Das Old School Haushaltsbuch

Wer hätte das gedacht. Es kommt wieder in Mode ein Haushaltsbuch zu führen. In der Generation meiner Oma war es ja noch relativ normal. Da wurden die Ausgaben genau festgehalten. Die Kohle nach dem Krieg war knapp. Wenn das Haushaltsgeld am Monatsende gereicht hat, gab es vom Opa einen liebevollen Klapser auf den Po. Ansonsten einen vorwurfsvollen Blick.

Dann hat das Haushaltsbuch etwas an Flair verloren. Erstaunlicherweise scheint es aber wieder im Kommen zu sein. Ich kenne in meiner Generation – die junggebliebenen, überaus attraktiven Mittdreißiger – doch schon einige, die durch ein Old School Haushaltsbuch wieder einen Überblick über ihre Finanzen bekommen.

Lang lebe das Internet!

Warum ist es plötzlich wieder in? Nun ja, ein Haushaltsbuch mit Papier und Bleistift zu führen ist ungefähr so spannend wie Winterreifen wechseln. Aber durch das Internet hat sich alles verändert. Mit lustigen Programmen und Apps ist das Führen eines Haushaltsbuchs nicht nur spielend einfach, sondern auch noch irgendwie funky. Es gibt bunte Graphen, Auswertungen und Vergleiche. Je nachdem was Du so benutzt. Bei meiner Direktbank gibt es sogar schon von Haus aus eine Art Haushaltsbuch, indem die Kontobewegungen Ausgabegruppen zugeordnet werden. So erhältst Du schon mal einen guten Überblick, wo Deine Kohle hinfließt.

Du musst Deine Ausgaben checken    

Ich kann Dir nur wärmstens empfehlen ein Haushaltsbuch zu führen. Warte, lass mich noch weiter gehen. Du musst ein Haushaltsbuch führen! Du hast sonst keine Chance zu prüfen, wo Dein Geld hinfließt. Du wirst wahrscheinlich für Dinge Geld verschwenden ohne das es Dir bewusst ist.

Es wird Dir die Augen öffnen. Kleine Posten, die Du sonst nicht wahrnimmst, entwickeln sich über ein ganzes Jahr gesehen zu recht großen Kostenblöcken. Das sind die Dinge, die Dir eigentlich gar nicht wichtig sind. Dinge, auf die Du vielleicht verzichten kannst, ohne dass Du es merken würdest.

Durch ein Haushaltsbuch werden alle Deine Ausgaben offen gelegt. Die Transparenz gibt Dir die Möglichkeit, Ausgaben zu identifizieren, die Du leicht beseitigen kannst. Dadurch wirst Du mehr sparen, schneller Vermögen aufbauen und, wenn gewollt, früher die Finanzielle Freiheit erreichen.

Kleinvieh macht auch Mist

Als erstes kommt der Aha Effekt.

  • Krass, der Coffee to Go und das Eierbrötchen auf dem Weg zur Arbeit summieren sich auf knapp 1.000 Euro im Jahr?
  • Wahnsinn, Sunday Night Pizza oder Sushi kostet mich 500 Euro im Jahr?
  • Die Fahrt mit dem Auto zu Arbeit (statt S-Bahn) kostet mich 1.000 Euro mehr im Jahr?

Dann realisierst Du: Moment mal, das sind ja 2.500 Euro von meinem Nettogehalt pro Jahr. Dafür muss ich ja 4.000 Euro brutto verdienen!

Die Erkenntnis setzt ein: Leck mich am Arsch, ich arbeite über einen ganzen verdammten Monat im Jahr nur für für diese drei popeligen Posten in meinen Ausgaben?!? Ab jetzt frühstücke ich Zuhause, koche lieber selbst lecker am Sonntagabend und entspanne mich bei einem Buch in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Besser noch, ich fahre mit dem Fahrrad und spare gleich noch die Kosten des Fitnessstudios obendrauf. Ha!

Manchmal ist es einfach wichtig, die Fakten vor den Latz geknallt zu bekommen. Dann kann man daraus seine Schlüsse ziehen.

Mein Geständnis: Ich bin ein Spreadsheet-Geek  

Ich habe vor zwei Jahren angefangen ein Haushaltsbuch zu führen. Es hat mir die Augen geöffnet, wofür ich Geld ausgebe. Ich konnte mich allerdings nicht anfreunden mit Programmen oder Apps. Dafür bin ich einfach zu sehr Spreadsheet-Geek. Ich liebe es in Excel rumzuspielen. Meine ganz persönlichen Auswertungen zu fahren, Graphen zu erstellen und Kategorien festzulegen. Oh Mann, klingt das traurig…

Das Excel-Modell hatte ich damals relativ schnell gebaut und seitdem immer mal wieder angepasst. Es braucht erstaunlich wenig Zeit, die Daten meiner Einnahmen und Ausgaben einzugeben. Die allermeisten Ausgaben zahle ich eh mit Karte und damit stehen sie sauber aufgelistet auf meinem Kontoauszug. Die wenigen Ausgaben in Bar trage ich mir kurz in mein Smartphone ein. Am Ende des Monats setze ich mich für eine Stunde hin und trage die Daten von meinen Konten und Handy in die Tabelle ein. Ist wirklich nicht sehr zeitaufreibend die Geschichte.

Neben den Ausgaben verfolge ich auch die Entwicklung unseres Reinvermögens oder Eigenkapitals. Das setzt sich wie folgt zusammen:

  1. Summe aller Kontostände
  2. Wert unserer Aktiendepots
  3. Nettowert unserer Immobilien (geschätzter Wert minus Schulden)

Das wird dann noch alles in Graphen und Kennzahlen ausgewertet, damit Fortschritte und Trends hervorgehoben werden.

Motivation ist alles

Das Haushaltsbuch ist ein echter Motivator für mich. Am Ende jeden Monats wird Tacheles geredet. Dann kommen die Fakten auf den Tisch.

War es ein guter Monat aus finanzieller Sicht oder eher lausig? Wie hoch war meine Sparquote? Gab es einzelne Kategorien, die über oder unter dem Durchschnitt lagen? Warum war das so? Wo liegen noch unentdeckte Sparpotentiale? Wie entwickeln sich die Dividendeneinnahmen? Wie hat sich das Eigenkapital entwickelt? Bin ich noch auf Kurs zur finanziellen Freiheit in einigen Jahren?

Aus dem Faktencheck einmal im Monat ziehe ich meine Motivation den Weg zur finanziellen Freiheit weiter zu gehen. Das Old School Haushaltsbuch erinnert mich daran wie weit ich schon gekommen bin, mit welchen Schritten ich jeden Monat weiter Richtung Freiheit gehe und wie lang es noch dauern sollte, bis ich am Ziel bin. Der Effekt ist immens, der Aufwand gering.

Falls Du noch kein Haushaltsbuch führen solltest, dann fange heute noch an. Es ist erst mal egal, ob Du dies selbst mit Excel erstellst, Dir eine App runterlädst oder eines der (kostenlosen) Programme nutzt. Hauptsache Du fängst an, Deine Finanzen transparent zu machen.

Es wird sich lohnen!

Facebooktwittergoogle_plusmail

8 Kommentare

  1. Ja es lohnt sich wirklich ein Haushaltsbuch zu führen. Wie du hab ich das in Excel realisiert aber ganz einfach mit Einnahmen und Ausgaben in einer Spalte. Ich wollte es mir nicht zu kompliziert machen. Vor Jahren hatte ich da für jede Kategorie und Ausgaben Art Tabellenblätter angelegt und Ausgewertet aber das war mir dann irgendwann to mutch. Und wie du schreibst sieht man dann mit Hilfe des Haushaltsbuchs echt wo das Geld bleibt. Wahnsinn wie viel Geld man ausgibt für die Dinge die einfach so nebenbei unbewusst anfallen. Dein Kaffee to Go als Beispiel sagt ja schon fast alles.

  2. Ich stimme mit Dir überein, die Dinge müssen einfach gehalten sein. Sobald es kompliziert oder nervig wird ein Haushaltsbuch zu führen, lässt man es doch lieber bleiben. Ich mach mir auch keinen Kopf wenn mal die eine oder andere Zahlung verloren geht. Das hat keinen großen Einfluss auf das Gesamtbild.

  3. In der Rechnung wird vergessen, dass für die günstigeren Substitute (zu Hause essen und kochen z.B.) auch Kosten anfallen. Damit deine Rechnung richtig ist, müsstest du komplett auf die Ausgaben außer Haus verzichten bzw. auch dein Auto komplett abmelden und dich per Pedes fortbewegen. Aber Achtung: Du hast dadurch Kosten durch einen erhöhten Abrieb deiner Schuhe; ein eingesetztes Fahrrad müsste ggf. erst angeschafft und möglicherweise öfters gewartet werden.

    Tipp:
    Mit dem geschickten Einsatz von Gutscheinen/Rabatt- und Aktionscodes kann es u.U. möglich sein, bei auswärtigem Essen mehr zu sparen als zu Hause. Schon mal dran gedacht?

    1. Moin Der Sparer,

      das stimmt, die alternativen Kosten müsste man mit aufnehmen. Aber ehrlich gesagt, fallen die für mich nicht so ins Gewicht. Die Ausgaben für mein Fahrrad im ganzen Jahr sind geringer als für unser Auto in einem Monat. Bei Essen ist es nicht ganz so krass, aber ähnlich. Ein leckeres Steak beim Argentinier kostet vielleicht fünf Mal so viel. Bei Pasta mit Bolognese sollte es ähnlich sein.

      Ich bin kein Freund von Gutscheinen. Habe es diverse Male probiert mit solchen Gutscheinheften, aber nie wirklich Geld damit sparen können. Beim Auswärtsessen liebe ich die Spontanität und die hast Du leider kaum mit Gutscheinen bzw. Rabatt-Aktionen.

      VG, Nico

      1. Hallo Zusammen,

        ich arbeite schon länger mit der „daily budget“app.
        Nachdem mir viele Haushaltsbuchapp’s zu komplex waren, bin ich bei dieser haengen geblieben. schlicht, einfach, ueberzeugend.
        Man kann dort ganze Finanzbloecke einrichten, Sparziele definieren und vieles mehr
        Ich halte es einfach, in dem ich mein „Bewegungsgeld“ dort als Budget eintrage. Das Budget wird auf die Anzahl der Tage im Monat verteilt. Gebe ich weniger aus steigt der Forecast, gebe ich mehr aus, wechselt die Farbe der App von blau in orange. Die erste App die mich richtig ueberzeugt hat.

  4. Huhu sehr wichtig und richtig so ein Excel File! Man lernt Erstaunliches über sich selbst :))

    Vlt magst Du mir Dein leeres File mal zusenden? Könnte dir auch mein Basic File zur Verfügung stellen…

    Grüße von Papa in Elternzeit….
    🙂

  5. Interessant, aber was im gewissen Maße übersehen wird aus meiner Sicht sind die gefühlten Benefits.
    Ich zB koche sehr gerne und auch gut, trotzdem ist der wöchentliche Restaurantbesuch mit Familie immer wieder eine Entspannung. Selbst bei nur drei Leuten birgt die Varation von fünf Gerichten ja schon einiges an Aufwand zu Hause 😉
    Bei Steaks bin ich da eher entspannt, das ist ein Gericht was ich lieber @home geniesse, da ist der Aufwand ja wirklich marginal .

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.