Sparfuchs trumpft Großverdiener

Du willst Vermögen aufbauen, vielleicht sogar Deine finanzielle Freiheit erlangen. Unabhängig sein. Nicht mehr für die Kohle arbeiten, sondern nur noch Dinge tun, die Dir Freude und Genugtuung bereiten. Dadurch ein glücklicheres und erfüllteres Leben führen.

Dann herzlich willkommen! Geht mir genauso.

Vermögen aufzubauen ist eigentlich gar nicht so schwer. Ich gehe sogar noch weiter: Es ist einfach! Letztendlich musst Du nur ein Einkommen generieren, weniger ausgeben als Du einnimmst und dann die Differenz investieren. Einfach den Finanz-Triathlon absolvieren. Dann lässt Du noch die Magie der Zinseszinsen für Dich wirken und… trara…. Du wirst Dein Vermögen wachsen sehen. Das kann dann im Idealfall sogar soweit gehen, dass Dein passives Einkommen irgendwann Deine Ausgaben übersteigt. Dann wärst Du finanziell frei.

Lassen wir für einen Moment das Investieren beiseite und konzentrieren uns auf die Einnahmen und Ausgaben. Was ist eigentlich die wichtigere Drehschraube beim Vermögensaufbau?

Für mich sind das ganz klar die Ausgaben. Es ist im Prinzip einfach: Egal wieviel Kohle Du verdienst, wenn Du über Deine Verhältnisse lebst und Dich vollständig Deinen Konsumergüssen ergibst, dann bleibt am Ende des Monats auch nichts über. Gleichzeitig gilt: Selbst wenn Du nur ein niedriges Einkommen hast, aber trotzdem sparen kannst, wirst Du mit der Zeit Vermögen aufbauen.

So weit so simpel. Lass es mich aber noch ein bisschen weiter vertiefen.

Einnahmen erhöhen ist schwierig und fremdbestimmt

Es ist schwierig sein (aktives) Einkommen zu erhöhen. Der Tag hat nur 24 Stunden und die Woche 7 Tage. Oft korreliert unser Gehalt mit den Arbeitsstunden, die wir unserem Arbeitgeber dienen.

Da gibt es ein natürliches Limit unserer Arbeitszeit und unserem Potential das Einkommen zu erhöhen. Bessere Qualifizierung, Weiterbildung, Jobwechsel, etc. führen zwar auch zu mehr Einkommen, aber es gibt doch eine gewisse Begrenzung, in der wir uns bewegen. Mehr Einkommen durch mehr Arbeitsstunden ist dann auch nicht unbedingt erstrebenswert. Wir verbringen schon genug Zeit im Hamsterrad.

Außerdem spielt bei dem Versuch das (aktive) Einkommen zu erhöhen auch eine gute Menge Fremdbestimmung mit. Die Gehaltserhöhung ist abhängig vom Chef oder der Personalabteilung. Der Jobwechsel ist abhängig vom derzeitigen Arbeitsmarktumfeld.

Sparen ist einfach und macht Dich glücklich

Demgegenüber ist Dein Sparen fast komplett selbstbestimmt. Du entscheidest, wieviel Du ausgeben willst, wann Du das tust und wofür. Du musst niemanden um Erlaubnis fragen, weniger zu konsumieren.

Sparen hat nichts mit Deiner verfügbaren Zeit zu tun. Es gibt keine Beschränkungen. Du kannst entscheiden, eine Woche keinen neuen Krimskrams zu kaufen, einen Monat lang oder ein Jahr.

Während beim Einkommen doch noch oft mehr Einsatz, Energie und Zeit zu mehr Geld führen, ist es beim Sparen anders herum. Die schönsten Dinge im Leben kosten kein oder kaum Geld. Mit Deinem Partner spazieren gehen, Dein Baby beim Krabbeln beobachten oder Zeit in der Natur verbringen. Das sind Beispiele von Dingen, die Dich wahrscheinlich glücklich machen.

Dein Einkommen um 20% zu erhöhen ist eine echte Herausforderung. Deine Ausgaben um 20% zu senken sollte dagegen einfacher sein, wenn Du erst mal die richtige Einstellung entwickelt hast.

Beispiel gefällig?

Verstehe mich nicht falsch. Ich bin kein Eremit, der abgeschieden in seiner Hütte wohnt und sich von Raupen ernährt. Ich führe ein durchaus luxuriöses Leben würde ich sagen. Wir wohnen in einem hübschen Reihenmittelhaus, besitzen ein Auto und fahren mehrmals im Jahr in den Urlaub. Ich gehe auch ab und an gerne mit meiner Frau oder meinen Freunden in ein Restaurant oder in eine Bar. Relativ spießiger Standard würde ich sagen.

Es sind aber die Details, die den Unterschied machen. Das Auto, letztes Jahr gekauft, ist ein Ford Focus Combi, Baujahr 2008, mit 95.000km auf dem Tacho. Die typische Familienkutsche halt. Nicht schön aber effizient. Hatte letztes Jahr stolze 6.500 Euro gekostet. Immer noch verdammt viel Geld, wenn Du mich fragst, aber mit Abstand das billigste Auto im Vergleich zu meinen Kollegen oder Nachbarn. Meist bleibt die Karre sowieso in der Garage stehen und wir fahren mit dem Fahrrad.

Unseren letzten Urlaub hatten wir in Italien (Mailand, Toskana) sowie in der Schweiz (Zürich) verbracht. In Mailand hatten wir Freunde besucht, dort auch gewohnt und abends nett zusammen gekocht. In der Toskana verbrachten wir 10 fantastische Tage in einem relativ günstigen Apartment auf einem Weingut. Das war einfach traumhaft dort! Wir kochten abends mit lokalen Zutaten und tranken reichlich leckeren Tafelwein direkt vom Weingut. Morgens noch die Rebe gestreichelt, abends dann die Trauben in Form von Vino Rosso geschlürft. In Italien brauchst Du wirklich nicht viel mehr als Sonne, Chianti und Parmigiano. In Zürich hatten wir wiederum Freunde besucht und eine tolle Zeit verbracht. Die gleichen Freunde besuchen uns dann übrigens im Gegenzug auch wieder.

Der ganze Urlaub, insgesamt zweieinhalb Wochen, hat schließlich unter 2.000 Euro gekostet. Komplett für unsere kleine Familie von drei Leuten. Das ist immer noch viel Geld, aber wesentlich günstiger als ein alternativer Hotelurlaub auf Gran Canaria. Ich würde auch selbst bei gleichem Preis nicht tauschen wollen.

 Ausgaben sind wichtiger als Einnahmen

Sparen ist also einfacher als das Einkommen zu erhöhen (zumindest in den meisten Fällen). Warum ist ein sparsames Leben auch wichtiger, um irgendwann die finanzielle Freiheit zu erlangen?

Jetzt kommt ganz simple Mathematik ins Spiel. Nehmen wir mal folgende zwei Beispiele an:*

  1. In Deinem Haushalt hast Du ein Nettoeinkommen von 60.000 Euro im Jahr (well done!) und sparst davon 10.000 Euro. Deine jährlichen Ausgaben sind demnach 50.000 Euro. Das ist immerhin eine Sparquote von 16,7%. Um irgendwann finanziell frei zu sein, muss Dein passives Einkommen generiert durch Deine Investitionen, komplett Deine Ausgaben decken. Wir nehmen hier jetzt einfach mal eine Nettorendite nach Steuern von 4% an. Demnach musst Du ein Vermögen von EUR 1,250,000 aufbauen, um Deine Ausgaben komplett zu decken, ohne dass Dein Vermögen sich reduziert. Bei 10.000 Euro jährlicher Sparleistung und der gleichen angenommenen 4% Nettorendite würde es ca. 45 Jahre dauern, so viel Vermögen aufzubauen. So wird das nichts mit der finanziellen Freiheit.
  1. Dein Haushalt hat ein Nettoeinkommen von „nur“ 30.000 Euro (immer noch stattlich) im Jahr, aber Ihr schafft es von 20.000 Euro zu leben. Da beträgt die Sparquote schon beachtliche 33,3%. Bei der gleichen Annahme von 4% Nettorendite ergibt sich ein benötigtes Vermögen von nur 500.000 Euro. Bei Deinen 10.000 Euro Sparbetrag brauchst Du dafür nur noch 28 Jahre. Da kann es mit der finanziellen Freiheit vor Deinen 50ern noch hinkommen.

Du siehst also, ein hohes Einkommen bei gleichzeitig hohen Ausgaben bringt Dich nicht wirklich schnell der finanziellen Freiheit näher.

Ein sparsames Leben, selbst bei niedrigerem Einkommen, ist der wirkliche Treiber. Du brauchst einfach viel weniger Vermögen, um deinen Lebensstil durch passives Einkommen zu finanzieren.

In dem Beispiel haben wir noch gar nicht den positiven Effekt von geringeren Steuern auf das niedrigere Einkommen berücksichtigt. Um das benötigte Einkommen zu generieren, wird bei hohen Ausgaben ein wesentlich höheres Bruttoeinkommen benötigt, als bei niedrigen Ausgaben.

Den wirklichen Boost gibt es dann, wenn Du Deine (niedrigen) Ausgaben konstant halten kannst, während Dein Gehalt mit der Zeit wächst. Dann wird es noch schneller gehen, Vermögen aufzubauen und letztendlich vielleicht die finanzielle Freiheit zu erlangen.

Für den Vermögensaufbau gilt daher: Sparfuchs trumpft Großverdiener!

 

*dies ist eine stark vereinfachte Darstellung, sollte aber reichen, um den Punkt klarzumachen.

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5 Kommentare

  1. Ich seh das genauso. Kein Geld auszugeben ist außerdem auch wesentlich entspannter als Geld auszugeben. Einfach weil jeder Kauf mit einem gewissen Maß an Aufwand verbunden ist. Schuhe kaufen? Welche Farbe? Welche Form? Welches Material? So viele Fragen, die man sich vorher beantworten muss. Wenn man nicht gerade wirklich Schuhe braucht, ist es am Einfachsten einfach keine zu kaufen. 😉

    Liebe Grüße
    Alexandra

    1. Hallo Alexandra,

      Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich bin nicht so der Shopping-Typ. Zu dem hänge ich wirklich an meinen Klamotten. 10 Jahre für ein T-Shirt ist da nichts. Ist lustig, wenn ich mir die die Urlaubsbilder von den letzten Jahren anschaue und sich nur der Hintergrund ändert – der Typ darauf sieht immer gleich aus 🙂

      VG, Nico

  2. Sparfuchs (1500netto) und Großverdiener (3000netto) können beide gleich viel sparen, z.B. 500€ im Monat. Beide legen das Geld an und haben das gleiche Sümmchen im Alter zur Verfügung. Dennoch kann unser Sparfuchs länger von dem Geld leben bzw. ist bereits vorher finanziell frei.
    Meine Eltern haben mir immer geraten, mir einen bescheidenen Partner zu suchen; denn so übersteht man auch mal schwierige Zeiten miteinander. Das tolle Gehalt kann jederzeit wegfallen und plötzlich hat man als Lebemann eine Menge laufende Kosten.

  3. Hallo Ex-Studentin,

    Der Partner spielt wirklich eine wichtige Rolle. Immens wichtig sogar. Ich glaube es würde ständig Streit geben, wenn Frau Finanzglück zu den Geld-auf-den-Kopf-Hauern gehören würde.

    Ob man sich jetzt absichtlich einen bescheidenen Partner suchen muss weiß ich nicht. Wahrscheinlich findet man automatisch einen, da man die anderen instinktiv ausschließt.

    VG, Nico

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