Alternative zur Riesterrente? Machen wir es doch wie die Schweden!

Alternative zur Riesterrente

Diese Skandinavier…

Hand aufs Herz – irgendwie scheint da oben vieles richtig zu laufen, womit wir uns hier ziemlich schwer tun.

Ich hatte Dir ja vorher schon empfohlen Dein Geld zu investieren wie die Norweger. Die Wikinger haben mit ihrem Staatsfonds den Standard gesetzt.

Aber die Schweden stehen ihren Nachbarn in nichts nach.

Die haben zwar keinen Öl-Fonds. Dafür aber einen Staatsfonds, der den Löwenanteil der kapitalgedeckten Altersvorsorge ihrer Mitbürger investiert.

Eine staatliche Alternative zur Riesterrente sozusagen. Nur halt Schwedish-Style.

Und was die Jungs sich hier haben einfallen lassen, hat mich glatt von den Socken gehauen.

In diesem Beitrag beschreibe ich Dir:

  • Wie genau der schwedische Staatsfonds die Rentengelder langfristig anlegt;
  • Warum er dabei deutlich aggressiver investiert, als ich es mir zutrauen würde; und
  • Weshalb sich heutzutage nahezu alle Schweden dafür entscheiden ihre kapitalgedeckte Altersvorsorge von einer Handvoll Beamten verwalten zu lassen, statt das Geld lieber selber in Fonds zu investieren.

Na, ist Dein Interesse geweckt?

Dann lass uns gleich mal eintauchen.

Behördenmuff mal anders

Tapetenwechsel.

Es geht in die Innenstadt von Stockholm. Genauer gesagt in die Vasagatan Nummer 16, schräg gegenüber vom Hauptbahnhof. Dort sitzen in einem ziemlich hässlichen Betonklotz zweieinhalb Dutzend Leute vor ihren Monitoren und verfolgen dabei ein ganz klares Ziel:

Sie wollen ihren Landsleuten einen finanziell sorgenfreien Lebensabend bescheren.

Dabei jonglieren sie mit derzeit 370 Milliarden Schwedischen Kronen – ca. 38,5 Milliarden Euro. Tendenz steigend.

Wer sind diese Menschen?

Es befinden sich ein paar ziemlich eindrucksvolle Lebensläufe darunter. Gestandene  Persönlichkeiten aus der schwedischen Wirtschaft genauso wie spezialisierte Analysten und Fondsmanager.

Sie alle vereint, dass es sich um Staatsbedienstete handelt.

Der Arbeitgeber ist AP7 – eine Behörde.

Gleiches Problem, gleiche Schlussfolgerung, verschiedene Lösungen

Gehen wir ein paar Jahre zurück, nämlich in die 1990er Jahre.

Das Kernstück der schwedischen Altersabsicherung baut sich auf einem ähnlichen umlagefinanzierten System auf wie bei uns. Das heißt die arbeitende Bevölkerung bezahlt aus den laufenden Rentenversicherungsbeiträgen direkt die Bezüge der Rentner.

Und so wie bei uns hat irgendwann in den 90ern das große Stirnrunzeln begonnen.

Wenn der demographische Wandel sich nicht umkehrt, dann haben wir spätestens ab den frühen 2000er Jahren ein Problem. Die Menschen werden immer älter und die Geburtenzahlen gehen zurück. Wobei Letzteres in Schweden auch aufgrund funktionierender politischer Maßnahmen ein nicht ganz so großes Thema ist wie bei uns.

Nach langen Diskussionen kam man sowohl in Schweden als auch in Deutschland zu einer ähnlichen Schlussfolgerung.

Wir brauchen eine kapitalbasierte Zusatzrente!

Die Bürger sollen sich nicht ausschließlich auf das umlagefinanzierte Rentensystem verlassen. Parallel soll jeder selber für das Rentenalter ansparen (neben Betriebsrenten und anderem).

Soweit, so gleich. Aber ab dann schieden sich die Wege.

Unser Riesterle…

Bei uns hat sich Walter Riester viele Nächte um die Ohren geschlagen, um dann Anfang der 2000er mit einem ganz ausgetüftelten System um die Ecke zu kommen. Um die nötige Rentenkürzung zu kompensieren, soll der Bürger sich einen Teil der Rente privat finanzieren. Dabei unterstützt der Staat in Form von Zulagen oder Steuerersparnissen.

Das ganze Programm findet freiwillig statt. Nur wer Bock hat muss mitmachen. Der Rest lässt es einfach sein und macht sein eigenes Ding – oder eben nichts.

Die Ausgestaltungen und Möglichkeiten sind flexibel, aber auch komplex. Man muss schon eine gewisse Leidenschaft mitbringen, um sich hier tiefer in die Materie reinzutüfteln. Ansonsten ist man auf eine gute Beratung angewiesen. Und die ist leider rar gesät.

Hier hatte ich mit dem Versicherungsfuchs die Vor- und Nachteile beschnackt. Unser Ergebnis war, dass Riestern sich trotz seiner Schwächen für Dich lohnen kann – aber leider in den meisten Fällen nicht tut.

Ohne mich jetzt zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen: die ganze Riester-Geschichte hätte man heute wohl nicht noch mal so losgetreten.

Die Riesterrente ist größtenteils am Ziel vorbeigeschossen. Durch die hohen Gebühren werden die Zulagen überwiegend aufgefressen. Die Bezieher kleinerer Einkommen wurden leider kaum erreicht.

Dumm gelaufen.

Die Schweden setzen auf Premium

Welchen Weg sind die Schweden stattdessen gegangen?

Nach einigem hin und her wurde dort im Mai 2000 die Premium-Rente eingeführt. Und in diesem Zusammenhang auch die Behörde AP7 aus der Taufe gehoben – eine Art Staatsfonds.

Die Schweden zahlen einen Rentenversicherungsbeitrag von 18,5% des Bruttolohns – ähnlich hoch wie die 18,7% in Deutschland.

Diese werden in Schweden jedoch aufgeteilt in:

  • 16% umlagefinanzierte Rente
  • 2,5% kapitalbasierte Premium-Rente

Anders als bei unserem Riesterle ist das System nicht freiwillig, sondern obligatorisch.

Mitgehangen, mitgefangen.

Damit ist das schwedische Rentensystem einzigartig – ein Teil der Sozialversicherungsbeträge wird direkt in individuelle Anlagekonten gezahlt.

Aber wie wird die Premium-Rente investiert?

Jetzt wird es richtig interessant.

Kein Scheiß im Kleingedruckten

Die Schweden können sich zwischen zwei Varianten entscheiden.

In der ersten Variante können sie selber zwischen ca. 850 vorselektierten Fonds wählen und in bis zu fünf von ihnen ihr Geld investieren.

Wer hat die Fonds ausgesucht?

Jetzt kommen das erste Mal die Damen und Herren von AP7 ins Spiel. Sie prüfen jeden der Fonds genauestens auf deren Konditionen ab und lassen ausnahmslos kostengünstige Produkte zu.

Die Kameraden lesen auch das Kleingedruckte im Prospekt. Und verstehen es!

Die spezialisierten Fondsmanager verhandeln auf Augenhöhe mit den Fondsgesellschaften – oder sogar aus einer Position der Stärke heraus. Wer mit seinen Fonds in den erlesenen Klub aufgenommen werden möchte muss dafür erst mal die Kosten runterschrauben.

Das deutsche Pendant hierzu wäre ein verunsicherter Riester-Sparer, der vor seinem Versicherungsvertreter wie das Kaninchen vor der Schlange sitzt. Meist geht er dann mit einem überteuerten Vertrag nach Hause, in dem er die versteckten Kosten gar nicht richtig geblickt hat.

Die schwedische Variante klingt doch schon mal verlockend. Und tatsächlich hat sich anfangs die Mehrheit der Rentenversicherten für diese erste Variante entschieden.

Das hat sich allerdings geändert. Und zwar ordentlich.

Heute entscheiden sich 97% der Leute für die zweite Variante.

Risikofreudig, risikofreudiger, Pensionsfonds

Die Schweden, die keine Lust auf die eigene Auswahl aus den vorselektierten Fonds haben, landen automatisch im Staatsfonds AP7.

Dazu kommen noch die vielen Schweden, die sich zwar auch zutrauen ihr Geld selber anzulegen, aber es trotzdem lieber die Leute von AP7 machen lassen. Einfach weil noch mehr dabei rum kommt.

Was genau steckt denn hinter AP7?

Eigentlich reden wir hier über zwei Fonds, die beide gemischt werden („AP7 Såfa“ genannt).

  1. AP7 Aktienfonds und
  2. AP7 Rentenfonds

Und hier kommt der erste Knaller.

Der Aktienfonds, nicht der Rentenfonds, bildet das Rückgrat von AP7 Såfa.

Derzeit liegen über 92,5% der Anlagegelder im Aktienfonds.

92,5%? WTF!

Zum Vergleich, die meisten Pensionsfonds haben deutlich über 50% in risikoarmen Asset-Klassen, wie Anleihen oder Festgelder. Aktien stellen oft nur eine Beimischung, selten aber den Hauptteil des Anlagevermögens. Schon gar keine über 90%.

Wie kommen die Schweden denn bloß auf so eine wahnwitzige Verteilung?

Die AP7 Såfa Allokation zwischen Aktien- und Rentenfonds ist fest gesteuert durch das individuelle Alter der jeweiligen Rentenversicherten.

Bis zum 55. Lebensjahr wird die Premium-Rente zu 100% in den Aktienfonds investiert!

Ab 60 geht es dann runter auf 83%, mit 65 auf 67% und selbst ein rüstiger 70 jähriger, der noch im Berufsleben steht, hat noch 50% seiner Premium-Rente in Aktien investiert.

Das ist doch mal sportlich.

Nix mit einem Aktienanteil (in Prozent) von 100 minus Lebensalter, wie es sonst gerne empfohlen wird.

Aber solch eine Übergewichtung auf den Aktienmarkt ist auch sinnvoll. Die angesparten Gelder arbeiten für viele Jahrzehnte und dürfen auch nicht isoliert betrachtet werden. Auf der AP7 Homepage wird es so erklärt:

The income pension (“umlagefinanzierte Rente”) is linked to economic performance and income growth, while the premium pension improves risk diversification through exposure to global capital markets. The two pensions are thus complementary. As the default choice for Swedish premium pension savers, AP7 Såfa is specifically designed to act as this complement to the income pension.

Die umlagefinanzierte Rente und die Premium-Rente ergänzen sich und dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Erstere ist der große Brocken und von anderen Variablen abhängig, als den Kapitalmärkten. Letztere ist die Beimischung und darf daher gerne bis in hohe Alter schwanken, solange die langfristige Durchschnittsrendite dadurch gepfeffert bleibt.

Doch wie sehen denn jetzt die beiden AP7 Kameraden im Detail aus?

Ein bisschen von allem – aber günstig

Die Fondsmanager des AP7-Aktienfonds versuchen den Index „MSCI ACWI 135% SEK“ nachzubilden.

MSCI ACWI ist der Index, 135% der Leverage und SEK die Währung (Schwedische Kronen).

Der MSCI All Country World Index ist ein internationaler Aktienindex. Vereinfacht gesagt ist es ein Mix aus dem MSCI World (Welt-Index für Industrieländer; 89% Gewichtung) und MSCI Emerging Markets (Welt-Index für Schwellenländer; 11%). Der Fonds ist breit gefächert über die verschiedenen Sektoren mit einem regionalen Schwerpunkt auf den USA (50%) und Europa (21%).

Anders wie die Norwegischen Freunde, investiert dieser Staatsfonds fast ausschließlich passiv. In Zusammenarbeit mit einigen großen Playern wie BlackRock, State Street Global oder Northern Trust wird breit in den Markt investiert, ohne selber direkt Aktien zu erwerben.

Auch hier wird ein großer Fokus auf die Kosten gelegt. Der Premium-Rentner zahlt keine gesonderte Management Fee, keine Depotgebühr und keine Performance Gebühr.

Es wird nur eine jährliche Pauschalgebühr von unschlagbaren 0,11% berechnet.

Zum Vergleich, bei einem passiven MSCI ACWI Indexfonds liegst Du bei einer deutlich höheren Kostenquote von 0,40% – 0,60%.

Passiv ≠ Passiv

So ganz passiv ist der Aktienfonds dann aber doch nicht.

Die „135%“ im Index-Namen oben bezieht sich auf den Leverage (Hebel).

Um die Rendite zu steigern, setzen die AP7 Fondsmanager auf Derivate, um einen Multiplikatoreneffekt zu erreichen.

Vereinfacht gesagt, gehen die Ertragsschwünge um den Multiplikator 1,35 nach oben oder aber eben auch nach unten. Die Volatilität in den Kapitalmärkten wird also aktiv noch verstärkt. So soll langfristig eine noch höhere Rendite erzielt werden.

Darüber hinaus haben die Fondsmanager auch noch Möglichkeiten die Rendite weiter zu pushen durch Short Selling (Leerverkauf von Aktien) und Private Equity Investitionen (bis zu 3% des Anlagevolumens).

Das hat mich glatt vom Hocker gehauen!

Mir wären gehebelte Aktienmarktinvestitionen – oder gar Short Selling – viel zu heiß. Für AP7 ist das aber ganz normales Tagesgeschäft.

Zur Erinnerung, wir reden hier immer noch über die Altersvorsorge eines breiten Teils der schwedischen Bevölkerung. Diese aggressive Investitionsstrategie, an die sich die Fondsmanager halten müssen, wurde in den politischen Gremien im Detail debattiert und für gut befunden.

Unvorstellbar in unseren Landen, wo Aktien an sich ja schon als Teufelszeug gelten.

Auf der AP7 Homepage werden die Basics noch mal in einfachen Worten erklärt:

Projected long-term returns are nevertheless significantly higher than for a fixed income fund (“Rentenfonds”). It is impossible to combine low risk with high returns.

No risk, no fun.

Knuffiger, sicherer, günstiger

Der  AP7 Rentenfonds sieht dagegen wie ein frommes Lämmchen aus.

Die Fondsmanager investieren fast ausschließlich in schwedische Anleihen mit guter Bonität und ohne Währungsrisiko.

Die Durchschnittslaufzeit ist niedrig mit nur zwei Jahren. Bis zu 30% dürfen auch ganz einfach als Bankeinlage platziert werden.

Und kriegen wir das ganze noch ein bisschen günstiger hin als beim großen Aktienbruder?

Na sicher – die jährliche Gebühr sind lachhafte 0,05%.

Der AP7 Rentenfonds ist also praktisch für umme.

Die Performance kann sich sehen lassen

Jetzt schauen wir uns mal die Ergebnisse an.

Dies sind die jährlichen Renditen seit 2010 (in %):

AP7 Aktienfonds Rentenfonds
2010 14,3 -0,5
2011 -11,5 3,4
2012 18,5 2,8
2013 34,0 1,8
2014 31,1 2,8
2015 6,6 0,8
2016 16,5 0,7

Seit der Gründung 2000 liegt die Aktienfonds-Bruttorendite irgendwo knapp über 9%. Durch die sehr niedrigen Kosten gehen diese Gewinne direkt auf die Anlagekonten der zukünftigen Rentner.

Aktienrally-Jahre wie 2013 und 2014 wird es nicht immer geben, dafür aber auch mal Jahre in denen es richtig mies laufen wird. Doch Richard Gröttheim (CEO) hatte es in einem Interview 2015 sehr schön ausgedrückt:

As a long-term investor, we are here to add value over to the savers over a long time period and not just a few quarters or years. We work towards optimising returns and we continuously evaluate whether the strategies work. Part of being a long-term investor is accepting times of underperformance as long as the strategy works and we know the reasons behind it. So expecting more than 30% per year is not realistic in the longer term. If we are able to achieve 8-9% per year over several decades, we are happy.

Hätte ich nicht schöner ausdrücken können.

Und nachts gut schlafen können sie auch…

Das soziale Gewissen spielt bei den Investitionsentscheidungen ebenfalls eine Rolle.

Ähnlich wie beim Norwegischen Öl-Fonds gibt es auch hier einen Ethik-Rat, der Beteiligungen in bestimmte Firmen ausschließt.

In diesen illustren Rahmen fallen Firmen, die ihre Finger bei der Herstellung von Nuklearwaffen im Spiel haben. Also auch Schwergewichte wie Airbus, BAE, Boeing oder Northrop.

Dazu kommen noch einige Umweltsünder – 2016 hatte es unter anderem Exxon und Gasprom erwischt.

Maximierung der Rendite steht zwar im Vordergrund, spielt aber nicht ausschließlich eine Rolle.

Mit Grüßen aus der Vasagatan

Jedes Jahr flattert ein orangefarbener Brief in die schwedischen Haushalte.

Darin teilt die Rentenversicherung mit, wie hoch der Anspruch aus der umlagefinanzierten Rente ist und wieviel sich auf dem persönlichen Anlagekonto der Premium-Rente befindet.

Alles fein aufgeschlüsselt nach den möglichen Renteneintrittsaltern.

Bei Renteneintritt – frühestens mit 61 Jahren – wird geschaut wieviel Talerchen auf dem Premiumrentenkonto angelaufen sind. Dieser Betrag wird dann in eine lebenslange Rente umgewandelt. Eine Einmalauszahlung ist nicht möglich.

Geringverdiener fallen übrigens aus dem System der Premium-Rente raus. Stattdessen gibt es hier eine sogenannte Garantierente ab dem 65. Lebensjahr – direkt von Staat.

Der Garantiezins – unser Renditekiller

Alter Schwede (sorry, den konnte ich mir jetzt nicht verkneifen…), da haben mich die Nordländer aber ganz schön beeindruckt.

Wenn die Schweden sich anschauen wie wir Süd-Dänen versucht haben das demographische Rentenproblem durch eine kapitalbasierte Rente zu lösen, dann können sie wohl nur mit dem Kopf schütteln.

Unsere Riesterrente wird sich kaum zum Exportschlager entwickeln.

Anfangs haben die Schweden der ganzen Sache noch nicht recht getraut und lieber selber die Auswahl der Fonds übernommen. Heute vertrauen fast alle lieber der AP7-Behörde ihre Altersvorsorge an.

Warum auch nicht?

Die Kombination aus langfristig hoher Rendite mit niedrigen Kosten ist einfach unschlagbar.

In der Premium-Rente gibt es keine Rendite-Garantien. Dadurch können die Gelder auch langfristig mit hoher Volatilität – und damit höherer Rendite – angelegt werden.

Riester-Sparern wird garantiert, dass am Ende der Laufzeit mindesten die eingezahlten Beiträge und Zulagen zur Verfügung stehen. Also quasi eine Null-Prozent-Garantie. Dadurch sind die Anbieter gezwungen, einen höheren Anteil der Beiträge in schwankungs- und renditearme Produkte zu investieren. Bei unseren klassischen Lebensversicherungen ist es noch schlimmer.

Solch ein Garantiezins ist vielleicht gut gemeint, wirkt sich aber fatal auf die Altersvorsorge aus. Hier denken wir in Jahrzehnten. Da darf es gerne schwanken, solange im Durchschnitt eine ordentliche Rendite dabei rumkommt.

Die Schweden haben das verstanden. Wir nicht.

Mein Fazit

Ich wünschte mir unsere Politiker hätten damals die Weitsicht und den Mumm gehabt ein ähnliches System wie die Schweden aufzusetzen.

Sie haben eindrucksvoll bewiesen, dass eine staatlich verwaltete, kapitalgedeckte Altersversorgung nicht nur Sinn macht, sondern wohl auch einer rein privaten, freiwilligen Lösung überlegen ist.

Durch die geballte Verhandlungsmacht gegenüber den Fondsgesellschaften können die Kosten soweit gedrückt werden, wie sonst kaum möglich.

Die Gewinner des schwedischen Systems sind die Sparer – die Verlierer die Fondsgesellschaften, Versicherungen, Banken.

In Deutschland wird viel über eine Alternative zur Riesterrente diskutiert.

Wenn es nach mir ginge, bräuchten wir das Rad gar nicht erst neu zu erfinden.

Die Schweden haben mit Ihrer Premium-Rente eine brillante Alternative zur Riesterrente geschaffen. Hiervon müssten wir uns nur die passenden Teile übernehmen und das bisherige Model ablösen.

Aber ob ich das noch erleben werde?

Was hältst Du von der schwedischen Premium-Rente? Ich freue mich schon auf Deinen Kommentar!

 

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31 Kommentare

  1. Hallo Nico,

    ich glaube dafür sind die Deutschen einfach viel zu risikoavers.
    Lieber nichts riskieren und ganz sicher die magere Rendite einfahren. Hauptsache das eingezahlte Kapital bleibt über die Laufzeit mindestens gleich viel Wert.

    Ich würde mir dieses System auch für Deutschland wünschen, doch ich bezweifle, dass es kommen wird. Dazu müsste sich die Politik schließlich auch gegen die gesamte Versicherungs-, Banken- und Fondsbranche stellen.
    Es tut mir einfach nur leid für die Menschen, die die große Katastrophe nicht kommen sehen und hinterher nach 40 Jahren harter Arbeit im Alter auf Hartz IV-Niveau leben müssen.

    Schöne Grüße
    Dominik

  2. Hallo,
    mit so einer Idee hätte ich jetzt am Anfang nicht gerechnet. Aber die Idee ist wirklich gut. Keiner zieht sich raus und die Position des Staats ist mit so einem Volumen schon ordentlich.

    Deutschland. Tja. Wünschen könnte man sich so ein System wirklich. Ob ich damit rechne? Niemals. Deutschland hat sich das falsche Vorbild als Staat gesetzt. Vielleicht sollte man das mal überdenken oder mal lieber selbst ein Vorbild sein.

    Aber das bleibt wohl erstmal ein Traum….

    gruß,
    mafis

    1. Hi Mafis,

      ich bevorzuge normalerweise immer privatwirtschaftliche Lösungen. Aber bei diesem Thema ist eine staatliche Lösung doch überlegen – wenn richtig ausgestaltet. Dadurch, dass die Geschichte obligatorisch ist, fällt auch keiner durchs Raster. Jeder wird erreicht (Geringverdiener durch die Garantierente). Die Konditionen werden aus einer Position der geballten Stärke verhandelt. Auch die Leute, die keinen Bock haben sich mit dem Thema Rente auseinanderzusetzen, kriegen das gleiche Paket wie alle. Und statt einen großen Verwaltungsapparat aufzubauen, der die kapitalbasierte Rente verwaltet, kommen die Schweden derzeit mit ganzen 28 Mitarbeitern aus.

      Wie ich es auch drehe, es bleibt einfach beeindruckend.

      VG, Nico

  3. Ich kann mich den Kommentaren von Maximilian und Dominik nur anschliessen. Es wäre sehr schön, definitiv wünschenswert, wird aber in Deutschland leider nicht „zeitnah“ an den Mann/Wähler zu bringen sein. Plus das breite Verständnis dafür erzugen zu können. Leider.

    Wie gerne würde ich meine Rentenbeiträge gerne (ggf. auch anteilig) selbst verwenden (=anlegen) dürfen, anstatt sie im derzeitigen Deutschen-System verschwinden zu sehen….. Wenn ich mir die Lohnsteuerjahresauszug meines Arbeitgebers für mich jedes Jahr anschaue, summiert sich das ordentlich.

  4. Hallo Nico, sehr schoene Aufarbeitung.
    Ja, eine hohe Aktienquote hat die hoechste Performance-Aussicht.
    Ich werde mich weitgehend an’s schwedische Modell halten … jedenfalls bis 55 … 🙂
    https://www.ap7.se/english/ap7-sa%cc%8afa/
    „The allocation between the equity and fixed income funds is based on the individual pension savers’ ages in a lifecycle approach. Up to the age of 55, 100 percent is allocated to the equity fund.
    OK
    From the age of 56 to 75 the allocation is annually rebalanced toward the fixed income fund until reaching an allocation of 2/3 fixed income fund and 1/3 equity fund at the age of 75.“
    Na ja, mal sehen …
    Hier Strategien zur Persoenlichkeitsveraenderung, die noetig ist, um eine hoehere Aktienquote aushalten zu koennen:
    https://www.finanzwesir.com/blog/crash-angst-finanzwesir-rockt-folge42#1502704867

    1. Moin Joerg,

      auf der Startseite (www.ap7.se) gibt es unten einen Regler, den Du nach rechts ziehen kannst. Dann siehst Du für jedes Alter die dementsprechende Asset Allokation. Witzig gemacht!

      VG, Nico

  5. Ich schaffs nicht mal, meine Eltern von moneyou als Tagesgeldkonto zu überzeugen, weil das ja was Ausländisches ist. Ich kann die Grundidee des gesetzlichen Schneeballsystems nachvollziehen, aber ich verstehe nicht, wieso man geradewegs auf Probleme zusteuert. Sobald die Babyboomer in Rente gehen, wird es viele Talkshows über Altersarmut und hohe Abgaben bei Arbeitnehmern geben. Mir gefällt die Idee der Schweden und auch die Amis haben gute Ansätze. Aber statt sich u.A. am deutschen Aktienmarkt zu beteiligen, beschwert man sich lieber, dass alles von Ausländern aufgekauft wird.

    1. Hi Jenny,

      es ist ja auch irgendwo eine Erziehungssache. Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Wir Deutschen haben kaum Kontakt zur Börse und wenn, wird es meist verteufelt. Die Amerikaner haben deutlich mehr Kontakt dazu, weil sie ihre Altersvorsorge selber über die Kapitalmärkte managen müssen. Dadurch geht Angst verloren und die Leute sehen, wie sehr sich eine hohe Rendite langfristig durch den Zinseszinseffekt auszahlen kann.

      In Schweden hat sich übrigens durch AP7 generell das Kostenniveau für Fonds gesenkt. Da die Bürger auch in den 850 freiwilligen Fonds sehen wie niedrig Fondskosten sein können, werden auch im Privatbereich nicht mehr so leicht horrende Managementgebühren gezahlt. Ein netter Nebeneffekt!

      VG, Nico

  6. Danke für den Klasse Blick über den Teller-bzw. Länderrand! Deutschland steuert mit vollem Tempo auf ein riesiges Rentenproblem zu, aber das Thema ist zu heiss, besonders jetzt vor der Wahl. In Deutschland kenne ich ein ähnliches (vielleicht etwas weniger aggressives Model) aus dem Versorgungswerk der Rechtsanwälte. Der komplette gesetzliche Rentenbeitrag (inkl. Arbeitgeber) geht in eine kapitalgedeckte Rente.

    1. Hi SN,

      davon habe ich auch schon gehört. Ich hatte ich mal mit einem Anwalt drüber geschnackt. Der arbeitet für eine der großen internationalen Kanzleien. Damit ist er zum passiv investieren gezwungen – er darf nämlich nicht in Aktien von (potentiellen) Kunden investieren. Und das sind bei den ganz großen Kanzleien fast alle. Auch mal ein Grund passiv vorzuziehen 🙂

      VG, Nico

  7. Moinsen!

    Die Kombi aus umlagefinanzierter Rente und einer, ich nenn sie mal „Kapitalarbeitsrente“ ist schon wirklich gut und sinnvoll. Aus meiner Sicht wichtig ist, dass man die Stärken der Umlagesystem nicht einfach so abtut: Solange Menschen Arbeit zu verrichten haben wird es diese Rente geben und solange die Produktivität steigt wird man auch das (derzeit übertriebene) Demografieproblem lösen können. Allerdings ist das Demografieproblem eben doch da und daher geht man andere Wege.

    Ich bin ziemlich stark der Meinung, dass alles rund ums Riestern und Rürupen keine Altersvorsorge ist sondern ein lobbybasiertes Konkunkturprogramm für Banken und Versicherungen. Gleiches sieht man auch jetzt bei der Diskussion um die Privatisierung von Bundesautobahnen – das Geld ist da, aber die Renditewünsche der Konzerne sitzen direkt neben dem Ministerstuhl.

    Schweden hat genau das gelöst: Sie haben einen guten staatlichen Mix zwischen Umlage und Beteiligung am Produktivvermögen gefunden und gehen einen Weg, wo eben (der Schlangenvergleich war wirklich gut) der Kunde nicht vor dem Konzern sitzt und sich etwas aufquatschen lässt, was er a) nicht versteht, b) was nicht zu ihm passt und c) viel zu teuer ist.

    Ein Punkt ist allerdings nicht ganz so einfach: Risiko ist Risiko – egal wer es eingeht. Leerverkäufe und Hebel sollten meiner Meinung nach dann schon mit Bedacht eingesetzt werden. Hier garantiert aber vielleicht sogar der Staat für die Einlagen – wer weiß?

    Viele Grüße,

    Christian

    1. Moin Slowroller,

      beim Thema Leerverkäufe und Hebel musste ich auch schlucken. Für mich würde ein reines Investment in kostengünstige Indexfonds vollkommen reichen.

      Beim Thema Umlagesystem bin ich auch bei Dir. Produktivfortschritte werden oft nicht stark genug berücksichtigt in der Diskussion. Das wird die Sache zumindest zum gewissen Teil entschärfen.

      VG, nico

  8. Hej, aus deutscher Sicht sicherlich ein sehr interessanter Ansatz. Vielleicht hättest du bei deiner Präsentation auch berücksichtigen müssen, dass der von dir beschriebene Rententeil (premiepensionen) eben nur ein Teil der späteren Rente ausmacht und die 2,5% nur bis zu einem monatlichen Brutto von 36 312 kronen (ca 3800 €) gelten, verdienst du mehr, wird dies nicht berücksichtigt. Für die spätere Gesamtrente sind vor allem die normale Einkommensrente (inkomstpensionen) über die Umlagenfinanzierung und die Betriebsrente (avtals- eller tjänstepensionen) von wesentlicher Bedeutung, d.h. lange Vollzeit arbeiten und tarifliche Bezahlung.
    Eine Besonderheit ist, dass das Einkommensrentensystem über die Umlagenfinanzierung autark ist. Das bedeutet, dass, wenn die Mittel über die Umlage von den Arbeitnehmern nicht ausreichen um die Rentenauszahlungen zu gewährleisten, die Renten gekürzt werden (pensionsbromsen)! Damit hält man das finanzielle System im Gleichgewicht und kein Politiker kann steuerfinanzierte Rentengeschenke verteilen. Das nenne ich ein nachhaltiges Rentensystem, welches jedoch hohe Anforderungen an alle Beteiligten stellt.
    Hälsning
    Dividend500

    1. Hallo Dividend500,

      ich hatte mich auch schon gefragt ob es eine Art Beitragsbemessungsgrenze für die (kapitalgedeckte) Premiumrente gibt. Aber dazu hatte ich nichts gefunden, bzw. dafür hat mein Schwedisch nicht gereicht 🙂

      Von daher vielen Dank für Dein Input!

      Wenn wir von umgerechnet 3.800 Euro als Magic Number ausgehen, dann liegen wir mit einem Satz von 2,5% bei ziemlich schmalen 95 Euro pro Monat. Das macht den Braten ja nicht wirklich fett… Schade eigentlich.

      Das schwedische Umlagesystem ist generell faszinierend. Auf die anderen AP Fonds, die eine Art staatliche kapitalgedeckte Variante sind und miteinander konkurrieren, bin ich aus Platzgründen gar nicht weiter eingegangen.

      VG, nico

  9. Moin Nico,

    ja leck die Katze. Toll ausgearbeiteter Artikel über ein „Rentensystem“ das sich sehen lassen kann und mit meinen privaten Interessen decken würde. Wie würde Olli Kahn sagen: „Wir brauchen mehr Eier!“
    Genau das vermisse ich bei der deutschen Politik als auch den deutschen Sparern.

    In dem Sinne: let’s do it schwedisch style!
    Beste Grüße
    Daniel

  10. Lieber Nico, das ist ja wirklich unfassbar! Das lese ich gerade zum ersten Mal, aber das ist ja total cool, was die Schweden da rocken! Danke, dass Du das so „knuffig“ zusammengefasst hast.;-) Hast Du eine Ahnung, wie das um das Jahr 2008 ausgesehen hat? Da müssten die doch auch ziemlich in den Miesen gewesen sein?
    Liebe Grüße,
    Miss Money

    1. Hi Miss Money,

      die gesamt Historie habe ich nicht gefunden – da wird es im englischsprachigen Bereich irgendwann rar. Aber die Gesamtrendite seit Entstehung 2000 liegt ja bei 9% (Brutto). Da sind die Katastrophenjahre schon mit dabei.

      VG, Nico

  11. Ein Punkt kommt mir in der Diskussion um kapitalgedeckte Altersvorsorge immer ziemlich kurz: Meiner Ansicht nach rennt auch die kapitalgedeckte Altersvorsorge in die „Demografiefalle“ – denn egal ob arbeitende Menschen über Sozialabgaben eine umlagefinanzierte Rente bezahlen oder ob arbeitende Menschen Gewinne für ein Unternehmen erzeugen, das dann Dividenden ausschüttet, die eine kapitalgedeckte Rente bezahlen – ohne Mitarbeiter, die Arbeitskraft einbringen, bricht auch ein kapitalgedecktes System IMHO zusammen. Oder liege ich da grundsätzlich falsch?

    Natürlich verschieben wir das Problem, wenn wir in einen ACWI investieren, und natürlich profitiert die Wirtschaft insgesamt derzeit stärker von Produktivitätszuwächsen als die Rentenbeiträge der Mitarbeiter (auch wegen der Beitragsbemessungsgrenze) – das sind aber keine systemischen Gründe, denke ich…

    MfG, Arno

  12. Genialer Artikel über ein geniales System. Danke!

    Ich bin auch ein bekennender Befürworter eines staatlichen Pensionsfonds in Deutschland. Ich denke damit könnte man das Dilemma, dass die Deutschen absolute Aktienmuffel sind, ganz gut beseitigen.

    Das schwedische System würde bei uns eigentlich auch ganz gut passen. Der Anteil, der in Aktien fließt, ist ja eigentlich eher gering. Das tut niemanden wirklich weh.

    Normalerweise bin ich nicht so der Verschwörungstheoretiker, aber ich glaube bei Riester&Co. hatte die Finanzindustrie doch ein Finger zu viel im Spiel. Und damit haben sie die ganzen Sparwilligen wieder verprellt und eigentlich das Gegenteil erreicht. Riester an sich ist ja nicht schlecht, nur die meisten Produkte, mit denen man das nutzen kann, sind ziemlich blödsinnig.

    1. Moin Stefan,

      ich wollte im Beitrag nicht so drauf rumreiten warum die Riesterrente so zusammengezimmert wurde wie sie jetzt aussieht. Ich bin da aber ganz bei Dir. Lobbyismus ist wirklich ein Thema bei uns. Das ist vielleicht in den Nordländern nicht so ausgeprägt – aber so genau kenne ich mich da nicht aus.

      VG, Nico

      1. Ja, wobei der Lobbyismus an der Stelle ja noch nicht einmal das Problem ist. Ich denke sie hat sich mit Riester nur selbst ins Knie geschossen.

        Ich finde das Riester-System wie gesagt gar nicht so schlecht, mal abgesehen davon dass ich von der Kapitalgarantie nicht all zu viel halte. Die Idee, die Altersvorsorge mit Baufinanzierung zu koppeln (Wohnriester) ist auch nicht so dumm, auch wenn ich glaube, dass viele den Effekt einer Immobilie als Altersvorsorge überschätzen (weil sich die meisten Leute viel zu große Hütten mit teurem Unterhalt dafür hinstellen).

        Das größere Problem ist eben, dass unsere Finanzindustrie völlig wirre und intransparente Produkte darauf aufgesetzt hat, statt etwas Vernünftiges zu bieten. Das hätte zwar weniger Gewinn, aber mehr Kunden gebracht.

        Eigentlich wäre für die Lobby ein System ähnlich wie in Schweden, bei dem man Pflichtbeiträge in Finanzprodukte stecken kann, viel geschickter gewesen. Natürlich sollte es dann immer eine staatliche Alternative geben. An der müsste sich die Finanzindustrie dann messen.

  13. Hej Finanzglück, nach den letzten Lobeshymnen hier würde ich dir empfehlen, einen Beitrag über das komplette schwedische Rentensystem zu verfassen. Da würde sich vieles relativieren. Nur eine Rosine rauszupicken funktioniert nirgendwo und politisch ist das in Deutschland, oder auch anderen europäischen Staaten, absolut undurchführbar. Es wäre politischer Selbstmord für ein System zu werben, welches dir im neuesten Bescheid leider mitteilen muss, dass deine Rente im nächsten Jahr um 2,5 % gekürzt werden muss, so wie in einigen Jahren nach der letzten Finanzkrise in Schweden geschehen.
    Keine Missverständnisse: Ich halte das schwedische System für nahezu perfekt aus Nachhaltigkeitsgründen und dafür, dass kein Politiker sich mit fremden Geld profilieren kann. Aber es ist halt ein System, nur den „premiedel“ (hat übrigens nichts mit Premium zu tun) herauszufischen macht keinen Sinn.
    Hälsning
    Dividend500

    1. Hallo Dividende500,

      warum denn nicht? Ich versuche mir in allen Bereichen des Lebens immer das Beste von anderen abzuschauen und mir dann punktuell genau diese herausragenden Fähigkeiten anzueignen. So kann ich mich effektiv weiterentwickeln.

      Wir müssen nicht das gesamte schwedische Rentensystem kopieren und bei uns einführen. Das kann gar nicht klappen, weil wir aufgrund von Historie, Werte, Normen etc. verschieden sind. Aber Teile lassen sich wunderbar übernehmen. Unsere Riesterrente durch ein besseres kapitalbasiertes System zu ersetzen – so wie das schwedische – passt allemal. Nicht eins zu eins, aber eine angepasste Version die auf diesen Grundlagen basiert. Vielleicht picken wir uns noch ein paar Elemente aus den Rentensystemen in der UK, den USA oder anderen heraus und lassen uns davon inspirieren.

      VG, Nico

  14. Die Idee unserer nördlichen Mitmenschen ist schon klasse.
    Leider haben wir hier in Deutschland auch immer noch das Problem, das sich jeder Politiker mit irgendein Mis… Thema mal verewigen möchte. Riester, okay, gab es nicht auch noch Rürup ? Wir retten Holzmann oder doch lieber das Abitur mit 12 Jahren, welches wir wieder kippen ? usw usw. Wer das dann nicht schafft, geht in die EU und versucht da irgend eine Veröffentlichung in Wikipedia zu verankern.
    Leider alles am Volk und Praxis vorbei. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, es besteht überhaupt kein Interesse im Sinnes des Volkes zu handeln, sodern vorzugsweise die eigen Position zu stärken. Da sind die Skandinavier uns eine ganze Ecke voraus.

    lg Plutusandme

  15. Moin,

    das hört sich alles gut an. Ich würde es aber nicht allzu sehr glorifizieren wollen.

    1.)
    Wir dürfen nicht vergessen, dass auch der schwedische Staat 215 Milliarden US-Dollar Schulden hat. Darunter werden auch ältere Anleihen mit einem Zinssatz von 4-6% sein. Die könnte man theoretisch völlig risikofrei tilgen. Das muss man sich schon einmal überlegen. Das kann der Rente der Bürger dann auch zugute kommen. Das ist eigentlich nur eine Frage der Mittelverwendung im Staatshaushalt.
    Stattdessen behält man seine Schulden und geht ins Risiko. Ob das wirklich so schlau ist, ist noch nicht ausgemacht.

    2.)
    Das System ist nur solange gut, wie Friede, Freude, Eierkuchen herrscht.
    Wenn der Staat jedoch dringend Geld braucht, dann braucht er nun einmal Geld. Schließlich muss wenigstens innere und äußere Sicherheit und eine gewisses Mindestmaß an Infrastruktur gewährleistet werden. Und dann hat der Staat freien Zugriff auf die Rentenkasse. Das müsste dann auch gemacht werden, denn es gibt nun einmal wichtigere Dinge als die Rente.
    Von daher hat die staatliche Kontrolle auch seine Nachteile.

    Das deutsche Umlagesystem ist unter diesen Gesichtspunkten der Sicherheit unschlagbar. Es gibt nicht einmal eine Rentenkasse, auf die man zugreifen kann.

    Nur meine 50 Cent!

    Einen schönen Abend noch!

    1. Moin Schwachzocker,

      „Das deutsche Umlagesystem ist unter diesen Gesichtspunkten der Sicherheit unschlagbar. Es gibt nicht einmal eine Rentenkasse, auf die man zugreifen kann.“

      Da hattest Du meinen Lacher sicher! 🙂

      Guter Punkt, dass es wenn es hart auf hart kommt, der Staat solche Konten natürlich am einfachsten leerräumen kann. Habe ich tatsächlich mal so erlebt – nicht als Direktbetroffener, aber ganz nah dabei. Kurz nach dem Höhepunkt der argentinischen Wirtschaftskrise 2001/02 hatte ich sechs Monate im Land der Gauchos verbracht. Dort wurde im Zuge der Krise in einem Ruck die Mittelschicht ausgeschaltet. Wirklich krass. Und auch dort ging es an die Rentengelder – zumindest haben es die Leute mir dort so berichtet. Nichts war mehr sicher.

      Aber der einzige Schutz gegen solche Maßnahmen ist tatsächlich einfach nichts zu besitzen. Bei allem anderen musst Du Angst haben, dass es Dir genommen wird. Kapitalverkehrskontrollen, Vermögenssteuern, … Vati Staat kann kreativ werden, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht.

      VG, nico

  16. Hallo Nico,

    ein toller Beitrag und ein noch geileres System was die Blonden aus Schweden uns da vormachen!!
    Wir Deutschen sind einfach gesagt zu blöd! Wir lassen uns von jedem Schwachsinnigen alles mögliche andrehen und verkaufen, aber den Politikern mal in den Arsch treten so dass sie aus ihrem verstaubten Beamtensessel stolpern und endlich mal anfangen in diesem Land für die Bürger und Beitragszahler Verantwortung zu übernehmen, das bekommen wir hier einfach nicht hin! Der Deutsche Michel halt! 🙂
    Wir müssten mal dringend einen Tsunami im Bereich Finanzdienstleistungen im Gesamten und deren Lobbyisten erleben! Vielleicht machen die Politiker dann mal Politik für die Menschen, nicht für andere Organisationen, Verbände etc..

  17. Hi Nico,

    es wäre schön, wenn sich mal der Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestages mit dem Rentensystem der Schweden auseinandersetzen könnte (wenn dieser es noch nicht getan hat). Jemand eine Idee wie man das Thema dort auf die Tagesordnung bekommt? Über OpenPetition vielleicht?

    Gruß,
    Andreas

  18. Eine ganz tolle Idee – darf man dort als deutscher EU Bürger auch investieren?
    (eine sehr viel bessere Alternative als das liebe Geld sinnlos in die deutsche Rentenversicherung einzuzahlen, oder?)

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