Meine renditestärkste Investition

Ich habe vor einigen Wochen im Detail von meiner schlimmsten Investition berichtet: Der Abschluss meiner fondsgebundenen Rentenversicherung. Was für ein Desaster! Hierzu wird es bald noch ein Update geben, wenn ich mich entschieden habe, wie es weitergeht.

Die schlechteste Investition auszuwählen war einfach. Aber was war die Beste? Die renditestärkste Investition? Hier wird es schwieriger. Mein erster Gedanke waren hier die beiden Eigentumswohnungen im Prenzlauer Berg, die ich 2011 kaufte und seitdem vermiete. Davon hatte ich hier und hier schon berichtet. Diese Investition entwickelte sich bisher sehr gut und weit über meinen Erwartungen. Aber geht es noch besser?

Ja, da kann ich noch einen draufsetzen. Auch wenn es Dich auf den ersten Blick vielleicht überrascht.

Meine renditestärkste Investition war der Erwerb eines Bibliotheksausweises

Lass mich erklären warum.

Wir beginnen mit einer Zeitreise. Als kleiner Bengel bekamen wir alle in der Klasse automatisch einen Bibliotheksausweis. Damit konnte ich allerdings wenig anfangen und habe ihn daher nur benutzt, wenn ich aus Schulgründen musste. Ich konnte mir einfach wesentlich spannendere Dinge vorstellen, als in so einer muffigen Bibliothek rumzuhängen.

Wir spulen vor bis zu meinem Studium. Dazwischen habe ich einen großen Bogen um die Bibliothek gemacht. Warum hätte ich auch hingehen sollen? Ich las generell recht wenig, abgesehen von einigen Romanen. Auf die Idee, die Bücher auszuleihen, statt zu kaufen, kam ich erst gar nicht.

Während des Studiums verbrachte ich dann wieder mehr Zeit in Bibliotheken, insbesondere beim Schreiben meiner Diplomarbeit. Ich ging manchmal in die Uni-Bibliothek, aber meistens dann doch in die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften in Hamburg. Diese Orte besuchte ich genauso lange, bis ich meine Diplomarbeit abgegeben hatte. Dann hatten sie ihren Zweck erfüllt. Jetzt wollte ich weiter ziehen und die Welt entdecken. Das war so um 2005 herum.

Mein ganz persönlicher Heureka-Moment

Die Bibliotheks-Abstinenz änderte sich dann schlagartig am 21. August 2013! In den Monaten vorher hatte sich einiges getan. Ich erlebte meinen ganz persönlichen Heureka-Moment. Über den MrMoneyMoustache Blog entdeckte ich das Konzept der finanziellen Freiheit. Eine ganz neue Welt tat sich auf. Ich hatte tausend Fragen, wollte viele Details recherchieren und mich finanziell weiterbilden. Ich hatte eine ganze Liste von Autoren und Büchern, die ich lesen wollte.

Die Bücher zu kaufen wäre ziemlich teuer geworden. Das ließ sich auch nicht mit meiner neu gewonnen Erkenntnis der finanziellen Freiheit vereinen. Also entschied ich mich mal wieder in die gute alte Stadtbibliothek zu gehen und zu schauen, was die so auf Lager haben. Wie sich rausstellte, war das eine ganze Menge. Fast alle Bücher, die ich lesen wollte, waren dort. Perfekt! Jetzt konnte es losgehen.

Eigenkapitalrendite

Das ist ja alles schön und gut. Aber es erklärt noch nicht, warum der Bibliotheksausweis meine renditestärkste Investition war. Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste ist die hohe Eigenkapitalrendite.

Der Jahresbeitrag in meiner Bibliothek beträgt 16 Euro. Da Frau Finanzglück – die noch weit mehr Bücher als ich ausleiht – auch einen Bibliotheksausweis hat, zahlen wir jeder nur 8 Euro im Jahr.

Die Alternative zum Ausleihen wäre die Bücher zu kaufen. Ich hatte mir in den ersten beiden Jahren aus der Bibliothek insgesamt 33 Bücher ausgeliehen. Dabei handelte es sich ausnahmslos um Fachbücher. Nehmen wir einfach mal an, der durchschnittliche Neupreis für die Taschenbücher- oder Kindle-Version hätte bei 10 Euro gelegen. Bei einer Investition von 16 Euro (zwei Jahre Ausweis) und einer Ersparnis von 330 Euro komme ich auf eine Rendite von über 2.000% – in einem Zeitraum von zwei Jahren.

Selbst unter der Annahme, dass ich die Bücher gebraucht gekauft hätte, käme ich wahrscheinlich immer noch auf eine Rendite von über 1.000%.

Soweit so gut. Aber wir reden hier über kleine Beträge. Mit den ersparten 330 Euro komme ich auf meinem Weg in die finanzielle Freiheit nicht wirklich weiter.

Bildungsrendite

Viel wichtiger ist meine Bildungsrendite. Die kann ich nicht direkt monetär bewerten. Aber sie wird enorm sein, wesentlich größer als die oben berechnete Eigenkapitalrendite. Wir reden hier immer noch von nur 16 Euro Kapitaleinsatz.

Ich habe mir durch das Lesen der Bücher ein umfangreiches Wissen angeeignet. Unter diesen 33 Büchern wurde eine breite Spanne von Themenfeldern abgedeckt. Zu den Autoren zählten:

In den zwei Jahren, nachdem ich in den Bibliotheksausweis investiert hatte, habe ich mehr Sachbücher gelesen, als in den über 30 Jahren davor.

Dabei habe ich nicht nur viel über Finanzen und Investitionen gelernt, sondern auch über Glück, Ernährung, Fitness und Psychologie.

Investition in mich selbst

Ich habe es nicht nur dabei gelassen die Bücher zu lesen, sondern daraus auch meine Schlüsse gezogen und Veränderungen vorgenommen.

  • Ich habe meine Finanzen neu geordnet, eine Aktienmarktstrategie ausgearbeitet und begonnen diese umzusetzen. Meine Investitionen in ETFs sind jetzt auf Autopilot und laufen im Hintergrund. Darum brauche ich mir keinen Kopf mehr zu machen.
  • Ich habe mein Fitnessprogramm umgestellt und mir sportliche Ziele gesetzt. Jetzt wird nach jahrelanger Pause wieder gepumpt! Dazu gibt es Cardio-Training bei meiner liebsten Art Geld zu sparen. Ich fühle mich körperlich fit wie mein zwanzigjähriges Ich, allerdings in der Version mit kleinen Love Handles 🙂
  • Ich habe meine Prioritäten im Leben überdacht und meinen Alltag daran ausgerichtet. Zeit zu verbringen mit meiner Familie und meinen Freunden steht ganz oben auf der Liste. Das macht mich glücklich.

Kurzum, ich habe in mich selbst investiert. Und das nicht zu knapp. Ich hätte auch ohne meinen Bibliotheksausweis einige der Bücher gelesen. Aber ich bezweifle, dass ich mir Sachbücher in dieser Breite angeschafft hätte.

Hinzu kommt noch, dass die Investition in einen Bibliotheksausweis mein ökologisches Gewissen beruhigt. Durch meinen „Konsum“ muss nichts extra produziert werden. Auch mülle ich mich nicht mit Büchern zu, die dann jahrelang im Schrank verstauben.

Hätte, wenn, aber…

Im Nachhinein hätte ich bereits viel früher wesentlich mehr Zeit in Bibliotheken verbringen sollen. Ich bin fälschlicherweise davon ausgegangen, ich würde genug theoretisches Wissen in der Schule bzw. dem Studium vermittelt bekommen.

Weit gefehlt. Es gibt so ungeheuer viel Wissen, was über den engen Lehrplan bzw. dem Studienfach hinausgeht. Dieses Wissen steht gut aufbereitet und fast kostenfrei zur Verfügung. Die hellsten Köpfe dieser Erde verbringen Jahre, um ihre Gedanken und geballten Erkenntnisse auf ein paar hundert Seiten in Buchform zu komprimieren. Du musst nur zugreifen.

Dabei finde ich besonders die Klassiker auf ihren jeweiligen Gebieten am interessantesten. Es ist egal, ob Bücher 10, 20 oder 30 Jahre alt sind, da das Wissen und die Erkenntnis darin oft zeitlos sind.

Dein Ausweis wartet schon auf Dich

Frau Finanzglück hat unseren lütschen Heiermann letzte Woche das erste Mal mit in die Bibliothek genommen. Er ist jetzt 22 Monate alt. Ist das zu früh? Wir glauben nicht. Er spielt dort schon in der wirklich niedlichen Kinderecke und schaut sich mit Interesse die Kinderbücher an. Die schönsten darf er sich dann ausleihen und Zuhause weiterlesen. Hoffentlich wird Heiermann von klein an die Bibliothek mit einem positiven Gefühl in Verbindung bringen und dort auch später gerne Zeit verbringen.

Solltest du noch keinen Bibliotheksausweis haben, dann kann ich Dir nur empfehlen Dir einen zuzulegen. Ich brauchte relativ lange, bis ich die Bibliothek wiederentdeckt habe. Jetzt möchte ich sie nicht mehr missen.

Hast Du einen Bibliotheksausweis oder kaufst Du Dir Deine Bücher? Hast Du auch schon einige der Autoren oben gelesen oder hast Fragen dazu? Ich freue mich schon auf Deinen Kommentar.

 

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33 Kommentare

  1. Bei mir war es ganz ähnlich. Zu Schulzeiten hatte ich die Bibliothek so gut wie es ging gemieden. Dann habe ich an der Fernuni studiert und kam während dieser Zeit auf den Trichter mir die Bücher aus der Universitätsbibliothek schicken zu lassen. Für die Abschlussarbeit wäre mir das aber zu teuer geworden (Porto usw.). Deshalb wurde die Staatsbibliothek mein neues zu Hause 😉 Nach meiner Abschlussarbeit bin ich dann sofort zu einer normalen Bibliothek gegangen und habe mir zum Studentenpreis noch einen Ausweis ausstellen lassen – 5 € auf den Tisch gelegt und mir standen etliche Bücher und Zeitschriften zur Verfügung. Allerdings nutze ich seither nur die Onleihe (wofür man an einer Bibliothek angemeldet sein muss) und finde dieses System absolut genial, da ich mittlerweile lieber auf einem (leichten) eBook-Reader lese als in (schweren) Büchern – aber das ist natürlich Geschmackssache 😉 Jedenfalls werde ich dieses Jahr meinen Ausweis wieder verlängern (diesmal muss ich aber 10€ auf den Tisch legen). Denn ganz ehrlich, missen möchte ich das ganze nicht mehr.

    Ach eine Sache muss ich aber noch loswerden: Einige Bücher, die mir sehr gut gefallen, kaufe ich dennoch nochmal (bspw. die Bücher von Kommer oder Kahnemann). Denn ich könnte mir vorstellen, dass einige gute Bücher nicht erschienen wären, wenn den Autoren das nicht entsprechend finanziell honoriert wird.

    1. Es gibt ja in der Bibliothek auch noch so viele andere lustige Sachen, die wir eigentlich gar nicht nutzen. Z.B. könnten wir uns DVBs ausleihen oder die Zeitschriften dort lesen. Es ist schon erstaunlich, wieviel man geboten bekommt für die geringe Gebühr.

  2. Hallo Herr Finanzglück,

    ich weiß gar nicht warum ich in den letzten Jahren keine Bibliotheken genutzt habe. Einige Klassiker möchte ich auch noch lesen und da ich sowieso minimalistischer leben möchte passt das eigentlich gut.

    Ich habe zuletzt: Wie man Freunde gewinnt. Die Kunst beliebt und einflussreich zu werden von Dale Carnegie gebraucht in gutem Zustand für 2,10 Euro gekauft. Da ich vorhabe es immer im Gebrauch zu haben machte das Sinn. Ein echter Klassiker.

      1. Ja, ein Klassiker. Liegt auch gerade wieder auf meinem Nachttisch. Den Titel finde ich eher unpassend. Klingt irgendwie nach kalkuliertem Verstellen, um sich Freunde zu erschleichen.
        Viel Spaß beim Lesen. Lass dich nicht von den teilweise antiquierten Anekdoten abschrecken ;-).
        Liebe Grüße
        Dummerchen

          1. Ich habe die Empfehlung bekommen und mich nicht vom Titel abschrecken lassen 😉

            Eine Bekannte meinte, das Buch „Sorge dich nicht lebe“ von ihm wäre auch gut. Das kenne ich noch nicht…

  3. Moin Nico,

    ich bin gerade auf der Suche nach Literaturempfehlungen zum Thema Immobilienkauf (zur Vermietung). Hast Du Dich da belesen und kannst etwas empfehlen? Muss nicht zwingend ein Buch sein, nehm ich aber auch gerne.

    Vielen Dank und schönes Wochenende!
    Marcel

    1. Hallo marcel030,

      leider nicht. Ich hatte mir damals die Info im Netz besorgt und mit Leuten gesprochen. Der Rest war Learning by Doing. Das würde ich aber nicht empfehlen. Du machst es da schon genau richtig. Die Grundlagen hätte ich mir damals in Buchform aneignen sollen.

      Vielleicht kann ja einer der anderen Leser weiterhelfen. Kann jemand ein gutes Buch zum Thema Immobilienkauf empfehlen?

      Es gibt ja ein Buch von Gerd Kommer zu diesem Thema. Da ich es nicht gelesen habe, kann ich dazu auch nicht wirklich viel sagen. Sein Buch zum Thema ETFs hatte mir sehr weitergeholfen.

      VG, Nico

      1. Der Kommer (Kaufen oder Mieten) ist ja eher ein auf historischen Daten basierende Studie zum Thema „Lohnt sich Kaufen (im Mittel) gegen über dem Mieten (im Mittel)“. Seine Aussagen tendieren eher zu einem „Nein“.

        Daraus schlussfolgert die Hardcore-ETF-Fraktion, dass es sich NIE lohnt und die Hardcore-Immo-Fraktion, dass Kommer keine Ahnung hat, weil es sich in ihrem Fall doch gelohnt hat. Die moderate Schlußfolgerung „Es kann sich lohnen, muss aber nicht und hängt auch von unwägbaren Risiken ab“ wird eher selten betrachtet. Das wäre ja auch viel zu wenig Schwarz/Weiß ;-).

        Wenn ich marcel30 recht verstehe, möchte er ja eher praktische Hinweise zur konkreten Umsetzung. Da ist der Kommer ein Fehlkauf – es sei denn, er möchte das Thema allgemein jenseits der Bausparkassen- und „So günstig wird es nie wieder!“-Werbung mal von einer anderen Seite betrachten.

        Lieben Gruß
        Dummerchen

    2. So eine Literaturempfehlung abzugeben ist gar nicht so einfach, da jeder die Informationen unterschiedlich aufnimmt bzw. aufnehmen möchte. Der eine mag es sehr detailliert und wissenschaftlich, der andere lieber oberflächlich und bevorzugt eher eine Kompaktdarstellung wie etwaige Checklisten. Gerade das Thema Immobilien ist recht mannigfaltig. Das fängt von der gewünschten Erwerbsform (Zwangsversteigerung, Kauf über Makler, Schenkung usw.) an, geht über Objektbewertung, steuerliche Aspekte und Finanzierung weiter und endet bei der Objektverwaltung, -vermietung oder gar Verkauf. Ich würde aber dennoch mal eine Empfehlung wagen. Vielleicht hilft dir ja als erster Einstieg das „Praxishandbuch Immobilienanlage“ von Helmut Keller. Dann kann man ja immer noch durch weitere Bücher in die Tiefe gehen.

      Um noch mal beim Bibliotheksthema zu bleiben: Bibliotheken eignen sich auch hervorragend dazu, einfach mal durch einige Bücher zu stöbern und zu schauen, was es so gibt, um sich so einen Überblick zu verschaffen. Bei einigen Bibliotheken muss man dafür noch nicht mal einen Ausweis haben – man bekommt die Informationen also für lau.

      VG, Sven

      1. Hallo alle zusammen!

        Schonmal vielen Dank für Eure Antworten, ich werde mal in das Buch vom Herrn Keller reinschnuppern, der Titel hört sich vielversprechend an.

        Zum Hintergrund: Ich rechne mich derzeit noch der „Hardcore-ETF-Fraktion“ zu, was hauptsächlich meinen persönlichen Umständen geschuldet ist. Da jetzt aber zum ersten Mal ein unbefristeter Arbeitsvertrag ins Haus steht (Goodbye lebenswissenschaftliche Forschung, Hallo Industrie), wollte ich mich einfach mal erkundigen, was so alles beim Haus-/Wohnungskauf zur Vermietung zu beachten ist, was einkalkuliert werden muss uswusf. Daher passt das Buch von Keller wahrscheinlich auch besser als der Kommer. Selbst wohne ich (zumindest derzeit) am liebsten zur Miete.

        Viele Grüße
        Marcel

    3. Kennst du den Blog von Bodenseepeter? Der hat auch ein paar Blogeinträge zum Thema Wohnung zum Vermieten kaufen. Der hat da eine Renditetabelle die ich genial finde. Die kann man auch nachbauen mit ein wenig Excel-Kenntnissen oder halt von ihm kaufen.

      Um sich mal einen Eindruck vom Vermieterdasein zu verschaffen finde ich dieses Forum http://www.meineimmobilie.de/community nicht schlecht.

      Bücher kenne ich leider keine.

      1. Beim Bodenseepeter bin ich auch mal durch Zufall gelandet. Fand ich ganz interessant, aber leider nicht wirklich viele Artikel zum Thema Immobilien (wenn ich mich richtig erinnere). Wenn Du schauen willst, ob Dir eine Immobilie eine vernünftige Rendite bringen wird, dann kannst Du auch erst mal beim Finanzglück Model schauen. Das findest Du in diesem Beitrag. Das ist dann auch fast umsonst. Es kostet Dich dann auch nur ein Bier, falls Du Dich basierend auf dieser Kalkulation tatsächlich eine Immobilie kaufen solltest 🙂

  4. Vielen Dank für den Tipp mit den Büchereiausweis. Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen, obwohl ich so einige Bücher lese. Hatte immer gedacht meine Bücher gibt’s dort gar nicht. Wurde aber grade eine besseren belehrt. Bei einem Blick in die Suche der Bib. In einer Universitätsstadt wohl nicht so verwunderlich.

    Die 20€ sind da schon ein Schnäppchen. Die regnerischen Tagen werden mich wohl dann mal in die Bib ziehen.

    1. Ich mag es auch sehr gerne in der Bibliothek zu stöbern! Das kriegst Du bei Amazon nicht so leicht hin. Da bin so zum Beispiel zufällig auf Bücher von John Kenneth Galbraith gestoßen. Ich hatte mir „ Der große Crash 1929“ und „Eine kurze Geschichte der Spekulation“ mitgenommen und auch relativ schnell durchgelesen (besonders Letzteres ist wirklich schlank). Was für tolle Bücher!! Seit hunderten von Jahren laufen die Spekulationskrisen nach dem gleichen Schema ab. Da hat sich von der Tulpenmanie in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis zur Dotcom Blase nicht viel verändert. Wenn Du Dir das vor Augen hältst, dann gehst Du mit so einem Kriselchen wie im Moment völlig entspannt um. Alles wiederholt sich, nur die neuesten technischen Spielerein drum herum ändern sich. Der Kern der Spekulation – der Mensch – hat sich nicht verändert.

  5. Es gibt zu Kaufen und Leihen noch eine dritte Alternative: Tauschen. Das läuft unter dem Stichwort Bookcrossing und hat seit fast sechs Jahren nicht nur meine persönliche Lese- und Hör(buch)quote vervielfacht; ich habe eine Menge Literatur kennen gelernt, die ich „regulär“ vermutlich nicht aktiv gesucht und/oder gekauft hätte.
    Und dem Motto „Regalhaltung ist Buchquälerei“ ist seither eine fast vierstellige Zahl von Büchern durch meine Hände und Regalbretter gewandert. „Fehlgriffe“ tun nicht (finanziell) weh – sie werden einfach wieder in den „Buchkreislauf“ eingespeist oder irgendwo „freigelassen“, wo sie andere Leser finden. Und ganz nebenbei lernt man auch neue bibliophile Menschen kennen. 🙂

    1. Moin Christian,

      das ist interessant. Da habe ich ehrlich gesagt noch nie von gehört. Was für eine tolle Erfindung. Das werde ich mir mal im Detail anschauen. Es scheint ja noch über den eigentlichen Buchtausch hinwegzugehen und klingt irgendwie sogar aufregend, weil so ein Buch dann eine ganz eigene Geschichte zu erzählen hat.

      Wo findest Du denn solche Bücher?

      VG, nico

      1. Moin Nico,

        es geht über viele Wege:
        zentral über die weltweite Plattform http://www.bookcrossing.com, über das dortige (deutschsprachige) Forum, über regelmäßige lokale Treffen (sogen. MeetUps) mit anderen BookCrossern, die selbst Bücher mitbringen; durch Zufallsfunde; in öffentlichen Bücherschränken, in „Official BookCrossing Zones“ (z.B. Regale in öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten – Cafés etc.), durch „Jagd“ (man kann sich benachrichtigen lassen, wenn in der räumlichen Umgebung Bücher „freigelassen“ wurden)…

        Gruß
        Christian

          1. Sorry, Christian. Da muss ich dich enttäuschen. Ich kenne das Konzept aber bestimmt schon über 10 Jahre und in meinem Örtchen steht auch so ein Bücherschrank herum.
            Ich gehöre der Stadtbibliotheksfangruppe an. Seit 3-4 Jahren habe ich wieder so einen Ausweis und schätze vor allem auch den digitalen Zugriff auf die onleihe.net
            Liebe Grüße
            Dummerchen

  6. Hey Nico,
    lustig, schon wieder ein Thema das ich auch gerade angehe – hab mir vor 4 Wochen nen Ausweis für die örtliche Bücherei geholt!
    Ich finde es super auch einfach mal Bücher aus anderen Genres mitzunehmen und reinzulesen – manches ist super, anderes wieder nicht… ist aber auch nicht schlimm, dann bring ich es eben einfach wieder zurück…
    Sehr praktisch finde ich auch die Online-Bibliothek, dazu brauche ich aber noch nen vernünftigen eReader, am Tablet macht´s nicht so viel Spaß…
    Deine Autoren-Liste hab ich auch sofort mal zur Hand genommen und nachgesehen was es bei uns so davon gibt – seitdem lese ich Taleb´s „Antifragilität“ – sehr spannend, wenn auch stellenweise etwas philosophisch und utopisch, aber gut…
    Ansonsten danke für den, wie immer, coolen Blogeintrag, weiter so!
    Viele Grüße aus dem schönen Bayern 😉
    Michl

    1. Hallo Michl,

      Antifragilität habe ich selber noch nicht gelesen (gibt es aber viermal in meiner Bibliothek!). Es ist auf der Liste, aber durch den Blog komme ich irgendwie nicht wirklich voran. Ich hatte „Der Schwarze Schwan“ gelesen und war begeistert.

      Darf ich Dir noch drei Bücher empfehlen, die es sehr wahrscheinlich in Deiner Bibliothek geben wird und die Du so vielleicht noch nicht auf dem Radar hast?

      Wie oben bereits erwähnt, „Eine kurze Geschichte der Spekulation“ von John Kenneth Galbraith. Das kannst Du entspannt an einem regnerischen Nachmittag durchlesen. Toll geschrieben und verblüffend im Inhalt.

      „Tipping Point“ von Malcolm Gladwell. Er beschreibt an Beispielen, wie manchmal nur kleinste Änderungen Trends oder sogar Epidemien auslösen und so riesige Auswirkungen haben. Toller Erzählstil und sehr interessant.

      „Kollaps“ von Jared Diamond. Er beschreibt an diversen Beispielen wie in der Vergangenheit ganze Zivilisationen zusammengebrochen sind und sich selbst ausgerottet haben (Osterinseln, Mayas, Wikinger auf Grönland). Dabei gibt es immer wiederkehrende Gemeinsamkeiten. Konkret im Kopf hängen geblieben ist mir die Frage (so oder so ähnlich): Was muss der Mensch gedacht haben, der auf der Insel den letzten Baum gefällt hat (wohl wissend, dass ein Überleben ohne Bäume nicht möglich ist)?

      Vielleicht gefällt Dir ja eines der Bücher.

      VG, nico

      1. Wow, danke für die Tips! Klingt durchwegs interessant, da werd ich mal checken ob´s die in meiner Bücherei gibt (eher ländlich, daher wohl nicht wirklich erstklassig sortiert und somit nicht ganz selbstverständlich)…

        Nichtsdestotrotz hat sich mein Jahresbeitrag auf jeden Fall schon in den ersten Wochen amortisiert 🙂
        Kann ich mir gut vorstellen dass die Zeit zum Lesen bei dir auch eher spärlich ausfällt – als Papa sehen die Prioritäten meist anders aus, und das ist auch gut so! Naja und wenn man dann nebenbei auch noch nen Blog zu pflegen hat 😉
        Wünsch auf jeden Fall weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

  7. Im Studium war ich für meine wissenschaftlichen Arbeiten viel in der Stuttgart Uni-Bib. Für Maschinenbauer ein Traum. Selbst für meinen Freund habe ich dort manchmal Bücher ausgeliehen, weil seine Hochschule keine so gute Auswahl hatte. Bei Fachbüchern, die sonst 80€ kosten, lohnt sich das am meisten. Normale Belletristik habe ich bisher noch nicht ausgeliehen. In letzter Zeit komme ich ohnehin kaum zum Lesen. Wenn doch, dann hole ich mir eine gute Buchreihe, die dann hübsch im Regal stehen soll oder ich hole mir irgendwelche ausgemusterten Bücher für 3€ von irgendeiner Krabbelkiste. Von den oben genannten Autoren habe ich noch nichts gelesen. Ich lese gerne lebendige Sachen, weswegen ich privat quasi keine Fachbücher wälze. Ich musste schon ein paar Hausarbeiten von Freunden lesen und habe dabei auch ab und zu mal Originaltexte angeschaut. Im Soziologie und Psychologiebereich fand ich es teilweise schlimm, wie viel leeres Geschwafel im Text stand. Mir sind da Blogs lieber, wo alles auf den Punkt gebracht wird und eine persönliche Note mit einfließt.

    1. Hi Jenny,

      jetzt überraschst Du mich aber! Ich kann gar nicht glauben, dass Du Dir Dein Wissen über Finanzen nur aus Blogs angelernt hast. Echt keine Fachbücher? Das zeigt mir aber, wieviel Wissen gut aufbereitet im Internet verfügbar ist. Du hattest vorher bereits schon mal irgendwo geschrieben, dass Du z.B. im Wertpapierforum viele Informationen bezüglich ETFs gefunden hattest. Dazu kommen wohl auch noch diverse gute Blogs, in denen sich die Leser dann auch im Detail in den Kommentaren austauschen. Vielleicht kann ich Dich ja doch noch irgendwie überzeugen, Dir das eine oder andere Fachbuch aus Deiner Bibliothek auszuleihen. Lass mich wissen, falls Du Inspirationen brauchen solltest 🙂

      VG, Nico

  8. Hallo Nico,

    klasse Beitrag. Du triffst mit deinem Beitrag echt einen wunden Nerv. Denn oft werden zwar Bücher gelesen und gekauft. Aber Ihr Wert wird verkannt. Diese Rendite lässt sich schwer in Zahlen ausformulieren.

    Beim Wissen gibt es für mich auch einen Zinseszins Effekt. Deswegen trägt jede Zeile zu dem Endergebnis bei.

    „Ein Mann ist die Summer der Bücher, die er gelesen hat.“

    Kleines Beispiel von mir:

    Erst vor ca. 2 Monaten habe in einem Buch 3 läppische Zeilen gelesen. Die mir Effektiv 1000€ eingebracht haben.

    Liebe Grüße
    Christian

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