Elternzeit – Ein Vorgeschmack auf das Leben danach

Das Leben steckt voller Weisheiten. Du musst sie nur zur Kenntnis nehmen.

Egal ob es sich um eine gesellschaftspolitische Kritik für eine egalitäre Gesellschaft dreht…

Beim Scheißen gehen Sie alle in die Knie.

… oder um erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse geht…

Eine kinderlose Ehe besteht aus Spaßvögeln. 

…oder es einfach ganz handfeste Lebenserhaltungsratschläge sind…

Iss keinen gelben Schnee!

Lerne von den Weisheiten anderer.

Eine dieser Weisheiten, die ich mir ganz oben auf die Fahne geschrieben habe ist:

Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps! 

Da gibt es keine Kompromisse. Ich brauche und liebe meine Freizeit – abseits meines Jobs.

Stöhnen auf hohem Niveau

Ja, mein Job macht mir meistens Spaß und auch die Kollegen sind ein netter Haufen. Die Arbeitszeiten halten sich im Rahmen. Soweit ist also alles im Lot.

Aber letztendlich ist mein Angestelltenverhältnis nur ein Teil meines Lebens. Ein Mosaiksteinchen neben vielen anderen – wichtigeren – Dingen wie Familie, Freunde, Gesundheit und Hobbies.

Beim Thema Freizeit dürfen wir uns hier eigentlich nicht beschweren. 25-30 Tage Urlaub sind in den meisten Branchen die Norm. Bei solchen Zahlen schlackern den Amis die Ohren. Da ist man als Berufseinsteiger froh, überhaupt mal eine Woche im Jahr raus gelassen zu werden.

Trotzdem gibt es noch Möglichkeiten die Freizeit zu optimieren.

Jetzt wird es religiös

Und da kommt eine fantastische Erfindung ist Spiel.

Eine politisch gewollte und nicht zu knapp mit Steuergeldern geförderte Maßnahme. Sie gibt mir ganz persönlich alle Freiheiten, selber zu bestimmen, wieviel zusätzliche Freizeit ich über meinen normalen Urlaub hinaus noch brauche.

Und es wird noch besser. Zum Dank für diese Auszeit, wird mir monatlich noch ein netter Batzen Kohle überwiesen.

Ich rede vom Elterngeld – oder wie ich es nenne –

Mein teilbezahltes Sabbat-Jahr.

Worum geht’s genau?

Falls Du Dich mit den Einzelheiten nicht auskennst, nenne ich Dir hier noch mal die Highlights (vereinfacht dargestellt).

  • In Deutschland gibt es Rechtsanspruch auf Elternzeit – eine Freistellung von der Arbeit nach der Geburt des Kindes.
  • Pro Kind können die Eltern drei Jahre Elternzeit unter sich aufteilen.
  • Davon bezahlt Frau Schwesig bis zu 14 Monate Elterngeld. Wenn nur ein Elternteil Elternzeit in Anspruch nimmt, sind es maximal zwölf Monate.
  • Das Elterngeld berechnet sich aus einem Prozentsatz Deines durchschnittlichen Nettoeinkommens. Der Satz ist meist 67% und beträgt mindestens 300 Euro und maximal 1.800 Euro pro Monat (ggf. Zuschläge).

Während der Elternzeit nimmst Du also einen Gehaltsabschlag in Kauf. Dafür bekommst Du Zeit geschenkt. Die kannst Du dann mit Deinen Sprösslingen verbringen oder mit was auch immer.

Es gibt weltweit kaum Länder, mit solch vorteilhaften Elternzeit-Gesetzen, wie in Deutschland.

Besser als Dreipunktgurt und Tripp Trapp-Stuhl zusammen

Mensch, ist das eine tolle Erfindung! Die Skandinavier hatten hier wieder einmal eine Vorreiterrolle eingenommen.

Takk! Tack! Tak! Kittää!

Ihr seid die Größten.

Es stand für mich daher nie außer Frage Elternzeit in Anspruch zu nehmen.

Konkret habe ich sowohl bei Heiermann (Geburt 2014) als auch bei Groschen (2016) jeweils drei Monate Elternzeit genommen, bzw. werde sie noch nehmen. Bei beiden Hosenscheißern habe ich jeweils einen Monat direkt nach der Geburt geelternzeitet und dann noch mal zwei Monate pünktlich zum ersten Geburtstag drangehängt.

Damit hatte ich seit 2014 abwechselnd jedes Jahr ein oder zwei Monate Elternzeit.

Eile mit Weile

Das hört sich jetzt vielleicht erst mal nicht so dramatisch an. Was sind schon ein oder zwei Monate? Aber das kommt ja zusätzlich zum normalen Urlaub, der dann nur anteilig reduziert wird. Meine Kalender für die Jahre 2014 und 2015 sahen daher so aus:

In Tagen 2014 2015
Arbeitstage 198 189
Wochenende 104 104
Elternzeit/ Urlaub/ Feiertage 63 72
Gesamt 365 365

2016 wird dann wieder ähnlich aussehen wie 2014 (einen Monat Elternzeit) und nächstes Jahr wie 2015 (zwei Monate).

Das heißt, ich hatte/habe jetzt vier Jahre in Folge, in denen ich über das Jahr gesehen im Durchschnitt nur etwa jeden zweiten Tag arbeite. Und das bei fast vollem Gehalt.

Ab in die Ferne

Elternzeit gibt Dir die Möglichkeit, Zeit mit Deiner Familie zu verbringen, solange die Lütschen noch lütsch sind. Das ist Goldwert und ein Turbo für Dein Familienglück.

Die Monate direkt nach den Geburten von Heiermann und Groschen waren für uns sehr wichtig. Mit der neuen Situation mussten wir erst mal klarkommen und wollten das gemeinsam meistern.

Die längere Zweimonatspause ist dann perfekt für einen ausgedehnten Urlaub mit der ganzen Rasselbande. Das war letztes Jahr eine Reise zu Freunden in die Schweiz und Italien. Nächstes Jahr wird es wohl in die weite Ferne gehen.

Alles nicht so wild

Ich kann wirklich nur allen Eltern empfehlen, diese tolle Möglichkeit gemeinsam zu nutzen, soweit es finanziell irgendwie zu verkraften ist. Gerade als Vater verpasst man in den ersten Jahren leider zu viel von den Kleinen. Mindestens die Minimal-Option von zwei Monaten sollte es für die Daddies schon sein.

Bisher habe ich bestimmt schon mit zwei Dutzend Vätern über deren Erfahrungen zur Elternzeit gesprochen. Es ist regelmäßig das erste Thema, was auf den Tisch kommt, nachdem wir uns über Frau und Kinder beklagt haben.

Die Erfahrungen in den Unternehmen sind dabei sehr unterschiedlich. Die Bandbreite geht von

Alles easy, nimm so viel wie Du willst! Steht Dir schließlich zu.

bis zu

Das wird Deine Karriere nachhaltig ruinieren!

Zum Glück wird ersteres immer mehr zum Standard. Besonders in großen Unternehmen sollte es kein Problem mehr sein, eine längere Auszeit zu nehmen.

Oft wird hier heißer gekocht als gegessen. Bereits ein paar Monate nach der Elternzeit ist meist schon alles vergessen. Aus dem Karrierekiller ist doch nur ein Hintergrundgeräusch geworden.

Lass Dein Smartphone im Büro

Die Elternzeit gibt Dir eine wunderbare Möglichkeit, Abstand von Deinem Arbeitsalltag zu nehmen. Du bekommst einen Vorgeschmack darauf, wie ein Leben abseits Deines Hamsterrades aussehen könnte.

Je länger die Auszeit, desto besser. Zur Not reichen selbst zwei Monate am Stück. Dieser Zeitraum ist lang genug, um Deine Aufgaben und Projekte in der Firma an Kollegen zu delegieren. Die E-Mails checkst Du vielleicht noch die ersten Wochen und lässt es dann bleiben. Anders als bei einem normalen Zweiwochenurlaub, kannst Du so völlig abschalten und bekommst den Kopf frei.

Diese Zeit kannst Du für Dich nutzen. Dein Leben reflektieren und überdenken.

Was macht Dich glücklich? Was nicht? Wie sehen Deine Prioritäten aus? Spiegeln sie sich in Deinem derzeitigen Leben? Was musst Du ändern?

Das Leben danach

Ich hatte während meiner zweimonatigen Auszeit im letzten Jahr viel Zeit zum Nachdenken.

Dabei habe ich Klarheit über meine Prioritäten bekommen und einige Aspekte im Leben in Frage gestellt.

Ich habe für mich festgestellt, dass die normale Unternehmenskarriere bis zur Rente einfach nicht mein Ding ist. Das derzeitige Angestelltenverhältnis stellt nur einen Teilabschnitt für mich dar. Irgendwann, bei Erreichen der finanziellen Freiheit, werde ich mich davon lösen und neue Wege gehen.

In den zwei Monaten Elternzeit entstand Finanzglück. Der Blog beschreibt auch meinen Weg zur finanziellen Freiheit und bereitet mich auf die Zeit nach dem Angestelltendasein vor.

Ich bin so froh die Elternzeit genutzt zu haben.

Sie hat mir einen guten Vorgeschmack auf das Leben danach gegeben.

Hoffentlich kannst auch Du diese Zeit nutzen.

Wie stehst Du zur Elternzeit? Hast Du sie vielleicht schon in Anspruch genommen oder Dich bewusst dagegen entschieden? Nimmst Du andere Möglichkeiten für eine längere Auszeit in Anspruch? Ich freue mich schon auf Deinen Kommentar!

 

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12 Kommentare

  1. Ein ganz toller Beitrag! Vielen Dank dafür!

    Noch habe ich keine Kinder. Das wird wohl auch noch eine ganze Weile dauern. Aber genau in diese Richtung gehen meine Gedanken. Als Frau kann ich mir guten Gewissens ja sogar noch eine etwas längere Auszeit gönnen – und so viel Spaß mir mein Job aktuell auch macht, freue ich mich jetzt schon auf die Zeit. Zeit mit der Familie und Zeit für eigene Projekte. Meinen Wunschtraum der Selbstständigkeit kann ich mir gut vorstellen in der Sicherheit der Elternzeit aufzubauen, zu testen, ob es so funktioniert, wie ich mir das vorstelle und wer weiß – vielleicht komme ich dann doch gar nicht mehr zurück. Oder ich kann meine Zeit dann ganz neu aufteilen.

    Ich finde es toll, dass immer mehr Väter die Möglichkeit von Elternzeit nutzen – ich denke, das ist nicht nur für die Kinder sondern auch für die Männer selbst eine tolle Zeit! Glückwünsch Dir auf jeden Fall zu der Entscheidung!

    Liebe Grüße
    Marielle von den Beziehungs-Investoren

    1. Hallo Marielle,

      ich kenne das aus dem Bekanntenkreis. Heute noch Karriere-Powerfrau in der Beratung und nach der Geburt glückliche Hausfrau. So eine lange Auszeit gibt ausreichend Distanz um sich den Spiegel vorzuhalten.

      Bei einer längeren Auszeit von 12 Monaten oder so kannst Du tatsächlich schon mal Neues ausprobieren. Wobei die Lütschen schon ordentlich Aufmerksamkeit einfordern. Ein Buch schreiben oder so ist das schon eine Herausforderung 🙂

      VG, nico

      1. Hi Nico,

        ach wahrscheinlich kommt ja ohnehin am Ende alles anders als man sich vorher ausmalt 😉 Von daher ist entspannt auf sich zukommen lassen wohl das Beste.

        Da ich in einem Beratungsunternehmen (aber im Backoffice) arbeite, kenne ich diese Karriere-Powerfrauen nur zu gut. Aber so ein Lebenswandel ist ja auch nicht schlecht. Man soll ja alles mal ausprobieren im Leben 😉

        LG
        Marielle

  2. Hi Nico,

    toller Artikel!
    Ich bin vor 10 Wochen das zweite Mal Vater geworden und nehme demnächst 2 Monate Elternzeit. Beim ersten Mal habe ich es aus finanziellen Gründen nicht getan. Im Nachhinein ein Fehler, aber da ich generell ein Problem habe, meine finanzielle Situation richtig einzuschätzen, fiel eben damals die Entscheidung so.
    Für mich als Angestellter in einem Konzern ist die kommende Auszeit kein Problem, da kann es in kleinen Betrieben ganz anders laufen (selbst erlebt).
    Ich freue mich auf die Zeit mit den Kleinen, auch wenn wir wohl keine große Reise machen werden. Ob ich auch dazu kommen werde, große Zeit zum Nachdenken zu haben, kann ich noch gar nicht abschätzen. Derzeit ist einfach zu viel Stress mit den Schietbüddeln und ob sich das bis dahin ändern wird? Man wid sehen…
    Dennoch ist Elternzeit eine tolle Sache, die (zumindest bei uns in der Firma) auch ausgiebig genutzt wird.

    Gruß Hans

    1. Moin Hans,

      bei uns in der Firma ist es mittlerweile auch schon völlig normal Elternzeit zu nehmen. Da fällst Du fast schon auf, wenn Du keine nimmst. Bei kleineren Läden ist es eine andere Hausnummer. Aber auch hier scheint es ein Umdenken zu geben.

      VG, Nico

  3. Elternzeit/-geld ist tatsächlich eine großartige Sache. Mein Sohn kam ja vor ca einem Monat auf die Welt. Mit meinem Arbeitgeber hatte ich schon vorher abgesprochen gehabt, dass ich mit der Geburt 3 Wochen Urlaub nehme – die Zeit war natürlich schneller vorbei, als ich „arbeitsfreie Zeit“ aussprechen konnte. Nach einer Woche normaler Arbeit, bin ich nun für zwei Monate in Elternzeit – habe mich aber für Elterngeld Plus entschieden und gehe zudem 4 Stunden pro Tag arbeiten. Bisher ist das absolut genial. Vormittags passiert eh noch nicht so viel mit dem Kleinen und pünktlich zum Mittag bin ich wieder zu Hause und kann den Rest des Tages mit meiner Familie verbringen. Und ich muss auch ganz ehrlich zugeben, dass ich seitdem irgendwie motivierter und effektiver auf Arbeit bin (zumindest kommt mir das so vor). Ich meine, mir macht meine Arbeit wahnsinnig viel Spaß, aber bei 4 Stunden pro Tag, kommt es mir eher wie ein Hobby vor, was ich so nebenher betreibe 😀
    Nächstes Jahr wollen meine Freundin und ich dann die Rollen tauschen. Sprich, ich bleibe dann für zwei Monate die ganze Zeit zu Hause und sie steigt dann so langsam wieder ins Arbeitsleben ein, geht also in Teilzeit arbeiten. Aktuell stellt sich nur die Frage, ob wir den Kleinen mit einem Jahr in den Kindergarten schicken können oder ob wir dann noch auf einen freien Platz warten müssen. Da könnte die Politik ruhig noch etwas nachbessern 😉

  4. Hi Nico,

    ich finde es toll, dass du Elternzeit in Anspruch nimmst. Das machen in meinem Umfeld nur die wenigsten Väter. Ich habe viele Freundinnen / Bekanntinnen die de facto alleinerziehend sind weil der Mann von morgens bis abends arbeitet und dann am Wochenende noch ausschlafen und mit seinen Kumpels Fußball schauen möchte. Daher Respekt an dich! Ich habe aber auch die Erfahung gemacht, dass es ziemlich schwer für die Väter in Elternzeit ist, irgendwie Anschluss zu finden. In den diversen Babyspielgruppen wo ich war saßen die 1 bis max. 2 Väter ziemlich unbeholfen da während wir Mütter uns eifrig über Brustentzündungen und die richtige Pflege der Kaiserschnitt-Narbe ausgetauscht haben. Vielleicht ändert sich das wenn mehr Väter auch Elternzeit in Anspruch nehmen.

    1. Hallöchen MrsW,

      haha, an solche Momente kann ich mich auch noch erinnern! Unser Geburtsvorbereitungskurs war mehrere Abende nur mit den Müttern und dann zwei Abende gemeinsam mit den Vätern. Die Hebamme hatte schon Rücksicht drauf genommen und die Hardcore Themen außen vor gelassen. Es war aber noch genug, damit die Väter sich unglaublich unwohl fühlten in dieser Situation. Und zwar durch die Bank weg. Kopf gesenkt und das Ziel im Kopf, hier nur irgendwie durchkommen zu müssen. Herrlich!

      Ich genieße die Elternzeit mit den Kleinen wirklich. Da bin ich schon manchmal neidisch, wenn Frau Finanzglück mir von den lustigen Momenten abends erzählt oder tagsüber Fotos schickt vom Spielplatz. In der Elternzeit kann ich dann diese alltäglichen Dinge mal mitmachen. Wald-Tag in der Kita, Ausflug in den Freizeitpark, Spielplatz am Nachmittag. Das kommt an den Wochenenden einfach zu kurz. (Manchmal ist es aber natürlich auch ganz nett dem ganzen Trubel zu entkommen – arbeiten hat auch schon so seine Vorteile)

      Beannachd leat!

      Nico

  5. Schöner Beitrag!
    Endlich mal einer der offen damit umgeht und sagt das ihm sein Leben mehr wert ist als nur arbeiten! Ich würde es genauso machen hätte ich Kinder.
    Oft überlege ich sogar einen Schritt weiter zu gehen um mir mal komplett eine Auszeit zu nehmen und in meinem 2. Heimatland eine Weile zu leben. Bis jetzt habe ich mich aber noch nicht getraut hier alles hinzuschmeißen und aus einem sehr gut verdienenden Job erstmal auszuscheiden.
    Deine Einstellung zum Leben finde ich aufjedenfall super. In der heutigen Gesellschaft wird man oft auch in jungen Jahren schräg angeschaut wenn man nicht den Karriereweg einschlagen will sondern eher das Ziel hat weniger zu arbeiten um bewusster am Leben teilnehmen zu können.
    Mach weiter so und ich hoffe das du deine finanzielle Freiheit bald erreichen wirst, ich denke ich schaffe es so schnell nicht!

  6. Hallo Nico,

    über Elterngeld habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Unser Hosenscheißer kommt im Februar. Aber wie so oft sind wir bei allen Reglungen der Sonderfall vom Sonderfall. Selbständiger in Gründungsphase und meine bessere Hälfte befindet sich im Zweitstudium … ich bin gespannt, ob wir da eine Lösung finden. Italien klingt schon verlockend …

    Liebe Grüße aus Leipzig
    Christoph

  7. Moin Nico,

    zur Geburt meiner Tochter 2012, war ich der Erste in unserem Unternehmen, der Elternzeit genommen hat. Scheisse, was war ich aufgeregt. Wie bringe ich es nur meinem Chef bei? Wie können wir das für alle Beteiligten am Besten lösen? Ein paar schlaflose Nächte später, sitze ich mit feuchten Händen und einem Klos im Hals im Büro des Geschäftsführers, erzähle in bedachten Worte das Vorhaben und er sagt: „Geiles Dingen, macht aber unbedingt Urlaub und wenn Du wieder kommst, reden wir mal über eine Beförderung.“

    Gesagt, getan. Wir haben uns ein Wohnmobil geliehen und waren vier Wochen unterwegs. 3331 Kilometer und zahlreiche Eindrücke weiter, habe ich den zweiten Teil meiner Elternzeit mit 15 Std die Woche und als neuer Abteilungsleiter absolviert. Insgesamt waren es vier Monate, die ziemlich gut klappten. Die viel zitierten finanziellen Einbußen, empfand ich als nicht sonderlich dramatisch. Wie Du beschrieben hast, man kommt endlich mal zur Ruhe und die braucht man auch, um sich an die neue familiäre Situation zu gewöhnen.

    Deshalb stand bei der Geburt unseres zweiten Nachwuchses die Elternzeit direkt fest. Im Unternehmen ist es kein Thema (mehr), viele haben nach mir die Chance wahrgenommen. Im Mai waren wir wieder vier Wochen mit dem Wohnmobil unterwegs und den zweiten Monat werde ich im Januar nehmen, weil meine Freundin dann wieder anfängt zu arbeiten. Länger als zwei Monate braucht es bei uns beim zweiten Kind deshalb nicht.

    Auch ich kann jedem nur raten, die Elternzeit zu nutzen und sich nicht zu viel den Kopf über irgendwelche Nachteile zu machen. Die gibt es nicht wirklich, bzw. wiegen sich mit dem Positiven definitiv auf.

    Grüße aus Hannover
    Mike

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