Lieber Fondsmanager, ich verlasse Dich!

Dies ist Teil 6 der Aktienmarktserie

Lieber Fondsmanager,

Ich verlasse Dich!

Bitte verstehe mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen Dich persönlich. Aber ich mag nicht, wie Du mit meinem Geld umgehst.

Du hattest früher mein vollstes Vertrauen. Ich glaubte an Dich und gab Dir all mein Erspartes. Du solltest es für mich in den Aktienmarkt investieren und vermehren. So hattest Du es mir versprochen.

Ein Profi für Geldanlagen?

Es schien durchaus logisch, Dir das Geld anzuvertrauen. Du bist schlauer als ich. Hast an einer guten Universität studiert. Mit Auszeichnung Deinen Abschluss gemacht. Tagein tagaus beschäftigst Du Dich mit Unternehmenszahlen und saugst aktuelle Informationen förmlich auf. Dir arbeitet ein Heer von Analysten zu, denen aber auch wirklich nichts entgeht. Kurz um, Du bist einfach viel besser qualifiziert als ich, die richtigen Aktien auszuwählen. Dafür investierst Du die Zeit, die ich nicht habe.

Wenn ich ein Haus bauen möchte, dann hole ich mir Hilfe von einem Architekten. Wenn meine Heizung kaputt ist, lasse ich einen Installateur kommen. Mein kaputtes Auto bringe ich in die Werkstatt. Warum? Weil die Profis den Job viel besser und schneller machen können, als wenn ich es versuchen würde.

Du bist ein Profi für das Thema Geldanlage. Deshalb durftest Du mein Geld investieren.

Dein Freund, der Bankberater

Dafür lässt Du Dich gut entlohnen. Beim Kauf Deines Fonds zahlte ich meist 5% Ausgabeaufschlag, manchmal auch etwas weniger. Die Verwaltungsgebühren lagen immer über 1% pro Jahr. Aber ich hatte das Geld in Dich investiert, weil ich glaubte, Du würdest durch Deine Auswahl der Aktien diese Kosten locker wieder reinholen.

So hatte es mir Dein Freund, der Bankberater, erzählt. Er zeigte mir viele bunte Schaubilder, auf denen Deine vergangene Performance zu sehen war. Bei den gezeigten Beispielen, hattest Du Deinen Vergleichsindex immer locker geschlagen! So etwas konnte ich auf keinen Fall selber schaffen. Ich habe nicht Deinen Instinkt, die Gewinner von den Verlierern zu unterscheiden.

Aber irgendwie sah die Realität bei mir im Portfolio anders aus. Das Geld vermehrte sich nicht so, wie ich es erhofft hatte.

Mein Bankberater bat umgehend Hilfe an, und empfahl, mein Portfolio umzuschichten. Die laufenden Fonds zu verkaufen und in Deine neuesten Top Fonds zu investieren. Die hatten noch aufregendere Namen als die alten. Doch auch dies half nicht, die Rendite meines Portfolios zu verbessern. Im Gegenteil, zu den immer noch hohen Ausgabeaufschlägen und Verwaltungskosten kamen jetzt auch noch Transaktionskosten hinzu.

Kleinvieh macht auch Mist

Ich habe mich schließlich selber hingesetzt und nachgerechnet. Was bedeuten diese Kosten denn überhaupt für mich, bzw. mein Erspartes? Bei 500 Euro monatlicher Sparsumme und angenommener 5% Nachsteuerrendite kommen nach 40 Jahren stolze 767.000 Euro zusammen. Wenn ich allerdings jeweils die 5% Ausgabeaufschlag und die 1,5% jährliche Gebühr abziehe, dann sind es nur 504.000 Euro.

Das musste ich erst mal sitzen lassen. Deine Gebühren und Ausgabeaufschläge haben solch einen großen Einfluss? Trotz dieser vermeintlich harmlosen Gebühren zahle ich Dir letztendlich ein ganzes Drittel meiner Ersparnisse aus?

Nun sagst Du ja, dass Deine Performance dies locker wieder ausgleicht, indem Du einfach eine höhere Rendite erwirtschaftest. Du wählst die Aktien geschickter aus und bist besser als der Durchschnitt. Ob das mal so stimmt? Ich habe mich auf die Suche gemacht, um dazu Zahlen zu finden, die es entweder bestätigen oder widerlegen. Wie sich herausgestellt hat, gibt es viele Studien, die regelmäßig beweisen, dass aktive Fondsmanager wie Du, nach Kosten, ihren Vergleichsindex nicht schlagen können.

Fondsmanager sind unterdurchschnittlich

Der prominenteste Anbieter ist wohl S&P Dow Jones Indices. Im letzten Report zum Thema „active vs. passive“ werden akribisch die Vergleiche zwischen Fondsmanagern und den Indices aufgearbeitet. Die Resultate sind erschreckend:

  • Beim S&P 500 hatten 2014 über 86% der Fondsmanager den Index nicht schlagen können. Über 5- bzw. 10-Jahreszeiträume waren es 89% bzw. 82%.
  • Die katastrophale Performance zieht sich durch die verschiedenen Fondsklassen. Bei Growth Aktien haben 96% (!) der Manager schlechter abgeschlossen als der Durchschnitt in 2014 – um die 90% für längere Zeiträume.
  • Generell hat langfristig bei fast allen Fondsklassen über 90% der Manager eine schlechtere Performance als der Index, das gilt auch z.B. für Emerging Markets Fonds.

Es schaffen also die wenigsten Fondsmanager den Index zu schlagen und schneiden daher unterdurchschnittlich ab. Was es allerdings noch schlimmer macht, ist die Tatsache, dass diejenigen, die den Index dann doch mal schlagen, jedes Jahr zu wechseln scheinen. Beim Thema Geldanlage ist es eben nicht so, dass der Profi den Job besser macht.

Um es kurz zu fassen: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Du mir über einen längeren Zeitraum einen Ertrag über dem Durchschnitt liefern kannst. Die Zahlen belegen dies spektakulär.

Ändere Deine Gebührenstruktur!

Das liegt an Deinen hohen Kosten, die Du nicht durch eine bessere Performance wieder reinholen kannst. Du könntest dem entgegenwirken, indem Du Deine Kosten senken würdest. Warum wird eine prozentuale Gebühr genommen, egal wie groß das Fondsvolumen ist? Du gibst die niedrigeren Fixkosten nicht an den Anleger weiter sondern behältst sie als Profit. Die Gebühren sollten abnehmen, je größer der Fonds wird. Warum bestehst Du auf die hohen Ausgabeaufschläge? Damit entlohnst Du größtenteils Deinen Freund, den Bankverkäufer. Biete mir lieber Deinen Fonds direkt an, ohne diese Kosten.

Da Du nicht gewillt bist, Deine hohen Kosten zu reduzieren, lässt Du mir keine andere Wahl. Ich beende meine Beziehung zu Dir. Ich nehme meine Geldanlage jetzt selber in die Hand.

Der Durchschnitt reicht vollkommen aus

Wenn ich den Durchschnitt schon nicht schlagen kann, dann will ich ihm wenigstens so nah wie möglich kommen.

Ich habe mein komplettes Portfolio in günstige Indexfonds umgeschichtet. Der Markt von Aktien-ETFs wächst seit Jahren rasant. Die Auswahl der Fonds wird größer und die Anbieter zahlreicher. Es besteht ein gesunder Wettbewerb. Die Kosten sinken eher, als dass sie steigen.

Statt 5% Ausgabeaufschlags zahle ich jetzt gar keinen mehr. Statt 1,5% Verwaltungsgebühr zahle ich jetzt unter 0,5%. So kann ich über die vielen kommenden Jahre optimal mein Vermögen aufbauen.

Time to say goodbye

Lieber Fondsmanager, ich werde die Zeit mit Dir nicht missen. Du hast mich allerdings auch eine wichtige Lektion gelehrt. Egal um welches Finanzprodukt es sich handelt, ich hinterfrage heute immer zuerst kritisch die Struktur und die Kosten. Das nehme ich aus unserer Beziehung mit. Intransparente und teure Produkte vermeide ich. Einfach und günstig muss es sein. So sollte es später keine bösen Überraschungen geben.

Abschließend möchte ich Dir noch alles Gute für die Zukunft wünschen. Es wird für Dich, und Deinen Freund den Bankberater, nicht einfacher werden. Eure Kunden informieren sich mit steigender Tendenz selber über ihre Finanzen, häufig auch auf zahlreichen und qualitativ hochwertigen Finanzblogs. Ihr bringt Euch mit Euren bisherigen (Kosten-) Strukturen selbst ins Abseits. Irgendwann werdet Ihr realisieren, dass Ihr so nicht mehr gebraucht werdet. Die meisten von Euch können dann von einem Algorithmus ersetzt werden. Dein Beruf des Fondsmanagers wird nicht aussterben, aber es wird zu einer Konsolidierung kommen. Die besten werden überleben. Du wirst dann allerdings nicht mehr dabei sein.

Alles Gute,

Dein Anleger

 

Lässt Du Deine Fonds aktiv verwalten? Was ist Deine Meinung zu Bankberatern/Bankverkäufern? Teile Deine Meinung mit mir in den Kommentaren unten.

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4 Kommentare

  1. Hallo Nico!

    Dein Beitrag gefällt mir wirklich sehr gut. Besonders der Monolog am Anfang ist dir besondrs toll gelungen.

    Du klärst über den schlimmsten finanziellen Fehler auf, den man machen kann: sein Geld jemanden anderen zu vertrauen.

    Meiner Meinung nach ist das wichtigste finanzielle Bildung. Nur durch das nötige Wissen, kann man sich selbst um sein Geld kümmern. „Einen kann nichts negativ beeinflussen, über das man viel weiß.“ (Alex Fischer)

    MFG Philipp

    1. Hallo Philipp,

      ich glaube auch, dass man immer zuerst versuchen sollte, sein Geld selbst anzulegen. Es muss ja gar nicht so kompliziert sein. Einen ETF zu kaufen ist genauso einfach, wie einen aktiv verwalteten Fonds zu kaufen.

      Wenn jemand Hilfe braucht, dann lieber einen Berater pro Stunde bezahlen (und Transparenz schaffen) als einem provisionsgesteuerten Verkäufer ausgeliefert sein.

      VG, nico

  2. Naja, so ganz korrekt ist das ja nicht:

    – Aktive Fonds kann man problemlos seit vielen Jahren ohne Bank-„Berater“ kaufen
    – Aktive Fonds kann man problemlos seit vielen Jahren ohne Ausgabeaufschlag kaufen
    – Aktive Fonds kann man problemlos seit vielen Jahren komplett ohne Depot- oder Kauf/Verkauf/Umschichtungs-Gebühren kaufen
    – der Ausgabeaufschlag ist nichts, worauf die Fondgesellschaft „bestehen“ würde (von wenigen Ausnahmen abgesehen). Und auch nichts, was die Fondsgesellschaft an die Bank „weitergibt“. Der AA wird von der Bank erhoben, die Fondsgesellschaft nennt nur das Maximum, z.B. 5%.
    – prozentuale Gebühren werden auch bei ETFs genommen, unabhängig vom Depotvolumen

    Der finanzielle Nachteil aktiver Fonds sieht natürlich imposanter aus, wenn man so tut, als wäre der Ausgabeaufschlag eine unvermeidliche Zwangsgebühr …

    Letztlich kommt es doch darauf an, welche Ziele man hat und welche Strategie man verfolgt. Ich setze auf hohe monatliche und vierteljährliche Ausschüttungen, Fondsdomizil Deutschland oder Luxemburg und Fondsschwerpunkt Blue-Chips aus Europa, Asien und USA. Da hab ich im ETF-Bereich nichts gefunden, was meine aktiven Fonds ersetzen könnte.

    ETFs kann man natürlich besser finden als aktive Fonds, aber man sollte bei der Argumentation schon ehrlich bleiben. 😉

  3. Hi Nico,
    toller Beitrag.
    Meine Überlegungen gehen derzeit in die andere Richtung: Ich habe immer in ETFs und Einzelwerte investiert und überlege das erste Mal in einen aktiv-gemanagten Fonds zu investieren. Die Vorteile des passiven Investierens hast du hier deutlich gemacht.
    Das große Problem ergibt sich aus meiner Sicht daraus, dass zu viele Leute passiv investierten (und auf Basis der ETF-Zuflüsse, kann man das schliessen) und diese Leute dazu noch prozyklisch sind. Dann wird die nächste Krise vor allem Index-Fonds treffen. Aktives Portfolio-Management wird es dagegen leichter haben.
    Des Weiteren ist problematisch, von dir wunderbar dargelegt, Bankberater und ihr Umschichten. Solange sie auf Provisionsbasis arbeiten, werden sie einen nicht gut beraten können. Aus dem Grund sollte man sich selber Gedanken machen, was einen guten Fonds ausmacht. Ich habe das versucht: Was sind die Voraussetzungen für einen guten aktiv gemanagten Fonds?
    Vielleicht hast du dazu auch noch ein paar kluge Inputs für mich.
    BG, Till

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