Familien mit womöglich einem Hauptverdiener ist es wirklich schwer hohe Sparquoten zu erreichen. Aber es müssen ja auch nicht 50% sein. 10% oder vielleicht sogar 20% reichen ja schon. Damit kannst Du Dir über die Jahre genau den Puffer aufbauen, von dem ich oben gesprochen hatte. Und ein paar Jahre früher aus dem aktiven Arbeitsleben aussteigen (oder irgendwann Teilzeit) sollte auch drin sein.

      Weniger Geld ausgeben heißt übrigens nicht gleich eine niedrigere Lebensqualität. Das korreliert ab einem gewissen (niedrigem) Einkommen, das die Basics deckt, nicht mehr miteinander. Ich könnte wohl mit deutlich weniger Kram und Platz im Haus gut klarkommen und würde genau so glücklich sein. Bei Frau Finanzglück ist das leider nicht so. Wir haben jetzt einen Kompromiss gefunden, mit dem wir beide glücklich sind und der es uns trotzdem noch erlaubt zu sparen.

      VG, nico

      1. „Ich könnte wohl mit deutlich weniger Kram und Platz im Haus gut klarkommen und würde genau so glücklich sein. Bei Frau Finanzglück ist das leider nicht so. Wir haben jetzt einen Kompromiss gefunden, mit dem wir beide glücklich sind und der es uns trotzdem noch erlaubt zu sparen. “

        Das kann ich zu 100% für meine Füchsin und mich unterschreiben. 🙂

        Wir kennen dieses Gefühl der Tretmühle ganz gut. Die Füchsin ist als Doktorandin immer mit Zeitverträgen ausgestattet, die manchmal nur einen Monat laufen. Bei offiziell ner halben Stelle, wird dabei eine 60-Stunden-Woche erwartet. Aber allein durch unsere hohe Sparquote (ca. 30%) -die wir jederzeit einstellen könnten- ist es für sie möglich, auch mal Nein zu sagen. Wenn der Vertrag dann halt nicht verlängert wird, dann ist das halt so. Auch von meinem Gehalt könnten wir gut leben.

        In einer Partnerschaft, ist deswegen alleine die Sparquote eine finanzielle Sicherheit. Man kann diese Aussetzen und muss nicht seinen Lebensstandard reduzieren oder überlegen, ob die Miete nächsten Monat noch gezählt werden kann.

        Gruß
        Fuchs

    2. Hallo Djerun,

      „Eines fällt mir allerdings auf, die meisten Blogger starten unter besonders guten Umständen (nicht auf dich bezogen, ganz allgemein), d.h. Erbe von größeren Vermögenswerten. Klar, wer da die letzten 7 Jahre noch vernünftig investiert hat, der hat jetzt ein kleines Vermögen…nur ist das kein Standard.“

      Welche Blogger meinst Du? Ich lese ja schon relativ viele Blogs, habe aber nicht den Eindruck, dass „die meisten Blogger“ mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurden. Ehrlich gesagt, fällt mir gerade keiner ein, von dem ich wüsste, dass er größere Vermögenswerte geerbt hätte (ok, der Finanzrocker hat neulich von einem mittleren fünfstelligen Betrag gesprochen). Ich gehe davon aus, dass die meisten Blogger eher eine gute Bildung genossen haben, in ihrem Job erfolgreich sind und das verdiente Geld zusammengehalten und investiert haben. So habe zumindest ich meinen finanziellen Grundstock gebildet und Nico, Ex-Studentin Jenny, der Couponschneider, Mafis, Frugalist Oliver und noch einige andere folgen (so weit ich das einschätzen kann) dem gleichen Modell.

      Falls Du also eine Entschuldigung dafür suchst, dass Du noch nicht an dem Punkt angekommen bist, an dem Nico wohl schon steht, könnte es daran liegen, dass Du halt weniger sparen konntest, wolltest und/oder angelegt hast. Es ist aber sicher nicht so, dass man nur mit dem Einkommen nicht auch ein Vermögen aufbauen könnte. Der Couponschneider hat gerade die 200k-Grenze geknackt (und zugegebenermaßen auch ein wenig Glück mit dem Marktumfeld gehabt) – möglich ist das aber schon (http://couponschneider.blogspot.de/2017/02/ein-meilenstein-geschafft-200000.html). Nun wird nicht jeder die gleichen Voraussetzungen wie er haben oder so aggressiv in Aktien anlegen wollen. Die Hälfte hielte ich für einen Zeitraum von 8 Jahren aber auch schon beachtenswert.

      Liebe Grüße
      Dummerchen

      PS: Mir erscheint 3,5k monatlich übrigens ziemlich viel. Bist Du Dir sicher, dass man da nicht was reduzieren kann? Baustellen gibt es ja viele: Wohnen, Transport, Kleidung, Essen, Freizeitgestaltung. Aber wenn Nico demnächst mal eine Freitagsfrage dazu macht, wird man vermutlich das komplette Spektrum von Frugalist bis YOLO hier antreffen.

      1. Ich erwisch mich auch, dass ich manchmal neidisch bin, wenn jemand von Haus aus nie Geldprobleme hatte und z.B. wie der Einkommensmillionär mit 19 Jahren 80k im Depot hat. Oder wie viele andere junge Leute den Führerschein gezahlt bekommen, am besten noch das erste Auto geschenkt.. Aber gleichzeitig setzt man sich mit der FF einfach ein sehr hohes Ziel, was nicht mit einem Fingerschnipp zu erreichen ist. Stattdessen hatte ich dafür in anderen Punkten sehr viel Glück in meinem Leben, die ich gegen kein Geld der Welt eintauschen möchte. Deswegen: Die FF sollte nicht das Hauptziel im Leben sein. Ein gewisser finanzieller Puffer und eine gute Ausbildung sind gute Rahmenbedingungen.

    3. Hallo Djerun,

      ich bin auch in den neuen Ländern groß geworden. Meine Eltern konnten mich nicht groß finanziell unterstützen. Leider machten sie viele Fehler, von denen man immer wieder liest: Überversicherung, Sparen mit Versicherung kombinieren, Sondertilgung nicht nutzen usw. Viel Geld haben sie auch nicht verdient, weil die Gegend sehr strukturschwach war. Man hatte 2002/3 Arbeitslosenquoten von fast 20 %. Bundesweit hatten wir auch Rekordarbeitslosigkeit. Vor dem Hintergrund wurden dann auch die Agenda 2010 aus der Taufe gehoben und nicht, um die Leute zu ärgern.

      Das Studium habe ich selber finanziert, genauso meinen Führerschein.

      Lebensqualität mache ich nicht anhand von Konsumausgaben fest. Gute Dinge kosten nicht zwangsläufig viel Geld. Clubs, Alkohol und Tabak haben mich noch nie interessiert, also wird dafür auch kein Geld ausgegeben. Ich habe kein Problem damit, an fünf Abenden in Folge ins Theater zu gehen und ca. 20 € auszugeben.

  13. Eben jene Unzufriedenheit hatte sich bei mir vor einiger Zeit bei mir auch breit gemacht. Und ebenso wie du habe ich dann diese „Was wäre eigentlich, wenn…“ Rechnung aufgestellt.
    Ergebnis: Die völlige finanzielle Freiheit ist noch lang hin. Aber eine längere Auszeit und anschließend gründliche und entspannte Jobsuche, das ist allemal drin.

    Und so war es dann vor ziemlich genau einem Jahr dann soweit: Job gekündigt, Wohnung aufgelöst, Rucksack gepackt, und raus in die Welt, den Kopf frei bekommen. Nun schreibe ich wieder Bewerbungen, wobei ich aber bei der Stellenauswahl recht wählerisch bin. Soll ja nicht gleich wieder von vorn losgehen.

    Hat mich dieses Abenteuer auf dem Weg in die finanzielle Freiheit zurückgeworfen? Sicher. Aber dramatisch nicht.

    Werde ich wieder einen so gut bezahlten Job wie vorher bekommen? Zumindest unwahrscheinlich, da ich zuletzt einen echt guten Deal hatte.

    Hat es sich dennoch gelohnt? Aber sowas von. Dieses Jahr hat mir so unheimlich viel Lebensqualität und neue Impulse gebracht, dass es den Verdienstausfall locker überdeckt.
    So brauche ich nun vielleicht etwas länger zur finanziellen Freiheit. Aber ansonsten hätte ich sie wahrscheinlich gar nicht erreicht, ohne vorher kaputt zu gehen.

    1. Hi Reinsch,

      sehr cool. Du machst das genau richtig. An so eine Auszeit muss ich auch manchmal denken. Vor Frau und Kind war ich öfter einfach mal mit meinem Rucksack unterwegs in Südamerika oder Südostasien. Dieses Gefühl von Freiheit. Fantastisch! Der Zug ist mit den Lütschen jetzt erst mal abgefahren 🙂 Zumindest bis auf weiteres. Genies es. Jetzt ist Deine Zeit dafür. Die Chance solche Erfahrungen zu sammeln hast Du später so einfach vielleicht nicht mehr.

      VG, nico

  14. Hallo Nico,

    Wie gewohnt ein ganz hervorragender Artikel. Ich habe vor Kurzem meinen ersten Job angetreten, der jetzt schon viel von mir verlangt und aber auch sehr gut bezahlt ist. Ich bin jetzt mit 27 Jahren frisch von der Uni gekommen (hab promoviert, da dauert es was länger bis zum ersten Job) und habe jetzt zum ersten Mal wirklich Einkommen. Gerade Blogs wie deiner, der Ex-studentin oder von Oliver motivieren massiv zu sparen. Aber selbst als Student ist es möglich ein kleines Vermögen aufzubauen. Ich habe immer gearbeitet, hatte mehrere Stipendien (auch wegen Schrotflinten style bei den Bewerbungen ) und habe mit Lebenshaltungskosten weit unterm Bafög-niveau sehr gut gelebt. Und das alles in München. Fazit: 20 k€ nach 9 Jahren im Studium und 50% Uni stelle in der Promotion (leider auch mit 50-60h). Ich denke, dass es ohne Verpflichtungen immer geht Einen sehr geringen Lebensstil zu führen und trotzdem glücklich zu sein (siehe Oliver). Und nein ich hab nix geerbt und weniger Finanzunterstützung von meinen Eltern gekriegt als der Bafögsatz. In der Promotion war ich ganz auf mich gestellt.
    In meinem Freundeskreis sehe ich übrigens auch eine interessante Tendenz: Leute die nicht mit dem goldenen Löffel im Mund gross geworden sind , haben tendenziell mehr Ersparte und sind finanziell verantwortungsvoller.
    Dieses Polster hat mir dann auch viel Gelassenheit bei der Jobsuche beschert und gerade darum glaube ich so einen tollen Job gefunden zu haben. Fire lifestyle, mega ROI ?
    So ein Polster, welches grade auch noch schnell wächst, gibt mir jetzt schon Gelassenheit, falls es beim ersten Versuch doch nicht auf Anhieb das grosse Glück auf der Arbeit ist. Bisher kann ich mich aber nicht beschweren. knock on wood!

    1. Hey Aswin,

      mit dem Lebensstil und einem guten Gehalt kannst Du wirklich den Turbo im Vermögensaufbau zünden. Du scheinst ja sehr glücklich mit einem bescheidenen Lebensstil zu sein. Ein wahrer Frugalist!

      Nico

  15. Schöner Artikel, und ich würde sogar weitergehen: Im Grunde stellt sich eine gewisse Unabhängigkeit/Freiheit schon ein, wenn man keine Schulden zu bedienen hat. Weitere, wenn man keine schlaflosen Nächte mehr durch Dinge wie kleinere Autorepaturen und kaputte Waschmaschinen zu fürchten hat. So geht das dann immer weiter, bis man bei der in deinem Artikel beschriebenen Stufe angekommen ist. 🙂

  16. Hi Nico,

    wir ticken wohl ziemlich ähnlich. Ich bin als Consultant unterwegs und kenne das Ewige auf/ab bzw. Phasen des totalen Beschusses. Nichtsdestotrotz „lieb“ ich diesen Bereich. Das musste ich persönlich aber auch erst lernen. Wenn der Arbeitgeber modern ist, vereint der Roadwarrior Bereich das Beste aus beiden Welten des Angestellt-sein (Sicherheit + kein Non-Topic Tätigkeiten: Buchhaltung etc.) und des Freelancers-tums (Freie Zeitplanung, Home Office, Flexibilität). Im Detail hat der Freelancer natürlich mehr Gewinn im Best-Case, dafür aber auch ein sehr viel höheres Risiko.

    Dein Mantra „Ich kann jederzeit gehen“ ist auch Meines und aus meiner Sicht, die Grundlage für Erfolg. Mich lässt dies auch „schlimme“ Zeiten gut durchstehen.

    Wobei dafür ein tolles finanzielles Polster nicht nötig ist. Allein darüber nachzudenken, dass wir in einer der reichsten Länder leben, sollte schon genügen.

    Leider gibt es den guten alten Nachtschwärmer „Domian“ , den 1Live Nachtalker, nicht mehr, aber viele Leute vergessen in Ihrer „neu-deutschen“ Filterblase, was echte Probleme sind. „Domian“ hat mich durch die vielen erzählten Schicksalschläge Anderer geedert kein Jammer-Lappen zu sein.

    Ja, „ich kann jederzeit gehen“, aber dafür muss trotzdem Einiges passieren – Die Wiese ist beim Nachbarn immer Grüner. Alle Unternehmen kochen nur mit Wasser und spielen Marketing-Bullshit-Bingo..

    Solang mein Salär keine Abzocke darstellt oder ich dem Burnout nah komme, heißt es auch mal Arschbacken zusammenkneifen und ab durch die Mitte.

    Gruß,
    Der Worrier.

    1. Moin Worrier,

      „Solang mein Salär keine Abzocke darstellt oder ich dem Burnout nah komme, heißt es auch mal Arschbacken zusammenkneifen und ab durch die Mitte.“

      Hätte ich nicht schöner schreiben können 🙂

      Alles Gute, Nico

  17. Hey Nico,

    super Artikel – du sprichst mir aus der Seele. Und ich würde es sogar viel radikaler ausdrücken:
    Egal, ob ich vom Geld abhängig bin oder nicht, wenn es mir keinen Spaß mehr bereitet, dann höre ich auf! Sofort! Ohne wenn und aber!
    Bodo Wartke hat in seinem neuesten Programm diese Thematik aufgegriffen und sie unter anderem in diesem Lied wunderbar auf den Punkt gebracht: https://www.youtube.com/watch?v=rRy_Fhr6j2Y

    Um Leistung zu bringen, die mich befriedigt und mit der ich abends guten Gewissens ins Bett gehen kann, muss mir meine Tätigkeit Spaß bereiten. Ansonsten schade ich mir, meinem Umfeld und meinem Arbeitgeber, keines davon möchte ich.

    Beste Grüße
    Mike

  18. Moin Moin,

    bin noch nicht allzu lang in der Bloggerszene zum Thema FF unterwegs, aber viele scheinen ähnlich zu ticken und das gefällt mir.;) Das kennt sicher jeder von euch, wenn man schief angeschaut wird, weil man trotz dickem Gehalt nicht dem Konsumwahn nacheifert. Und wenn man öffentlich erzählt, man investiert in Aktien, ist die wohl weitesten verbreitete Meinung „Wie kannst du nur! Wirst durch die Spekulationen noch ALL dein Geld verlieren“.
    Nach meinem Beitrag bin ich auch über die Reaktionen vom Finanzglück, Dummerchen positiv überrascht…offenes ehrliches nachfragen, statt sich angegriffen zu fühlen.

    Eines möchte ich betonen, ich würde nie neidisch auf Andere sein, die hohe Vermögenswerte erben oder durch sehr hohe Einkommen oder gekonntes investieren ff werden. Ich bin mittlerweile 34 und in diesen Jahren schonen von dutzenden Fällen im Freundes-, Nachbars- oder Bekanntenkreis gehört, die durch Krebs, Autoimmunkrankheiten, Verkehrsunfällen usw. ums Leben gekommen sind oder gesundheitlich hart getroffen. Die Chance, das man unverschuldet selber irgendwann zu diesem Kreis gehört, ist vielfach höher als ff zu erlangen…von daher gibt es bei mir keinen Neid, nur Dankbarkeit das ich und meine Familie gesund sind.
    Der Punkt mit Domian von Worrier war sehr gut…bei Domian gab Menschen, die haben solche Probleme mit sich herumschleppen müssen, kein Geldvermögen der Welt hätte ihnen ein Glücksgefühl bescheren können.

    Ich will aber jetzt nicht zu weit abschweifen, einiges Feedback war, dass 3500,-€ Lebenshaltungskosten sehr viel sein. Daher hier mein Finanzplan für eine 3-köpfige Familie, gern zur kritischen Kommentierung (Optimierungspotenzial erwünscht). Die eingerückten Zeilen sind die Unterposition (Klammerwerte) der Hauptkategorie.

    Kommentar Nico: Besten Dank für die umfangreiche Auflistung! Ich werde diese Woche eine Freitagsfrage zum Thema veröffentlichen. Dort werde ich Deine Kostenblöcke dann mit aufnehmen.

    Ich weiß, ist nicht Thema des Threads. Finanzglück kann, wenn er möchte, die Daten auch für den Beginn eines neuen Threads missbrauchen.

    Achja, ca. 1500,-€ werden beiseite gepackt…also Sparquote bei 30%. Kommt jedoch das zweite Kind und Frau geht in Elternzeit, siehts um die Sparerei schlecht aus.

    LG
    Djerun

    1. Finde ich alles nachvollziehbar, teilweise sogar recht niedrig geschätzt. Berlin mag ja günstig sein aber 50 für Restaurant oder mal raus? Dann aber auch höchstens 1* Monat, oder? Kfz ist super günstig wenn die Versicherung für zwei Autos ist aber auch bei einem noch gut.
      Urlaub finde ich sehr niedrig angesetzt, kommt aber auch immer aufs Ziel an. Ausserdem seid ihr ja noch außerhalb der Ferien.
      Ansonsten ist es so, Kinder kosten Geld 😉 mehr Wohnraum, mehr Lebensmittel, mehr Kleidung, etc. Aber dafür unbezahlbar 🙂

      Ich finde es gut wie Du das verfügbare Einkommen nicht verballerst sondern zurück legst.

  19. Hallo Finanzglück,

    schön das du das Thema aufnimmst. Gerade mit der Ausgabenseite wird ja der Grundstein für Vermögensaufbau gelegt. Gern sende ich dir eine Email.

    @Mat: Du hast genau die richtigen Positionen angesprochen, bei denen ich bewusst eher zu optimistisch plane, da es sonst wohl eher Richtung 3.800,-€ pro Monat läuft. Und wenn ich da überlege, dass das die monatlichen Einnahmen vieler Familien bereits übersteigt (vor allem im ostdeutschen Raum), bekomm ich immer ein „ungutes Feeling“.

    Was mir bei einigen Vorredner gefällt ist, dass sie Freiheit auch mit dem Job verbinden. Genau das ist auch Freiheit, selbst planen zu können, zum Großteil eigenverantwortlich handeln ohne den schlecht gelaunten Chef im Nachbarbüro, der jede Farbkopie am Drucker misstrauisch beobachtet…!

    Greetz

  20. Hi Nico,

    Sehr schön beschrieben. Ich hatte zum Glück vor einiger Zeit auch die Erkenntnis, dass ich das mit dem Job nicht bis zur finanziellen Unabhängigkeit durchziehen muss. Mit einem finanziellen Polster von 5, 8 oder noch mehr Jahren kann ich auch „nein“ sagen und mich in Ruhe neu orientieren.

    Ich habe Ende letzten Jahres den Schritt tatsächlich gewagt und gekündigt. Ohne ein anderes Jobangebot oder auch nur die Aussicht darauf. Einfach weil ich von der Firma genug hatte, keine Aussicht auf Besserung im Sicht war und mir immer klarer wurde, wieviel vom Leben und von meiner Familie ich verpasse, wenn ich 40+ Stunden im Büro verbringe.

    Natürlich war es keine leichte Entscheidung und ich habe lange damit gerungen. Wir haben zwei kleine Kinder, das Haus ist noch nicht abgezahlt und mit Mitte 40 bin ich auch bei Headhuntern nicht mehr erste Wahl – besonders wenn ich mir erstmal eine längere Auszeit nehme. Denn genau das ist der Plan: Zeit mit den Kindern verbringen, solange sie noch Zeit mit mir verbringen wollen. Und dann – in ein paar Jahren, wenn aus Kindern Teenager geworden sind – sehen wir weiter…

    Die finanzielle Freiheit ist damit natürlich wieder in weite Ferne gerückt, aber für den Moment genieße ich das luxoriöse Leben ohne Anstellung und ohne finanzielle Sorgen.

    Viele Grüße,
    Dirk

  21. Moin,

    jetzt erst gesehen. Wunderbare Situationsbeschreibung, sehr gute Kommentare.

    Wenn ich da über mich nachdenke ist es ähnlich. Am 30.12.2009 Vermögenslos, keine Erbschaft, kein Lottogewinn, kein üppiges Gehalt, und trotzdem wird mein wirtschaftliches Gesamtvermögen im 1.Halbjahr 2017 die sechsstellige Schwelle überschreiten. Und trotzdem ist noch nie das Gefühl entstanden da fehlt etwas.

    Du hast mich auf den Gedanken gebracht, ja, ich bin durch das wie ich mit dem Vermögen umgehe heute schon wirtschaftlich unabhängig. Habe auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel, und so wie es sich entwickelt kann ich auch ohne Rente meinen heutigen Lebensstandard halten. Und auch ja, die einzige Schwierigkeit die ich sehe ist eine Kopfkrankheit (Demenz, Alzheimer, Unfall o.ä.). Schön dass das mal so klar ausgesprochen wurde.

    Danke, Gruß Jürgen

  22. Echt ein cooler Artikel, ich finde auch, dass Freiheit immer schon im eigenen Kopf anfängt. Und wenn wir mal ehrlich sind gibt es meistens nicht viel, das uns daran hindert, einfach nicht mehr arbeiten zu gehen Im worst case Szenario fahre ich halt einfach meinen Lebensstandard etwas runter und habe aber dafür mehr Zeit. Das alles geht natürlich nur, wenn man vorher auch schon die Sparquote hoch gehalten hat, so wie Ihr das macht. Sehr geil zu diesem Thema finde ich übrigens auch Mrmoneymustache.
    Liebe Grüße,
    Miss Money.

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