Freitagsfrage: Geld oder Leidenschaft?

Geld oder Leidenschaft

Willkommen zur Freitagsfrage!

Hier geht es wieder mal um Deine Meinung. Ich gebe eine kurze Einleitung zu einer konkreten Frage. Dann übernimmst Du die Show.

Heute wird es leidenschaftlich.

Darf ich vorstellen: Sarah

Letzte Woche erreichte mich eine Nachricht von Sarah, einer treuen Finanzglück-Leserin. Sie steht vor einer wegweisenden Lebensentscheidung. Dabei ist sie sich nicht sicher, wohin die Reise gehen soll.

Warum nicht die Finanzglück-Community um Rat fragen?

Vielleicht kannst Du ihr helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Auf einen Kapuziner in die Mozartstadt

Sarah ist Ende 20 und lebt mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern im gemütlichen, aber nicht ganz günstigen Wien.

Sarahs Schatzerl hat einen 8-4 Job mit dem er vollends zufrieden ist. Er bringt monatlich ca. 1.800 Euro netto nach Hause, bei 14 Gehältern im Jahr. Aus der Finanzplanung hält er sich raus. Das ist Sarahs Job in der Beziehung.

Und bei ihr ist es etwas verzwickter.

Sarah hat ihr Medizinstudium bereits vor einigen Jahren abgeschlossen, dann Kinder bekommen und ist derzeit in einem Krankenhaus in der Grundausbildung. Wenn diese vorbei ist, muss sie sich aussuchen, in welchem Gebiet sie ihren Facharzt machen möchte.

Gar keine einfache Entscheidung.

Immer wieder der Zaster…

Wenn es nach der Leidenschaft geht ist die Entscheidung klar:

Allgemeinmedizin!

Bei diesem Gedanken hüpft Sarahs Herz.

Daneben gibt es noch einige andere Fächer, die auch in Frage kommen könnten. Anästhesie, Augenheilkunde, Orthopädie oder Unfallchirurgie sind alle interessant. Letzteres ist aber aufgrund der familienunfreundlichen Dienstzeiten wohl keine Option.

Wo ist also der Haken an der Sache? Eigentlich steht der Allgemeinmedizin doch nichts im Weg.

Es ist die Kohle.

Alles eine Frage der Optionen

Das Einstiegsgehalt eines fertigen Allgemeinmediziners liegt deutlich unter den anderen oben genannten Fachrichtungen.

Konkrete Zahlen lassen sich wegen der Zulagen schwer vorhersagen, aber Sarah geht beim Einstieg als Allgemeinmedizinerin von einem Netto-Gehalt im Rahmen 2.800-2.900 Euro aus. Im Vergleich ginge es bei einer der anderen Fachrichtungen eher in die Richtung 3.500 Euro.

Und diese Schere wird im Laufe der Jahre weiter auseinandergehen – und damit auch maßgeblich die Pension beeinflussen.

Das niedrigere Gehalt als Allgemeinmedizinerin reicht immer noch gut zum Leben. Keine Frage. Aber die Sparrate – und damit der Vermögensaufbau – leidet. Und das nicht zu knapp.

Damit verbaut sich Sarah Optionen.

Zum Beispiel das Wunschziel, im Alter die Möglichkeit zu haben, aufzuhören wann sie will. Oder aber schon in der näheren Zukunft die Stunden zu reduzieren, um mehr Zeit für die Familie zu haben.

Beides ist mit einem niedrigeren Gehalt schwieriger.

Was also tun?

Was, wenn Sarah der Leidenschaft folgt und sich nach einigen Jahren herausstellt, dass die Allgemeinmedizin doch nicht so spannend ist?

Oder aber Sarah folgt dem Geld und wird vielleicht irgendwann bereuen, es nicht doch mit dem Herzensprojekt versucht zu haben.

Es ist ein klassischer Konflikt, den viele von uns schon erlebt haben.

Ich selber kenne ihn nur zu gut.

Geld oder Leidenschaft?

Was ist Dein Rat an Sarah?  

 

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21 Kommentare

  1. Meine Empfehlung: Geld

    Wir arbeiten des Geldes wegen. Um Spaß zu haben, gibt es Hobbies.

    Im Gegenzug bieten gut bezahlte Jobs die Möglichkeit, schon frühzeitig die Stunden anzupassen. Gerade bei Arztpraxen ist es nicht unüblich, dass diese nur 3-4 Stunden pro Tag geöffnet haben.

    Das wäre voll eine Perspektive.

  2. Hallo.
    Bin ebenfalls Mediziner, allerdings aus D und habe daher natürlich eher Einblick in den deutschen Gesundheitsmarkt. Was ich auf jeden Abfall in Betracht ziehen würde ist die berufliche Perspektive und die zu erwartende Konkurrenz, das richtige Geld sind schließlich nicht die ersten 3500€ sondern die 5000+ in Zukunft…
    Lg

    1. Hallo Dave!

      Eine Perspektive aus einem anderen Land wäre sehr interessant. Weißt du zufällig, was (zukünftige) Mangelfächer in Deutschland sind? Ist der Gehaltsunterschied in Deutschland zwischen Allgemeinmedizin und den anderen Fächern auch so groß? In Ö ist Allgemeinmedizin kein Facharzt.

      LG Sarah

      1. Ja der Unterschied ist auch in DE recht groß. Hier ist Allgemeinmedzin aber trotzdem ein Facharzt mit 5 Jahren Ausbildung. Augenheilkunde gehört hier aber mit Radiologie zu einem der best bezahltesten Fachärzten.

  3. Hi Sarah,
    ich kann mir dein Dilemma denken. Im Endeffekt wirst du eh selbst entscheiden müssen, wir können dir nur Perspektiven aufzeigen.

    Ich persönlich würde dem Herzen folgen und mich für die Allgemeinmedizin entscheiden. Warum?
    Nun mehr Geld und damit eine frühzeitige Reduzierung der Arbeitszeit oder Finanzielle Freiheit erreichst du sicherlich mit den anderen Fachrichtungen schneller, aber… Was dann? Nehmen wir mal an du gehst mit Anfang 50 in den „Ruhestand“ und ziehst dich aus dem Arbeitsleben zurück. Sicherlich gibt es dann andere Projekte, um die man sich kümmern könnte, aber welche?
    Gibt es da ein Haus, wo man sich dann um den Garten kümmern kann? Oder wird es dann jedes Jahr ein neues Reiseziel in der Welt geben??
    Und bis du das erreichst hast, schleppst du dich jeden Tag zur Arbeit, weil du es nur wegen dem Geld gemacht hast?

    Ich persönlich habe mich entschieden später irgendwann mit den Stunden runter zu gehen. Ich könnte nicht den ganzen Tag zuhause sitzen und (bisher) nichts tun. Aber das wird sich auch irgendwann mit einem Haus und Garten ändern xD.

    Meine Meinung wäre es also in Richtung Allgemeinmedizin zu gehen, da dir das selbst auch Freude bereitet. Du wirst damit schließlich noch einige Jahre verbringen ;).
    Vielleicht willst du auch in ein paar Jahren aus Wien wegziehen, aufs Land mit deinem Mann und dort deine eigene kleine Klinik aufmachen? Leuten helfen die nicht in die Stadt wollen, um zu einem Arzt zu gehen oder es vielleicht auch nicht mehr können.

    Zusammengefasst (ich schreibe nämlich oft unverständlich). Nehm die Allgemeinmedizin. Geld bekommt man immer (ob nun mehr oder weniger), aber eine Arbeit zu haben, wo du mit dem Herzen voll und ganz bei der Sache bist, ist nicht immer selbst verständlich ;).

    LG
    Micha

  4. Ich würde das noch genauer analysieren. Wieso genau hüpft bei Allgemeinmedizin Dein Herz? Woher weißt Du denn schon, wie da der Job nachher aussehen wird und ob er Dir gefällt oder nicht? Welche „Aspekte“ an der Allgemeinmedizin sind es, die Dich anziehen?

    Und dann überlegen: gibt es diese Aspekte nicht auch in den anderen Bereichen?

    Ich kann leider nicht konkreter werden, weil ich mich in dem Berufsfeld nicht auskenne. Ich habe nur die Erfahrung gemacht, dass ein eigentlich total doofer Job total Spaß machen kann, weil man lauter tolle, lustige Kollegen hat und der Arbeitsplatz klimatisiert ist (z.B. War ein Job an der Tanke, mit Klo putzen etc.. Ich habe den Arbeitsplatz dort geliebt….). Und ich hatte auch schon einen gut bezahlten Job in meiner Ausbildung (damals bei einer Bank), bei dem ich nach einem halben Jahr so schlimme körperliche Symptome hatte, dass ich krank wurde und am Ende kündigen musste…

    Man weiß doch im Voraus gar nicht so richtig, was einen „erwartet“, oder?

  5. Ich würde mich für Leidenschaft entscheiden. Ich denke, Sarah kann ihr Ziel auch mit dem Gehalt der Allgemeinmedizin erreichen. Ansonsten hinterfrage ich gerade den Sinn der FU sowieso … mit 50,60,70 muss man sich doch trotzdem mit etwas beschäftigen. Was mich zum Nachdenken bringt, ist, dass Warren Buffett als einer der reichsten Menschen mit ca. 85 trotzdem noch arbeitet. Von daher würde ich mich eher daran orientieren, was man gerne macht und sich vorstellen könnte, sehr lange auszuüben.

  6. Mit Kindern ist es leichter, wenn man Teilzeitarbeiten kann, sprich: Man kann z.B. in eine Gemeinschaftspraxis. Manchmal kann man gar nicht ganz einschätzen, ob der Beruf einem Spaß macht. Es kommt auf die Kollegen und die Patienten an. Sarah sollte sich von Kollegen also mal ihren Arbeitsalltag anhören. Patienten, die wegen Wehwehchen zu ihr kommen: „Oh, nein, mein Kind hat Durchfall“, einen mit einem Therapeuten verwechseln „Ach, wissen Sie, mein Sohn hat letztens wieder..“ oder Krankenkassen, mit denen man sich rumärgert. Jede Leidenschaft wird nämlich ruiniert, wenn die Rahmenbedingungen nicht passen. Zwischen den restlichen Optionen kann man dann nach Interesse wählen. Geld ist bei der Gehaltsklasse recht nachrangig. Zumindest habe ich mich bisher für die Leidenschaft entschieden. Lieber arbeite ich 30 tolle Jahre als 20 miese.

    1. Hallo Ex-Studentin!

      Kannst du mir genauer erklären, was du mit dem Satz „Geld ist bei der Gehaltsklasse recht nachrangig. “ meinst?

      LG Sarah

      1. Huhu, damit meine ich, dass 500 Euro mehr oder weniger im Monat nicht viel ausmachen, da ihr ein hohes Haushaltseinkommen habt und somit keine Geldprobleme haben werdet. Als Arzt darf man zudem nicht vergessen, das Gerätschaften immer teurer werden. Am besten ist also eine Praxis, bei der man nicht viel braucht. Geräte sind heutzutage sehr teuer und schneller veraltet als man sie abbezahlen kann.

  7. Hallo Niko,

    Das ist ja mal wieder eine tolle Frage, ich bin immer wieder überrascht. Du findest immer wieder neue tiefgreifende Themen.

    Liebe Sarah

    meine eventuelle zukünftige Schwiegertochter studiert Medizin. Wir diskutieren hier also immer mal wieder die Vereinbarkeit von Job und zukünftigem Kinderwunsch. Ich bin also drin in deinem Probelm.

    Gestartet ist sie mit dem Ziel der Augenheilkunde, dazwischen lagen viele Fachbereiche, die mit fortschreitenden Studium auch interessant wurden. Ihren Doktor schreibt sie aktuell im Bereich Gynäkologie.

    Was ich aber aus all diesen Diskussionen mitgenommen habe, ist das ausgerechnet der Bereich der Allgemeinmedizin am wenigsten mit dem Job als Mutter zu vereinbaren ist. In allen andern Fachrichtungen kann man auch gut Teilzeit arbeiten, doch ausgerechnet der Bereich der Allgemeinmedizin ist ein knochenharter Fulltime Job um überhaupt auf dieses Gehalt zu kommen. In Österreich kann dies durchaus anders sein, dann mach deine Herzensache. Aber bedenke, wenn es nicht so ist, du hast Kinder und auf die solltest du auch ein wenig Rücksicht nehmen, da sie wohl noch klein sind. Die Scheidungsraten ist auch sehr groß, auch das solltest du auch immer einkalkulieren. Du solltest als alleinerziehende Mum genügend Geld in kurzer Zeit verdienen können. Von deinen Vorschlägen gefallen mir unter Berücksichtigung der beiden Punkte die Augenheilkunde und die Orthopädie am besten, vorausgesetzt du kannst dir vorstellen auch damit Glücklich zu werden.

    Allgemeinmediziner sind leider oder gerade auch oft Therapeuten. Mein Arzt beklagt sich oft über die quasselnden Omis und penetranten Opis in seiner Praxis. Die oft nur kommen um jemanden zum Reden zu haben, weil die Familie an dieser Stelle versagt.

    Eine Pro- und Contraliste und eventuelle Praktika oder eine Famulatur in den Bereichen helfen dir vielleicht bei der Wahl.

    Take care,

    June

    1. Ich bin kurz vor Ende meines Medizinstudiums und muss leider widersprechen.
      Allgemeinmedizin ist meines erachtens recht Kinderfreundlich. Die Praxisöffnungszeiten kann man sich seber aussuchen, wenn man eine Gemeinschaftspraxis aufmacht, kann man sich die Zeit noch besser einteilen.
      Orthopädie, genauso wie Chirurgie sind hingegen nicht kinderfreundlich (zumindest in DE). orthopädie ist ein Goldesel, man kann unendlich viel Kohle verdienen, muss dementsprechend aber auch richtig viel arbeiten. Da ist nichts mit Kindergartenzeiten. Wenn die OP 9 h dauert und ich mein Kind vor 2 h hätte abholen müssen, kann ich die OP nicht unterbrechen und aufhören…. Bis man eine eigene Praxis aufmachen kann, muss man auch 5-7 Jahre Facharzt machen, macht man das in Teilzeit dauert es dementsprechend länger.
      Augenheilkunde kann beides sein, will man später interessante OPs machen, ist man gezwungen lange an einer guten Klinik zu sein, will man nur schnell in die eigene Praxis, geht das nach dem Facharzt auch.
      Am kinderfreundlichsten ist momentan Anästhesie, da kann man sich auch während einer OP abwechseln. Will man aber Notarztfahren hat man je nach Krankenhaus auch wieder unterschiedlieh BEdingungen.
      Aber gerade in diesen Bereichen wird sich viel ändern müssen, da 70% der Studenten Frauen sind und die noch die Kinder gebären müssen…

      1. In Österreich kommt es bei Allgemeinmedizin auf die Arbeit an. Eine Ordination am Land (und Österreich hat viel Land) ist ein Knochenjob, wo man rund um die Uhr bereit stehen muss. In Ballungsräumen ist das deutlich besser.

        Anästhesie ist tatsächlich das kinderfreundlichste Fach von meinen Favoriten. Abgesehen von den Nachtdiensten geht man nach dem Planprogramm nach Hause.

  8. Also erst einmal würde ich nichts aufs Einstiegsgehalt geben. Entscheidend ist, was man über die Lebenszeit bezahlt. Oft ist bei Jobs mit hohem Einstiegsgehalt auch schnell die Luft raus. Ob da hier der Fall ist, kann ich schlecht sagen.

    Die andere Seite ist die, dass man sich seine Leidenschaft meistens ganz anders vorstellt als es dann letztendlich ist. Umgekehrt kann ein Job, den man sich vielleicht gar nicht vorstellen konnte, doch ziemlich viel Spaß macht. Die zweite Wahl kann sich bei näheren hinsehen vielleicht doch als die bessere Lösung herausstellen. Zumal sich Leidenschaften über die Jahre auch leicht ändern können. Eine wichtige Frage ist dabei aber auch: Wenn es mir doch überhaupt nicht gefällt – wie gut kann ich in eine andere Tätigkeit wechseln? Wenn sich eine Wahl als Sackgasse herausstellt, würde ich lieber etwas wählen, bei dem man vielleicht mehr Optionen offen hat.

    Die Frage geht für mich also über „Geld oder Herz“ hinaus.

  9. Hallo Sarah,

    auch ich möchte jetzt gerne noch meinen Senf dazugeben. Ein Wort der Warnung schieße ich direkt mal voraus: Die Arbeit als Medizinerin ist mir so fremd wie dem Vegetarier der Mett-Igel. Es ist also ein Rat allgemeiner Natur.

    Lass uns das Problem mal ganz banal betrachten.

    Wenn Du Dich jetzt für die Allgemeinmedizin entscheidest, dann sicherst Du Dir mit 100%iger Wahrscheinlichkeit ein niedrigeres Einkommen – und beschneidest damit Deine Optionen. Dinge die Dich (wahrscheinlich) glücklicher machen würden, wie Teilzeit, werden schwieriger.

    Das nimmst Du in Kauf, weil Du davon ausgehst, dass Dich die Arbeit in der Allgemeinmedizin glücklicher machen wird. Aber stimmt das auch? Vielleicht ja, vielleicht nein. Glück im Job hängt von so vielen Variablen ab. Ursula nennt oben einige. June gibt noch ein paar Warnungen mit auf den Weg.

    Du hast wahrscheinlich während Deiner Ausbildung ein paar Monate, wenn überhaupt, in den einzelnen Bereichen gearbeitet. Das reicht wohl noch nicht aus, um Dir ein wirkliches Bild zu machen.

    Wenn Du irgendwann im hochbezahlten Fachbereich merkst, dass es keinen Spaß macht, dann ist es bitter. Aber Dein finanzielles Polster (das Du dann hoffentlich auch aufbaust, statt den Konsum hochzufahren) gibt Dir viele Möglichkeiten Dich anderweitig zu entwickeln. Autorin, Life-Coach, Cup-Cake Lädchen, Bloggerin! Mit einem finanziellen Polster lassen sich viele Träume erfüllen… und finanzieren.

    Solltest Du aber nach 10 Jahren in der Allgemeinmedizin merken, dass es wirklich nicht Dein Ding ist, dann hast Du einen miesen Job und Ebbe auf dem Konto.

    Solltest Du Dir also sicher sein, dass Allgemeinmedizin absolut Dein Ding ist, dann ab dafür. Gibt es Zweifel – oder springt Dein Herz vielleicht auch ein bisschen für andere Fachbereiche – dann solltest Du Dich vielleicht doch anders entscheiden.

    Keine einfache Entscheidung!

    Alles Gute, Nico

    PS: Lass uns bitte irgendwann wissen wie Du Dich entschieden hast 🙂

  10. Hallo!

    Danke für eure Antworten! Ich möchte auf folgendes näher eingehen:

    -) Ich habe alle Fächer, die in Frage kommen, näher betrachtet und viel Zeit damit verbracht. Ich habe in allen Fächern zumindest mehrere Monate verbracht, in der Allgemeinmedizin summiert es sich sogar auf Jahre. Leider ist das, was mir so gut gefällt, in keiner anderen Richtung vertreten. Ich hab da heute sehr lange darüber nachgedacht und Parallelen gesucht. Ich werde aber noch Kollegen fragen.

    -) Ich kann leider zu der weiteren Gehaltsentwicklung nichts sagen. Deutlich ranghöhere Ärzte haben mir bisher leider keinen Einblick in ihr Gehalt gegeben und die, mit denen ich befreundet bin, sind meist in meiner Altersklasse und damit in meinem Gehaltsschema. Leider wird das in Österreich auch ziemlich totgeschwiegen. Deshalb kann ich nur die offiziellen Einstiegszahlen nennen und die Gehälter der Jungärzte.
    Von Ordinationsärzten hört man zwar, dass sie 200 000 € im Jahr verdienen, davon muss aber Miete, Gehalt der Mitarbeiter, medizinische Geräte, Betriebskosten und ähnliches bezahlt werden, womit man auch nicht mehr auf das tatsächliche Gehalt schließen kann.

    Ihr habt mir ein paar Punkte gegeben, über die ich noch nachdenken muss. Vor allem den Kinder-Punkt muss ich bei meiner Wahl noch stärker berücksichtigen als ich es bisher getan habe, das ist mir dank eurer Kommentare bewusst geworden.

    LG Sarah

  11. Hallo Sarah,

    erstmal vorweg: Meine Erfahrung mit der Medizin beschränkt sich auf die andere Seite der Theke – oder des Messers, je nachdem 😉

    Meine Entscheidung in deinem Fall wäre aber ganz klar: Mach das, woran du Spaß hast, wo dein Herz höher schlägt. Dass diese Variante auch noch die ist, mit der man das Familienleben und die Hobbys am besten ausleben kann: Umso besser!

    Wieso? Ich versuche kurz meine Sicht zu erklären: Du hast nicht Geschichte studiert – auch nicht Archäologie oder Soziologie sondern Medizin. Da du dieses Studium offenbar auch erfolgreich gemeistert hast gehörst du gehaltstechnisch eh (egal was du machst) eher zu den Previligierten. Du wirst keinen Hunger leiden, du wirst immer gut leben – du wirst auch immer im Arbeitsleben gebraucht werden, selbst wenn du mal Mitte 50 bist.
    Ich habe für mich mal den Begriff des Qualitätsgeldes eingeführt. Was das ist? Nehmen wir an Person A verdient 1500€ und Person B 2000€ netto. Objektiv verdient Person B nur 1/4 mehr. Aber wieso fühlt sich Person B so viel entspannter und wohlhabender an? Das ist einfach: Sie hat mehr Qualitätsgeld zur Verfügung. Nehmen wir an beiden haben Fixkosten von 1200€. Die sind weg – für Miete, Auto, Versicherungen und Lebensmittel. Zur freien Verfügung hat A dann noch 300€ während B 800€ hat – zum Leben, Ausgehen, für Hobbys, Klamotten oder schlicht zum Anlegen und Vorsorgen. Der Verdienst an frei verfügbarem Geld ist also sogar fast 3 mal so hoch…
    Was dabei spannend ist: Ab einem gewissen Level ists egal – das ist auch das was ExStudentin meint: Ihr habt dann ein Familiennetto von 5000€. Der Anteil an Qualitätsgeld ist wahrscheinlich (je nach Lebensstandard) hoch. 500€ mehr oder weniger fühlen sich dann recht irrelevant an, was natürlich nicht heißt, dass man diese nicht mitnehmen kann. Aber im Vergleich zu „Traumjob“ „Herzensangelegenheit“ „persönlicher Freiheit“ „Familienglück“ ist es meiner Meinung nach schlicht in der schlechteren Position…

    LG, Christian

    1. Qualitätsgeld ist ja ein spannender Begriff. Der spukt jetzt in meinem Kopf herum. Ich werde nochmal herumrechnen, wie viel Geld wir brauchen und wie viel bei schlechter und besser bezahlter Arbeit zur freien Verfügung steht nach Abzug der Fixkosten.

      1. Außerdem werde ich mir nochmal ansehen, wie welcher Beruf mit Familienzeit/Hobbys vereinbar ist, wie du im zweiten Absatz geschrieben hast.

        LG Sarah

  12. Hallo!

    Vielen Dank nochmal für eure Antworten! Mir ist dank euch aufgefallen, dass ich viel zu fixiert bin auf diesen in meinen Augen sehr ungerechten Gehaltsunterschied.

    Ich werde mir das „Qualitätsgeld“ ausrechnen und sehen wie wir hinkommen damit.
    Außerdem werde ich mir nochmals die Standardarbeitszeiten ansehen und schauen, welche am besten mit den Kindern vereinbar sind, auch in Kombination damit, in welchem Job ich Stunden reduzieren kann.
    Zusätzlich werde ich auch schauen, welche Wahlmöglichkeit ich innerhalb des Berufes habe. Anästhesie ist zum Beispiel ein sehr eingeschränktes Fach. Ich werde aber nochmal recherchieren, ob mir da ein Teilbereichsfeld entgangen ist.

    Ich hab also noch so einiges zu tun 🙂 Vielleicht mache ich auch diese berühmte Pro-Contra-Liste.

    @Nico: Ich hoffe, meine Ausgaben bleiben weiterhin auf Studentenniveau. Ganz so niedrig werde ich sie nicht halten können, aber ungefähr ist schon mein Ziel 🙂

    @FU: Ich kann mich in meiner freien Zeit schon sehr gut selbst beschäftigen und brauche dafür keine Arbeit. Nie werde ich meine tollen Ferienzeiten als Studentin vergessen, da hatte ich monatelang „nichts zu tun“. Aktuell liebe ich die Medizin und möchte arbeiten. Aber wer weiß, wie es sich in Zukunft entwickelt.

    LG Sarah

    1. Hallo Sarah,

      mich juckt es schon seit dem ersten Kommentar in den Fingern, und jetzt kann ich nicht anders, als dir zu schreiben.

      Ich bin selbst erst ganz am Anfang auf meinem, sicherlich noch langen und steinigen Weg zur finanziellen Unabhängigkeit. Und ich habe mich dabei schon sehr sehr oft für die Vernunft entschieden, und hab es selten bereut. Den Geld ist nunmal wichtig und der Spruch „Geld macht nicht glücklich“ in meinen Augen nur bedingt wahr. Das sage ich, damit klar ist, dass ich kein weltfremder Idealist bin.

      Was ich aber in dieser Diskussion hier vermisse, und gerade, weil dein zukünftiges Gehalt eh auf einem guten Niveau liegen wird, schon sehr zynisch finde, dass NIEMAND meiner Vorredner den Aspekt angesprochen hat: der „menschliche“ Aspekt. Du wirst jeden Tag mit Menschen zu tun haben. Mit Menschen, die sich in – kleinen oder großen – Notsituationen befinden. Und da finde ich, ist es deine Pflicht, dich so zu entscheiden, wie du meinst, dass du für diese Menschen am meisten erreichen kannst. (Stichwort Hippokratischer Eid.) Es klingt so, als wäre die einzige Motivation, dich für die eine oder andere Fachrichtung zu entscheiden, das Geld ist. Und das finde ich, ehrlich gesagt, falsch. Wie bereits gesagt, du wirst sowieso gut verdienen. Und sicher, man kann nicht vorhersehen, ob deine Lieblingsfachrichtung in Zukunft noch die gleiche sein wird. Aber wenn man sich wirklich für etwas interessiert, dann bleibt es auch spannend. Und auch in der Medizin gibt es (zum Beispiel durch den Wechsel vom Krankenhaus in eine eigene Praxis, oder in die Wirtschaft! Keiner muss ewig Arzt bleiben, wenn er neue Herausforderungen sucht!) genügend Möglichkeiten, damit es spannend bleibt. Daher mein Appell an dich, diesen „weichen“ Faktor auch mit zu berücksichtigen. Geld ist sehr sehr viel. Aber nicht alles 😉

      Viele Grüße und viel Erfolg bei deinem weiteren Weg!
      Lena

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