Der perfekte Moment

Da war er, der perfekte Moment.

Letzte Woche, auf der Autofahrt von Kinlochleven nach Inverness.

Ich habe gerade den Blackwater Reservoir Hike hinter mich gebracht. Die 18 Kilometer Wanderung steckten mir noch in den Knochen. Aber was für eine Tour! Sechs Stunden durch die schottischen Highlands. Eine traumhaft schöne Landschaft.

Jetzt geht es weiter in den Norden zur nächsten Unterkunft.

Ich sitze nicht alleine im Auto. Meine drei besten Kumpel waren mit mir auf der Wanderung. Wir vier kennen uns schon seit unserer Kindheit – locker über 25 Jahre. Alle sind wir jetzt erschöpft. Aber unsere Körper danken es uns. Dopamin und Serotin geben sich die Klinke in die Hand. Die Glückhormone leisten ganze Arbeit.

Im Hintergrund läuft entspannte Musik über Spotify. Die Gespräche sind – wie schon die ganze Tour über – witzig und interessant. Wir kennen uns schon so lange. Peinliches Schweigen gibt es nicht. Stattdessen wird ausgiebig gelacht. Nach so langer Zeit sitzt einfach jede Pointe.

Die Aussicht von meinem Platz auf der Rückbank ist spektakulär. Wir fahren entlang Loch Lochy, Loch Oich und Loch Ness. Glasklare Seen vor steilen Bergen. Die Highlands vom Feinsten.

Und dann, ganz langsam, kommt er, dieser besondere Moment. Ich werde ruhiger und nachdenklicher. Löse den Blick von der Natur und schaue mich im Auto um.

Es passt einfach alles. Die Leute, die Stimmung, das Umfeld.

Es ist der perfekte Moment!

Die Erinnerung an diese Rückfahrt wird mir noch viele Jahre ein Grinsen ins Gesicht zaubern.

Friendship is like whisky – the older, the better

Mittlerweile ist es schon eine kleine Tradition. Jedes Jahr fahre ich mit meinen besten Freunden nach Schottland, manchmal auch nach Irland. Der Ablauf ist meist ähnlich.

Fünf Tage Wanderungen, ausgelassenes Feiern in urigen Pubs, Whisky-Verkostungen und Destillerie-Besichtigungen. Dazu Gespräche über alte Zeiten und wie sich unsere Leben über die Jahre verändert haben. Wie wir uns verändert haben.

Alte Freundschaften haben etwas Magisches. Sie sind nicht zu vergleichen mit unseren freundschaftlichen Beziehungen im Alltag. Die sind meist vergänglich. Trennen sich die Interessen – Verein, Kinder, Arbeit – lösen sich auch die Beziehungen auf.

Aber unsere alten Freundschaften – über Jahrzehnte – sind für die Ewigkeit. Wir brauchen uns nichts mehr zu beweisen oder uns gegenseitig zu imponieren. Wir kennen die Schwächen und Stärken des anderen genau. Uns alle vereint die Wertschätzung füreinander. Die Gewissheit, dass der andere immer für einen da ist, wenn er gebraucht wird.

Wir leben heute hunderte Kilometer voneinander entfernt. Sehen uns nur sporadisch – vielleicht ein paar Mal im Jahr. Aber dieser jährliche Urlaub schweißt zusammen. Ich freue mich schon das ganze Jahr über auf diese besonderen Tage, wenn es wieder auf die Insel geht.

Auf ein Pint ins Gellions  

Die diesjährige Tour startete mit einer langen Nacht in Edinburgh, die wir wie immer mit einigen Live-Bands im Whistle Binkies haben ausklingen lassen.

Lost Valley

Dann ging es mit dem Mietwagen auf Tour in die Highlands. Als Wanderungen standen der Lost Valley und The Grey Mare’s Tail and Mamore Lodge auf dem Programm, bevor es abends nach Fort William weiterging.

Von dort aus haben wir uns dann auf den Hike am Blackwater Dam gemacht.

Grey Mare’s Tail

 

Zur Belohnung haben wir es in Inverness krachen lassen. Ich liebe diese Stadt! Wir machen dort fast immer Halt auf unseren Touren. The Capital of the Highlands, mit seinen 50.000 Einwohnern, ist die perfekte Basis um die Highlands zu erkunden. Nach Wanderungen, Burgbesichtigungen oder Destillerietouren kann man hier abends in den diversen Pubs den Tag Revue passieren lassen.

Blackwater Reservoir

Mein absoluter Favorit ist das Gellions – ein sehr traditioneller schottischer Pub. Jeden Abend wird live gespielt – und ich wurde noch nie enttäuscht.

Von Inverness ging es dann weiter zum Spirit of Speyside Whisky-Festival nach Duftown. Dort hatte ich bei Aberlour eine meiner bisher besten Destillerie-Führungen.

Tja, und dann war es auch schon wieder vorbei, die diesjährige Fahrt. Es waren fünf intensive Tage. Und ich weiß jetzt schon, dass es nicht lange dauern wird, bis die Vorfreude auf die nächste Schottland-Tour einsetzt.

Die kanadischen Rockies warten schon

Ich genieße gerade in vollen Zügen meine Elternzeit. Neben der Schottland-Reise haben wir bisher auch schon unsere Familien in Bremen und Berlin besucht.

Jetzt genießen wir gerade einige Tage Zuhause – gemeinsam mit guten Freunden, mit denen wir für ein paar Monate unser Haus teilen.

Aber die Koffer sind schon wieder gepackt. Bald geht es los auf unsere große Reise nach Kanada. Ich freue mich jetzt schon darauf mit dem dreijährigen Heiermann Bären in freier Wildbahn zu bestaunen, mit Frau Finanzglück in den kanadischen Rockies Kajak zu fahren und mit der Lütschen Groschen in der Kraxe auf meinem Rücken durch die Wälder zu streifen.

Auf dieser Reise wird es keinen Mangel an Glückmomenten geben.

Ein Vorgeschmack auf die Zeit danach

Du merkst schon, mir geht es derzeit wirklich gut. Ich genieße die Auszeit in vollen Zügen. Für mich ist es auch ein kleiner Ausblick, wie ein Leben in der finanziellen Freiheit aussehen könnte.

Herr über meine Zeit zu sein ist solch ein Luxus. Dessen wird man sich gar nicht bewusst, wenn man fleißig im Hamsterrad seine Runden dreht. Von daher ist diese Elternzeit für mich Gold wert. Mein Fokus wird wieder geschärft. Ich weiß, warum ich meine Sparquote hochhalte, um in einigen Jahren die finanzielle Freiheit zu erreichen.

Auf Finanzglück ist es im letzten Monat ruhig gewesen und daran wird sich auch bis Ende Juni nichts ändern. Mein Fokus liegt derzeit woanders – weit weg vom normalen Alltag.

Ich werde diese Zeit nutzen den Kopf freizukriegen. Einige Bücher lesen, die mir wieder Treibstoff für weitere Beiträge liefern.

Bis dahin wünsche ich auch Dir eine glückliche Zeit mit Deinen Liebsten. Und vielleicht willst Du ja doch noch mal den Hörer abheben und einer alte Freundin oder einem alten Freund mal wieder Hallo sagen.

Es wird sich lohnen.

 

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10 Kommentare

  1. Durch das Lesen deines Beitrages merkt man richtig dass du sehr glücklich bist im Moment! Ich kann mich hier nur anschließen. Egal wann oder wie lange ich mich mit alten Freunden aus der Kindheit treffe, es hat immer etwas magisches. Neue Freundschaften können hier nicht mit halten.

    Auf deine Wanderung bin ich gerade bisschen neidisch. Ich mache so etwas auch sehr gerne. Zuletzt bin ich mit meinem Bruder den Kalalau Trail auf Kaua’i Hawai’i gewandert. Eine absolute Perle kann ich dir sagen. Auf jeden Fall zu empfehlen. 7-8 Stunden durch den Dschungel und an der Küste entlang zum Kalalau Beach. Dann dort in der Hängematte den Sonnenuntergang bestaunt und am nächsten Tag wieder retour. Falls dich Fotos interessieren, hier sind ein paar zu finden:
    http://www.easydividend.net/impressionen-von-meinem-hawaii-aufenthalt/

    Wenn du irgendwann nach Hawaii kommen solltest, würde ich dir den Kalalau Trail ans Herz legen.
    Ich muss mal nach Schottland 😉

    mfG Chri

  2. Wow, da wird man leicht neidisch 😉
    Wird Zeit dass ich auch endlich mal die Highlands besuchen kann aber das wird wohl noch ein klein wenig auf sich warten lassen. Besonders die Natur und die Destillieren reizen schon enorm.
    Genieß deine Elternzeit! Denke auch dass dir dies sicher einen schönen Vorgeschmack auf die FA gibt. Langweilig wird es bestimmt nie.
    Gruß Comper

  3. Hallo vom Finanzonkel,

    Freue mich für Dich, dass Ihr so eine tolle Reise vor Euch habt.
    Genieße die Zeit – ich freue mich auf Deine neuen Beiträge ab Juli.

    Bisher stiller, begeisterter Leser
    Finanzonkel

  4. Moin.
    Danke für den wieder sehr gelungenen Beitrag. Es macht immer Spaß, Deine neuen Artikel zu lesen und ich hatte in den letzten Wochen schon etwas Schmachter (hieß das nicht früher mit 16 so, wenn man – cool wie wir waren – die nächste Kippe wollte ; als rauchen noch cool war) nach Neuigkeiten. Wenn schon Mr. Money Mustache kaum was schreibt, dann doch wenigstens Herr Finanzglück 😜. Genieß‘ Deine Elternzeit und den Urlaub.

  5. Moin Nico,

    vielen Dank für die tollen Einblicke in deine emotionale Welt! Jetzt freue ich mich noch viel mehr auf unsere zukünftigen Reisen und meine eigene Elternzeit 🙂 Ich bin schon auf die Fotos aus Kanada gespannt.

    Eine gute Zeit brauche ich Euch gar nicht mehr wünschen, denn die werdet ihr zweifelsfrei haben! Bis Ende Juni 🙂

    Beste Grüße
    Mike

  6. Jau, und genau deshalb tun wir das, was wir tun.
    Sebst sind wir ja auch begeisterte Wanderer geworden, auch lange Strecken über mehrere Tage. Leider holt uns der Alltag immer schnell wieder ein aber immer mehr kommt der Moment wo wir sagen: “ Ach wisst Ihr, wenn wir wollten….“
    Tolles Gefühl nicht wahr?
    Ich finde es bemerkenswert, das es Dir gelungen ist, den Kontakt zu den Freunden zu halten und an Deiner Finaziellen Freiheit weiter zu arbeiten. Bei uns sind doch einige Leute abgesprungen, die Differenz wurde einfach zu gross. Dabei waren die Anderen immer bereit, die die abgesprungen sind , mit zu ziehen. Aber die Interessen änern sich auch im Alter.

    Wir wünschen Euch viel Spass und noch eine gute Zeit

    Plutusandme

  7. Huhu Nico, wünsche dir ganz viel Spaß!! Ich finde es vor allem erstaunlich, wie viele Männer die Elternzeit mittlerweile nutzen.

    Die meisten Väter in meinem Umkreis nutzen die Zeit eher als Alibi für Urlaube oder Renovierungen, weil man sonst schwer eine bezahlte Auszeit bekommt. Genieß die Zeit!

  8. Hi Nico,

    schöner Blogbeitrag – der mir eine evtl. Elternzeit doch wieder in’s Gedächtnis ruft. Bisher hindert mich immer noch die enormen finanziellen Einbußen aufgrund der 1800 € Netto Grenze für Elterngeld. Ich bin aktuell zu sehr damit beschäftigt wie ein Berserker zu sparen. Vllt. ändert sich meine Denkweise grundlegend, wenn mein erstes Bobbelsche auf der Welt ist 😛 :-).

    Gruß,

    Worrier

  9. Tja, solche Freundschaften sind echt die Ausnahme heutzutage. Ich kann’s absolut bestätigen: je älter desto besser. Ich kann an echt wenige Leute denken die ich nachts um 3 anrufen und um Hilfe bitten kann ohne dass derjenige mich abprallen lässt….
    Was hältst Du von eine lange Wander-Wochenende in den rumänsichen Karpaten?

  10. Auf den ersten Blick ist der Artikel unerwartet. Hat er ja eigentlich gar nicht viel mit Finanzen zu tun. Auf den zweiten Blick zeigt er aber sehr gut, dass es dir ja eben gar nicht um Finanzen und Geld geht! Sondern darum, dass es darum irgendwann gar nicht mehr gehen soll.
    Das finde ich sehr gut. Nicht möglichst schnell, möglichst reich werden. Sondern ein erfülltes, unabhängiges Leben führen.

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