Wo ist mein Flow?

Verdammt! Wo ist er denn? Überall habe schon nach ihm gesucht.

Unter dem Bett? Nur Staub.

Im Keller? Viel Gerümpel.

In Heiermann’s Kleiderschrank? Ganz viele süße Söckchen.

Immer noch keine Spur. Dabei brauche ich ihn. Ich kriege einfach nichts mehr auf die Reihe. Ich muss endlich wieder vorankommen.

Wonach ich suche? Na, ist das nicht offensichtlich?

Nach meinem Flow!

Plauze dick, Birne leer

Vor ein paar Wochen hatte ich ihn verloren. Ich kann mich noch genau daran erinnern. Es fing alles damit an, dass es beruflich bei mir hoch her ging und ich viel auf Reisen war. Da kam einerseits der Sport zu kurz – kein tägliches Radfahren mit meiner liebsten Art Geld zu sparen – und andererseits wurde die Kalorienzufuhr massiv hochgefahren. Auf Dienstreisen schaffe ich es nie, mich auch nur einigermaßen gesund zu ernähren.

Mit meinem Fitnesslevel ging es also rapide bergab. Und das zieht bei mir auch immer eine geistige Verelendung nach sich. Ist schon verblüffend. Sobald die körperliche Energie nachlässt, macht auch der Kopf schlapp. Ich kriege meinen Hintern einfach nicht mehr hoch – in jeglicher Art.

In den letzten Wochen habe ich jede Ausrede genutzt, um mich bloß nicht über das Nötige hinaus anzustrengen. Ich habe mein Fitnesstraining schleifen lassen, bin kaum joggen gegangen und war dankbar, wenn ich mal nicht mit dem Fahrrad fahren musste. Statt mit Heiermann rumzutoben, habe ich ihm auf der Couch liegend beim Spielen zugeschaut.

Ostern passte da sehr gut rein. Noch mehr essen, noch weniger Sport und – vor allem –nichts, was mich geistig beansprucht oder irgendeine Art von Eigeninitiative benötigt.

Finanzglück macht Pause

Dies hieß vor allem erst mal Finanzglück für eine Woche ruhen zu lassen. Kein Bloggen. Kein Newsletter. Keine Emails oder Kommentare beantworten (bis auf wenige Ausnahmen). Einfach mal den Kopf abschalten. Blog-Detox.

Die „kreative Pause“ habe ich dann nach Ostern direkt noch mal verlängert, weil ich mich einfach nicht aufraffen konnte. Wird schon keiner merken, wenn ich mal länger keinen Beitrag online stelle, oder?

Das klingt erst mal gar nicht so falsch. Erholung muss auch mal sein. Nur mit einem hatte ich nicht gerechnet.

Ich habe dabei meinen Flow verloren.

Das ist ärgerlich. Sehr ärgerlich sogar.

Was ist denn überhaupt ein Flow?

Der Begriff vom Flow kommt aus der Psychologie und Glücksforschung und beschreibt einen mentalen Zustand. Mihály Csíkszentmihályi – die Reinkarnation eines alten Seebären – gilt als besonderer Fuchs auf diesem Gebiet. Er hatte Mitte der 70er den Standardschinken „Beyond Boredom and Anxiety: Experiencing Flow in Work and Play“ verfasst, auf den viele weitere Forschungen auf diesem Gebiet aufbauen.

Eine eindeutige Definition vom Flow gibt es nicht. Es ist eine Art Trancezustand, in dem Du voll konzentriert bist. Bei dem Du ein Gefühl der Kontrolle hast und es schaffst, Anforderungen und Fähigkeiten in Einklang zu bringen. Mühelos kriegst Du Sachen gebacken, die Du so normalerweise nicht auf die Reihe  bekommen würdest. Dabei bist Du weder überfordert noch unterfordert. Du bist wie in einem Rausch. Alles läuft wie am Schnürchen. Du bist fokussiert und lässt Dich durch nichts ablenken. Das kann dann bis zu einem Zustand ausgeprägten Glücks reichen.

Kurzum: Du bist im Flow.

Flow ist nicht gleich Flow

Für mich ist mein Flow allerdings etwas anderes. Es ist kein zeitlich begrenzter Trance-Zustand, in dem ich alles andere abschalte und mich nur noch auf eine Sache fokussiere.

Mein Flow ist ein dauerhafter, zeitlich unbegrenzter, Zustand großer Produktivität. Dabei schaffe ich es sowohl körperlich als auch geistig Vollgas zu geben. Ich stoße Sachen pro-aktiv an statt sie nur reagierend abzuarbeiten. Aktivität statt Passivität.

Wenn ich im Flow bin, fühle ich mich pudelwohl – geistig und körperlich topfit und bereit, die Welt zu erobern.

Jetzt wird wieder Gas gegeben

Ich brauch meinen Flow zurück!

Wie kriege ich das am besten hin? Ich fange da an, wo das Problem entstanden ist. Ich schalte sportlich wieder ein paar Gänge hoch.

Seit ein paar Tagen klingelt der Wecker wieder um kurz nach sechs. Dann wird zum wach werden erst mal ein bisschen gepumpt. Liegestützen, Kniebeugen und ein paar andere Schweinereien. Der Kreislauf fängt an zu rotieren. Ich kann förmlich sehen, wie der kleine Schweinehund vor mir in die Knie geht und nach Gnade winselt.

Nach einem ausgewogenen Frühstück schwinge ich mich auf meinen Hobel und strample die 10 Kilometer zur Arbeit.

Dort heißt es Vollgas geben. Es ist im Moment auch genug zu tun. Erst mal Ordnung in die E-Mail-Lawine bringen. Das Dringendste zuerst, dann das Wichtigste und den Rest ignorieren bis jemand schreit. Der Tag fliegt nur so dahin.

Auf dem Rückweg kämpfe mich heroisch unseren Berg hinauf, bis mir der Puls durch die Decke flötet. Nach der kurzen Dusche schnappe ich mir Heiermann und jage mit ihm durchs Wohnzimmer. Beim gemeinsamen Abendessen reflektieren Frau Finanzglück und ich den Tag und bringen anschließend Heiermann und seinen Buddy Wauwau ins Bett.

Oh Finanzglück, wie habe ich Dich vermisst!

Und jetzt endlich komme ich dazu, diese Zeilen zu schreiben, die mir schon seit der Heimfahrt im Kopf rumspuken. Endlich wieder bloggen. Endlich wieder aktiv meine Birne nutzen, statt sie passiv bei Trash-TV verwelken zu lassen. Ich fühle mich jetzt schon geistig und vor allem körperlich frischer als noch vor wenigen Tagen.

Ich glaube, ich bin auf dem besten Weg meinen Flow wiederzufinden. Das merke ich schon an meiner guten Laune. Ich habe nicht mehr das Gefühl, meine wertvollen Stunden zu verschwenden.

Ich fühle mich jetzt bereits – ja, das kann ich so sagen – glücklicher.

 

Hast Du auch Deinen ganz eigenen Flow? Was machst Du, wenn Du ihn mal verlierst? Ich freue mich schon auf Deinen Kommentar!

 

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16 Kommentare

  1. Hey Niko, das kenne ich. Ich hatte das im Februar auch. Habe ganz exzessiv Romane gelesen, weil ich auch mal von dem abschalten musste, was ich eigentlich gerne mache. Ich fühlte mich zunächst schlecht dabei, aber jetzt würde ich es jederzeit wieder so machen, weil mir die Auszeit und der Abstand von meinem Blog richtig gut getan habe. Befinde mich wieder im Flow 😉 Und du bald auch 🙂

    Liebe Grüße,
    Huong

  2. „Butter ist Fett und Fett verklebt die Klumpozipien oder wie das heißt.“
    (Bud Spencer in Das Krokodil und sein Nilpferd)

    Hi Nico,
    ich bin froh, dass du deine Energie wiedergefunden hast und freue mich auf weitere unterhaltsame Beiträge von dir. Ich hatte nach Pens #1 auch einige Probleme, wieder Energie zu fassen.

    Viele Grüße
    Felix

    P.S. Nur 10 km zur Arbeit – per Rad. Ich bin neidisch 🙂

  3. Auch, wenn wir es uns manchmal wünschen: Wir sind keine Maschinen, die pausenlos durchrattern.

    Hoffen wir mal, dass dein Flow wieder da ist. 🙂 Mir hilft es, dass ich meinen Blick nicht nur auf Finanzthemen ausgerichtet habe, sondern auch einfach mal über das schreibe, was mich grade beschäftigt.

    1. Hi Jenny,

      Daher auch der Beitrag über den Flow. Eigentlich wollte ich einen (mehrteiligen) Beitrag über Versicherungen schreiben. Das hat mich dann aber doch etwas eingeschüchtert und ich habe es einfach immer weiter vor mir hergeschoben. Jetzt komme ich schreibtechnisch langsam wieder voran. Zeit mir die Versicherungen vorzuknöpfen 🙂

      VG, Nico

  4. Hey,
    stecke/steckte aktuell im selben Problem. Aber eher seit einem halben Jahr. Von daher ich kann mitfühlen.

    Mein Flow hängt auch sehr mit meiner körperlichen Belastung zusammen. Ohne/Mit wenig Sport falle ich tief. Diesmal sehr tief.

    Mein Flow selbst ist irgendwie das Gefühl, wenn ich die ganze Zeit etwas bewusst erlebe. Rumsitzen gehört nicht dazu. Wenn die Zeit verfliegt bin ich im Flow.

    Flow wieder aufbauen? Bei mir hängt das irgendwie sehr mit Selbstdiziplin und die baue ich langsam wieder auf. Da reichen auch mal 3 km Laufen und nicht gleich 10km. Lieber regelmäßig als einmal extrem. Eigentlich nicht anders, wie ich auch sonst Gewohnheiten Aufbau.

    Das ist wohl mein Grundrezept. Gute Gewohnheiten. Der Rest kommt dann von alleine.

    Gruß,
    mafis

    1. Hi Mafis,

      Bei mir hängt es wirklich mit der körperlichen Fitness zusammen. Das hatte ich früher gar nicht so gecheckt. Aber dieses Mal war es offensichtlich. Eine einfache Änderung – wieder früher aufstehen und etwas Fitness – wirken tatsächlich Wunder. Langsam fängt der Rest auch wieder an zu flutschen.

      VG, nico

  5. Hallo Nico!
    Ha, der olle Ungar mit dem unaussprechlichen Namen war mit „Lebe gut“ der erst Glücks-Apostel, dessen Buch ich gelesen habe – das ist aber bestimmt schon 10 Jahre her. Ob das, was dir da verloren gegangen ist, nun sein „Flow“ oder doch eher so biederere Begriffe wie „Tatendrang“, „Elan“ oder „Drive“ (englisch – ist ja immer gut 😉 !) besser beschreiben, darüber ließe sich jetzt streiten.
    Ich kenne dieses Gefühl der Antriebslosigkeit aber auch nur zu gut. Besonders dann, wenn ich entweder eine wichtige Prüfung hinter mir habe oder mich von einem gemeingefährlichen Männerschnupfen erholen muss, ist der innere Schweinehund mein bester Freund. Und dann kommt es auch an allen Fronten (wie bei Dir) gleichzeitig zum Stillstand.
    Ich habe für mich festgestellt, dass es dann völlig ausreicht, in einem der inaktiven Gebiete wieder Gas zu geben – einfach wieder mit etwas anfangen, was mir eigentlich Spaß macht. Dann breitet sich dieses Gefühl der Aktivität auf alle Lebensbereiche nach und nach wieder aus und der innere Schweinehund trollt sich. Du machst es mit dem sportlichen Wieder-Einstieg also in meinen Augen genau richtig – der Rest kommt dann ganz von alleine.

    Liebe Grüße
    Dummerchen

    1. Moin Dummerchen,

      Krankheiten sind oft der Grund den Flow zu verlieren. Das kam jetzt bei mir auch dazu. In meinem Fall war es eine Wurzelbehandlung am Zahn. Die perfekte Ausrede, um den Sport erst mal sein zu lassen… für mehrere Wochen… Nun ja, eins führt dann zum anderen und der Flow ist futsch.

      VG, nico

  6. Ostern – Zeitumstellung – Erkältung – und mein Flow tanzte nackt draußen im Regen, anstatt es sich mit mir vor dem Laptop gemütlich zu machen und zu schreiben.
    Habe jetzt (endlich mal) Tim Ferriss‘ Bibel der Ortsunabhängigen gelesen und gemerkt: Die wichtigen Dinge kommen bei mir gerade kolossal zu kurz und ich hänge mich an Kleinkram auf. Jetzt gehe ich erstmal zurück auf Square One und sortiere mich von da aus. Und siehe da, der Flow lässt sich vorsichtig auch mal blicken.

    Finde gut, was die Ex-Studentin sagt – wir sind keine Maschinen 🙂 Gönn Dir die Pause und genieß sie!

    Liebe Grüße
    Andrea

    1. Hallo Andrea,

      eine Pause gönnen ist auch ok. Das hätte ich einfach von vornherein machen sollen. Allerdings zeitlich begrenzt. Bei mir ist die Pause eher durch Zufall entstanden und dann habe ich den Hintern nicht mehr hochbekommen. Vielleicht ist hier wirklich die Lösung in Abständen feste Pausen einzuplanen. Dann fällt es wohl einfacher wieder anzufangen.

      VG, Nico

  7. Hey Nico,

    das Gefühl kenne ich nur zu gut. Ging mir den ganzen März auch so. Das lag daran, dass mein Fitnessstudio abgerissen wurde und ich seit unserem Interview keinen Ausgleich mehr hatte. Jetzt bin ich in einem anderen und kann mich endlich wieder auspowern. Das wirkt wahr Wunder. Nun läuft es wieder besser. 🙂 Ich habe meinen Flow wieder gefunden.

    Viele Grüße
    Daniel

    PS: Unser Interview gibt es dann nächste Woche zu hören.

  8. Hi Nico,

    leider ganz normal, dass man manchmal den Flow verliert im Leben. Das macht uns halt zu Menschen. Was bei mir immer sehr gut funktioniert, ist die schnelle Etablierung von Routinen (egal wo ich bin). Gerade auf Dienstreisen, wie du es beschreibst, ist es enorm wichtig, Routinen „mitzunehmen“. Es geht hierbei nicht darum, die Routinen perfekt zu haben, sondern nur an die heimischen anzugleichen, um im „Flow“ zu bleiben.

    Viele Grüße

    Lars

  9. Hallo Nico,

    jeder verliert hin und wieder seinen Flow. Dafür kommst du dann wieder gestärkt zurück.

    Ich finde super, dass du wieder Artikel schreibst.

    MFG Philipp

  10. Hallo Nico,

    komm Sonntag nach Hamburg zum Marathon, da gibt es dann den entscheidenden Kick zurück. Die ganzen Verrückten entlang der BlueLine mit einem eingefrorenen Grinsen im Gesicht.

    Bei mir ist es genauso, erst geht die sportliche Leistung zurück, dann folgt Geist und Seele. Mich holt dann die Läufercommunity in Hamburg wieder zurück auf die Bahn. Pausen werden von den Jungs und Mädels dort akzeptiert…aber nicht zu lange 😉 1 Woche kein Lauf und FB läuft über, wann ich mich denn mal wieder Bewegen möchte..Gruppenzwang im positiven Sinne, bei freier Zeiteinteilung jedesmal mein Weg zurück zum „Flow“

    Ein sportlichen Gruß nach Berlin!
    Fiete

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